In einem Interview sprach NES-Designer Masayuki Uemura über den Einfluss der kultigen 8-Bit-Konsole und über die heutige Videospielindustrie. Dabei machte er eine interessante Aussage: Nintendo sei schon immer ein Indie-Entwickler gewesen.

Nintendo - NES-Designer: Nintendo war schon immer ein Indie-Entwickler

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Das NES erschien erstmals 1983 auf dem Markt
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Man möchte es eigentlich gar nicht glauben, aber das Nintendo Entertainment System von Nintendo hat schon über 30 Jahre auf dem Buckel. Mit dieser 8-Bit-Konsole gelang Nintendo nicht nur der internationale Erfolg, viele sind der Meinung, dass Nintendo das darbende Videospielgeschäft nach dem großen Crash von 1983 fast schon im Alleingang gerettet und wiederbelebt hat.

In den USA feiert das NES seinen 30. Geburtstag. Dort erschien die Konsole am 18. Oktober 1985. Zu diesem Anlass hat The Strong Museum in Rochester, New York eine Ausstellung mit dem Titel Playing with Power eröffnet. Und da durfte Masayuki Uemura, der Chef-Designer des NES nicht fehlen.

Das NES - die Idee von Präsident Hiroshi Yamauchi

Nintendo war Ende der 70er Jahre bereits im Konsolengeschäft tätig und veröffentlichte unter anderem das Color TV Game 6 und das Color TV Game 15. Die Zahl stand dabei für die Anzahl an Spielen, die zur Verfügung standen. Diese Heimkonsolen hatten allerdings noch fest integrierte Spiele und keine Möglichkeit, Spiele auszuwechseln.

Die Idee zum NES kam dem damaligen Präsidenten Hiroshi Yamauchi, nachdem er sah, welchen Erfolg Nintendos Arcade-Automat Donkey Kong, aber vor allem Atari mit Cartridge-basierten Konsolen feierte. Diese konnten er und Designer Uemura auf der Consumer Electronics Show (CES) bestaunen. Damals gab es noch keine dedizierte Messe für Videospiele. Das Konzept gefiel Yamauchi und so beauftragte er Uemura damit, eine eigene Konsole zu entwickeln. Es galt, eine Plattform für das heimische Wohnzimmer zu entwickeln, auf der die Familien Donkey Kong spielen könnten.

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Masayuki Uemura und die Famicom
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Der Retter der Videospielindustrie

Wie erfolgreich das NES wirklich werden würde, das bemerkte Uemura am eigenen Leib. Bevor Super Mario Bros. veröffentlicht wurde und da NES wie eine Rakte in schwindelerregende Höhen katapultiere, hatte sich die Konsole in Japan bereits drei Millionen Mal verkauft. Zu dem Zeitpunkt wohnte er in einem Gebäudekomplex mit knapp 1000 Bewohnern.

"Wenn sich ein Spielzeug um die eine Million Mal in Japan verkauft hatte, gab es immer die ein oder andere Familie in dem Komplex, die es hatten. Beim Famicom [japanischer Name des NES] kamen Kinder aus der Nachbarschaft zu mir und sagten, 'hey, dieses Videospiel funktioniert nicht an meinem Fernseher.' Sie verlangten einen Kundenservice! Und das ging einfach so weiter."

Aber dass er und Nintendo mit dem NES die internationale Videospielindustrie retten würden, das hätte er sich niemals erträumen lassen.

"Ich habe nie daran gedacht, ein Retter zu sein", so Umemura. "Ich hatte einfach nur Angst und wollte im Amerika Erfolg haben. 30 Jahre später hierher zu kommen, zu so einem Ereignis, hat mir gezeigt, dass wir die Videospielindustrie gerettet haben, ja, aber damals hatte ich keine Ahnung."

Uemura über die Konkurrenz

Heute kämpft Nintendo mehr oder weniger mit Sony und Microsoft um die Aufmerksamkeit der Gamer. Mehr oder weniger, weil Nintendo eher ein eigenes Süppchen kocht und sich schon lange aus dem Grafikrennen verabschiedet hat. Doch vor mehreren Dekaden hieß die Konkurrenz noch Sega. Ein Gegner, den Uemura respektierte.

Doch die seligen 16-Bit-Zeiten hielten nicht lange an. Mit dem Aufkommen der 32-Bit-Konsolen mit Fokus auf 3D kam auch das Rennen um die beste Grafik. Das Hauptaugenmerk lag nicht mehr länger rein auf Gameplay. Grafik und Sound wurden priorisiert und die Innovationen im Gameplay blieben aus.

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Was kommt als Nächstes von Nintendo?
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Nintendo war schon immer Indie

Nintendos Erfolg war schon immer einzelnen Designern und ihren Ideen zu Gameplay-Mechaniken und innovativer Hardware zu verdanken. Die bedeutendsten Mitarbeiter wie Shigeru Miyamoto mögen jetzt zwar in leitenden Positionen sein, der nächste Miyamoto wartet aber vielleicht schon unter den Mitarbeitern. Wenn man sich nur auf visuelle Schauwerte konzentriere, seien viele Mitarbeiter notwendig. Bei Nintendo seien dagegen die Ideen und Möglichkeiten des Einzelnen gefragt. Das habe das Unternehmen mit Indies gemein.

Folgend noch Werbeclips zu Uemuras NES:

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Und wer erinnert sich noch an diese NES-Werbung, die im deutschen TV lief?

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