Wo andere noch darüber diskutieren, ob Xbox One oder die PlayStation 4 für das bessere Spielerlebnis sorgen, hat Nvidia sich schon längst entschieden: dem Gaming-PC gehört die Krone. Maximale Grafik, die höchste Auflösung, die neusten Spiele – Nvidia wollte mit dem GAME-24-Event die Spieler, die Spiele und sich selbst zelebrieren, um die aktuellste Neuigkeit auf dem Grafikkartenmarkt – die Geforce GTX 980 und die 970 – zu bewerben.

Über den Inhalt des Events an sich müssen wir nicht mehr viele Worte verlieren, schließlich soll hier alles in Richtung Zukunft und nicht in die Vergangenheit gehen. Für eine kurze Zusammenfassung, was geschehen ist und was Nvidia sich alles ausgedacht hat, um seine Fans zu begeistern und neue zu gewinnen, könnt ihr euch hier unsere News zum Thema durchlesen. Viel interessanter ist hingegen, welchen technischen und grafischen Vorsprung Nvidia mit den neuen Grafikchips erreicht und was wir als Spieler davon und den Plänen des Unternehmens in den Bereichen Streaming und mobile Geräte erwarten können.

Geforce GTX 970 & 980

Das erste, was mir bei meiner Recherche und dem Hands-on mit den neuen Grafikchips auffiel, ist, dass Nvidia diesmal nicht mit der Holzhammermethode Kleinholz aus AMD gemacht hat, wie es früher so oft der Fall war. Die neuen Karten sind leistungstechnisch kein riesiger Sprung, sondern überzeugen vor allem durch eine deutlich fortschrittlichere Architektur namens Maxwell, die etwas mehr Leistung mit einem wesentlich geringeren Stromverbrauch verbindet. Durchaus ein Schritt in die richtige Richtung.

Nvidias GAME-24-Event - Was geht da vor, Nvidia?

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Für den Arcade-Racer The Crew braucht man zwar kein Lenkrad, Spaß macht's dennoch.
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Natürlich wird es in absehbarer Zeit wieder eine riesige Karte wie die Titan geben, mit der Nvidia seine Dominanz ausbauen will, aber die Tatsache, dass mit viel Eifer an stromsparenden Techniken gearbeitet wird, gefällt mir. Dabei geht es viel weniger um den Desktopmarkt als den mobilen Sektor. Weniger Strom heißt mehr Akkulaufzeit und das bedeutet mehr Spielzeit mit grafisch anspruchsvollen Spielen. Was wir da von Nvidia erwarten können und ob sich das lohnt, erfahrt ihr später im Text.

Von Luciano Alibrandi, Director of Corporate Marketing von Nvidia in Paris, erfuhr ich übrigens, dass natürlich eine große Überraschung in Sachen Leistung geplant ist, er über diese leider aber noch nicht sprechen darf. 20 Flaschen Bier, so Alibrandi, hätte es gebraucht, um seine Zunge zu lösen. Dafür hatte ich dann leider nicht genug Hände frei. Tut mir Leid, liebe Leser.

Ob man sich nun trotzdem von seiner alten Grafikkarte verabschieden möchte, um 350 Euro oder sogar 540 Scheine für eine neue auszugeben, ist natürlich jedem selbst überlassen. Interessant ist dabei, dass sich die GTX 970 nur kaum von der Leistung ihrer großen Schwester unterscheidet, aber gute 200 Euro weniger kostet.

Auf dem GAME 24 in London hat Nvidia neben ein paar eher nicht so leistungshungrigen Spielen wie Gauntlet oder The Crew auch ein paar Titel und Tech-Demos vorgestellt, um die Spezialitäten der neuen Chips zu präsentieren. Wirklich beeindruckt war davon wenig, wenn auch die Beleuchtungssimulation auf Voxel-Basis echt cool aussieht und in Zukunft für deutlich realistischere Bilder sorgen könnte. Neben dieser „VXGI“ getauften Technik kommen mit Maxwell noch das MFAA, eine Technik zur leistungsschonenden Kantenglättung und Dynamic Super Resolution (kurz DSR), das Bilder in 4K berechnet und diese dann auf eure wirkliche Auflösung runterskaliert.

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Für das Oculus-Erlebnis mussten die Besucher in London lange anstehen.
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Dies ist zwar kaum leistungsschonend, steigert aber die Bildqualität deutlich. Nvidia ist hier besonders stolz auf den Filter, der das Bild besonders detailreich und schön runterrechnet. Tests werden bestimmen müssen, ob diese Technik dem Supersampling von Spielen wie The Witcher 2 oder Battlefield 4 überlegen ist, das auf demselben Prinzip basiert. Generell ist diese Art der Über-Berechnung aber schon sehr interessant, da die Bildqualität deutlich gesteigert werden kann. Ein Project Cars in 4K-Auflösung ist ebenfalls beeindruckend. Wenn man dann aber die drei Grafikkarten sieht, die dieses berechnen, macht sich schnell Ernüchterung breit.

Auch im Bereich der virtuellen Realität möchte Nvidia selbstredend ordentlich mitmischen und präsentierte in London ein Oculus-Rift-System auf dem der Shooterableger Valkyrie von Eve Online lief. Mit der Brille auf dem Kopf, guten Kopfhörern und einem flotten Rechner wurde aus dem kurzen Weltraumgefecht ein richtiges Erlebnis. Kein Wunder, dass vor dieser Spielestation eine Schlange durch die ganze Veranstaltungshalle verlief. Mit Recht, will man meinen, denn wer einmal im Cockpit saß, sich die Weiten des Weltalls ansah und dann das Feuer auf die Feindschiffe aufnahm, will nie wieder anders gegen Aliens und anderes Gesocks kämpfen.

Sollten Oculus und Co. mit vernünftiger Auflösung, flüssigem Bildmaterial und guter Software auf den Markt kommen, bin ich sicher nicht der einzige, der sich mit lautem Jubel in die virtuelle Realität stürzt. Nvidia stellt dafür schon jetzt die passenden Treiber zur Verfügung, um die eigenen Grafikkarten auf das Erlebnis vorzubereiten. Fraglich bleibt allerdings, wie viel Leistung wir wirklich brauchen, wenn die kleinen Zauberbrillen marktreif sind und unsere Rechner zwei Bilder gleichzeitig berechnen müssen.

Stream it like it's CoD!

Auch wenn Nvidia mit dem GAME 24 vor allem die neuen Grafikchips bewerben wollte, bin ich persönlich auf ganz andere Produkte des Hardwareriesen gespannt. Das Shield Tablet in Kombination mit einem saftigen Spiele-PC ist mehr oder weniger die lokale Streaminghoffnung für jeden, der seine Spiele gerne nicht auf dem großen Bildschirm, sondern auf dem Handheld spielen möchte. Sagen wir mal im Bett oder im Nebenraum, wenn im Wohnzimmer die Glotze läuft. Ich hab selbst viel Zeit mit dem ersten Shield verbracht und konnte viel Potential, aber auch viele Mängel, denen sich Nvidia noch widmen muss erfahren.

Vor Ort gab es nur Shields mit fest installierten Spielen – kein Streaming oder ähnliches. Dies hätte ohnehin wenig Sinn gemacht. Dennoch konnte ich mit ein paar Köpfen von Nvidia über Shield und das generelle Interesse im Bereich Mobile und Streaming sprechen. Mich interessierte dabei vor allem, wie man mit den vielen kleinen Stolpersteinen, z.B. der Tatsache, dass ein überdurchschnittlich guter Router gebraucht wird, um flüssig vom PC aufs Tablet streamen zu können, umgehen will.

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Das Shield Tablet kann mit einem externen Controller gesteuert werden.
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Luciano Alibrandi antworte darauf vor allem mit einer gewissen Vorreiterolle, die sich Nvidia im Hardwarebereich erarbeiten möchte. Es ginge darum, wie schon damals mit CUDA neue Wege zu gehen, die dazu führen, dass sich Spieler und Hersteller diesen Trends anpassen. Ich bin dennoch gespannt, wie Nvidia dieses und andere Probleme von Shield lösen möchte. Neben der hohen Latenz bei Verwendung eines schlechten Routers, die mehr als verständlich ist, erweist sich vor allem das Starten und Beenden von Spielen als sehr kompliziert. Zeitweise war dies nicht über das Tablet möglich, was dessen Nutzen etwas ad absurdum führte. Zudem möchte ich auf dem PC neben dem Streaming noch weitere Anwendungen nutzen können, die weniger Leistung brauchen.

Nvidias GAME-24-Event - Bilder vom GAME 24 Event in London

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Das Streamen von Spielen über das Internet wird bei Nvidia übrigens auch angegangen. GRID nennt sich die Technik, mit der ihr, solltet ihr einer der glücklichen Tester in Kalifornien sein, Spiele über das Internet streamen könnt. Doch nicht nur Nvidia arbeitet an solch einer Technik, auch andere große Hersteller wie etwa Sony mit seinem Playstation Now bieten bereits Betaversionen an. Hier ist besonders die Preisfrage spannend. Wird es nun endlich richtige Spieleabos geben oder müssen wir für Spielzeit bezahlen?

Was das Shield Tablet anbelangt, bin ich tatsächlich eher geneigt, dem All-in-One-Design des ersten Models zuzusagen. Die Kombinationslösung aus Tablet und externem Controller erscheint mir noch nicht wirklich sinnvoll, selbst wenn man beides über eine Halterung verbinden kann. Hier fehlt der Komfort eines Handheld. Neben modernen Spielen, die vom Computer gestreamt werden und den Androidspielen aus dem Play Store sind Emulatoren von alten Konsolen ein guter Weg, das Shield zu nutzen.

Hier macht ebenfalls das Design des ersten Shield mehr Sinn, da ich mich ganz entspannt in der Bahn oder im Bett aufhalten und zocken kann, ohne mein Tablet irgendwo abzustellen. Auch nachbessern muss Nvidia die Art und Weise, wie Anzeigen im Spiel dargestellt werden, da man diese auf dem kleinen Bildschirm des Shield manchmal kaum erkennt. Generell kann man aber sehr gespannt sein, wie weit sich Gaming noch von dicken Kästen mit viel Power und hin zu leichten mobilen Geräten bewegen wird.

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Scott Herkelmann verschenkt Hardware auf der Bühne in London.
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Für Konsoleros hat Nvidia übrigens nur ein paar motivierende Worte über. Der ziemlich sympathische Scott Herkelmann, General Manager of Geforce beim Unternehmen, antwortete auf meine Frage, warum sich Spieler einen PC und keine Xbox One oder PS4 kaufen sollten, mit:

“That´s not even a question! A console?! If you want the best high resolution immersiv gaming experience, I think most people know you have to buy a PC. It´s upgradable, you´re not stuck with the same plattform year after year. Any new technology that comes out, it usually comes out on the PC first.”

Das ganze Interview mit Scott Herkelmann, in dem er unter anderem über die Reaktion seiner Eltern auf sein Hobby Videospiele spricht, lest ihr bald auf gamona.de