Nintendo of Americas Chief Operating Officer und President Reggie Fils-Aime sprach in einem Interview über die Chancen Nintendos beim diesjährigen Weihnachtsgeschäft und warum die Wii U noch immer relevant ist.

Nintendo - Reggie Fils-Aime: Die Konsumenten kennen den Unterschied zwischen der Wii und der Wii U

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Software verkaufe noch immer die Hardware
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Reggie Fils-Aime sprach in der letzten Ausgabe von Gametrailers TV darüber, dass sich die Wii U 2014 noch besser verkaufen werde und dass der Schlüssel zum Erfolg noch immer bei der Software liege.

'Naughty Dog'-Mitbegründer und Ex-President von THQ Jason Rubin ist allerdings der Meinung, dass Nintendo im Hardware-Geschäft mittlerweile irrelevant sei. Ihre Stärke sei nun mal die Software und Nintendo täte gut daran, sich in Zukunft nur noch auf Spiele zu konzentrieren.

Da ist Fils-Aime aber anderer Meinung. Zweckoptimismus oder Überzeugung? Auch dieses Mal betont Fils-Aime noch einmal, dass Software nun mal für Hardware-Verkäufe sorge.

"Wir halten unsere Chancen für sehr gut. Software treibt die Hardware in diesem Geschäft an. Das sehen wir immer wieder. Wir sahen es bei der Wii und dem Nintendo DS. Wir sehen es auch jetzt mit dem 3DS. Es muss wahrscheinlich ein Jahr her sein, als die Herausforderung bei ähnlichen Treffen lautete: 'Reggie, was wirst du mit deinem Handheld-Geschäft machen? Wie willst du es wachsen lassen?' Nun, wir lassen unsere großen Spielereihen wirken und sehen dann, was passiert. Software verkauft Hardware. Und wir haben ein erfolgreiches Jahr. Wir glauben, dass dies bei den fantastischen Reihen, die wir diese Weihnachten auf den Markt bringen, auch mit unserem 'Wii U'-Geschäft passieren wird", zeigt sich Fils-Aime überzeugt.

Fils-Aime weist auch darauf hin, dass in den letzten beiden Generationen nie die Konsole auf dem Markt gewann, die über die stärkste Hardware verfügte. Das sei bei der PS2 nicht der Fall gewesen und das sei auch bei der Wii nicht so.

Auf die Frage, ob die Gefahr nicht darin bestehe, dass sich die Medien und demzufolge auch die Kunden nur auf die Next-Gen-Konsolen von Sony und Microsoft konzentrieren, entgegnet Fils-Aime, dass Nintendo genau deswegen ihre Message direkt an die Kunden richte. Nintendo erfahre auch eine unglaubliche Unterstützung durch Händler wie GameStop, ToysRUs, Best Buy und Target. Nintendo veranstalte auch spezielle Events und stecke viel Geld in Werbung, um den Kunden das Besondere der Wii U zu kommunizieren. So hoffe man, die Mund-Zu-Mund-Werbung anzutreiben, die das Interesse an der Wii U auch weit über die Feiertage hinweg aufrechterhalten soll.

Das größte Problem der Wii U war, dass der Durchschnittskäufer tatsächlich glaubte, die Konsole sei nur ein Gamepad und damit nur eine Peripherie für die Wii. Dieses Problem habe Nintendo laut Fils-Aime mittlerweile beseitigt.

"Wir haben uns des Problems angenommen, indem wir den Konsumenten mit fantastischen Spielen wie Pikmin 3, The Wonderful 101 und The Legend of Zelda: Wind Waker HD gezeigt haben, was für tolle Dinge sie mit dem GamePad anstellen können. Ich glaube, dass der Konsument jetzt versteht, dass es eine brandneue Konsole mit brandneuen Möglichkeiten ist. Sie hat all die Vorteile, die man von durch die Rückwärtskompatibilität so hat. Und wir haben die einzige Next-Gen-Konsole mit dieser Rückwärtskompatibilität, von daher hat der Konsument die großartige Spielebibliothek der Wii und kann die auf der Wii U nutzen."

Der Grund, warum man sich für eine Wii U statt einer Xbox One oder PS4 entscheiden sollte, seien nun mal die einzigartigen Spielereihen mit Mario, mit Zelda und nicht zuletzt Donkey Kong. Die gebe es nur auf der Wii U. Darüber hinaus bietet Nintendo [in den USA] mit Netflix in HD, Amazon Prime Video und Hulu Plus auch Streaming-Dienste und müsse sich von daher nicht vor der Konkurrenz verstecken.

Dies sei allerdings ein Punkt, den der Durchschnittskunde wohl noch nicht wisse. Für ihn sei die Wii U eine reine Spielekonsole ohne weiteren Nutzen. Doch Nintendo sehe darin kein Problem. Für sie stehe fest, dass der Kunde sich die Wii U in erster Linie wegen den Spielen kaufen sollte. Erst dann solle den Kunden, die sich dafür interessieren, auch die weiteren Möglichkeiten der Wii U nahegelegt werden.

Doch wirkt das nicht wie eine Abhängigkeit, wie eine Schwäche Nintendos, nur mit der passenden Software auch die Hardware verkaufen zu können? Geht das nicht auch ohne? Da hält Fils-Aime vehement dagegen. Das sei keine Schwäche. Ganz im Gegenteil, die Kunden würden das erwarten, denn sie lieben die altbekannten und liebgewonnenen Reihen. Doch Nintendo habe sich auch immer wieder von der Konkurrenz durch eine andere Herangehensweise unterschieden. Das tue man auch jetzt mit dem GamePad der Wii U, den Spielen und sogar im Unterhaltungsbereich mit Nintendo TV.

Auch der Preis sei sicherlich ein Faktor, der für die Wii U spreche. "Wenn ich auf die Effektivität der Wii zurückblicke, hatten wir eine hervorragende Preisleistung. Jetzt haben wir mit der Wii U ebenfalls eine sehr gute Preisleistung. Je nach ausgewähltem Bundle erhält man typischerweise zwei Spiele dazu, Spiele, die das GamePad hervorheben, kostenlose Service-Dienste wie Nintendo TV und Miiverse, ein differenziertes Angebot. Und wenn man sich den Preis ansieht, um Zugang zu unserer Plattform zu erhalten, ist es im Vergleich zu unserer Konkurrenz ein gewaltiger Wert."

Auch das Interesse der Indie-Szene sei immens. Allein der e-Shop für den 3DS und den 2DS quille vor Angeboten über. Dasselbe Bild gebe es auch bei der Wii U. Doch wie sieht es da mit dem Mainstream aus? Wie ist die Beziehung Nintendos zu den großen Publishern wie Electronic Arts? Gerade EA hatte in letzter Zeit öfters mal Kritik an Nintendo und der Wii U geübt. Selbst Ubisoft, ein großer Unterstützer der Wii U meinte, dass Nintendo endlich für eine größere Verbreitung sorgen müsse, wenn sie auch weiterhin auf ihre Unterstützung hoffen wollen.

Auch Fils-Aime sehe die Antwort in der Verbreitung der Wii U. Schon heute würden Publisher wie Activision, Ubisoft und Warner Bros. fantastische Spiele und AAA-Titel wie Call of Duty: Ghosts oder Watch Dogs auch für die Wii U veröffentlichen. "Und was sie mir jeden Tag sagen, ist, 'Reggie, wie können wir dir dabei helfen, die Verbreitung der Wii U voranzutreiben?'"

Nicht die Hardware-Leistung sei entscheidend, sondern ein gesundes Ökosystem, für das sie ihre Spiele entwickeln könnten. Auch EAs CEO Andrew Wilson teilte bereits mit, dass EA immer dort zu finden sein werde, wo die Spieler sind, sprich, immer auf den Konsolen und Geräten, die die größte Verbreitung aufweisen. Ist ja auch logisch: Wo keine Konsole ist, ist auch kein Käufer.