In einem Interview mit Retro Gamer sprach Satoru Okada, der ehemalige Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung 1 bei Nintendo, über den Game Boy-Nachfolger Nintendo DS, den es unter Umständen fast nicht gegeben hätte.

Nintendo - Fast hätte es die DS-Familie nicht gegeben

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Als sich Nintendo gegen Mitte der 2000er-Jahre von der heiß geliebten Game Boy-Familie verabschiedete, hätte wohl niemand damit rechnen können, was für ein Erfolg die nachfolgende DS-Reihe werden sollte - vor allem Nintendo selbst nicht, wie Satoru Okada in einem Interview verriet.

"Alle hassten die Idee zweier Bildschirme"

Okada leitete nach dem Weggang von Game Boy-Entwickler Gunpei Yokoi die Forschungs- und Entwicklungsabteilung 1 bei Nintendo. Ursprünglich arbeiteten sie an der fünften Generation des Game Boy mit dem Codenamen IRIS (Lilie). Die Lilie war das Symbol des Monats Mai bei den Hanafuda-Spielkarten - die Produktion von Hanafuda-Karten stellte die Anfänge des Traditionsunternehmens aus Kyoto dar - die Entwicklung befand sich laut Okada auf gutem Wege, als der ehemalige Nintendo-Präsident Satoru Iwata auf Okada zukam.

"Er sagte, 'ich habe gerade mit Hiroshi Yamuchi (ehemaliger Präsident) telefoniert und er ist der Meinung, euer Handheld braucht zwei Bildschirme... ein wenig so wie beim Game & Watch, verstehst du?' Alle waren sich darüber bewusst. Aber was die Leute nicht wussten, war, dass ein jeder diese Idee hasste, sogar Iwata selbst", erklärt Okada. "Wir dachten, das ergibt keinen Sinn. Damals zur Zeit des Game & Watch (feste Hintergründe ohne Scrolling) war es anders, ein zweites Display erlaubte es uns, das Spielareal zu verdoppeln, was auch für die grafischen Elemente galt. Aber bei modernen Bildschirmen gab es keinen Grund dafür. Wir durften uns die Größe des Bildschirms aussuchen, also warum sollten wir uns damit beschäftigen und diesen auf zwei aufteilen? Besonders, wenn man bedachte, dass es unmöglich war, zur gleichen Zeit auf zwei Bildschirme zu blicken. Daher haben wir den Vorschlag nicht verstanden."

Project Nitro

Okada war darüber so aufgebracht und so irritiert, dass er Iwata darum bat, Yamauchi umstimmen zu dürfen. Doch Iwata pfiff ihn zurück und ließ ihn wissen, dass er den Vorschlag umsetzen wolle.

"Wir waren alle aufgebracht, vor allem, da es bedeutete, noch einmal komplett von vorn beginnen zu müssen. Also versuchte ich, mein Team zu beruhigen. Ich sagte, 'Ich habe etwas Erfahrung darin, mit zwei Bildschirmen zu arbeiten, wir geben einfach unser Bestes und dann werden wir schon sehen, macht euch keine Sorgen.' Daraus wurde Project Nitro und schließlich kam 2004 der Nintendo DS heraus."

Die Nintendo DS-Familie verkaufte sich seither weltweit über 154 Millionen Mal.

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