Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und Nintendo ist endlich wieder auf einem guten Kurs, dank genialer Spiele, die auch für einen Boost der Hardware-Verkäufe, vor allem bei der Wii U sorgen konnten. Da ist auch der Zeitpunkt für Nintendos CEO und Präsidenten Satoru Iwata perfekt, ein langes Interview zu geben, und über sich und Nintendo zu sprechen

Nintendo - CEO Satoru Iwata spricht über Nintendo, und wie er Miyamoto die Hölle auf Erden bereiten wollte

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Nintendos Präsident und CEO Satoru Iwata ist der erste Nicht-Yamauchi an der Spitze
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Das Jahr 2014 war für Nintendos CEO und Präsidenten Satoru Iwata von positiven wie negativen Ereignissen geprägt. Während das Geschäft im ersten Halbjahr noch schleppend voranging, und die Führungsebene von Nintendo sogar darüber nachdachte, Iwata abzusetzen, musste er sich im Juni einer Operation unterziehen. Doch gegen Ende des Jahres lief es endlich rund. Titeln wie Mario Kart 8 und Super Smash Bros. sei Dank. Die erfolgreichen Spiele verhalfen auch der Wii U zu guten Verkaufszahlen, vor allem auf dem schwächelnden Heimat-Markt Japan.

Nun fand Iwata Zeit, um in einem ausführlichen wie interessanten Interview mit 4Gamer Einblick in sein Leben wie auch in das Geschäft Nintendos zu gewähren. In letzter Zeit war es ja eher er, der die Fragen stellte. In seiner Rubrik Iwata Asks stellte er interessante Fragen an Nintendo-eigene und -nahe Entwickler. Aber vielleicht war das auch nur seine eigene Art, zu erfahren, wann sie denn endlich mit ihren Spielen fertig würden? "Ich habe Iwata Asks gestartet, als ich mir dachte, dass es unüblich für einen Boss sei, Fragen zu stellen, und es auf diese Weise zu tun, könnte vielleicht interessant sein", so Iwata. "Als wir anfingen, hatte ich eine gute Zeit, die Leser schienen es auch zu genießen, und die Leute, die ich interviewte, sagten, dass es ein guter Weg sei, ihr Projekt abzuschließen. Indem man mit den Entwicklern spricht, kann man auch neue Möglichkeiten erschaffen, Hinweise entdecken, und gemeinsam Probleme bewältigen. Für mich war es also so, als würde man fünf Fliegen mit einer Klappe schlagen."

Dann folgt eine interessante Anekdote: Satoru Iwata, der seine Karriere als Programmierer bei HAL Laboratory begann, sah in Shigeru Miyamoto, Nintendos Haus-Maestro einen Konkurrenten. "Damals, als ich gerade erst angefangen hatte, entschied ich für mich und völlig ohne Grund, dass Miyamoto mein Rivale sein würde. Auch wenn das jetzt eine peinliche Sache sein sollte", gesteht Iwata. "Würdet ihr es glauben, dass ich ihn ohne jeglichen Grund zu meinem persönlichen Rivalen auserkor, und ihm die Hölle auf Erden bereiten wollte?"

Wie, das teilte Iwata dann zwar doch nicht mit, und es gelang ihm offensichtlich auch nur teilweise, doch seine Meinung über Miyamoto änderte sich doch rasch. So zitiert er Miyamoto, dem nach eine gute Idee eine solche sei, die mehrere Probleme auf einmal lösen könne. "Miyamoto sagt auch, dass, wenn ein Problem nicht gelöst werden kann, dann lügt jemand." Er meine damit aber nicht das Lügen an sich, und Lügen auch nicht im negativen Sinne, sondern mehr, dass der Gedankenprozess beim Lösen eines Problems dann der falsche sei. "Miyamoto ist, wie soll ich es sagen, er ist ein Genie darin, die Auffassung zu verändern."

Nintendo - CEO Satoru Iwata spricht über Nintendo, und wie er Miyamoto die Hölle auf Erden bereiten wollte

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Nintendos nächstes Highlight ist The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D
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Die Möglichkeiten des Internets und Online-Dienste hat Nintendo von allen drei Herstellern für Konsolen ja als letzter erst so richtig kennen- und nutzengelernt. Doch Iwata ist sich der bedeutung des Internets in Sachen Marketing und PR bewusst. man könne zwar vieles nicht mehr so direkt kontrollieren wie es damals der Fall gewesen sei, doch 16.000 Retweets innerhalb eines Tages nach der Twitter-Ankündigung Nintendos, The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D als Remake herauszubringen, stelle eine ganz eigene Dynamik dar.

Wie Iwata bereits mitteilte, begann er seine Karriere als Programmierer bei HAL Laboratory. Aber nicht einfach nur als irgendein Programmierer, vielmehr erarbeitete er sich dort den Ruf als Super-Programmierer. "Es gab definitiv eine Zeit, nachdem ich bei HAL begonnen hatte, in der ich mich selbst als kompetentester Software-Programmierer in der gesamten Industrie bewunderte, weil ich glaubte, sogar einen besseren NES-Code abliefern zu können als Nintendos eigene Ingenieure, oder dass ich den schnellsten und kompaktesten Code schreiben könnte", gibt Iwata zu. Er habe sogar noch Codes geschrieben, als er bereits eine Manager-Position bei Nintendo annahm. Da habe er zwar unter der Woche nicht programmiert, doch dafür in den Nächten oder an freien Tagen.

Seinen letzten Programmier-Job machte er dann bei Super Smash Bros. Melee für den GameCube. Da war er bereits der General Manager of Corporate Planning bei Nintendo. "Irgendwas ist passiert, und die GameCube-Version von Super Smash Bros. funktionierte nicht, wie sie sollte, und es sah ganz danach aus, als würde der Veröffentlichungstermin nicht eingehalten werden können. Also führte ich ein Code-Review durch. Ich beseitigte einige Bugs, ging den Code durch, beseitigte noch mehr Bugs, las den langen Bug-Report durch, erörterte die weiteren Probleme, und ließ sie von Leuten beseitigen. Alles in allem habe ich ganze drei Wochen damit verbracht. Und dadurch konnte der Termin eingehalten werden."

Mittlerweile habe er aber nicht mehr die Zeit, sich auf dem Laufenden zu halten, und es fehle ihm schlicht an neuem Wissen, um noch mit den ganzen jungen Programmierern mitzuhalten. Super Smash Bros. Melee war also sein letzter Programmier-Job.