Die japanische Wirtschaftszeitung Nihon Keizai Shimbun, kurz Nikkei, hatte die Gelegenheit, ein Interview mit Nintendos CEO Saturo Iwata zu führen. Dabei ging es, wie nicht anders zu erwarten war, hauptsächlich um ihre neueste Konsole, die Wii U, sowie die Anschuldigungen, dass Nintendos Wii-U-Gamepad nur eine iPad-Kopie sei.

Nintendo - Nikkei-Interview mit Nintendo-CEO Satoru Iwata

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"Unsere nächste Konsole wird Wii U As heißen."
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So ging es auch gleich los mit der Frage nach den Verkaufszahlen der Wii U, gemessen an der Wii. Doch Iwata findet es nicht sehr aussagekräftig, die wöchentlichen Zahlen der Wii U mit der Wii zu vergleichen. Schon gar nicht allein anhand der wöchentichen Zahlen an sich. Es gebe noch sovieles zu erledigen und es würde auch noch eine Weile dauern, bis die Kunden das Konzept der Wii U voll verstünden.

Das Besondere an der neuen Wii U-Konsole ist zweifelsohne das neue Gamepad, das der eigentlichen Konsole die ganze ganze Show stiehlt, was an und für sich ja schon eine Besonderheit darstellt. Die Möglichkeiten, die sich mit dem Gamepad bieten, müssen erst noch richtig ausgeschöpft werden, doch gab es bereits Kritik, wonach das Gamepad eine Kopie von Apples iPad darstellen soll. Dem entgegnet Iwata damit, dass sich Nintendo bereits 2008 Überlegungen bezüglich eines zweiten Displays gemacht hätte. Es hätte zwar noch andere Optionen gegeben, doch letzten Endes war 2009 klar, dass dies die Idee sei, die Nintendo verfolgen würde. Dann kam das iPad. Und knapp zweieinhalb Jahre später, als Nintendo die Wii U vorstellte, lautete das allgemeine Feedback, Nintendo wäre nur auf den iPad-Zug aufgesprungen und hätte dieses Mal keine wirkliche Innovation zu bieten.

Dennoch sei er zuversichtlich, da viele überrascht wären, wenn sie das Gamepad das erste Mal in der Hand hielten. Erst dann würden sie die Vorteile erkennen, die ein zweites Display mit sich brächte. Doch dies wäre erst dann klar, wenn man das Gamepad mal selber benutzt hätte.

Er sei sich natürlich über die temporären Probleme, die Kunden mit der Einrichtung der Konsole und der langen Ladezeiten hätten, im Klaren. Daran würde aber gearbeitet.

Es sei immer schwer, innovative Ideen an den Mann/die Frau zu bringen. So hätten die Leute zu Beginn auch nicht mit einem Erfolg des Nintendo DS-Handhelds gerechnet, da mit der PSP eine ungleich stärkere Konkurrenz an den Start ging. Doch Software wie Brain Training und die Veröffentlichung des Nintendo DS-Lite, hätten das Konzept hinter dem Handheld bestens vermittelt und am Ende selbst die größten Kritiker überzeugt.

Bei der Wii allerdings wäre es anders gewesen. Als sie vorgestellt wurde, war das Nintendo DS auf dem Höhepunkt und Nintendo war in der Lage, mit einer Tennis-Demo die Vorzüge und das Konzept der Wiimote-Controller zu demonstrieren. Das Konzept sei simpel, aber effektiv gewesen.

"Wir hatten zu der Zeit richtig Glück, dass die Beliebtheit der Flat-Panel TVs zunahm...so hatten wir kräftigen Rückenwind und mussten nicht allzu hart daran arbeiten, unser Konzept verständlich zu machen," so Satoru Iwata.

Zum Konzept der Wii U sagt Iwata, dass viele Dinge im Internet erst richtig Spass machen, wenn man sie mit anderen gemeinsam erlebt. Beispielsweise Videos, Shopping, Reiseplanungen oder Google Street View, ein Service, der ab Janaur auch über die Wii U abrufbar sein wird. So kann die Wii U selbst für Leute, die an Spielen nicht interessiert sind, eine vergnügliche Erfahrung werden. "Ich denke immer darüber nach, wie man die Spielergemeinschaft vergrößern könnte. Das ist etwas, was ich gern für mein ganzes Leben lang tun möchte...um das zu ermöglichen, ist es wichtig, die Meinung der Leute gegenüber Herstellern von Spielekonsolen zu verbessern. Zum Beispiel spielt jemand keine Videospiele, aber schaut sich gern Videos auf Youtube an. Diese Person wird mit der Bedienung des Gamepads vertraut sein, obwohl sie nicht spielt und dadurch wäre die Grundlage für das Spielen bereits in der Person verankert. Ein anderes Beispiel wäre eine Mutter, die Fernsehen schauen möchte, während ihr Kind aber sein Spiel nicht beenden will. Das führt unweigerlich zum Streit. Aber jetzt kann das Kind einfach auf das Gamepad zurückgreifen. Auf diese Weise können wir das Ansehen von Konsolenherstellern verbessern."

Nintendo - Nikkei-Interview mit Nintendo-CEO Satoru Iwata

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Nintendo-CEO Satoru Iwata verpackt jede Konsole noch höchstpersönlich
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Über ihr eigenes Social Network Miiverse sagt er, "Als wir das erste Mal über das Miiverse sprachen, nannte man es vergebliche Mühe, jetzt noch ein soziales Netzwerk aufbauen zu wollen. Viele fragten uns, warum wir nicht einfach eine Verbindung zu bestehenden Netzwerken wie Facebook oder Twitter aufbauten. Aber was wir glaubten, was gut an dem Service sein würde, ist in weiten Teilen auch so gekommen und zu diesem Zeitpunkt, lieben unsere Kunden es. Die Netzwerke, die man auf Facebook und auf Twitter hat, bestehen ja nicht alle aus Spielern, richtig? Von meinem Standpunkt aus, benutze ich (privat) weder Twitter noch Facebook. Aber wenn ich ich es täte, würde ich es für Dinge benutzen wie 'Hey, wollen wir was trinken gehen?', 'Wollen wir einen Trip unternehmen?' und 'Warum halten wir kein Jubiläumstreffen ab?' Ich würde diese Netzwerke nicht für Leute benutzen, mit denen ich spiele. Wir von Nintendo haben immer gedacht, dass Spielen sich nicht nur auf die Zeit, die man mit der Konsole verbringt, beschränkt sein sollte. Vielmehr sollte man in der Lage sein, Leuten (die es interessiert) mitzuteilen, was man geschafft oder was man Interessantes entdeckt hat. Wenn ich ein Wort dafür nennen müsste, wäre es wohl Empathie"

Shigeru Miyamoto habe schon seit Jahren über dieses Konzept nachgedacht. So seien seine Spiele deswegen besonders erfolgreich auf der Welt, weil sie Erfahrungen bieten, die alle Spieler gemeinsam teilen können. Auf dieser Grundlage sei auch das Miiverse konzipiert worden. So sollten Spiele, die man nur alleine spielen kann, nicht auch einsame Erfahrungen bleiben, sondern etwas, das man mit vielen Menschen teilen kann. Um dies garantieren zu können, hätte man das Miiverse als einheitlichen Service in die Plattform integriert.

Es sei zwar noch kein fester Termin benennbar, doch sei es nicht mehr lange hin, bis das Miiverse auch für PCs und Smartphones/Tablets angeboten werden kann. Auch wäre es laut Iwata eine tolle Bereicherung, wenn auch das 3DS mit dem Miiverse bedacht würde.

Das Ziel von Nintendo sei es, seinen Kunden ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern, weil "es das wert sei und unsere Belegschaft dann auch lächeln kann. Wenn unsere Leistungen steigen, dann können auch unsere Investoren lächeln. Und wenn diese Kette Erfolg hat, dann ist Nintendo es wert, weiterzumachen und seine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu tragen."