Schon ein einzelnes Exemplar der brandneuen Geforce-GTX-Titan-Grafikkarten aus dem Hause Nvidia hätte unsere redaktionsinternen Hardwarefreaks in Verzückung gebracht. Ticken aber gleich drei davon in einem Gehäuse, macht sogar der Chef Überstunden. Bei den Griechen kämpften Titanen gegeneinander, in unserem Monster-PC arbeiten sie Hand in Hand.

Kaum ein Windchen erreicht unsere Ohren, obwohl mehrere Gehäuselüfter Vollgas geben. Das Ungeheuer surrt so friedlich, ja beinahe stumm, als wolle es seine unbändigen Kräfte verstecken. Ein Wolf im Schafspelz, denn diesen PC einzuschalten ist für Normalsterbliche ein überaus bemerkenswertes Erlebnis.

Der Vergleich mit einem Ferrari liegt nahe. Extravagante Leistung, viel Prestige, hoher Preis. Nicht nur weil die Kiste mit allem Drum und Dran ein Loch von rund 5000 Euro ins Konto schneidet. In einigermaßen verantwortungsbewussten Verbrauchern steigt der Zweifel an der Wirtschaftlichkeit spätestens beim Blick auf den Stromzähler. Wir zuckten innerlich zusammen, als ob dieser „Ferrari“ kleine Kätzchen tanke.

In Zahlen und Namen bedeutet das: Drei Grafikkarten der Marke Geforce GTX Titan 3-Way sitzen im SLI-Verbund auf einem Asus-P9X79-Deluxe-Motherboard. Unter dem Kommando einer Intel-Core-i7-73930-CPU greifen sie auf 16 Gigabyte DDR3-Arbeitsspeicher zu (1600 MHz). Mit einem 1500-Watt-Netzteil kein Problem. Rechnerisch dürfte da sogar noch ein wenig Spielraum sein.

Geforce Titan Monster-PC - Pakt der Titanen: Ist der echt? Darf ich mal anfassen?

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Da ist das Teil. Sauschnell, aber auch sauviel teurer als ein kompletter Rechner - der ebenfalls für aktuelle Spiele genügt.
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Unabhängig davon saugen drei 23-Zoll-Monitore jeweils 44 Watt. Man rechnet beim Einschalten instinktiv mit flackerndem Raumlicht. Aber was soll's, dann steigt gamona wenigstens in der Gunst des hiesigen Stromanbieters.

Sind die eingangs beklemmenden Schuldgefühle überwunden, bleibt nur noch Ehrfurcht. Einige von uns sind noch mit Computern aufgewachsen, bei denen man im Prozessortakt klatschen konnte. Dieser Monster-PC, den uns Nvidia freundlicherweise passend zur Veröffentlichung des Grafikknallers Crysis 3 zur Verfügung stellte, ist dagegen so was von „Cutting Edge“, dass manch einem die Luft wegbleibt. Ist das noch ein Privatrechner oder schon eine Workstation?

Ein Blick auf das Motherboard genügt. Acht Quad-Channel-Slots für bis zu 128 Gigabyte Arbeitsspeicher, ein digital/analoger Spannungscontroller für stabileres Übertakten, mehrere dicke Kühlungseinheiten und 48 PCI-Express-Datenspuren. Das sind immerhin acht mehr als bei der letzten Generation der Hauptplatinen.

Die Steigerung bringt aber nur Vorteile für die Flexibilität in der Steckkarten-Ausnutzung. Zwei einfache und ein achtfacher PCI-Express-Bus werden bei unserer Konfiguration verdeckt. Gemäß des Platinen-Layouts laufen die Stars dieses Ensembles – unsere drei Grafikkarten – im 16x-8x-16x-Modus. Ergibt nach Adam Riese nur 40 Lanes. Macht nichts, reicht immer noch zum Staunen.

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Selbst das fast sechs Jahre alte Crysis 1 ist noch ein wunderbarer Benchmark für aktuelle Rechner.
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Nvidias Grafikeinheiten tragen ihren Namen nämlich nicht umsonst. Sie nutzen einerseits gigantische sechs Gigabyte GDDR5-Videospeicher, andererseits eine GK110-GPU. Diesen Chip aus der Kepler-Baureihe fand man bisher nur auf Profikarten des Typs Tesla K20 – und eben solche nutzt „Titan“, der offiziell schnellste Computer der Welt. Ein Video sagt mehr als tausend Worte.

Zum Vergleich: Titan ist zwar nicht ganz so leistungsfähig wie eine Geforce GTX 690, die mit ihren beiden Kepler-Chips locker über 300 Watt verbrät. Titan bringt aber ein ähnliches Kampfgewicht mit wesentlich weniger Saft auf die Waage. Wie eingangs erwähnt sind es „nur“ 250 Watt. Das entschärft unsere Stromzähler-Anekdote ein wenig, denn im Single-Chip-Segment gibt es kein vergleichbares Modell. Selbst die Single-Chip-Konkurrenz von Ati kommt nicht an diese Leistungsdaten heran.

Von Crysis 3 umrundet

Nun aber genug der Ehrfurcht. Jetzt wird gespielt! Drei Grafikkarten, drei Monitore. Ein System, geschaffen für eine Demonstration der SLI-Fähigkeiten. Das sogenannte Scalable-Link-Interface (skalierbare Verbindungs-Schnittstelle) ist ein von Nvidia verwendeter Standard für das Abgleichen mehrerer Grafikchips, der die synchrone Verwendung von bis zu vier Bildschirmen ermöglicht. Na, so ein Zufall, dass Crysis 3 diesen Modus unterstützt.

In unserem Fall gibt jede Grafikkarte das Bild eines Monitors über HDMI aus, was die Darstellungsfläche auf 6000 x 1080 Pixel in die Breite streckt. In Spielen wie Crysis 3, die diesen Grafikmodus unterstützen, rendern die drei Polygonschleudern kein glattes Breitbild wie bei einer extra langen Kinoleinwand. Stattdessen generieren sie eine Rundumsicht mit einem zentralen Bildschirm und zwei angewinkelten Screens, die man nicht vollständig wahrnimmt. Auf den äußeren Screens wird die Darstellung dem Winkel entsprechend verzerrt, um eine augenähnliche Linse vorzutäuschen. Das resultiert in einer gewissen Tiefenwirkung und bedient das komplette menschliche Blickfeld in der Breite.

Spielgefühl? Der Hammer! In Verbindung mit einer Raumklanganlage oder guten Kopfhörern das womöglich intensivste denkbare Shooter-Erlebnis. Umrundende Regen- und Lichteffekte intensivieren das Eintauchen in die digitale Welt augenblicklich, stellen aber auch vor neue Herausforderungen. Aus dem Augenwinkel heraus Feinde zu erkennen ist gar nicht mal so leicht.

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Crysis 3 hat im ersten Level so seine Probleme. Vor allem was die Berechnungen in Sachen Physik betrifft. Hier kommt selbst der prollige Dreikartenrechner ins Schleudern.
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Wer damit Probleme hat, kann den Winkel der anderen beiden Bildschirme auch stumpfer einstellen, aber ob das Sinn ergibt, bleibt zu bezweifeln. Den richtigen Kick gibt es erst, wenn alle drei Monitore auf einmal erfasst werden.

Die richtige Einstellung für den persönlichen Spielgenuss herauszufummeln dauert ein Weilchen. In der ersten Stunde dreht man nicht nur ständig an den Monitoren herum, um einen brauchbaren Winkel für sie zu finden, sondern verfällt obendrein in die Versuchung, zur Erfassung der Umwelt den Kopf zu drehen. Je nach Wahrnehmung und Spielgewohnheit adaptieren Anwender die Rundum-Visualisierung unterschiedlich schnell als natürliche Erweiterung des Blickfelds.

Ein faszinierender Spaß, aber nicht ohne Macken. Nvidias hochgelobtes SLI steuert die drei Karten in der Regel einwandfrei, aber es gibt durchaus asynchrone Momente, in denen eines der drei Bilder einen Wimpernschlag später reagiert. An den Monitoren liegt es nicht. Wir verwenden drei gleiche Modelle über HDMI.

Die allgemeine Performance des hochgelobten Monster-PCs fällt ebenfalls ein wenig unter unseren Erwartungen aus, was womöglich eine schlichte Fehleinschätzung darstellt. Ganz ehrlich: Keiner von uns betreibt privat einen ähnlichen Rechner. Wir sind schon froh, Crysis 3 in brauchbarer Qualität auf einem einzelnen Monitor spielen zu können. Wir dachten, so ein Geforce-GTX-Titan-Gespann bekäme diesen Grafikhammer in den höchsten Einstellungen gebacken.

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Die Stacheln des Drachen wurden nicht ausmodelliert. Dank Tessellation errechnen moderne Grafikkarten deren Höhe anhand einer Displacement-Map - ein Kinderspiel für die Geforce GTX Titan.
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Geht schon, wenn man im ersten Level auf eine einigermaßen stabile Framerate jenseits der 30 Bilder verzichtet. Zugunsten der angenehmen Rundumsicht ist es aber ratsam, gewisse Grafikeinstellungen herunterzudrehen. Woran es genau hakt, ist schwer zu sagen, aber der Rechner dürfte am Limit zappeln. Schon die Ladezeiten liegen jenseits von Gut und Böse – der Apparat schaufelt und schaufelt, als gäbe es kein Morgen. Zudem ist anzunehmen, dass die breite Arbeitsfläche mit 6000 Pixeln dem Speicher aller drei Karten zulasten fällt. Zumindest im ersten Level. Spätere Spielstufen gaben sich gutmütiger und liefen sogar spielbar flüssig. Offenbar pumpt Crysis 3 im ersten Level Unmengen an Daten auf die Karte, die sie ins Trudeln bringen.

Halb so wild, wir sprechen immerhin von Crysis 3, einem absoluten Ausnahmefall. Handfeste Werte auszulesen wäre obendrein ungerecht. Ohne optimierte Treiber ist jeder Benchmark ohne Wert.

Dagegen scheint die Darstellungsqualität und der Umgang mit rechenintensiven Effekten über alle Zweifel erhaben. Selbst Tessellation, also die Aufteilung von Polygonen zur Strukturierung über Höhenwerte sogenannter Displacement-Maps, schüttelt Geforce GTX Titan mit Leichtigkeit aus dem Ärmel, wie ein Blick auf den „Heaven“-Benchmark beweist.

Prestige für Gutbetuchte

Keine Frage, ein Modell wie Geforce GTX Titan ist nicht für den Otto-Normal-Anwender gedacht. Das impliziert bereits der Preis von rund 1000 Euro. Wer in diesen Preisregionen Grafikkarten kauft, schert sich auch nicht um Stromverbrauch oder die Anschaffungskosten aller anderen PC-Komponenten, die der Mörderkarte erst eine entsprechende Grundlage bieten.

Dennoch ist Wirtschaftlichkeit in dieser Preisklasse ein interessantes Thema, denn in dieser Leistungsklasse geht es weniger um das Durchbrechen von Grenzen als um Prestige und Marktstellung. Für Nvidia stellt Titan eine Antwort auf ATIs Single-Chip-Lösungen dar, deren Rechenleistung bislang höher war als etwa bei der Geforce GTX 680.

Ein echter technischer Fortschritt abseits der gesteigerten Effizienz fehlt jedoch, was am Anschaffungswert zweifeln lässt. Der Grafikkartenmarkt ist schnelllebig, das heißt, in ein paar Monaten könnte dieses Modell bereits in ähnlicher Form ein Budget-Spin-off für Normalanwender beerben. Mit den üblichen Einschränkungen selbstverständlich. Also „nur“ mit einem 256 oder 192 Bit breiten Datenbus statt 384 Bit wie in der Hochleistungsfassung. Womöglich auch mit weniger Speicher für den Frame-Buffer. Die Leistungseinbußen wären angesichts der Effizienz der GK110-GPU jedoch überschaubar. Drei Gigabyte Videospeicher sind derzeit angesagt und werden noch eine ganze Weile ausreichen.

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Somit beschränkt sich der nutzbare Anwendungsbereich dieser Karte auf den etwas genügsamer haushaltenden Multi-Monitor-Betrieb und speicherfressende Stereoskopie. Hier punktet die Karte sogar haushoch, da sie in Auflösungen jenseits der standardmäßigen 1920 x 1080 erst richtig warm wird. Wofür sollte der riesige Speicher sonst da sein?

Soll euer Rechner eines der beiden Features bis zum Anschlag ausreizen, dürfte die Geforce GTX Titan zur ersten Wahl gehören. Mehr Leistung bietet kein anderes Modell. Wenn nicht, könnte sich ein wenig Geduld vor der Anschaffung auszahlen. Rechenintensive Spiele mit heftigen DX11-Effekten wie Far Cry 3, Crysis 3 und Battlefield sind nicht erst seit gestern Megaseller, und die PC-Spiele-Industrie täte nicht schlecht daran, stärker auf Effizienz und Optimierung vorhandener Technologien zu setzen.

Super-Chip aus dem stärksten Rechner der Welt hin, DX-11-Edelgrafik her, man kann mit weniger Brimborium genau denselben Spaß haben. Nicht vergessen, es geht hier nur um eine Unterhaltungsindustrie. Zeit totschlagen auf hohem Niveau.

Fazit

Am Erlebniswert dieses PCs besteht kein Zweifel. Crysis 3 in Rundumsicht auf drei Bildschirmen, also volle Effektgewalt bis in die letzten Augenwinkel. So etwas vergisst man nicht so schnell. Die drei verbauten Geforce-GTX-Titan-Karten verrichten tadellos ihren Dienst, schlucken vergleichsweise wenig Strom und sind zudem flüsterleise.

Ein echtes Leistung-pro-Watt-Wunder, das dank seines exorbitanten GDDR5-Speichers allen Anwendern Freude bereiten wird, die in Auflösungen jenseits der üblichen 1920 x 1080 spielen. Wir hatten unseren Spaß, aber mit 5000 Euro wüssten wir sicherlich Besseres und vor allem Sinnvolleres anzufangen.

Der Durchschnittsspieler profitiert von der neuesten Technologie leider noch nicht, aber es bleibt zu hoffen, dass Nvidia den effizienten GK110-Chip dem Massenmarkt zugänglich macht. Geforce GTX Titan stellt sonst nicht mehr als ein Prestige-Objekt dar, das die Konkurrenz auf dem Papier aussticht. Gutbetuchte mag das nicht stören – denen wünschen wir viel Spaß mit der Karte, sofern sie nicht doch zur GTX 690 greifen, die mit ihren beiden Chips nach wie vor schneller rendert.