Wir haben es ja schon immer gewusst: Die Welt ist böse. Wir sind umgeben von monströsen Gestalten, die uns nach dem Leben trachten und von einem besonders finsteren, sehr schlecht gelaunten Oberdämon angeführt werden. Die Rede, liebe Leser, ist von Orochi.

Der ist oberster Herr des Bösen und mächtiger Gegenspieler von Amaterasu, der Wolfsheldin im japanophilen Adventure »Okami« aus dem Hause Capcom. Und weil wir natürlich von Natur aus edel, hilfreich und gut sind, ergreifen wir im Spiel die Initiative und begleiten die Wölfin durch eine dem Untergang geweihte Welt - im Gepäck unsere tödlichste Waffe: ein göttlicher Pinsel!?

Okami - Gameplay - Trailer #2Ein weiteres Video

Mach keine Geschichten
Älteren Lesern oder besonders japanophilen Naturen dürfte der Name »Okami« bekannt vorkommen, wenn auch aus anderen Zusammenhängen. Denn Okami ist das japanische Wort für »Wolf« und gleichzeitig Namensgeber für eine Mangareihe aus den 70er Jahren, die auf Englisch unter dem Namen »Lone Wolf & Cub« bekannt wurde. Mit dieser Serie hat das vorliegende Spiel allerdings nichts zu tun. Vielmehr werden hier Elemente aus japanischen Legenden und Erzählungen aufgegriffen und zu einer originellen Geschichte verwoben.

Okami - Japanisch, praktisch, gut - ein im wahrsten Sinne malerisches Spiel!

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Enttarnt: Wolf ohne Schafspelz.
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Worum es eigentlich geht, wird im Intro äußerst textlastig erklärt. Demnach wurde einst der böse Dämon Orochi, der das Dorf Kamiki bedrohte, von einem Helden namens Nagi mithilfe der Göttin Shiranui besiegt. Bei dieser Aktion hauchte die edle Göttin zwar ihr Leben aus, dafür konnte aber die dunkle Seele des Unsympathen mithilfe des Schwertes Tsukiyomi gebannt und in eine Höhle gesperrt werden. Es hätte also alles zum Besten geregelt sein können, wenn nicht 100 Jahre später irgendein namenloser Trottel die zweifelhafte Idee gehabt hätte, das Schwert aus genau jenem Stein zu ziehen, der den Eingang zur Höhle versiegelte.

Dumm gelaufen, denn auf diese Weise konnte Orochis Seele wieder ans Tageslicht gelangen und das Land in tiefe Dunkelheit hüllen. Um dem finsteren Treiben Einhalt zu gebieten, erschien deshalb die Pflanzengöttin Sakuya und erweckte die Gedenkstatue, die man Shiranui zu Ehren seinerzeit errichtet hatte, zum Leben. Damit war Amaterasu geboren, die schon genannte und vom Spieler gelenkte Wolfsgöttin, die sich auf ihre vier Pfoten macht, um dem bösen Buben und seinen Schergen ordentlich den Hintern zu versohlen.

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Mal dir `nen Wolf
Wie schon angedeutet, geht es bei »Okami« in erster Linie darum, das eigentlich wunderschöne Land von der Dunkelheit zu erlösen, in die es durch die Befreiung Orochis geraten ist. Dazu löst man als Wolfsgöttin die verschiedensten Aufgaben und besiegt nach und nach die unterschiedlichsten Gegner. Um dabei erfolgreich zu sein, muss man vor allen Dingen eines können: Malen. Die gute Amaterasu muss nämlich im Laufe der Zeit erst insgesamt 13 Pinseltechniken lernen, bevor sie gegen Orochi antreten kann.

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Herbstgefühle: Der Wolf entblättert sich.
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Die erste - das Malen eines Sonnensymbols - beherrscht sie bereits von Beginn an, da die smarte Wölfin von Hause aus eine Sonnengöttin ist. Jede weitere dieser Techniken erhält sie als Belohnung für gelöste Aufgaben. Je mehr Maltechniken sie beherrscht, desto effizienter kann sie gegen ihre Widersacher antreten. Und das funktioniert immer nach dem gleichen Prinzip: Um beispielsweise nicht von Wurfgeschossen getroffen zu werden, tuscht man einen Strich über das heranfliegende Objekt, um es zu eliminieren. Dazu öffnet man mit R1 das Malmenü, setzt mit der Viereckstaste einen Anfangspunkt und zeichnet dann mit dem linken Analogstick die gewünschte Form.

Während man zeichnet, wird die Zeit angehalten, was der ganzen Angelegenheit einen halbwegs entspannten Aspekt verpasst. Das Prinzip funktioniert auf Anhieb problemlos - wenn man denn die zur Abwehr des jeweiligen Angriffs oder zur Lösung einer bestimmten Aufgabe benötigte Form schon zeichnen kann.

Es geht jedoch beim Tuschen nicht nur darum, Gegner durchzustreichen, sondern auch die trostlose Landschaft wieder zum Leben zu erwecken, indem man bestimmte Symbole auf den Boden oder an den Himmel malert. So kann man zum Beispiel ausgedorrte Bäume, die einst als Wächter des Guten fungierten und durch Orochis üble Machenschaften zu kleinen Fieslingen mutierten, wieder zur hellen Seite der Macht bekehren. Das funktioniert freilich erst dann, wenn man das Gekröse, mit dem die bösen Bäumchen unsere süße Wolfsgöttin bewerfen, mithilfe eines gezeichneten Symbols zurückgeschleudert hat. Die anschließende vorübergehende Lähmung der Bäume nutzt man eiskalt aus, um sie mit einem weiteren getuschten Zeichen wieder zum Blühen zu bringen. Da lacht das Herz eines jeden Waldorfschülers, und Naturliebhaber applaudieren, während sich besorgte Eltern beruhigt zurücklehnen. Merke: Wer Bäume zum Blühen bringt, der tötet keine Mitschüler.

Überbiss
Wenn man Amaterasu nicht gerade mit kalligrafischen Tricks aus der Patsche hilft, lässt man die weiße Wölfin durch die wunderschön getuschte Landschaft galoppieren und kleinere Jobs erledigen oder Gegner mit ihren scharfen Reißzähnen und Klauen attackieren. Daneben benutzt sie auch »konventionelle« Waffen, mit denen sie Gegner sturmreif schießt, bevor sie mit Tusche traktiert werden können. Das ist wichtig, da die kalligrafischen Fähigkeiten allein nicht ausreichen, Mieslinge platt zu machen. So kann Amaterasu beispielsweise mit einer Art Schild zunächst auf Gegner einhauen, bis dieser geschwächt ist, bevor sie zum Pinsel greift.

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Trotz Laserschwert offensichtlich nicht Star Wars...
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Und wenn man gerade mal nicht so genau weiß, was als Nächstes am sinnvollsten zu tun ist, lauscht man einfach - einer wandernden Laus die auf den Namen Issun hört. Die Bezeichnung »Laus« hört das Miniinsekt allerdings gar nicht gern, es bezeichnet sich lieber als wandernder Künstler. Das nur am Rande bemerkt. Ähnlich wie Zelda hat Amaterasu nämlich eine kleine gute Fee, die ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Das ist oftmals hilfreich, manchmal allerdings auch sehr nervig, da das winzige Insekt nämlich zu allem und jedem seinen Kommentar abgibt - Navi lässt grüßen!

Besonders zu Anfang ist die Laus durchaus praktisch, denn sie hilft beim schnellen Erlernen der Steuerung. Die ist zwar recht komplex, aber auch sehr übersichtlich gehalten, so dass sich auch räudige Anfänger wie der Autor dieser Zeilen schon nach kurzer Zeit zurechtfinden. Gelenkt wird mit dem linken Analogstick, ein Druck auf die Dreieckstaste lässt die Wölfin im Boden graben, mit dem Vierecksbutton zertrümmert man Gegenstände, und X lässt Freundin Wolf hüpfen. Und wenn's mit der Übersicht mal hapert - Die L2-Taste schafft Abhilfe, indem sie die aktuelle Map einblendet. Außerdem kann man mit L1 zoomen, um sich im Getümmel mehr Übersicht zu verschaffen.

Mit der Kreistaste kann man jederzeit seinen Status abrufen, wobei die Wölfin lustig bellt, bevor die Informationen eingeblendet werden. Das ist besonders im Kampf wichtig, da man beim Tuschen von Symbolen Tinte verbraucht und der noch verfügbare Vorrat angezeigt wird. Umsonst gibt's halt nichts im Leben. Die Tinte füllt sich zwar langsam wieder auf, bei Auseinandersetzungen ist der Verbrauch jedoch meist deutlich höher als die Regenerationsrate. Man sollte seine kalligrafischen Talente daher im Spiel mit Bedacht einsetzen. Ansonsten bleibt der Bildschirm unbemalt und die Wölfin fängt sich Haue.

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Endlich gefunden: der Purple Rain, von dem Prince immer singt...
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Apropos Haue: Trifft Amaterasu auf ihrem Weg auf Schergen des Oberdämons, wird sie nicht zwangsläufig in Kämpfe verwickelt, sondern kann diesen auch aus dem Weg gehen. Entscheidet man sich jedoch dafür, den bösen Buben auf die Finger - oder was auch immer man dafür hält - zu hauen, bildet sich eine Art Kampfarena. Danach werden jedoch keine Zufallskämpfe ausgetragen, sondern die eigene Kampftechnik und Taktik entscheiden über Wohl oder Wehe der Wölfin.

Gewinnt man die Kloppereien, hagelt es Glückspunkte, die wiederum benötigt werden, um die Fähigkeiten der Heldin zu verbessern. Doch Kampf ist nicht die einzige Methode, sich seine Talerchen zu verdienen. Auch friedliche Naturen kommen hier zum Zuge, denn die begehrten goldenen Teile kann Amaterasu auch erwerben, indem sie Gutes tut. So kann sie andere Tiere füttern, Bäume zum Blühen bringen oder Kleeblätter finden. Und das alles ganz ohne Gewalt.

Aufgabenteilung
Neben den Kämpfen stehen auch diverse Aufgaben auf der To-Do-Liste der kleinen Fellgöttin. Manche Bewohner benötigen Material für ihre Arbeit, einige fahnden nach ihren verloren gegangenen Haustieren, und wieder andere schicken Wölfchen auf die Suche nach Sake oder ähnlichem. Einige dieser Aufgaben sind Nebenquests, die für ein Vorankommen innerhalb der Haupthandlung nicht nötig sind, sondern nur Belohnungen nach sich ziehen. Andere hingegen bringen die Geschichte voran und müssen deshalb unbedingt gelöst werden.

Darunter sind auch einige recht heftige Kopfnüsse, die entweder viel Geschick oder Grips oder beides erfordern. So muss Amaterasu beispielsweise innerhalb einer gewissen Zeit diverse Rettiche ausbuddeln, ohne dabei von einer wütenden Verfolgerin - der Besitzerin des Gemüses - verhauen zu werden. Schafft sie dies nicht rechtzeitig, ist ein neuer Versuch angesagt. Das kann, je nach persönlicher Eignung des Spielers, mehr oder weniger Verdruss und angebissene Controller nach sich ziehen. Einige Rätsel sind auch, zumindest nach europäischen Maßstäben, nicht unbedingt als logisch anzusehen, dafür aber oftmals herrlich schräg.

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Okami bietet eine wahrlich bunte Mischung.
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Mehr als 100 Geheimnisse und Gegenstände warten übrigens darauf, im Laufe des Spiels entdeckt zu werden. Da lacht nicht nur das Sammlerherz, sondern natürlich bringt auch jedes gefundene Item Glückspunkte mit sich. Überdies motiviert die Suche nach Schätzen kräftig zum Weiterzocken, da sich wohl kaum jemand dem "Nur-dieses-eine-Schätzchen-noch-finden"-Phänomen entziehen kann. Einzig die Übersetzung der Texte ins Deutsche lässt manches Mal aufgrund einiger Rechtschreibfehler zu wünschen übrig. Da es keine Sprachausgabe gibt, muss man sich durch teilweise sehr umfängliche Textwüsten klicken.

Das bremst insbesondere zu Beginn den Spielfluss, da man in den ersten Abschnitten mit vielen Erklärungen und Dialogen überschüttet wird. Im weiteren Spielverlauf fällt das enorme Mitteilungsbedürfnis des Spiels allerdings nicht mehr so stark ins Gewicht, da sich zum einen Erklärungen wiederholen und man diese einfach abbrechen kann und man sich zum anderen zunehmend besser in der Welt von Amaterasu zurechtfindet.

Weniger erfreulich ist hingegen das von Titeln wie »Zelda« hinlänglich bekannte Phantasiegeschwafel der Charaktere, um das man leider auch in »Okami« nicht herumkommt. Hartgesottene Fans und Nintendo-Jünger dürfte das allerdings weniger stören, und der Fairness halber soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass sich das Gebrabbel zumindest nicht in erhöhter Lautstärke in die Ohrwindungen des Spielers brennt.

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Das Gleiche in Grün: der ewige Kampf zwischen Gut und Böse.
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Dem Spielspaß und dem künstlerischen Augenfutter, das »Okami« zu bieten hat, tun die akustischen Belastungen jedoch keinen Abbruch. Wer kurz vor dem - hoffentlichen - Erscheinungstermin der PS 3 noch gutes Futter für Sonys alten Liebling sucht und zudem originelle Spielideen mag, sollte sich »Okami« unbedingt anschauen. Und eingefleischte Manga-Fans greifen ohnehin unbesehen zu, denn das Spiel hat einen entscheidenden Kaufanreiz zu bieten - es ist japanisch, durch und durch.