Was macht man mit einer Konsole, die nicht zwangsläufig neben dem Fernseher stehen muss? Mitnehmen und unterwegs nutzen, klar. Oder komische Pappbehausungen für sie bauen, in die man sie dann reinsteckt. Willkommen zu Nintendo Labo.

Was ist Nintendo Labo? Seht uns zu, wie wir mit Pappe einen Ganzkörperanzug zum Zocken basteln:

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Falls ihr direkt am Ende dieses Artikels die Wertung gesucht habt und dann wieder hier gelandet seid: Nintendos Labo kann und sollte man nicht wie ein konventionelles Videospiel bewerten, denn die mitgelieferten Spielchen sind für sich betrachtet eher dünn. Startet man das Motorradrennen mal ganz ohne Papp-Peripherie, fühlt man sich mit zwei losen Joy-Cons in den Händen an längst vergangene Wii-Minispiel-Tage mit Bewegungssteuerung erinnert. Das hat nichts Bemerkenswertes, nichts Magisches an sich.

Eigenes ferngesteuertes Fahrzeug basteln? Das geht mit Nintendo Labo

Bei Labo gehört das Spielen über das Spiel hinaus zum Gesamtpaket. Wenn man zu hübsch gemachten und auf dem Display der Switch abgespielten Erklärfilmen Pappteile aus Bögen drückt, faltet, zusammensteckt und am Ende vielleicht noch verziert, entsteht in Kombination mit Switch-Konsole und Joy-Cons mehr als nur ein kruder Papphaufen. Dass und wie die selbst gebauten Konstruktionen funktionieren, ist verblüffend. Auf die Befriedigung, die man sonst nach dem Zusammenhämmern eines neuen Möbelstücks verspürt, folgt die Erkenntnis, dass aus Switch, etwas Pappe und zwei Gummibändern tatsächlich eine Motorrad-Imitation mit Zündknopf, Bremse, Hupe, Gashebel und Lenker werden kann. Und einem Tank, der in Form eines langen Pappstücks zur Stabilisierung am eigenen Oberkörper dient.

Die richtige Wahl: Das Multi-Set

Besagtes Motorrad ist Teil des sogenannten Multi-Sets, das 70 Euro kostet und neben einer Switch-Cartridge auch Bastelbögen für ein interaktives Häuschen, eine Angel, ein Klavier und eine simple Interpretation eines ferngesteuerten Autos enthält. Die Pappe in der erstaunlich großen und schweren Verpackung ist stabil und dick, alles anders wäre beim aufgerufenen Preis aber auch enttäuschend. Sollten Pappteile verlorengehen oder beschädigt werden, lassen sie sich bei Nintendo nachkaufen. Alternativ stehen die Bögen als PDF-Versionen kostenlos zum Download bereit, hier sollte man sich aber nichts vormachen: Ohne die Perforationen der Originalbögen wird man beim Anfertigen eigener Exemplare wahnsinnig viel Arbeit haben. Bereits mit den offiziellen Bögen dauert das Bauen seine Zeit, das Spiel veranschlagt je nach Objekt teilweise zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden. Ganz so lange haben wir nicht gebraucht, aber wir waren schon eine Weile beschäftigt, bevor wir zum Beispiel das fertige Klavier vor uns stehen hatten.

Gib Gas!

Durch die vorbildlich gestalteten Aufbauhilfen in Videoform macht das Basteln Spaß, auch wenn man sich lange kaum vorstellen kann, wie das Entstehende am Ende wirklich seinen Zweck erfüllen soll. Der Aha-Moment passiert, wenn man Switch sowie Joy-Cons hinzufügt und bemerkt, wie smart all die Knöpfe, Sensoren und sonstigen Bestandteile der Switch-Hardware eingesetzt werden. Allerdings ist der Prozess des Zusammenbauens ja eine einmalige Geschichte und auch die dann bereitstehenden Minispiele nutzen sich im Rahmen ihrer von Haus aus gebotenen Optionen schnell ab. Die eigene Fantasie kann dann einen Mehrwert generieren: Aus mit der Joy-Con-Infrarotkamera gescannten Objekten werden zum Beispiel neue Rennstrecken für das Motorrad. Das ferngesteuerte Auto wiederum kommt mit einer Stoppuhr-Funktion, sodass man sich prima eigene Wettbewerbe ausdenken kann.

Spiel ist, was du draus machst

Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, sich komplett von den mitgelieferten Vorgaben zu lösen und ganz eigene Spiele oder Anwendungsmöglichkeiten zu entwerfen. Dazu lassen sich Joy-Cons und Switch in vielfältiger Weise programmieren, sodass bestimmte Aktionen bestimmte Reaktionen auslösen. Ein Knopf oder eine Richtungstaste kann beispielsweise einen vorab definierten Sound oder einen grafischen Effekt auf dem Switch-Display verursachen. Das Entwerfen anderer Instrumente oder das Nachbauen alter „Game & Watch“-Spiele sind nur einige der Ergebnisse, die Spieler binnen kürzester Zeit erreicht haben (außerhalb Europas ist Labo bereits eine Woche früher erschienen).

Sind alle dabei, die ihr euch gewünscht hättet?

Die zweite bislang erhältliche Ausführung von Labo ist das Robo-Set. Es ist mit 80 Euro nochmal teurer, hat uns trotz des höheren Preises aber nicht so gut gefallen wie das Multi-Set. Aus dem mitgelieferten Material des Robo-Sets entstehen eine Art Rucksack und mit Schnüren verbundene Schlaufen und Griffe für Hände und Füße. Sogar ein Papp-Visor für den Kopf ist dabei. So steuert man durch eigene Körperbewegungen einen großen Kampfroboter auf dem Bildschirm. Allerdings arbeitet das Ganze nicht immer genau und dem Robo-Set fehlt insgesamt der intuitive Zugang, der das vielfältigere Multi-Set auszeichnet.