In der Filmszene sind Remakes, also die Neuverfilmung bereits bekannter Storys, ziemlich angesagt. Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur. Zum einen dürften finanzielle Vorteile bei bereits vorhandenen Vorlagen ausschlaggebend sein, gelegentlich steht vielleicht sogar ein künstlerisches Interesse (bessere Effekte) im Vordergrund. Bei Videospielen sieht das Ganze ähnlich aus, schließlich schreitet auch hier die Technik immer weiter voran und ermöglicht Dinge, die vor einigen Jahren undenkbar waren.

Bei Ninja Gaiden Sigma handelt es sich im Prinzip ebenfalls um ein solches Remake, das Ninja Gaiden von der Xbox aus dem Jahre 2004 mit einigen Elementen der Black-Edition (2005) kreuzt und den PlayStation 3-Gamern zugänglich macht. Ob das gefeierte Beat Em Up-Geschnetzel für Muskelkater in den Fingern sorgt und ähnlich gut abschneidet, wie seine Vorbilder? Lest selbst!

Remake = Rückschritt?
Ninja Gaiden geht ja eigentlich auf ein Tecmo-Spiel zurück, das bereits im Jahr 1988 das Bildschirm-Licht der Welt erblickte und kann dementsprechend auf eine ziemlich große Fangemeinde bauen. Das um einige neue Features und Zusatzlevel erweitere Remake gründet sich jedoch vollkommen auf die beiden erwähnten Xbox-Vorgänger und umfasst in der PS3-Fassung 19 Missionen, von denen einige jedoch sehr kurz ausgefallen sind.

Ninja Gaiden Sigma - Ein Remake, das begeistert: Volljährige Actionfans werden mit diesem Prügelkracher bestens bedient.

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Mit diesen Doppelklingen heizt ihr euren Feinden mächtig ein.
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Dazu gehören auch die neu kreierten Level von Rachel, die nun auch spielbar ist und das Gameplay ein wenig auflockern soll - doch dazu später mehr. Im Mittelpunkt der nach wie vor ziemlich dünnen Ninja-Story steht jedoch Ryu Hayabusa, der sich zum Einen auf dem Rachefeldzug für sein vernichtetes Heimatdorf befindet und zum Anderen das sagenumwobene Dark Dragon-Schwert finden möchte.

Zwar ist die Geschichte in Ninja Gaiden Sigma besser unterfüttert und wird durch neue Missionen verständlicher erklärt als zuvor, allzu viel (Seele) sollte man trotzdem nicht von ihr erwarten. Als astreiner Actiontitel geizt auch Ninja Gaiden Sigma mit ausschweifenden Erfklärungen oder Gehalt.

But make no mistake (wie die Amis sagen würden) - geboten bekommt man in den deutlich über 20 Stunden Spielzeit mehr als genug actionreicher Unterhaltung. Und gerade dafür steht diese Serie schließlich! Ihr erhaltet sogar noch mehr als früher, denn die PS3-Fassung enthält neue Kapitel, überarbeitete Level, neue Zwischensequenzen, Boss-Gegner und natürlich Waffen - wie die beidhändigen Schwerter Dragon's Claw / Tiger's Fang.

Ninja Gaiden Sigma - Ein Remake, das begeistert: Volljährige Actionfans werden mit diesem Prügelkracher bestens bedient.

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Der eine oder andere Gegner lässt sich aber vielleicht auch von, ehm, anderen Waffen beeindrucken ...
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Zusätzlich gibt es zudem die neue Spielfigur Rachel, die bisher nur als computergesteuerte Figur im Spiel vorkam. Sie spielt sich deutlich anders als unser Held Ryu, ist viel schwerfällig (kein Wunder, bei dem stattlichen Vorbau ...) und ist auf eine kraftzehrende Kampftechnik ausgelegt, die eher an die Rolle eines "Tanks", denn eines leichtfüßigen Nahkämpfers erinnert. Sich daran zu gewöhnen fällt gar nicht so leicht und sehr schnell wird klar, dass man ohne den bewussten Einsatz von Kontermoves nicht sehr weit kommt.

Man, sind die tough, ey!
Doch Ninja Gaiden-Kenner wissen, dass ausgiebige Konterattacken bei diesem Spiel ohnehin zu den Grundlagen der Fights gehören und für den virtuellen Charakter überlebenswichtig sind. Auch wenn man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass der Schwierigkeitsgrad insgesamt ein wenig heruntergepegelt wurde, richtet sich Ninja Gaiden Sigma immer noch vor allem an fortgeschrittene Spieler - Anfänger werden ob der cleveren und toughen KI-Gegner (noch) häufiger Frustmomente erleben.

Diese können sich zwar mit dem umfangreichen Nahkampfpotenzial Ryus, das jede Menge Schnetzelmoves, Würfe, akrobatische Einlagen wie Wallrun und meterhohe Sprünge sowie sogar magische Attacken (Ninpo) beinhaltet, sehr gut ihrer Haut erwehren. Doch trotz der relativ hohen Spieltiefe erfordert das Spiel zunächst eine steile Lernkurve zu überwinden und somit viel Zeit zu investieren.

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Charakterdetails und Animationen sind sehr gut gelungen.
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Selbst die einfach zugängliche Steuerung und viele erhältliche Upgrades für Waffen und den Charakter erleichtern das Vorankommen im Spielverlauf nicht wirklich, denn auch der Schwierigkeitsgrad steigt zum Ende hin noch mal deutlich an. Dazu trägt auch das nach wie vor sehr flotte Gameplay bei: Die vielen Ninja-Angreifer und Dämonen oder Plattform-Springereien lassen kaum Zeit zum Luft holen.

Nervig: Immer wieder muss man sich in der schwer zu durchschauenden Levelstruktur durch Abschnitte kämpfen, die man schon "bereinigt" hatte. Auf der anderen Seite kann man die dabei gewonnenen Punkte gut in Erweiterungen investieren, sodass sich der Ärger darüber in engen Grenzen hält.

Nicht viel weiter bringt euch spieltechnisch übrigens ein PS3-spezielles Feature für den Sixaxis-Controller, bei dem ihr durch heftiges Schütteln des Pads zusätzliche Energie für Skills erhaltet. Zum einen passt sich diese Technik nicht wirklich in das Gameplay ein und zum anderen wirkt es doch ziemlich aufgesetzt. Diese Technologie nur um ihretwillen zu nutzen, bringt nichts, liebe Entwickler.

Kleine und große Neuerungen
Etwas besser als beim Vorläufer Ninja Gaiden ist die Kamerasteuerung gelungen, die nun viel weniger stört bzw. das Kampfgeschehen negativ beeinflusst. Der mit der Black-Edition begangene Weg wurde damit konsequent weiterverfolgt, trotzdem gibt es hin und wieder kleinere Perspektiv-Probleme, vor allem in engen Räumen.

Ninja Gaiden Sigma - Ein Remake, das begeistert: Volljährige Actionfans werden mit diesem Prügelkracher bestens bedient.

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Rachel hat ihren großen Vib..., ehm, Kriegs-Hammer mitgebracht.
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Nach wie frustrierend kann das automatische Speichersystem sein, denn zu unregelmäßig und an für Spieler ungünstigen Momenten wird der Spielstand gesichert. Immerhin gibt es aber doch eine kleine Verbesserung: Bevor ihr euch in Boss-Fights stürzt könnt ihr nun die Shops besuchen und euch mit frischem "Proviant" eindecken. Wenn wir aber schon am Meckern sind dürfen auch die teilweise nervig langen Ladezeiten nicht unerwähnt bleiben - auf die die Installation auf die PS3-Festplatte übrigens keine Auswirkung hat.

Optisch zeigt sich (das immer noch brutale) Ninja Gaiden Sigma im Vergleich zu den Vorbildern leicht verbessert, auch wenn der Sprung nicht ganz so groß ist, wie man sich das bei einer Next-Gen-Konsole vielleicht wünschen würde. Viele Levels wirken aufgehübscht, den größten Fortschritt machen aber die Spielfiguren, die mit sehr vielen Details ausgestattet sind und über eine sehr hohe Texturschärfe verfügen.

Ninja Gaiden Sigma - Ein Remake, das begeistert: Volljährige Actionfans werden mit diesem Prügelkracher bestens bedient.

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Achtung Wortwitz: Dieser Gegner ist Feuer und Flamme.
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Darüber hinaus sind auch die Animationen hervorragend umgesetzt worden und fließen in butterweichen 60 FPS über den Bildschirm (1080p). Unterm Strich ist das in großen Teilen absolut sehenswert, ohne insgesamt herausragend zu sein. Neben dem Story-Modus können hartgesottene Gamer übrigens mit dem Durchspielen der Kampagne den Missions-Modus freischalten. Dieser bietet über 50 zusätzliche Aufgaben, die einen sehr hohen Schwierigkeitsgrad haben.