Die Meldung des Tages, vielleicht sogar der Woche, ist aus dem Sack: Der Unternehmensriese Facebook hat für rund 2 Milliarden Dollar die Firma Oculus VR aufgekauft, die aktuell am ambitionierten Virtual Reality-Headset Oculus Rift arbeitet. Das Internet reagiert mit Wutschnauben und in Großbuchstaben formulierten Ankündigungen, dass nun Oculus Rift und überhaupt das Konzept der virtuellen Realität für sie gestorben sei. Facebook-Timelines werden von bedenklichen Voraussagen über die nun tiefschwarze Zukunft des visionären Entwicklerteams unter der Führung von Palmer Luckey überflutet – und nur wenige, viel zu wenige weisen auf die Vorteile des Milliardendeals hin. Facebook kauft Oculus Rift: Gefällt mir!

Bereits vor einigen Tagen wurden die Konzernstrategien von Facebook heiß diskutiert: Durch den Aufkauf des Messengers WhatsApp geriet das soziale Netzwerk in starke Kritik. Die Vorwürfe drehten sich rund um mangelnde Datensicherheit, fehlende Privatsphäre und die Angst, dass Facebook nun Millionen neuer Kontaktdaten kommerziell nutzen könnte. Nur wenige hörten die Stimmen der Vernunft, die daran erinnerten, dass WhatsApp schon seit seiner Gründung zu den unsichersten Messengerprogrammen gehörte: Offen wie ein aufgetretenes Scheunentor hatten weitaus dubiosere Firmen als Facebook offensichtlich Zugriff auf unsere Gesprächsverläufe und Handynummern. Doch diese Wahrheit blendete die digitale Konsumentenmasse aus und wechselte zu vermeintlich sicheren Diensten. Doch weiterhin steigende Nutzerzahlen bei WhatsApp zeigen: Diese Flucht in das gelobte Land der programmierten Datensicherheit war vielmehr ein moralischer Exodus, der in der Realität so nie stattgefunden hat oder stattfinden wird.

Nun hat Facebook erneut zugeschlagen und sich an den Kronjuwelen der Spielergemeinschaft vergriffen: Mit dem Aufkauf von Oculus Rift fühlen sich viele, die im Geiste bereits leibhaftig durch die Steppen eines Fallout 5 oder über eisige Felder von The Elder Scrolls gewandert sind, vor den Kopf gestoßen und dieser Fantasie beraubt: Da der allgemeine Tonus suggeriert, dass es sich bei Zuckerbergs Netzwerkgiganten um das Böse schlechthin handelt, kann das auch nur Schlimmstes für Oculus Rift bedeuten, oder? Hier irrt die Netzgemeinschaft gewaltig und selbst bekannte Entwicklerköpfe wie Markus Persson, Erfinder von Minecraft, machen wegen eines schlechten Bauchgefühls einen Rückzieher.

Fragen wir doch einfach mal mit unmittelbar betroffenen. Auf der Homepage von Oculus VR kommentieren die führenden Köpfe des Projekts den Aufkauf durch Facebook mit folgenden Worten:

Oculus Rift - Facebook kauft Oculus Rift: Aus der Traum von virtueller Realität?

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Quelle: http://www.oculusvr.com/blog/oculus-joins-facebook/
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Oh, „we want to contribute to a more open, connected world“? Moment mal, wie kann es sein, dass die Nerds mit den Oculus Rift Devkits in ihren Garagen plötzlich gar nicht mehr für uns Gamer entwickeln wollen?

Weil das nie der Plan war.

Der Erfinder und innovative Speerspitze des Projekts, Palmer Luckey, übernahm die bestehende Technologie der virtuellen Realität aus dem Militär und entwickelte sie für „zivile Anwendungen und Programme“ weiter. Als größten Spielplatz für seine Ideen boten sich Videospiele natürlicherweise an. Doch Luckey betonte immer, dass die Etablierung der virtuellen Realität als neue technologische Stufe im Vordergrund stünde und er nicht nur die Gaming-Community erreichen wolle.

Der Aufkauf durch Facebook stellt damit ein großer Schritt nach vorne für das kleine Team dar, das ihren Weg einst auf Kickstarter begann. Durch die Zusammenarbeit mit Facebook erhalten sie Zugriff auf mehr Ressourcen, mehr finanzielle Mittel und mehr Marketing-Möglichkeiten. Zudem betonte Zuckerberg, dass das Team rund um die Oculus Rift souverän und eigenständig arbeiten werde: Ja, Stirnrunzeln und Kritik ohne Grundlage gehört zum Knigge des Internets, aber wagen wir doch mal etwas neues, verrückte und glauben Herrn Zuckerberg. Irrsinnig, oder?

Oculus Rift - Facebook kauft Oculus Rift: Aus der Traum von virtueller Realität?

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Wegen eines komischen Bauchgefühls wird es kein Minecraft für Oculus geben - oder?
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Es kann viel spekuliert werden, auf welchem Weg Facebook in der fertigen Oculus Rift – Brille vertreten sein wird: Ob die digitale Zukunft nun von transparenten Like-Buttons, nutzerspezifischer Werbung in 3D oder Farmville-Apps in Echtzeit beherrscht sein wird, oder es doch zur dezenten Verknüpfung von virtueller Realität mit dem sozialen Netzwerk kommt, muss abgewartet werden. Fest steht: Mit der Zusammenarbeit zwischen Facebook und Oculus Rift wird der Weg für virtuelle Realität in den Mainstream geebnet - und das ist gut so!

Gänzlich falsch wäre es aber, virtuelle Realität als solche und Oculus Rift im Speziellen von der Wunschliste zu streichen. Dafür ist das Projekt und Vorhaben viel zu spannend und könnte Türen öffnen, an denen die Next-Gen-Konsolen bisher gescheitert sind: Nämlich etwas wirklich Neues zu schaffen. Schließlich arbeitet auch Sony aktuell an einem ganz eigenen Projekt der virtuellen Realität: Mit Project Morpheus möchte man dediziert den Gaming Bereich erreichen, die Entwicklung schreitet in großen Schritten voran. Den Spielern gefällt das – und mir auch.