Gekauft! Soeben habe ich das grandiose Owlboy von D-Pad Studio für die Nintendo Switch über den E-Shop erworben. Dabei gibt es das Spiel seit Ende 2016 und es war auch erst vor kurzem Teil des Humble Monthly. Knapp 23 Euro für einen Titel ausgeben, den man auf anderen Plattformen bereits in diversen Sales oder in Bundles schon wesentlich günstiger haben konnte? Manch einer würde wohl den Kopf schütteln. Ich nicht.

Auf was dürft ihr euch in Zukunft freuen? In der Nintendo-Direct 2018 wurden ein paar tolle, brutale und außergewöhnliche Spiele für die Switch vorgestellt:

Nintendo Switch - Nintendo Direct-Mini Präsentation 11.01.2018Ein weiteres Video

Seitdem ich diese Hybrid-Konsole mein Eigen nennen darf, erkundige ich mich bei neuen Indie-Titeln immer danach, ob das betreffende Spiel auch für die Nintendo Switch erscheinen wird. Und Spiele, die ich ich vielleicht bereits in meiner Bibliothek besitze – auf welcher Plattform auch immer – kaufe ich unter Umständen nach, sobald sie für die Switch veröffentlicht werden.

Wird die Switch zur Top-Konsole für Indie-Spiele aufsteigen?

Denn die Switch ist in ihrem Kern das unerwartet natürliche Biotop für solche Spiele. Der Großteil dieser Titel ist darauf ausgelegt, in kurzen Intervallen gespielt zu werden, also wie geschaffen für Handhelds. Sony hatte mit der PS Vita zwar versucht, ein solches Umfeld bereitzustellen, der mangelnde Zuspruch der Käufer ließ den Nachfolger der PSP aber eher zum Nischenprodukt verkommen, wenig attraktiv als Plattform. Einzig das Crossbuy-Feature Sonys bescherte der PS Vita den ein oder anderen Indie-Top-Titel wie Darkest Dungeon. Und Sony versuchte die großen PS4-Titel per Remote Play etwa über Wlan auch auf der PS Vita zur Verfügung zu stellen.

Das Ergebnis: nett, aber eher mangelhaft, zumal die Steuerung schon durch die fehlenden zusätzlichen Schultertasten erschwert wird. Nintendo als Handheld-Platzhirsch verfügt dagegen über die notwendige Erfahrung, was im Handheld-Markt wirklich zählt. Doch bislang waren sämtliche Handhelds der Kyotoer vielleicht gerade deshalb allein schon technisch gesehen eher ungeeignet für Ports. Diese erschienen wenn dann für das jeweils aktuelle Flaggschiff des Traditionsunternehmens.

Hinzu kommt, dass das Unternehmen die Bedeutung des Indie-Marktes erst ab der gescheiterten Wii U wirklich begriffen hatte. Mittlerweile werden die liebevoll Nindies getauften Spiele laut vieler Entwickler mit offenen Armen auf Nintendos Plattformen empfangen. Ein knappes Jahr nach Erscheinen stehen bereits knapp über 400 Indie-Spiele im E-Shop für die Switch bereit. Die Wii U hatte nach fünf Jahren nur etwas über 700. Nintendo Switch und Indie-Titel? Das ist heute ein match made in heaven – eine himmlische Verbindung.

Wonder Boy: The Dragon's Trap

Die beste Entscheidung seit Jahren

Die Überschriften für Erfolgsmeldungen mancher Indie-Titeln lesen sich nicht von ungefähr stets gleich: Shovel Knight, SteamWorld Dig 2, Oceanhorn, Death Squared oder Wonder Boy: The Dragon's Trap – sie alle verkauften sich auf der Switch besser als auf jeder andern Plattform, manche sogar besser als auf allen anderen Plattformen zusammen. Doch was sind die Gründe dafür? Da gibt es so einige.

Der wohl offensichtlichste Grund dürfte der sein, dass die Switch von Third-Party-Entwicklern und großen Publishern wie EA, Activision und Capcom unterschätzt wurde. Im Grunde haben ja alle die Switch unterschätzt – der große Publisher, der mittelständische Entwickler und der kleine Otto-Normalverbraucher. Nach der gefloppten Wii U, die nicht nur im Namen zu sehr an alten Gewohnheiten festhielt, erwartete man beim neuen Flaggschiff wieder einmal nur unnötigen Gimmick im viel zu schwachbrüstigen Hardware-Kleid. Gimmicky wirkt die Switch in der Tat. Aber dieses Mal ist die Sache rund und der Gedanke der Unabhängigkeit im Gegensatz zur Wii U endlich zu Ende gedacht. Der Erfolg von mittlerweile über 15 Millionen verkaufter Einheiten weltweit gibt Nintendo endlich wieder recht und hat die Entwickler – bis auf Weggefährten wie Ubisoft – kalt erwischt.

Dieses anfängliche Misstrauen resultierte vor allen Dingen in einen Mangel an Titeln für die rasant ansteigende und enorm hungrige Switch-Community. The Legend of Zelda: Breath of the Wild, schön und gut. Doch was tun, wenn man das Spiel durch hat? Was tun, wenn man mal Lust auf etwas anderes hat? Einfach irgendwas auf die Schnelle portieren oder entwickeln, das ist bei großen Publishern mit ihrer ganzen Maschinerie an Abteilungen und Aktionären nicht drin. Nach dem regelrecht schockierenden Erfolg reagieren sie nun zwar, doch das Ergebnis dessen wird es erst in einigen Monaten im Handel geben. Was bleibt sind die kleinen und fleißigen Ameisen an Indie-Entwicklern mit ihren digitalen Veröffentlichungen. Und im Gegensatz zur Wii U ist das Portieren auf die Switch so leicht wie nie.

Habt ihr diese Indie-Hit der gamescom 2017 schon ausprobiert?

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Es herrscht geradezu regelrechte Goldrausch-Stimmung. Denn in Zeiten, in denen auf Steam innerhalb eines Jahres über 7000 Spiele veröffentlicht werden (Indiepocalypse lässt grüßen), kann man dem Nintendo E-Shop für die Switch quasi beim Anwachsen zusehen. Jedes noch so kleine Spiel erhält die ungeteilte Aufmerksamkeit der Community, die sich die Screenshots und den Trailer ansieht, vielleicht auch die Demo ausprobiert – und dann den Geldbeutel zückt. Hit nach Hit nach Hit.

Dieser Nintendo Switch Indie Gold Rush wird aber nicht ewig anhalten und auf lange Sicht verebben. Nämlich dann, wenn die Auswahl ein Maß erreicht hat, dass Neuankömmlinge nicht mehr binnen kurzer Zeit den gesamten Katalog durchblättern können. Aller Voraussicht nach wird das irgendwann Ende dieses Jahres der Fall sein. Wer die Gunst der Stunde nutzen will, muss sich sputen. Ein Indie-Entwickler ließ auf der Gamescom im vergangenen Sommer wissen, dass sie eine Reihe an Spielen in petto hätten, die alsbald auf der Switch veröffentlicht werden sollen, „bevor es zu spät ist“.

Viele der auf der Switch erfolgreichen Indie-Titel gibt es entweder schon länger auf anderen Plattformen oder sie sind als Multiplattform-Titel konzipiert. Und doch greift die Mehrheit viel eher oder nochmal bei der Switch zu. Das digital meistverkaufte Spiel 2017 auf der Switch ist sogar eines, das sich bereits auf anderen Plattformen wie geschnitten Brot verkaufte: Stardew Valley.

Owlboy

Meine Einschätzung: Für viele bietet die Switch gerade bei Spielen wie Owlboy die perfekte Mischung aus Handheld-Nostalgie, Bequemlichkeit und Flexibilität. Das vermeintliche Gefühl, jederzeit und überall einfach nur die Switch anzufeuern und loszudaddeln – das hat etwas von den guten alten Tagen, als man nur eine Cartridge einstecken musste, um loslegen zu können. Folgerichtig nutzen über 50 Prozent aller Switch-Besitzer die Hybridkonsole nach einer Erhebung Nintendos sowohl im Handheld- als auch im stationären Modus. 30 Prozent nutzen sie gar ausschließlich als Handheld. Und das, obwohl klar ist, dass sie ihre volle Hardwareleistung nur im stationären Modus voll entfalten kann.

Und hier kommt der nächste Punkt ins Spiel: Es geht den Besitzern einer Switch nicht um die ewig leidige Frage nach der maximalen Grafikleistung. Man kauft sich kein DOOM oder The Elder Scrolls V: Skyrim für die Switch, weil man die Spiele noch nicht besitzt. Wer besitzt sie bitteschön noch nicht? Aber man kauft sie sich, weil es das erste Mal überhaupt ist, dass man diese vollwertigen Konsolen-/PC-Spiele on the go auf einem Handheld spielen kann. Niemand nimmt seine PS4 Pro mit in den Urlaub und schließt sie im Hotelzimmer an, um dann eine kleine Runde DOOM zu spielen. Und nicht jeder hat Lust, irgendein Free-to-play-Schmarrn auf dem Smartphone zu daddeln, das mit abscheulicher Wischiwaschi-Steuerung ständig verlangt, dass man Echtgeld investiert. Ein 3DS/2DS wäre zwar die Lösung, aber dann sitzt man die meiste Zeit eher allein da, wenn der Begleiter kein eigenes Gerät besitzt.

Mit einer Switch hat man auch dieses Problem gelöst. Man braucht ja nicht einmal einen weiteren Controller, die mitgelieferten Joy-Cons reichen völlig aus, um etwa Mario Kart 8 Deluxe zu zweit zu spielen. Das ist eine weitere und nicht zu unterschätzende Stärke der Switch: Nintendos Fokus auf einen lokalen Multiplayer-Modus. Eine wichtige Säule ihres Erfolges als familienfreundliches Unternehmen. Schließlich soll die gesamte Familie gemeinsam spielen können. Und das ist etwas, das Nintendo mit den Indie-Entwicklern gemein hat: Gameplay und lokaler Multiplayer sind hier wichtiger als eine bahnbrechende Grafik. Daher macht es mir persönlich auch nichts aus, selbst Spiele wie Yooka-Laylee und Rime auf der Switch zu spielen, obwohl etwa die jeweilige PS4-Version in beiden Fällen minimal knackiger aussieht:

Ein weiteres Video

Aber mal ganz im Ernst: Wer sitzt wirklich da und spielt ein und dasselbe Spiel auf zwei Konsolen gleichzeitig, nur um sich zu beschweren? Richtig, ich liege lieber im Bett und genieße die Möglichkeit, Yooka-Laylee auf meiner quirligen Hybrid-Konsole im Handheld-Modus zu spielen. Der Gedanke, eine minimal schönere Version im Wohnzimmer zu zocken, lockt mich da nicht.

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