Mit der steigenden Third-Party-Unterstützung zeichnet sich langsam aber sicher ein Kosten- und Speicherproblem für Besitzer einer Nintendo Switch ab: Beim Kauf einer Digitalversion des Spiels wird der Kauf einer groß dimensionierten Micro-SD unumgänglich. Die physische Version benötigt 14 GB freien Speicher auf der Switch.

Nintendo Switch - L.A. Noire: Digitalversion des Spiels benötigt extra Speicherkarte

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L.A. Noire erfordert auf der Nintendo Switch einen zusätzlichen Download
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Bislang war die Speicherplatz-Thematik auf der Nintendo Switch eher Kritik auf hohem Niveau. Denn das vergleichsweise kleine Spieleangebot besteht zum größten Teil aus First-Party- und Indie-Titeln, die entweder mit kleinem Speicherhunger oder perfektem Speichermanagement glänzen. Zwar wurde bereits im Vorfeld der Veröffentlichung der Hybrid-Konsole bemängelt, dass Nintendo diese nur mit 32 Gigabyte an internem Speicher ausstattet, wovon allein knapp sechs GB bereits für das System reserviert sind, doch Toptitel wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild nahmen als digitaler Download gerade mal 13,4 GB Speicherplatz in Anspruch, Super Mario Odyssey braucht sogar nur 5,7 GB (!).

Third-Party-Problem?

Für einen Großteil der Switch-Besitzer gab es also noch keinen Grund, eine Micro-SD-Karte hinzuzukaufen. Das wird sich aber nun definitiv ändern mit der Aufstieg weiterer Third-Party-Entwickler und vor allem der großen Publisher auf den momentanen Hype-Train Nintendos. Innerhalb von sieben Monaten nach Marktstart im März hat sich die Switch weit über sieben Millionen Mal weltweit verkauft. Zum Vergleich, die Wii U verkaufte sich in fünf Jahren nicht einmal 14 Millionen Mal. Nintendo rechnet damit, bis Jahresende die Verkaufszahlen der gefloppten Wii U schlagen zu können, was in Anbetracht des kommenden Weihnachtsgeschäfts durchaus zu schaffen ist.

Nicht wenige Entwickler dürfte der Erfolg der Switch kalt erwischt haben. Capcom begründete die mangelnde Unterstützung damit, dass sie nicht genug Zeit hätten, an neuen Titeln für die Konsole zu arbeiten. Das wiederum erklärt aber nicht, wieso ein plattformübergreifender Titel wie Monster Hunter: World nicht auch für die Switch erscheint. EA selbst will sich Zeit lassen mit Portierungen und Entwicklungen. Nur wenige große Publisher haben die Switch von Anfang an mit Software bedacht, darunter Ubisoft (Mario & Rabbids: Kingdom Battle) und Bethesda Softworks. Letzterer portiert neben The Elder Scrolls V: Skyrim auch DOOM sowie Wolfenstein II: The New Colossus.

Nintendo Switch - L.A. Noire: Digitalversion des Spiels benötigt extra Speicherkarte

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Wie groß wird Wolfenstein II: The New Colossus auf der Switch?
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Während Mario & Rabbids: Kingdom Battle lediglich eine Größe von 2,3 GB beim digitalen Kauf benötigt, schlagen Skyrim und DOOM mit jeweils 14,3 GB und 13,4 GB auf. Großartiges Speichermanagement, wenn man sich Mühe gibt. Bei DOOM griff Bethesda allerdings auf einen Kniff zurück: Der Multiplayer-Modus mit neun GB an benötigtem Speicherplatz wird separat heruntergeladen, auch bei der physischen Version. Der Grund hierfür ist einfach erklärt, denn Nintendo bietet Cartridges mit einem, zwei, vier, acht, 16 und 32 GB Speicherplatz an. Bei DOOM kann man ohnehin davon ausgehen, dass die meisten Käufer ausschließlich die Kampagne spielen werden, wieso also mehr Geld für eine 32-GB-Cartridge ausgeben?

Allerdings kann dieser Gewinnmaximierungsgedanke auch nach hinten losgehen, wie man an 2K Games sehen konnte. Das Sportspiel NBS 2K18 kommt in der physischen Version auf einer 8-GB-Cartridge daher und verlangt 21 GB an zusätzlichen Speicherplatz für Updates und Speicherdateien.

Nicht ganz so schlimm sieht es bei Rockstar Games' Remastered-Edition von L.A. Noire aus: Der digitale Download wird bei der Switch mit 29 GB veranschlagt. Wer sich für die physische Kopie entscheidet, muss dennoch 14 GB an Daten herunterladen, bevor das Spiel gestartet werden kann. Demnach befinden sich die Spieledateien auf einer 16 GB umfassenden Cartridge. Dabei hätte Rockstar Games auch eine 32 GB große Cartridge verwenden können. Im Grunde hat der Publisher die Kosten in diesem Fall also auf den Nutzer abgewälzt. Ein Kritikpunkt, den Fans bereits angemahnt haben. Denn auch wenn L.A. Noire die Wahl lässt, die Dateien entweder in den internen Speicher abzulegen oder auf einer Micro-SD, bedeutet das auf Dauer entweder das ständige Löschen und Installieren eines größeren Titels oder den Kauf einer Micro-SD-Karte. Wer will als Besitzer reiner digitaler Versionen schon ständig vor die Wahl gestellt werden, ob man jetzt L.A. Noire oder The Legend of Zelda: Breath of the Wild spielen will? Nicht von ungefähr, dass sowohl Rockstar Games wie auch 2K Games Tochterunternehmen von Take 2 Interactive sind.

Mindestens 128 GB

Als Nutzer sollte man allerdings nicht den kürzeren (günstigeren) Weg gehen und eine Micro-SD-Karte mit 32 GB kaufen. Gesetzt dem Fall, dass die Nintendo Switch mindestens fünf Jahre auf dem Markt als Flaggschiff Nintendos verweilt - selbst die Wii U hat das geschafft - und sie weiterhin auf Erfolgskurs segelt, werden immer mehr Titel portiert und exklusiv entwickelt. Und gerade bei Multiplattform-Titeln kann man davon ausgehen, dass auch beim Kauf physischer Versionen der Download zusätzlicher Dateien mandatorisch wird. 32 GB dürften hier schnell voll sein, selbst 64 GB erscheinen wenig zukunftssicher. 128 GB sollten es mindestens sein, besser noch wären 200 GB. Eine Micro-SD-Karte mit 200 GB Speicherplatz gibt es über Amazon aktuell ab 83 Euro. Allerdings dürfte Nintendo in Anbetracht der Laufzeit der Switch damit gerechnet haben, dass der Preis für große Micro-SD-Speicherkarten sinken und Karten mit größerer Kapazität verfügbar sein werden - die Switch ist ausgelegt für maximal zwei Terabyte.

Zu bedenken gilt ebenso, dass sich immer mehr Nutzer für rein digitale Käufe entscheiden. Die Begründung von Anhängern physischer Kopien, neben dem Sammlertrieb auch jederzeit und frei von Servern einen Titel spielen zu können, dürfte mit dieser Sparmaßnahme der Publisher, selbst bei physischen Versionen zusätzliche Dateien herunterladen zu müssen, ad absurdum geführt sein.

Nintendo Switch - L.A. Noire: Digitalversion des Spiels benötigt extra Speicherkarte

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Die Nintendo Switch verfügt lediglich über 32 GB an internem Speicher - eine Micro-SD-Karte ist somit unumgänglich
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Einen finanziellen Vorteil beim Kauf für den Käufer bedeutet die Entscheidung für eine kleinere Cartridge bei L.A. Noire ebenso wenig: Während die Remastered-Version für PS4 und Xbox One mit 4K-Auflösung über Amazon für 39,99 Euro erworben werden kann, kostet die Version für die Nintendo Switch 49,99 Euro. Zwar erhält die Switch-Version neben einem Joy-Con-Modus mit Bewegungs- und Gestensteuerung sowie Touch-Steuerung noch HD-Vibration und zusätzliche Perspektiven, das aber eher Gimmicks, auf die man sicherlich hätte verzichten können.

Bis Nintendo - falls überhaupt - eine neue Revision der Nintendo Switch veröffentlicht, die über einen größeren internen Speicher verfügt (höchstwahrscheinlich mit längerer Akkulaufzeit und 64 statt 32 GB Speicher) werden noch einige Tage ins Land ziehen und Switches über die (virtuelle) Ladentheke gehen. Momentan könnte man quasi von versteckten Kosten für eine zusätzliche Micro-SD-Karte sprechen - wenn man so will.