Völlig überraschend verkündete Nintendo gestern, dass man mit dem japanischen Mobile-Riesen DeNa eine Partnerschaft eingehe, um Smartphone-Spiele zu entwickeln. Besonders DeNa sieht darin eine gigantische Chance. DeNA West-CEO Shintaro Asako rechnet gar mit 100 Millionen Nutzern täglich.

Nintendo - DeNa West-CEO Shintaro Asako rechnet mit täglich 100 Millionen Nutzern

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Werden wir in Zukunft mehr Spiele wie Pokémon Shuffle sehen?
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Erst scheute sich Nintendo jahrelang davor, im Mobile-Bereich Fuß zu fassen, immerhin könne man die Nintendo-Qualität und Erfahrung nur auf den eigenen Plattformen garantieren, dann öffnete sich Nintendo doch ein wenig und experimentierte mit ersten Apps, und nun sind die Schleusen vollkommen offen. Dank einer Partnerschaft mit dem japanischen Mobile-Unternehmen DeNa will Nintendo Smartphone-Spiele entwickeln, um auf dem Mobile-Markt mitzumischen.

Und kaum wurde dieser Schritt verkündet, schoß die Nintendo-Aktie in die Höhe. Um mehr als 27 Prozent von 14,29 Dollar auf 18,22 Dollar. Die Aktie erreicht somit sogar ein Jahreshoch. Einen Gewinner gibt es also bereits jetzt schon - die Investoren.

Das ist aber vor allem auch für DeNa eine immens wichtige Kooperation. Nicht weniger als den Thron wolle man mit Nintendos Hilfe besteigen und Konkurrenten wie Supercell und King hinter sich lassen, so DeNa West-CEO Shintaro Asako. "Mobile Gaming ist unser Kerngeschäft und wir wollen definitiv die Nummer eins unter den Mobile-Spieleunternehmen auf der Welt werden - wir wollten schon immer eine dominante Kraft sein", so Asako. Nicht nur die eigene Heimat Japan, sondern die ganze Welt soll erobert werden. Ein ambitioniertes Ziel, schließlich ist DeNa selbst unter den japanischen Mobile-Unternehmen "nur" auf Platz acht. In Japan ist GREE die uneinnehmbare Festung, auch wenn die Mauern wanken. Und DeNa sorgt dafür, dass nichts dem Zufall überlassen wird.

So ist auch die Partnerschaft mit Nintendo keineswegs eine Entscheidung, die man über Nacht getroffen habe. "Die eine große Lösung war die, dass es einen gigantischen IP-Inhaber auf dem Markt gibt, der noch immer nicht in den Mobile-Bereich eingestiegen ist . Der Grund, warum sie davon überzeugt werden konnten, mit uns zusammenzuarbeiten war der, dass wir so entschlossen darin sind, mit ihnen zu kooperieren, dass wir seit 2010 Gespräche geführt haben. Richtig, wir haben eine lange, lange Zeit mit ihnen gesprochen."

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Star Wars: Galactic Defense ist eines von DeNas Lizenz-Spielen
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Sicherlich war es auch von Vorteil, dass DeNa bereits Erfahrung darin hat, mit großen Franchises zu jonglieren. So befinden sich unter den Lizenzen von DeNa auch Transformers und Star Wars. Gerade Nintendo hat dermaßen viele und vor allem erfolgreiche IPs, dass es nicht verwunderlich scheint, dass schon viele Unternehmen an die Japaner herangetreten sind, um schnelles Geld zu machen. Da der Ursprung von DeNa auch in der Informationstechnik liege, sei es für sie selbstverständlich, dass sie ihr Know-how dazu nutzen wollen, um Nintendo beim Aufbau der Strukturen zu unterstützen. "Dieser Teil ist nicht sehr sexy, aber wir sind bereit, ihn zu übernehmen."

Und Asako ist sich des gemeinsamen Potentials so sicher, dass er davon ausgeht, die hochgesteckten Ziele durchaus zu erreichen. "Ich wollte schon immer etwas kreieren, das weltweit Erfolg hat. Nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Leuten mittleren Alters und darüber hinaus", so Asako. "Das Spiel sollte eine breite Basis an Menschen anziehen. Wir wollten ein großes Publikum wie bei Candy Crush Saga - um die 100 Millionen Nutzer. Wir wollen etwas kreieren, das diese tägliche Nutzerbasis erreicht."

Ein durchaus hochgestecktes, ambitioniertes, wenn nicht sogar übereifriges Ziel, dass sich DeNa da ausmalt. Kings Candy Crush Saga erreichte zu seinen Hochzeiten 93 Millionen Nutzer täglich. Und dieses Spiel gilt als DER Ausnahmetitel unter den Mobile Games. Ob ein Maskottchen wie Mario etwas derartiges zu stemmen vermag, darf zu Recht angezweifelt werden. Nichtsdestotrotz ist Asako zuversichtlich. Es gehe nicht darum, sofort zehn oder zwanzig Spiele auf einmal herauszubringen, sondern das richtige Spiel zur rechten Zeit. Es sollte ein Spiel sein, das tägliche soziale Interaktion verlange.

Trotz der Partnerschaft mit Nintendo werde DeNa seinen eingeschlagenen Kurs auch weiterhin halten. Man wolle auch weiterhin eigene Spiele entwickeln und veröffentlichen. Und trotz allen Unkenrufen sehe Asako nicht, wie man Nintendo quasi eine Torschlußpanik attestieren könne. "Der Markt befindet sich noch immer in einer frühen Phase. Der westliche Markt ist noch immer am wachsen. Es war mal ein Markt mit zwei bis drei Milliarden Dollar Umsatz. Nun ist es ein 9-Milliarden-Markt. Ich denke, er wird weiterwachsen. Selbst der japanische Markt wird noch wachsen."

Man darf also gespannt sein, was sich Nintendo und DeNa in ihrer Partnerschaft einfallen lassen.

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