Herumtollende Dinos und unendlich viele Sternensysteme hat Hello Games schon öfter gezeigt. Doch was kann No Man’s Sky denn nun unter der Haube? Wie funktioniert seine Wirtschaft, was für Waffen gibt es und welche Jobs warten in den schier unendlichen Planetensystemen? So viel können wir schon mal verraten: Bei dieser Upgrade-Vielfalt werden auch Star-Citizen-Piloten glücklich.

No Man’s Sky wird sicherlich ein kontroverses Spiel. Es fasziniert genauso wie es verwirrt, manche Features sind revolutionär überwältigend, spielerisch aber nicht so beeindruckend, wie wir uns das eigentlich vor dem Anspieltermin ausgemalt hatten. Es ist ein Werk, gemacht für Entdecker und Tüftler. Für Menschen, die Lust darauf haben sich auf einen virtuellen Abenteuerurlaub einzulassen. Die auch mal stundenlang auf dem Meeresboden herumtapsen, um eine seltene Fischart zu finden. Die Spaß daran haben, ihren Anzug zu optimieren, um noch ein paar Minuten länger auf Tauchstation bleiben zu können, denn nur dann erreichen sie die Höhle ganz weit unten am Grund, in der sich wertvolle Kristalle abgelagert haben. Mit denen lässt sich schließlich jede Menge Zaster für neue, schnellere Raumschiffe scheffeln. Schließlich ist das Spiel zwar sehr offen gestaltet, hat aber zumindest ein klares Ziel: das Zentrum der Galaxie zu erreichen.

Ein bisschen Star Citizen, aber nur ein bisschen

No Man’s Sky hat einen sehr reduzierten Look, die Raumschiff-Modelle sind Lichtjahre entfernt von dem, was Chris Roberts Entwicklerarmee mit ihren 80 Millionen US-Dollar an Crowdfunding-Kapital auf der CryEngine 3 abliefern. Doch die Detailtiefe des Tunings hat uns positiv überrascht. Je nach Art (es gibt Explorer-Schiffe sowie Varianten für Handel/Transport und Militär) stehen euch unterschiedlich viele Slots zur Verfügung, die ihr mit zig verschiedenen Upgrades versehen könnt. Auf Seiten der Bewaffnung lassen sich Lasergeschütze (gut gegen starke Schilde) und Plasmaprojektile (zum Knacken der Außenhülle feindlicher Schiffe) einbauen oder auch Protonentorpedos, die ein Schiff mit einem Treffer vernichten können, aber auch sehr teuer sind. Wenn es explodiert, verliert es alles, was an Bord war – ihr fliegt hin und teleportiert es in euer eigenes Lager an Bord. Zu Beginn werdet ihr generell oft den Aasgeier spielen, der bei einer großen Schlacht abgreift, was übrig bleibt.

No Man's Sky - Größe ist nicht alles

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So funktioniert die Weltenerstellung: An Hand des Abstands zur Sonne berechnet das System die Wahrscheinlichkeit auf Nährboden, woraus dann Pflanzen sprießen.
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Kein Permadeath und Aasgeier im Weltraum

Es gibt unterschiedliche Arten von Energieschilden, die sich jeweils gegen andere Waffenklassen richten und vor allem Spezialhüllen für eure Raumschiffe. Einige Planeten in No Man’s Sky sind radioaktiv, andere glühend heiß oder eisig kalt – darauf müsst ihr vorbereitet sein, sonst nimmt das Schiff Schaden. Permadeath gibt es übrigens nicht; wird euer Schiff zerstört, erhaltet ihr nur eine unbewaffnete Rettungskapsel, behaltet aber immerhin euer Ressourcen- und Bankkonto, könnt ergo am nächsten Handelsposten shoppen gehen, wenn ihr etwas auf der hohen Kante habt.

Und natürlich fliegt ihr nicht nur, ihr erkundet Planeten meist zu Fuß. Deshalb müsst ihr jeweils ausbalancieren, ob es sinnvoll ist, nur das Schiff aufzurüsten oder ob die Units lieber in den Anzug fließen sollen. Wollt ihr auf einem toxischen Planeten Ressourcen ernten, muss dafür natürlich die Sauerstoffzufuhr mit entsprechenden Upgrades optimiert werden. Übrigens alles Mechaniken, die ihr euch selbst durch Ausprobieren erschließen müsst. Hello Games will das Einblenden von Textnachrichten und Informationen auf ein Minimum beschränken.

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Ihr seid nicht der Star, nur der Gast am Zaun

Ähnlich wie all diese Survival-Nasen Marke ARK: Survival Evolved wird No Man’s Sky ein Spiel, das Geduldige belohnt. Denn ihr startet in einer Art Rettungsboje, die keinerlei Waffen hat. Die üblichen Welteroberungspläne und Träume vom Leben in Saus und Braus als Weltraum-Jack-Sparrow müsst ihr auf später verschieben, zunächst werden kleine Brötchen gebacken. Geld bringt vor allem Forschung, wofür ihr Tierarten auf fremden Planeten scannt und so eine Datenbank aufbaut. Witzig dabei: Ihr könnt vorgegebene Namen verwenden oder jedes einzelne Tier benennen. So lassen wir Gamofanten-Saurier mit langem Rüssel und Sauropoden-Körper durch die türkis schimmernde Wildnis trampeln und benennen merkwürdige Roboterwesen als Metal Gear Ray. Allerdings sollte euch eines bewusst sein: In No Man’s Sky seid ihr nicht der Star, sondern nur ein Gast am Zaun, der ins Gehege einbrechen kann, so er das denn möchte.

Packshot zu No Man's SkyNo Man's SkyErschienen für PC und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Prozedurale Welten, die sich wenig für euch interessieren

Das prozedurale System funktioniert dabei zumindest auf den ersten Blick ziemlich gut, die einzelnen Komponenten passen. Da gibt es beispielsweise orangefarbene Robos mit langen schwarzen Stelzenbeinen. An deren Torso schlängeln sich Schläuche herunter, worüber sie Kristalle für ihre Herren einsammeln – die Sentinel. Das sind mal Drohnen, mal Roboter auf Panzerketten, die sich nicht sonderlich für euch interessieren, solange ihr den Sicherheitsbereich nicht verletzt. Wer das tut, löst Alarm aus und muss ganz klassisch ballern.

Waffen lassen sich übrigens auch verbessern. So nehmt ihr später EMP-Granaten mit, die Drohnen aus der Luft plumpsen lassen, eine Energieschrotflinte oder eine Laserkanone, mit der sich kleine Sentinel-Panzer in Stücke schneiden lassen. Etwas komisch aber: die meisten Waffen sind One-Shot-Wummen – ein Treffer lässt den Feind in der Regel explodieren. Die K.I. versucht es generell eher mit Masse denn Klasse. Die Kämpfe sind noch nicht so überzeugend.

Keine Ahnung wie das alles funktionieren soll, aber faszinierend ist es bereits jetzt.Ausblick lesen

Keine NPCs, keine Narration, funktioniert die Langzeitmotivation?

No Man’s Sky hat all diese Ideen und Upgrade-Systeme, aber so richtig erschließt sich uns der Sinn daraus nicht. Es gibt wohl einen Oberfeind, die „Malevolent Force“: eine K.I., die ihre Roboterarmee ausströmen lässt um mehr und mehr Planeten zu beherrschen. Die Frage ist nur, ob ihr davon je etwas merken werdet, denn Hello Games plant keinerlei NPCs für sein Spiel ein. Es gibt eine Anfangssequenz und so eine Art Ende, wenn ihr das Zentrum der Galaxie erreicht, that’s it.

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Wenn’s schon in Star Wars: Battlefront keinen Sternenzerstörer gibt, dann eben hier. Ist aber nur eine Weltraumstation, die sich übrigens nicht zerstören lässt.
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Auch mittlerweile recht gern genutzte Hilfsmittel zum Transportieren einer Geschichte wie Audiodateien soll es nicht geben. Hello Games ist es wichtig, dass wir uns das Universum selbstständig erarbeiten. Das klingt auf der einen Seite spannend, könnte auf der anderen aber auch recht schnell öde werden. Denn Spiele mit riesigen Welten leben in der Regel von ihren Charakteren und deren kleinen und großen Geschichten, zumindest in traditionelleren Werken wie The Witcher 3 und Fallout 4. Die gibt es in No Man’s Sky nicht, auch Barometer für freundlich oder feindliche gesinnte Fraktionen sind nicht geplant.

Laut Chefentwickler Sean Murray sollen wir uns auf unser Gedächtnis und Gefühl verlassen. So nach dem Motto: Jene Rasse haben wir mal bekämpft, die könnten stinkig sein, also lieber abdrehen oder auf Gefechtsmodus schalten. Und jene sind Freunde, die können wir auf Knopfdruck sogar um Hilfe bitten und als Flügelmänner engagieren. Eben so richtig verwirrend Indie. Das ist riskant, aber das waren DayZ und Konsorten ja auch.