No Man's Sky geht online. Also richtig richtig online, nicht ‘gigantisches Shared-Universum gehört allen, aber du wirst nie jemand anderen treffen’-online. Mit dem kommenden Multiplayer-Update löst Entwickler Hello Games ein altes Versprechen gegenüber den Fans ein, das anno 2016 die Fahrgäste des Hype-Zuges noch auf die Barrikaden trieb. Kurz gesagt: Es ist soweit. Jauchzet, frohlocket! Preiset den Multiplayer-Gott, auf dass seine Schergen den Himmel bevölkern und Raumschlachten austragen werden; auf dass Planeten und Galaxien in Flammen erglühen mögen!

Was, wirklich echter Multiplayer bei No Man’s Sky? Und noch viel mehr sogar, wie euch Hello Games im Video zeigen:

No Man's Sky - NEXT-Update (mit attraktiven Aliens)20 weitere Videos

Natürlich weiß ich, dass Feuer im Weltall – und so weiter, und so weiter. Trotzdem ist es eine passende visuelle Vorstellung, sollten ab 24. Juli nach und nach die Multiplayer in das Spiel wehen; sollte sich die Enttäuschung gegenüber No Man’s Sky in einen Lobgesang wandeln und sich der große Strom der Massentauglichkeit gen Hello Games wenden. Wer No Man’s Sky in den letzten Jahren mehr als nur angespielt hat, gehörte eher dem Nischenvolk an, jenen, die gegen den Strom schwammen, gegen den Traum vom perfekt gestalteten, unendlichen Universum: Spieler, die der ruhigen Space-Meditation frönten, Grinding und Farming zum Entspannen genossen und zuweilen so tief in das fremde All eintauchten, dass sie Föderationen gründeten, olympische Spiele austrugen und es sich zur Aufgabe machten, als Xenobiologen jede prozedural generierte Kreatur zu katalogisieren. Neben Genre-Größen wie EVE Online besitzt No Man’s Sky eine der ernsthaftesten, nerdigsten und engagiertesten Communities im ganzen, weiten Videospiele-Universum. Bis jetzt.

Wer wird die Welle überleben? (Quelle: Star Trek 5: Das unentdeckte Land)

Die Welle

Zusammen Basen bauen, Weltraumschlachten führen, mit Freunden durch das All fliegen und alles gemeinsam erleben: Was für ein wundervoller Traum, den Hello Games mir mit diesem Update erfüllen möchte – mir und all den Fans oder bald-wieder-Fans, die sich einen Multiplayer-Modus schon seit einiger Zeit wünschen. Ich war anfangs gehyped, ich sah positiv in die Zukunft dieses seltsamen, aber doch so andersartigen Spiels, das so viele seltsame und schöne Sci-Fi-Nerds in sich vereint. NEXT ist der Schritt in die tatsächliche Spielbarkeit, in die Langzeitmotivation; vielleicht sogar in eine Art ‘immer mal wieder einschalten’-Spiel, wie es Minecraft eines ist.

Dann jedoch bemerkte ich: Nicht alles ist wunderbar.

Wir müssen uns nichts vormachen: Multiplayer heißt viele Menschen und ein gewisser Prozentsatz dieser vielen Menschen sind Trolls. Oder auch jene, die nicht direkt trollen möchten, aber weniger daran interessiert sind, zu spielen, als daran, zu killen. Die No Man’s Sky-Community (also diejenigen, die unter anderem eigene Föderationen gegründet haben) bereitet sich seit einigen Wochen auf die Welle vor: Die kommende Welle an etlichen und aberetlichen Spielern, die das Universum stürmen und verändern werden, positiv oder negativ – wir werden es sehen.

In No Man's Sky wird es eine Space-Polizei geben, die das Territorium der Galactic Hub schützen soll. (Quelle: Star Trek: The Original Series)

All Man’s Sky und die Space-Polizei

Durch die Untiefen des Shared-Universums von No Man’s Sky wabert eine seltsame Stille, ein stummes Flüstern hinter vorgehaltener Hand, eine Ruhe, die den Sturm ankündigt. Noch ist das Update nicht hier, noch diskutieren Mitglieder der Föderation Galactic Hub ihr Vorgehen für die nächsten Wochen auf Reddit oder Discord. Der Plan selbst steht bereits – eine ausgeklügelte Reihe an Eventualitäten, die eintreten könnten und wie mit ihnen umgegangen wird: Zur Vorbeugung von Massentötungen und Trolls wurde eine Reihe von Spielern zur Galactic Hub Defence Force (GHDF) ausgebildet; Space-Polizisten, die ihre Routen abfahren, auf Notrufe reagieren und Spielern helfen, die von anderen ohne Grunde angegriffen werden. Oder das ARK Programm, eine Initiative bestehend aus jenen, die als erste Siedler die Post-NEXT-Hub gründen sowie die neue Hauptstadt der Hub küren sollen. Oder die neutrale Zone der Hub: Innerhalb des Territoriums der Hub dürfen keine anderen Spieler angegriffen werden, falls sich jemand nicht daran hält, kommt die GHDF zum Einsatz.

Krabbelt ihr wie ich durch die Communities, wird euch auffallen, dass die meisten sich dennoch freuen – die Vorkehrungen wurden getroffen und natürlich bietet NEXT etliche Vorteile für das Beisammensein in No Man’s Sky, für Weltraumschlachten und neue, fantastische Geschichte, die mit Hilfe alter und neuer Spieler geschrieben werden können.

Dennoch bleibt ein zweifelhafter Funke in meiner Brust, begleitet von der Frage, ob diese faszinierende Community aus Nerds die eigens imaginierte und fantasievolle Welt gegen die Massen an Space-Piraten, Troll-Outlaws und NMS-Touristen verteidigen kann. Wird ein All Man’s Sky sich weiter wie jenes No Man’s Sky anfühlen können, in das ich mich vor nicht allzu lange Zeit verliebt habe? Ich weiß es nicht. Was ich dagegen weiß: Ich werde ab Mittwoch meine alte Space-Karre wieder zum Laufen bringen und mich in dieses neue Reich vorwagen, in der Hoffnung, eines sehr viel Besseren belehrt zu werden.

Lustig, hässlich, seltsam, wunderschöne – wir haben sie alle:

Hype, Angst und oh, die Vorfreude; die Gier nach Neuem und die Lust nach dem Kampf, das sind die Zeichen, unter denen die NMS-Community nun erblüht. Was davon eintreffen wird und wer diese Schlacht überlebt, ist eine Frage, deren Antwort sich in den Sternen verbirgt – unter ihnen das Murmeln der Krieger: “Once more into the fray, into the last good fight I’ll ever know. Live and die on this day, live and die on this day.” (The Grey, 2011)