Ein pinkes Kaninchen. Als Bürgermeister. Aus der Zukunft noch dazu. Und ich soll ihm helfen, ganz an die politische Spitze zu gelangen. Indem ich bösen Gangstern nach allen Regeln der Kunst das Gehirn aus ihren Schädeln blase/prügel/fetze.

Bin ich irgendwo falsch abgebogen? Lag der Hasenbau von Alice etwa in der anderen Richtung? Naja, dann tue ich halt mal, was der Hase da sagt. Allzu viel wird schon nicht passieren...

...und plötzlich finde ich mich wieder, wie ich anstürmende Ninjas, SWAT-Einsatzkräften und Mafioso mit meiner doppelläufigen Shotgun begrüße, zu pixeligem Brei dresche, mit süßen Katzenbabys bewerfe, die sich in einem flammenden Inferno auflösen. Willkommen in „Not a Hero“, dem absurd-schrägen und bitterbösen neuen Werk der Typen, die sich ursprünglich mit OlliOlli einen Namen gemacht haben. Ja, die können auch anders. Ganz anders.

Herausgekommen ist etwas, das man am ehesten als zweidimensionalen Deckungsshooter (miss-)verstehen könnte. Dazu kommt eine stattliche Prise ziemlich derben Humors und ein, nett gesagt, etwas verbrauchter Retro-Stil, der seine Zweckmäßigkeit nicht wirklich kaschieren kann. Dafür stimmt's bei den beiden ersten Punkten, beim Gameplay mehr, bei der Komik weniger. Ihr merkt schon, ganz so überzeugend wie der überraschend treibende Skating-Sidescroller gibt sich Not a Hero nicht, das sollte euch von vornherein klar sein.

Not a Hero - Folge dem weißen Kaninchen. Oder: Überleg's dir beim Pinken lieber zweimal...

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Die insgesamt neun verschiedenen Auftragskiller lassen sich freispielen, indem ihr optionale Nebenaufträge während der Missionen absolviert.
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Auftragsmorde im Wunderland

Aber lieber nochmal zurück auf Anfang – wie war das mit diesem lila Kaninchen? Das Langohr aus der Zukunft tauft sich auf den bescheidenen Namen BunnyLord, will Bürgermeister von Großbritannien werden und so die Welt retten. Reden kann er, schlechte Witze reißen auch, mit Waffen umgehen nicht so sehr, was natürlich ungünstig ist, wenn man dem Verbrechen den Kampf angesagt hat. Hier kommt ihr ins Spiel, einer von neun angeheuerten Auftragskillern, die ihr für BunnyLord die Unterwelt ordentlich aufmischen und so dem Häschen ein paar fette Schlagzeilen bescheren sollt – getreu dem Motto „Auch schlechte Publicity ist immer noch Publicity“.

Zum Spielbeginn stellt sich das als relativ müßige, eintönige Arbeit vor uninspirierten Pixelkulissen dar. Mit einer Bleispritze in der Hand rennt ihr durch die bunten Levels, und überrascht stupide umherstehende oder -streifende Gangster, die ihr in schnellen, aber launigen Schussgefechten zu roten Pixelklumpen verarbeitet. Einige markante mechanische Kniffe prägen dabei den sonst recht abwechslungsarmen Spielablauf.

Packshot zu Not a HeroNot a HeroRelease: PC, PS4, Xbox One: 3. Quartal 2014 kaufen: Jetzt kaufen:

Ziemlich auffällig ist, dass eure Spielfigur nicht springen kann. Was man eher als Jugendsünde alteingesessener Rollenspiele kennt, wäre eigentlich Gift für diesen zackigen Sidescroller, hätten die Entwickler den Rest ihrer Mechaniken nicht so gut im Griff. Per Tastendruck lasst ihr euren Charakter hinter nahe Deckung huschen, was im Hinblick auf die zweidimensionale Spielweise erstaunlich gelungen umgesetzt wurde. Ihr agiert quasi auf zwei Tiefenebenen und spätestens in dem letzten der drei Abschnitte des Spiels solltet ihr mit dem Deckungssystem umzugehen gelernt haben, da ihr kaum mehr als ein paar Treffer verkraftet, was besonders bei größerem Gegneraufkommen zum Problem wird.

Als langsamer Deckungsshooter ist Not a Hero aber wenig ergiebig, nicht umsonst hat Entwickler Roll7 ein markiges, nennen wir es mal „Surfsystem“, für eure Spielfigur etabliert, was euch einige Meter über den Boden schlittern lässt, wenn ihr herannahenden Kugeln ausweichen oder Feinde überraschen wollt. Plötzlich ergibt sich ein ganz neuer Spielansatz, wenn ihr Gegner von den Füßen fegt und mit einem brutalen Exekutions-Move flugs in den Boden stampft; zwar noch nicht so sehr mit Anfangsego Steve, aber spätestens in der Haut eines Mike oder Clive, mit denen ihr beginnt, förmlich durch die Areale zu tänzeln.

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Die Witze sind zum Teil recht kreativ, aber überwiegend doch eine Spur zu bemüht.
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Live. Die. Repeat.

Not a Hero muss erst ein wenig in Fahrt kommen, bis es dann aber der zweiten Hälfte seine Stärken voll auszuspielen vermag. Plötzlich zieht der seichte Schwierigkeitsgrad rapide an, ihr seid gefordert mit hellem Köpfchen und schnellen Fingern zu handeln und es beginnt sich ein eigentümlicher Sog zu entwickeln, wenn ihr immer und immer wieder neu in ein Gebiet einsteigt und dessen Architektur und das Verhalten der platzierten Feinde zu erinnern lernt. Auf den letzten Metern arbeitet ihr mit einstudierten Patterns, mithilfe derer ihr durch die robusten Gegnergruppen fegt. Was zum Teil nah an der Frustgrenze kratzen kann, wenn eine kleine Unachtsamkeit euch zum Wiederholen des gesamten Levels zwingt, funktioniert doch über weite Teile gut und entwickelt sich zum zentralen Reiz dieses bizarren Wahlkampfwirrwarrs.

Das gilt insbesondere, wenn ihr die optionalen Nebenaufträge, derer in jeder Mission drei an der Zahl, durchgehend mitzunehmen versucht. Auch diese Reihen sich in den Wahnwitz des Spiels ein und verlangen von euch, mal einen gekidnappten Pandabären zu retten (die Wähler lieben befreite Pandas!), mal im Level verstreute Milchshakes aufzusammeln (BunnyLord liebt Milchshakes!) oder rechtzeitig anwesende Reporter zu erreichen (Reporter lieben Gemetzel!). Trotzdem nutzt sich das Spiel mit den zufallsgenerierten Aufgabenstellungen und überall verstreuten Spezialitems und Sondermunitionstypen sehr schnell ab, wirklich halten kann euch nur der freigelegte spielerische Kern.

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Schön: Im Verlauf eines Levels wird euch das Ausmaß der Zerstörung recht eindringlich vor Augen geführt.
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Und vielleicht noch der Humor, wenn ihr einer von der ganz derben Sorte seid. BunnyLord feuert einen Spruch unter der Gürtellinie nach dem anderen ab und tatsächlich sitzt ab und an mal eine der Pointen, wenn man sie denn so nennen will. Größtenteils werdet ihr aber mit verschrobenen PowerPoint-Folien und zweifelhaften Gags über das Töten von Leuten bombardiert - schon etwas, für das man einen speziellen Geschmack haben muss. Immerhin ist die Kreativität einiger Anspielungen auf heutige Internettrends und -memes lobend zu erwähnen.

Durchschnittskost aus dem Indie-Sektor: Not a Hero vermischt absurden Humor, generischen Pixel-Look und blutige Schussgefechte zu einem Sidescroller, den man schnell wieder vergessen hat.Fazit lesen

Zuletzt noch ein Wort zur technischen Seite von Not a Hero. Wie eingangs bereits erwähnt, kann der Retro-Stil nicht wirklich überzeugen, hier geht Entwickler Roll7 einfach zu ausgetretene Pfade reiht sich zu einfach in die Serie von Spielen der Marke „Nicht-noch-so-ein-Pixel-Dingsbums“ ein. Gleiches, wenn auch nicht in solchem Maße, gilt ebenso für den Soundtrack, die Chiptune-Mucke geht okay, ist aber für sich genommen nichts Besonderes und ungefähr das, was man sich als erste paar Treffer unter einer YouTube-Suche zu Chiptune erwartet. Um es kurz zu machen: Not a Hero wagt nicht viel, besinnt sich auf Bewährtes und bleibt so irgendwo auf dem Status des Genreeinerleis stecken.

Was für ein passendes Schlusswort.