Selbst für ein Chamäleon wie Nintendo könnte 2016 alles werden, nur kein Selbstläuferjahr. Die Japaner verändern sich häufiger als jedes andere Unternehmen der Branche, sehen seit jeher Chancen, wo andere womöglich den Rückwärtsgang einlegen würden. Die aktuelle Lage ist deshalb keine neue und schon gar kein Todesurteil: Die besten Ideen kamen dem Mario-Konzern schon immer, wenn er bereits angezählt war. Selten zuvor stand dabei jedoch so viel auf dem Spiel wie heute.

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Es war auf den ersten Blick gar nicht mal schlecht, was da in den vergangenen 365 Tagen in Kyoto passierte. Zum ersten Mal seit vier Jahren und damit seit Wii-U-Einführung kehrte Nintendo in die Gewinnzone zurück, nachdem die jüngere Vergangenheit vor allem von tiefroten Zahlen geprägt war. Es geht wieder aufwärts, könnte man meinen, und würde damit zwar nicht unbedingt falsch liegen, aber doch nur die halbe Wahrheit betrachten. Kräftige amiibo-Einnahmen sowie gestiegene Verkaufszahlen bei gesunkenen Herstellungskosten haben ihren Teil zur finanziellen Kurskorrektur beigetragen haben. Noch entscheidender dafür war allerdings der günstige Wechselkurs des Yen: ein Trend, der Nintendo wie vielen anderen japanischen Unternehmen ökonomischen Auftrieb verliehen hat, aber unmöglich beeinflusst werden kann – und sich inzwischen gar wieder umgekehrt hat. Auch dass die ursprüngliche Gewinnprognose ursprünglich doppelt so hoch angesetzt war, rückt die schwarze Null wieder ein Stück weit ins rechte Licht.

Quo vadis, Nintendo? - Schicksalsjahr 2016: Wohin geht die Reise für den Mario-Konzern?

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Viel weiter kann Qualität nicht auseinander liegen: Vom völlig überragenden Splatoon bis zum absolut unbrauchbaren Animal Crossing: amiibo Festival war 2015 alles dabei.
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Weniger Spiele...

In spielerischer Hinsicht war das vergangene Jahr war vor allem eines des Aussitzens. Begann 2015 etwa für den 3DS mit Zelda: Majora's Mask, Monster Hunter 4 Ultimate, vor allem aber der sehr gelungenen „New“-Revision des Geräts noch stark, rückten in den Folgemonaten lediglich eine Handvoll Lückenfüller nach. Auf der Wii U waren die großen Namen zwar gleichmäßiger über das Jahr verteilt – das ist allerdings auch nur halb so viel wert, wenn es mit Splatoon, dem Mario Maker und Xenoblade Chronicles X lediglich drei an der Zahl sind.

Fast noch überraschender als die vergleichsweise wenigen Highlights war jedoch die durchwachsene Qualität der Nintendo-eigenen Produktionen. Das okaye Zelda: Tri Force Heroes wurde zwar dem Anspruch an ein nettes Spielchen, nicht jedoch dem großen Namen gerecht. Mario Party 10 und Mario Tennis hingegen wandelten bereits auf dem schmalen Grad zwischen Enttäuschung und Frechheit – eine Grenze, die Animal Crossing: amiibo Festival vor wenigen Wochen dann mit dem Hintern einriss.

... mehr Experimente

Die Ursachen für diese ausgesprochen unsteten Veröffentlichungen mögen vielfältig sein und es würde mich schwer wundern, wäre ein Teil davon nicht dem Ressourcenmanagement geschuldet. Während die Spieleproduktion für eine wenig erfolgreiche Plattform – von der ohnehin nichts mehr zu erwarten ist – sinnvollerweise auf Sparflamme zündelte, blieb Zeit für andere, neue Experimente und erste Weichenstellung für die Zukunft. Wenn überhaupt, stand 2015 im Zeichen von Online-Funktionen und wichtigen Lernprozessen für Big N. Gleich mehrere (Online-)Spiele wurden und werden regelmäßig mit neuen Inhalten versorgt, nutzerfreundliche Angebote wie Super Mario Maker Bookmark aufgesetzt und zahlreiche Neuerscheinungen in den eShop geschoben (weshalb sich die Zahl der heruntergeladenen Spiele im Vergleich zum Vorjahr konsequenterweise verdoppelt haben). Damit gewinnt man natürlich keinen Blumentopf; die Konkurrenz ist noch immer einige Schritte voraus. Zumindest aber hat sich der Abstand verringert und Nintendo einige wichtige Schlüsse für die Zukunft ziehen können.

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Projekte wie Super Mario Maker Bookmark waren bis vor kurzem noch undenkbar und sind ein guter Schritt in die richtige Richtung.
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(K)ein Jahr wie jedes andere

Dieses unstete Auf und Ab schlägt sich letztlich auch in den offiziellen Unternehmenszahlen nieder. Ich würde ein schnodderiges „Passt schon, unterm Strich geht’s bergauf“ genauso gern schreiben wie ihr lesen, aber so einfach ist es eben nicht. An vielen Fronten wurden Fortschritte erzielt, andernorts hingegen stand ein Minus unter der 2015-Bilanz.

Vor diesem Hintergrund lassen sich die vergangenen zwölf Monate nicht pauschal einordnen. In keiner Hinsicht waren es die schwächsten der jüngeren Unternehmensgeschichte, Sektkorken flogen aber sehr wahrscheinlich genauso wenig durch die Gänge der Kyotoer Firmenzentrale. Mund abputzen, weiter-, besser noch: anders machen. Denn diese Strategie der angezogenen Handbremse, und damit wären wir nach der notwendigen Rückschau beim eigentlichen Thema, lässt sich unmöglich auf das neue Jahr übertragen.

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