Die Switch hat den wichtigen Verkaufszeitraum zwischen Black Friday und Cybermonday gerockt. Und doch sehen Analysten das Potenzial ausgeschöpft. Mehr noch zeigen sie sich enttäuscht von der Entwicklung von Nintendos Flaggschiff.

Kann die Switch den Erwartungen des Marktes nicht entsprechen?

Eigentlich stellt die Nintendo Switch die Rückkehr Nintendos in den Mainstream-Markt und an die Front im Kampf um die Generationenkrone im Duell mit Sony und Microsoft dar. Über 20 Millionen verkaufte Geräte seit dem Erscheinen im März 2017 sprechen eine eindeutige Sprache. Bis März 2019, also zum zweijährigen Bestehen, sollen Analysten zufolge rund 35 Millionen Geräte verkauft sein. Das aber liegt unter dem Ziel von 37 Millionen verkaufter Geräte, 40 Millionen sollen es bis 2020 sein.

Der gigantische Erfolg innerhalb des ersten Jahres liegt auch in der Veröffentlichung von neuen Ablegern der Top-Franchises Mario, The Legend of Zelda und Splatoon begründet, die sich millionenfach verkauft haben. Und obwohl Nintendo im zweiten Jahr neben den neuen Pokémon-Titel Pokémon Let's Go: Pikachu und Pokémon Let's Go: Evoli sowie Super Mario Party veröffentlicht haben, zeigen sich Analysten enttäuscht von den Entwicklungszahlen. Und das, obwohl unmittelbar die Veröffentlichung von Super Smash Bros. Ultimate bevorsteht. Allerdings enttäuschte Nintendo Labo, das groß angekündigte innovative Produkt am Markt. Nach einem eher leisen Start im April dieses Jahres kann man das Produkt unter ferner liefen verbuchen, ein Wachstum der Verkaufszahlen hat es jedenfalls nicht hervorgerufen.

"Alle großartigen Konsolen brauchen ein großartiges zweites Jahr", so Cornelio Ash, Analyst bei William O’Neil & Co.."Investoren sind davon ausgegangen, dass Nintendo innerhalb von fünf Jahren 90 Millionen Geräte absetzen kann. Aber nach diesem Jahr erscheint dieses Vorhaben nahezu unmöglich. Die Aktie ist bereits wieder auf dem Weg zum Anfangswert, als die Nintendo Switch enthüllt wurde. Das sagt nichts Gutes über die Langzeitperspektive."

Auch der in der Industrie bekannte Michael Pachter, Analyst bei Wedbush Securities, zeigt auf die Entwicklung hin: "2018 war ein Realitätscheck und hat die hochtrabenden Erwartungen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Switch ist großartig, aber in erster Linie immer noch ein Handheld - und zwar ein teurer." Seiner Meinung nach müsste Nintendo den Preis um mindestens 33 Prozent senken, um noch signifikantes Wachstum zu ermöglichen. "Ich sehe sonst keinen Wachstum, solange der Preis nicht auf unter 200 Dollar sinkt."

Neben einer ohnehin wahrscheinlichen Preissenkung vielleicht schon zum Weihnachtsgeschäft 2019 dürfte nur die Veröffentlichung von starken Eigenmarken wie ein neues Pokémon-Hauptspiel und der bereits angekündigte Metroid-Prime-Titel für einen Verkaufsboost sorgen. Im Grunde hat Nintendo noch weitere Franchises in petto, die es allerdings aus diversen Gründen auf Eis gelegt hat. Da wäre etwa das F-Zero-Franchise oder auch die Earthbound- bzw. Mother-Reihe.