Es ist der zweite Morgen danach und ich hänge an meiner Tastatur, mit der freien Hand eine Tasse Kaffee umklammert: NEXT passierte vorgestern Abend, das gigantische No Man's Sky-Update mit 9 GB Content bestehend aus Multiplayer-Content, einer grafische Instandsetzung, einem Charakter-Creator, neuen Algorithmen für nahezu alles, was prozedural generiert in No Man’s Sky ist (also alles), von Grund auf überarbeiteten Elementen, einem neuen Bausystem, Third-Person, attraktiven neuen Monstern und wibbly-wobbly-tollen Stargate-ähnlichen Toren, die euch durch das Universum schießen können. Und mehr (das ist der Link zu den Patch-Notes, den ich hier heimlich versteckt habe). Ich fühle mich schmutzig an diesem Morgen danach; zu viel im Dreck gebuddelt.

No Man’s Sky hat sich richtig herausgeputzt:

No Man's Sky - NEXT-Update (mit attraktiven Aliens)20 weitere Videos

Nachdem NEXT gegen 21 Uhr am Dienstagabend in meiner PS4 gekrabbelt ist, sind ich und zwei Astronauten von GIGA und spieletipps ins Spiel gestartet. Das erste, was uns erwartete: Die Frage, ob wir ein Spiel eröffnen oder einem anderen beitreten wollen. Wie sich herausstellte, ist es möglich, mit einem alten Spielstand eine Runde zu eröffnen (in der eure Freunde anschließend teilnehmen), nicht aber einer anderen beizutreten. Die deutsche Übersetzung war in diesem Falle noch sehr irreführend (und grammatikalisch gewöhnungsbedürftig), allerdings scheint es so, als müssen alte Spielstände erst im Solo-Modus mit NEXT geladen werden, bevor ihr mit ihnen in eine andere Runde einsteigen dürft.

No Man's Sky ist mit NEXT hübscher geworden, und zwar deutlich.

Wibbly-wobbly Multiplayer

Multiplayer-Modi sind so eine Sache. Schwierig zu erklären, mit all diesen Variablen, aber ich versuche es einmal: Sie sind nicht das, was ihr denkt. Sie sind kompliziert. Sehr kompliziert. Manche mögen glauben, sie bestehen nur aus einer simplen Kette von Ursache – Wirkung, etwa: Hello Games sagt “Ihr bekommt einen Multiplayer” und BING: Herzlich willkommen im Multiplayer all eurer Wünsche. Aber eigentlich, ausgehend von einer nicht-linearen und objektiven Perspektive ist der Multiplayer im Falle von No Man’s Sky mehr wie ein großer, extraterrestrischer Ball aus … wibbly-wobbly aliensy-universy Koop-Instanzen-Zeugs. Mit wenigen wabbeligen Glitches, vielen wobbeligen Spiegel-Universen und jeder Menge Instanzen, zumindest gehen wir davon aus: Eine Gruppe im Multiplayer besteht aus bis zu vier Spielern, 16 Spieler können zeitgleich im selben Sternensystem flanieren. Nicht-Party-Mitglieder seht ihr weiterhin als die berüchtigten “glowing Orbs”, was schade ist, aber vielleicht innerhalb der kommenden wöchentlichen Updates in Angriff genommen wird.

16 Spieler in einer Lobby heißt nicht 16 Spieler in einem Universum: Obwohl der Multiplayer von Hello Games nicht genauer erklärt wird, besagen mehrere übernächtigte Analysen unsererseits, dass jedes Sternensystem wahrscheinlich eine Instanz ist; eine Art geklontes Abbild von originalen Sternensystem im “Grunduniversum” (dazu komme ich später noch). Sind etwa 30 Spieler in ein und demselben Sternensystem, öffnen sich mehrere Instanzen, was auch heißt, dass ihr immer wieder neue Astronauten treffen werdet – nie aber mehr als 16 Spieler. Unterdessen werden alle Planeten-Namen oder gebauten Basen von der Instanz in das Grunduniversum hochgeladen, das alle Spieler auf einer Plattform sehen. Eure Basen und vergebenen Namen sind demnach für alle sichtbar, was jedoch auch keine Neuheit in No Man’s Sky ist.

Welche Welten werden wir noch entdecken?

Es wird real-time Raumschlachten geben. Was bedeutet, dass fremde Spieler auf Planeten zwar in Form von Lichtkugeln umher schweben, ihr im All jedoch auf voll ausgestattete Raumschiffe trefft, die ihr angreifen könnt. Aber wir werden ja ohnehin niemanden in diesem riesigen Universum finden. Stimmt wahrscheinlich, aber auch dafür hat Hello Games eine Lösung gefunden. Auf der neu gebastelten Galactic-Atlas-Seite von No Man’s Sky stellen euch die Entwickler mehrere wichtige Sonnensystem in der Galaxie vor, die ihr besuchen sollt. Dort werden sich demnach mehr Spieler tummeln als irgendwo im Hinterzimmer von Bitte füge hier einen prozedural generierten Namen für ein Sternensystem ein. Eventuell trefft ihr dort auch auf die Space-Polizei der Galactic Hub.

No Man’s Sky ist nicht jene Multiplayer-MMO-Erfahrung, vor der ich mich gefürchtet hatte. Noch nicht zumindest, und ich nehme gern alles zurück, sollte es so bleiben.

Haben wir zu gierig und zu tief geschürft?

Astroneer-like mit eurem Multiwerkzeug Erdmassen abtragen und Häufchen setzen, konntet ihr bereits seit Atlas Rises (das große Update vor NEXT); mit Freunden und dem überarbeiten Basen-Bausystem gewinnt das Ganze jedoch um ein Vielfaches an Bedeutung: Ihr könnt eure Freude trollen, indem ihr ihnen den Boden unter den Füßen wegsaugt. Ihr könnt Häufchen vor ihre Füße setzen. Ihr könnt sogar ihre Schiffe eingraben, wenngleich ich das nicht ausprobiert habe und nicht sicher bin, wie klug es ist –

– “Hey, kann man eigentlich den ganzen Planeten abtragen?”, wurden dann irgendwann gegen 1 Uhr nachts die Frage von Q aufgeworfen (keine Ahnung, wie er auf so einen seltsamen Namen kommt), und das ist eines der vielen, vielen Dinge, die gemeinsam viel mehr Spaß machen, als allein (ernsthaft, kann man?).

Während die Auslöschung eines ganzen Planeten recht verführerisch war, haben wir uns doch für eine Underground-Basis entschieden, liebevoll die “Minen von Moria” getauft. Mit NEXT ist es möglich, nun überall auf jedem Planeten eine Basis zu basteln, ob nun unter Tage, in einer riesigen Höhle oder unter Wasser. Wir kletterten also in den Untergrund; drei unwissende Astronauten angefixt von den schieren Möglichkeiten des Untertagebaus. Wir dachten, wir wären allein.

Tiefer und tiefer und tiefer in die Erde hinein...

Es begann mit einem Blackout. Erst krabbelten wir durch den schwarzen Untergrund, begleitet vom ständigen BOM-khrzzz – BOM khrzz – BOM khrzzz, während Q und ich immer und immer wieder mit dem Terrain-Manipulator Erde abtrugen. Es erschien so einfach, bis er verschwand. Unser dritter Begleiter, der verschwiegene Kapitän, verlor die Zeit und erwachte unerwartet über der Mine, als hätte ihn eine unbekannte Macht durch das Gestein zurück an die Oberfläche gezogen.

Einige würden behaupten, es war ein Glitch. Doch konnten wir uns sicher sein? Wenn ich jetzt zurückblicke, erscheint es mir, als das Sternensystem, in dem wir gemeinsam auf einem Planeten starteten von Beginn an verflucht gewesen.

Unser Kapitän starb nicht, er war auch keineswegs verletzt; dennoch überkam ihn dieser Blackout noch ein weiteres Mal, bis schließlich auch ich mit Gewalt an die Oberfläche gebeamt wurde. Ich fühle mich kalt, als wieder zu mir kam. Dann wurde Q aus dem Spiel gekickt.

Ihr steht eher auf narrativere Sci-Fi? Dann werft doch eines eurer vielen Augen auf Crying Suns:

Kein Wunder, denn an diesem Abend waren etliche Astronauten im All unterwegs, wir wussten das; aber ein Zweifel blieb dennoch in mir zurück. Wir beendeten die Runde kurz darauf, nicht, weil uns diese fremde Macht weiter belästigte oder kickte, sondern da wir doch zu müde waren für weitere Gruselmärchen und Abenteuer. Denn das ist es, was No Man’s Sky ausmacht; mit NEXT um einiges penetranter als zuvor: die Geschichten, die ihr gemeinsam schmiedet, die Momente, in denen ihr zusammen craftet, baut oder Höhlen erforscht. In denen ihr gemeinsam durch das All fliegt, in Systeme, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Zusammen, und nicht allein. Wie könnte ich es nicht lieben?