Die große Frage, ob die Nintendo Switch eher ein Handheld oder eine Heimkonsole darstellt, kann nicht mit absoluter Sicherheit beantwortet werden. Sie ist beides zugleich, und doch liegt der Nutzen der neuen Konsole im Auge des Betrachters. Kann Nintendo alle Versprechen halten? Wie sieht es mit der dauerhaften Unterstützung der Dritthersteller aus? Wie läuft das mit dem Online-Service? Fragen, die wir noch nicht beantworten können. Alles andere haben wir uns für diesen Test genauer angeschaut.

Nintendo Switch - Präsentation 2017: 1 - 2 Switch (Das können die Controller)

Wunder der Technik: Nintendos Switch ist nicht einmal so tief wie ein Fingernagel und gerade mal so hoch bzw. breit wie ein 7-Zoll-Tablet, bringt aber eine Rechenkraft auf die Matte, die Microsofts Xbox 360 selbst bei konservativer Einschätzung mindestens doppelt in den Schatten stellt.

Klingt in Zeiten des aufkeimenden 4K-Gaming erst mal unspektakulär, schließlich hat die Xbox 360 schon zwölf Jährchen auf dem Buckel und kommt nicht annähernd an eine Xbox One oder PS4 heran, die schätzungsweise in etwa doppelt so viel Power auffahren wie eine Switch. Trotzdem sollte man der Errungenschaft Respekt zollen. Der womöglich aufgebohrte und auf 16 Nanometer-technologie geschrumpfte Tegra-X-Chip aus dem Hause nVidia vervollständigt ein Konzept, das bis vor kurzem nicht möglich gewesen wäre, nämlich eine Konsole, die sowohl gut gestaltete HD-Grafik in 1080p auf den heimischen Fernseher bringt, also auch mobil volles, kompromissloses Spielvergnügen garantiert. Keine Einsparungen, keine Kürzungen, keine fummeligen Steuerungsmethoden oder winzigen Bildschirme verwässern den Spielspaß. Das was zuhause ansteht, ist nun auch unterwegs verfügbar.

Nintendo Switch - Endlich da! Alle Features der Hybrid-Konsole im Test

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Die komplette Nintendo Switch: Dock, Konsole und Joy-Con Grip samt aufgesteckten Joy-Con Controller
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Grafik vs Spielspaß

Grafikfetischisten lässt das natürlich kalt. Wer im Konsolensektor auf superscharfe Texturen oder gar 4k-Auflösung steht, hat sicherlich schon zur PS4 Pro gegriffen, die immerhin hochskaliert, oder er wartet auf die noch leistungsfähigere Xbox One Scorpio, bei der Microsoft zumindest teilweise echtes 4K verspricht. Ist das die Zukunft? Womöglich schon. Ist es das, was die Masse der Spieler derzeit dazu treibt, in die Ladenregale zu greifen? Nein, noch ist das nicht der Fall. Anhand der regelmäßigen Steam-Umfragen zeichnet sich ein anderes Bild ab, denn selbst auf dem PC verwenden mehr als 80% der Spieler Hardware, die unter dem Niveau von Xbox One und PS4 operiert. 1080p ist nach wie vor der Status Quo.

Nintendos Switch liegt mit ihrer Leistung somit gar nicht mal so weit vom derzeitigen Mittelwert entfernt und hat einen gravierenden Vorteil. Egal wie stark eine PS4 Pro oder eine Xbox One Scorpio sein mag – man kann sie nicht nach Lust und Laune abklemmen und unterwegs weiterspielen. Vollwertige Core-Games für unterwegs, weit entfernt vom üblichen Handy- und Tablet-Käse, der nur Casual-Gamer eine Weile lang beschäftigt. Und zugleich mehr zu bieten hat, als das übliche Handheld-Angebot auf dem 3DS. Das ist doch mal eine Ansage! Dass sich hier ein paar typische Mobile-Titel und Casual-Games wie 1,2 Switch dazwischen mogeln, ist verkraftbar und vergrößert lediglich die Zielgruppe.

Außerdem: Schwächere Grafikleistung muss nicht zwingend ein Nachteil sein. Bestes Beispiel wäre der alte Game Boy aus dem Jahr 1989, dessen schwarz-grüner Monochrom-Bildschirm alle Spieleschmieden zwang, neue Konzepte zu entwickeln. Daraus resultierten etliche Unikate, die man heute wohl als Exklusivtitel einstufen würde. Um diese Bewegung in Gang zu setzen, muss die Switch allerdings erst ihren Platz auf dem Markt finden. Die passende Nische samt Kundschaft, die stetige Software-Umsätze garantieren. Ob die Mobilität des Systems und Features wie Bewegungssteuerung dies zu stemmen vermögen, wird die Zukunft zeigen.

Nintendo hat in dieser Hinsicht viel versprochen. Und wir können euch versichern: nichts davon war übertrieben. Der Wechsel vom Mobilbetrieb zum stationären und wieder zurück ist in Sekundenschnelle vollzogen. Man schiebt einfach das etwa 23,5 cm breite und 10 cm hohe Tablet (Controller mit eingerechnet) in das zugehörige „Switch Dock“, entnimmt die Joy-Con genannten Controller-Hälften, drückt L und R und weiter geht es. Im umgekehrten Fall eine ebenso unkomplizierte Angelegenheit. Zwei Handgriffe und man spielt unterwegs – ohne Einschränkungen. Allein der 6,2 Zoll große Multi-Touchscreen (720p) ist mit seiner Leuchtkraft und Schärfe bereits ein Fest für die Augen, ganz zu schweigen von den echten (wenn auch etwas kurzgängigen) Analogsticks.

Nintendo Switch - Endlich da! Alle Features der Hybrid-Konsole im Test

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Alles, was eine mobile Konsole an Zubehör braucht: mehr Durchhaltevermögen dank Powerbank
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Alles was eine (mobile) Konsole braucht

Nintendo spart wahrlich nicht mit Eingabemethoden. In den kleinen Joy-Cons wurden Gyro-Sensoren für Bewegungsabfrage, eine Infrarot-Schnittstelle samt Umrisserkennung, NFC-Reader für Amiibos, Rumble-Motoren und alle üblichen Knöpfe eines typischen Konsolen-Joypads untergebracht. Das einzige, was vor allem Videospiel-Rennfahrer vermissen werden, sind analoge Schulterknöpfe. Ein Lapsus, der auch Fans der Virtual Console den Spaß vermiesen könnte, denn ohne analoge Schulterknöpfe ist Essig mit den gemunkelten Gamecube-Titeln, auf die viele Nintendo-Fans hoffen.

Nintendos Switch ist in Konzept und Ausführung revolutionär, muss seinen Platz auf dem Markt aber noch finden.Fazit lesen

Im Lieferumfang enthalten ist ein sogenannter Joy-Con-Grip, der beide Hälften zu einem vollen Joypad vereint. Den Akku der Joy-Cons aufladen kann er allerdings nicht – das vermag nur die separat verkaufte Version oder alternativ die Switch-Konsole selbst, wenn man sie anklemmt. Die Kombination aus Joy-Cons und Grip ergibt ein gutes wenn auch nicht perfektes Standard -Joypad, das einem in den ersten Spielstunden ein wenig dünn vorkommt, wenn man die Controller der Konkurrenz gewohnt ist. Wer größere bzw. feinfühligere Analogsticks und einen stabileren Halt benötigt, kann aber auf den separat erhältlichen Pro-Controller ausweichen, der mit 70 Euro Anschaffungspreis nicht unbedingt günstig erscheint, jedoch mit allen Features der Joy-Cons aufwartet. Anspruchsvolle Spieler, die etwa bei Zelda nicht bei jedem Schuss mit Pfeil und Bogen Millimeterarbeit vollziehen möchten, kommen um eine Anschaffung des Pro-Controllers sowieso nicht herum. Zumal dessen Akku ein ganzes Stück länger ohne Nachladen auskommt.

Wie lang hält der Akku?

Wie viel länger hängt natürlich vom Einsatzfeld der Konsole ab, beziehungsweise vom Spiel und seinen Anforderungen. Ein Spiel wie ARMS, oder Just-Dance, bei dem die Bewegungsabfrage ausgiebig genutzt wird, saugt den Akku schneller leer als etwa Zelda, das vornehmlich normale Eingaben am Analogstick und den Facebuttons verlangt. Nintendo spricht von bis zu 20 Stunden Akku-Laufzeit. In unserer Spielerfahrung, die lediglich auf Zelda und Just Dance basiert, gehen wir von weniger als der Hälfte aus.

Noch immer genug, weil die Konsole unterwegs sowieso viel schneller den Dienst einstellt. Der Dauertest mit Zelda: Breath of the Wild bei maximaler Helligkeit des Bildschirms und voll aufgedrehter Lautstärke war nach exakt 2 Stunden 27 Minuten vorbei. Dreht man Helligkeit und Lautstärke auf mittlere Werte, reicht es fast für drei Stunden Spielspaß. In etwa genauso lange dauert es, bis die Konsole über das beiliegende Netzteil wieder voll aufgeladen ist. Bei weniger anspruchsvollen Spielen verspricht Nintendo eine Laufzeit von über sechs Stunden.

Da drei Stunden unter Volllast höchstens für den Gebrauch in der U-Bahn oder einen kurzen Ausflug passabel sind, sei auf längeren Reisen zu einer zusätzlichen Powerbase geraten. Ein einfaches Modell für 6 Euro mit knapp 3000 mAh Ladung und einer 5 Volt-Speisung tat ihren Dienst über den USB-C-Eingang wie versprochen, konnte die Switch aber verständlicher Weise nicht am Leben halten, als ihr der Saft komplett ausging. Wieder aufladen war aber sowohl im Betrieb als auch im Standby möglich - kann man somit als eiserne Reserve betrachten.

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