Wahrscheinlich hat sich Chris Pranger nicht viel dabei gedacht, als er an einem Podcast namens Part-Time Gamers teilnahm. Doch eine Woche später ist der ehemalige Nintendo-Mitarbeiter gefeuert. Was war passiert?

Nintendo - Nintendo-Mitarbeiter spricht in einem Podcast über das Unternehmen, eine Woche später ist er gefeuert

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Chris Pranger (rechts) bereut seinen Podcast-Auftritt
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Chris Pranger hat die letzten drei Jahre damit verbracht, für Nintendo Treehouse als Localization Editor zu arbeiten. Dass man in einem Unternehmen ohne die Zustimmung von Vorgesetzten nicht öffentlich über Unternehmensinterna plaudern darf, sollte einem jeden bereits beim Unterschreiben des Arbeitsvertrags mitsamt Geheimhaltungsvereinbarung klar sein. Natürlich sprechen viele im Familien- und Freundeskreis über ihre Unternehmen. Aber ein Podcast, so klein er auch ist, stellt nichts privates dar, er ist öffentlich, egal wieviele Hörer er hat. Und das musste Pranger am eigenen Leib erfahren, als er sich bereit erklärte, am 3. August als Special Guest beim kleinen Podcasts Part-Time Gamers zu erscheinen.

Obwohl der Podcast eine normalerweise kleine Hörerschaft besitzt, wurden die Aussagen Prangers schnell von Gaming-Seiten und vor allem von NeoGAF aufgegriffen und mehrfach geteilt. Das Problematische hierbei: Pranger sprach ziemlich ungeniert und offen seine Meinung aus. Für ihn als Gamer eine gute Sache. Als Arbeitnehmer aber eine denkbar schlechte Entscheidung.

So sprach Pranger über Nintendos Veröffentlichungspolitik in Bezug darauf, welche Spiele man aus dem Japanischen übersetze und welche Richtlinien dahinter stecken. Leider gebe es immer Leute, die gewisse Spiele verlangen und wenn Nintendo ihnen diese verweigert, dann sind die gleich beleidigt. "'Warum hasst ihr Geld, Nintendo? Warum hasst ihr Geld, Nintendo?'", so Pranger. "Ich meine, sie nennen dann ziemlich japanische Spiele wie Captain Rainbow zum Beispiel. Sie nennen das und sagen, 'Schaut euch an, wieviele Leute das wollen. Wollt ihr kein Geld?' Und wir dann so, 'Doch, wir wollen Geld, deswegen wissen wir, dass es eine kolossale Verschwendung wäre, wenn wir auch nur versuchen würden, dieses Spiel hier zu veröffentlichen. Schaut euch nur an, ihr seid als Gruppe nicht groß genug.'"

Einige Spiele würden nun mal enorme Ressourcen fressen, sowohl finanzielle wie auch personelle. Xenoblade Chronicles für die Wii war so ein Spiel. Bei Monolith Softwares Rollenspiel gab es massiv viel Text und Sprache zu übersetzen. Obwohl solche Spiele unter Umständen eine treue und relativ große Fangemeinde besitzen, sei es einfach unrentabel, die aufwendige Übersetzung auf sich zu nehmen.

Nintendo - Nintendo-Mitarbeiter spricht in einem Podcast über das Unternehmen, eine Woche später ist er gefeuert

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Nintendo of Europe kümmerte sich um die Lokalisierung von Xenoblade Chronicles
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"Wir hatten viel Glück in den Staaten, dass Nintendo of Europe entschied, 'Oh, wir nehmen das Risiko auf uns. Wir werden es lokalisieren.' Okay, weil irgendjemand wird irgendwo die Kosten schlucken müssen, weil es so gut wie sicher ist, dass dieses Spiel nicht genug Exemplare absetzen wird, um den Aufwand zu rechtfertigen. Wisst ihr, hunderte Stunden an Sprache. Das ist eine Menge Geld, die da hineinfließt."

Sicherlich hat Pranger recht damit, dass man als Unternehmen nicht jeden Fan-Wunsch erfüllen kann. Es aber auf so eine Art und Weise mitzuteilen und gleich durch die Blumen hinweg hinterherzuschieben, dass man alles nur aus der finanziellen Warte heraus betrachtet, ohne mal den Fans geben zu wollen, was sie verlangen, ist dann doch ein wenig unglücklich verlaufen.

Wenn Nintendos Mitarbeiter sich öffentlich zur Unternehmenspolitik äußern, dann nur politisch neutral. Das beste Beispiel dürfte hier Nintendo of Americas Präsident und COO Reggie Fils-Aime sein, der immer enthusiastisch über Erfolge und Fantum spricht.

Kein Wunder also, dass Pranger sich nur knapp eine Woche nach dem Podcast auf der Straße wiederfand. "Ich verbrachte die letzte Woche in einem miserablen Zustand als der Podcast zunehmend zitiert wurde", so Pranger über Facebook. "Ich war sofort erschrocken als mich ein Mitarbeiter stupste und sagte, 'Hey, du bist auf GoNintendo.' Auf einmal erschienen Artikel über Artikel auf Gaming-Seiten in allen Sprachen. Kommentare bezeichneten mich als Idioten und so weiter. Mein Twitter quoll über mit stündlichen Meldungen zu Leuten, die es gut mit mir meinten und so weiter. Es schien undenkbar, dass ich wegen eines unbedarften Moments und meiner eigenen Missverständnisse gefeuert würde. Aber das ist eingetreten."

Vor allem bedauere er es für seine Familie, die er nun nicht mehr versorgen könne und die nun natürlich auch keine Krankenversicherung mehr habe. Doch die Schuld daran gebe er sich selbst.

War die Kündigung gerechtfertigt? Was meint ihr?