Tragische Meldung vonseiten Nintendos: Der langjährige und nicht immer unumstrittene Präsident und CEO Satoru Iwata ist völlig überraschend am vergangenen Samstag mit gerade mal 55 Jahren verstorben.

Nintendo - Nintendos Präsident Satoru Iwata ist tot

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Als wollte Iwata-san noch einmal zum Abschied die Hand erheben
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Die schockierende Nachricht ereilt uns alle völlig überraschend: Nintendo gab in einem kurzen Statement bekannt, dass Präsident und CEO Satoru Iwata am 11. Juli verstorben sei:

"Nintendo Co, Ltd. bedauert es sehr, mitteilen zu müssen, dass Präsident Satoru Iwata am 11. Juli 2015 aufgrund eines Gallengangkarzinoms verstorben ist."

Die Anzeichen waren im letzten Jahr schon da, als Iwata nicht in der Lage war, zur E3 2014 nach Los Angeles zu fliegen. Es hieß bereits damals, dass er an gesundheitlichen Beschwerden leide und sich daher einer Operation unterziehen musste. Eine Wucherung im Gallengang musste entfernt werden. Dabei handelte es sich um Gallengangkrebs - eine der bösartigsten Krebssorten. Damals hieß es, die Wucherung sei frühzeitig genug entdeckt worden und Iwata befinde sich auf dem Weg der Besserung. Das war wohl auch der Fall, doch in den letzten Tagen soll sich sein Zustand so massiv verschlechtert haben, dass er in eine Klinik eingewiesen werden musste.

Iwata war auch nicht völlig unumstritten, weder bei den Aktionären noch bei den Nintendo-Fans. Man warf ihm mangelndes Marktverständnis vor und wollte ihn von seinem Posten verdrängen. Diesen Machtkampf konnte er erfolgreich für sich entscheiden - den Kampf gegen den Krebs hat er nun tragischerweise mit gerade einmal 55 Jahren verloren.

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Nintendo trauert um seinen Präsidenten
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Iwata wurde 1959 in Sapporo im Norden Japans geboren. Er interessierte sich bereits in jungen Jahren für Videospiele und entwickelte sie bereits in seiner High School-Zeit selbst. Nach seinem Informatikstudium an der Tokyo Institute of Technology begann er seine Karriere zunächst bei HAL Laboratory, Inc., wo er als Programmierer tätig war. Dort war er an der Entwicklung von Titeln wie Earthbound und Kirby beteiligt. 1993 wurde er dann zum Präsidenten von HAL benannt. Die enge Zusammenarbeit mit Nintendo zeigte bald seine Früchte: So wurde Iwata 2000 erst zum Chef der Corporate Planning Division und anschließend 2002 zum Präsidenten von Nintendo ernannt. Iwata war jemand, der sich mit Fleiß und viel Talent von ganz unten nach ganz oben emporarbeitete. Ohne ihn hätte es die Kanto-Region niemals in Pokémon Gold und Silber geschafft und selbst als er bereits der Chef der Corporate Planning Division war, setzte er sich drei Wochen lang an die Bugbeseitigung bei Super Smash Bros. Melee, damit das Spiel rechtzeitig zum geplanten Termin veröffentlicht werden konnte. Gerade das prädestinierte ihn für den Posten des Präsidenten, der nicht nur über Zahlen Bescheid wusste, sondern eine klare Vision darüber hatte, was womit erreicht werden kann. Das musste auch der legendäre Präsident Hiroshi Yamauchi gesehen haben, als er ihn von HAL Laboratory zu sich ins Unternehmen nahm. Er machte Iwata somit in Nintendos mittlerweile über 120-jähriger Geschichte zum erst vierten Präsidenten des Unternehmens und zum ersten Präsidenten, der nicht der Yamauchi-Familie entstammt.

Besonders seine anfängliche Rivalität mit Nintendos Star-Designer Shigeru Miyamoto ist hierbei hervorzuheben. "Damals, als ich gerade erst angefangen hatte, entschied ich für mich und völlig ohne Grund, dass Miyamoto mein Rivale sein würde. Auch wenn das jetzt eine peinliche Sache sein sollte", gestand Iwata in einem Interview. "Würdet ihr es glauben, dass ich ihn ohne jeglichen Grund zu meinem persönlichen Rivalen auserkor, und ihm die Hölle auf Erden bereiten wollte?"

Auch wenn er für die Richtung Nintendos mit der Wii U kritisiert wurde, unter seiner Ägide erlebte Nintendo mit der Wii und dem Nintendo DS die erfolgreichsten Unternehmensjahre. Iwata, der selbst ein leidenschaftlicher Spieler war, stand für Zugänglichkeit und Spielernähe. Erst in diesem Jahr verkündete Iwata Nintendos Vorstoß in den Mobile-Sektor und die Entwicklung einer neuen Hardware mit dem Titel Nintendo NX.

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Iwatas Puppe blickt zu den Sternen
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Gerade den Nintendo-Fans dürfte er in den letzten Jahren ans Herz gewachsen sein, wandte er sich doch in Nintendo Direct-Ausgaben direkt an sie und bot mit Iwata Asks schöne Einblicke hinter die Kulissen.

Sein Tod kommt für die Spielewelt völlig überraschend. Doch innerhalb Nintendos wurde das im engen Vertrautenkreis sicher bereits besprochen und Iwata hat sicherlich bereits sorgfältig die Weichen für einen Nachfolger gestellt. In der Zwischenzeit werden die Geschäfte von Genyo Takeda und Shigeru Miyamoto geleitet. Vielleicht war das mit ein Grund, warum für die diesjährige E3-Präsentation auf Puppen zurückgegriffen wurde. Als es Nintendo besonders schlecht ging, verzichtete Iwata freiwillig auf die Hälfte seines Gehalts für einen Zeitraum von fast sechs Monaten. Umso trauriger, wenn man bedenkt, dass das massiv negative Feedback zur E3 2015-Präsentation wahrscheinlich eines der letzten war, das er noch persönlich miterleben konnte. Sein letzter Tweet lautete: "Danke für euer Feedback. Wir hören euch und wollen weiterhin euren Erwartungen gerecht werden."

Ruhe in Frieden, Iwata-san - Nintendo ist in guten Händen.

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Wie man an folgendem Tweet sieht, hängen beim Hauptquartier Nintendos in Kyoto die Flaggen auf Halbmast - das Unternehmen trauert um seinen Präsidenten.

Auch die Größen der Videospielindustrie zollen Iwata ihre Ehrerbietung:

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