Auf der Rückseite der Packung steht es in dicken schwarzen Lettern: „Lies bitte die Spielanleitung und die Gesundheitshinweise, bevor du das System in Betrieb nimmst.“ Hilft nur alles nicht: Wer Ninja Gaiden bereits auf der Xbox oder der 360 gespielt hat, weiß, dass man sich bei der extrem harten Dauerklopperei schon mal einen Krampf im rechten Daumen zuziehen kann oder zumindest ein Wutbläschen auf der Lippe.

Auf dem DS wäre ein Krampf in den Fingern allerdings noch das geringste Übel: Dank völliger Stylus-Kontrolle wird gerubbelt, gestochen und gewischt bis sich die Sehnen biegen – und zwar alles hübsch sinnfrei und anspruchslos. Warum man für diese handfeste Ninja-Klopperei unbedingt seinen Arzt oder Apotheker zu Rate ziehen sollte, klärt der Test.

Ninja Gaiden Dragon Sword - Trailer: Gameplay #4 Bosskampf5 weitere Videos

Ein Ninja kommt selten allein

Da war ja wieder jemand besonders kreativ: Ryu Hayabusa, seines Zeichens vermummter Super-Ninja und Prügelmeister, ist auf der Suche nach seiner – Achtung: Innovation! – entführten Freundin. Das muss gerächt werden, also kämpft sich der grimmige Schwertschwinger fortan durch ein ganzes Rudel schwarz gekleideter Ninjas, weißer Ninjas, Dämonen, die aussehen wie Ninjas, und Monster, die von Ninjas kontrolliert werden. Ein großes Lob an die Storyschreiber für ihren beherzten Mut zur Lücke.

Ninja Gaiden Dragon Sword - Sehnenscheidenentzündung, ick hör dir trapsen: Die Ninja-Klopperei ist Gift für jedes Handgelenk.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 23/281/28
Die...*hust*...Story wird in hübsch gezeichneten Cut Scenes erzählt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mehr braucht man nicht zu wissen, Ryus erstes DS-Abenteuer erzählt sein Nichts von Handlung in ultraknappen aber hübsch gezeichneten Zwischensequenzen bzw. schnöden Textboxen und kommt stattdessen lieber gleich zum Punkt. Zwar startet ihr stets in Ryus Heimatdorf, mehr als ein paar belanglose Gespräche mit den Bewohnern oder einen Besuch beim Upgrade-Händler gilt es dort nicht zu tätigen.

Stattdessen gibt’s aufs Maul – pausenlos. Durch ein Dimensionstor gelangt ihr an euren Einsatzort, der stets aus linearen Levelschläuchen besteht. Bildschirm für Bildschirm erscheinen gefühlte 200 Ninjas, Monster und sonstige Kreaturen, die es solange tot zu rubbeln gilt, bis sich die Energiebarriere zum nächsten Abschnitt öffnet. Am Ende wartet dann noch ein imposanter Endgegner, den Ryu aber nur mit speziellen Taktiken zu Leibe rücken kann.

Ninja Gaiden Dragon Sword - Sehnenscheidenentzündung, ick hör dir trapsen: Die Ninja-Klopperei ist Gift für jedes Handgelenk.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 23/281/28
Die Endgegner sehen wirklich famos aus, sind aber recht schwer zu knacken.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das war’s dann auch in Punkto Abwechslung und Spieldesign. Zwar strecken ab und an einige völlig banale Rätselchen die Spieldauer, im Durchschnitt benötigen versierte Action-Fans aber nie mehr als 10-15 Minuten für eine Mission - bei lediglich 13 Kapiteln also ein reichlich kurzes Vergnügen. Glücklicherweise hält sich der Schwierigkeitsgrad in Grenzen – geschädigte Xbox-Fans dürfen also trotzdem einen Blick riskieren.

K(r)ampf mit dem Stylus

Für den nötigen Wiederspielwert sollen noch zwei weitere Schwierigkeitsgrade sorgen, von denen wir an dieser Stelle aus medizinischen Gründen aber dringend abraten möchten. Der Grund: Wie im fantastischen Zelda: Phantom Hourglass steuert ihr Ryu ausschließlich über den Stylus, bewegt euch über den Bildschirm oder schlagt durch eine schnelle Seitwärtsbewegung mit dem Schwert zu.

Ninja Gaiden Dragon Sword - Sehnenscheidenentzündung, ick hör dir trapsen: Die Ninja-Klopperei ist Gift für jedes Handgelenk.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 23/281/28
Ist der Nahkampf zu gefährlich lohnt der Griff zu Pfeil und Bogen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Klingt zunächst nach einer tollen Idee. Da sich aber zu jedem Zeitpunkt – ganz Ninja Gaiden-typisch – vier bis fünf Gegner gleichzeitig auf Ryu stürzen, verkommt die nett gemeinte Bedienvariante zur schier end- und vor allem wahllosen Dauerrubbelei. Wohin man nun eigentlich den Stylus schwingt, weiß man irgendwann gar nicht mehr. Wirkliche präzise Moves sind im heillos chaotischen Schlachtgetümmel nie möglich.

Und dann diese Schmerzen: Die immer gleichen Schnetzelbewegungen gehen mit der Zeit nämlich ziemlich in die Knochen. Während unseres Tests mussten wir den DS immer wieder zur Seite legen, weil unsere Handgelenke kurz vorm Schleudertrauma standen. Dumm auch, dass ihr den DS wie bei Dr. Kawashima quer halten müsst, zum Blocken aber dennoch das Steuerkreuz betätigen sollt – so kann sich auch die andere Hand kaum entspannen.

Ninja Gaiden Dragon Sword - Sehnenscheidenentzündung, ick hör dir trapsen: Die Ninja-Klopperei ist Gift für jedes Handgelenk.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 23/281/28
Die Drachensteine öffnen Dimensionstore. Dahinter: 2000 Gegner - oder so.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im Laufe der Kampagne erhaltet ihr Zugriff auf allerlei Ninjaattacken, die sich nur über spezielle Stylus-Bewegungen ausführen lassen. Die Steuerung ist dabei im Grunde relativ eingängig, leider zeigt sich Ryu aber häufig widerspenstig, verweigert Befehle oder reagiert mit einem gänzlich anderen Move. Problem: Nutzt ihr die verschiedenen Angriffstechniken nicht, wird das Spiel ungleich schwieriger.

Kratos kleiner Bruder

Die wenigen verbleibenden Spielelemente erinnern an God of War: Gefallene Gegner hinterlassen vielfarbige Kugeln, die entweder eure Lebensenergie auffüllen oder bei einem Händler gegen Waffenupgrades und Ninpo-Zaubereien eingetauscht werden können. Diese mächtigen Attacken lösen zum Beispiel verheerende Wirbelstürme oder gefährliche Blitzattacken aus. Die Jagd nach Upgrades motiviert zumindest recht ordentlich.

Ninja Gaiden Dragon Sword - Sehnenscheidenentzündung, ick hör dir trapsen: Die Ninja-Klopperei ist Gift für jedes Handgelenk.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 23/281/28
Die Ninpo-Fähigkeiten sind zwar stark, halten aber nur kurz an und lassen sich schwer wieder aufladen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten zum genialen Griechenepos allerdings auch schon. Wo Kratos seinen schamlosen Prügeleien immer wider frische Impulse, eine bombastische Präsentation und abwechslungsreiches Leveldesign entgegensetzt, spult Dragon Sword dieselbe Nummer bis zum Schluss herunter. Als schmackhafter Actionhappen für die Mittagspause ist das durchaus brauchbar, die Genrekrone erreicht man so allerdings nicht.

Ein Spiel so doof, dass es schon wieder witzig ist: Dragon Sword ist purer Trash und eine Gefahr für jedes Handgelenk.Fazit lesen

Zumindest technisch überzeugt Ninja Gaiden aber durchweg: Für mehr als die obligatorische Mischung aus Eis-, Feuer-, Wüsten- und Waldregionen hat die Kreativität der Entwickler zwar nicht gereicht, diese sehen aber für DS-Verhältnisse sehr schick aus. Nur die arg matschigen Charaktertexturen von Ryu und Co. sollte man besser nicht zu lange betrachten. Sonst gesellt sich zu den wunden Handgelenken gleich noch eine Bindehautentzündung. Und das will ja keiner…