Ninja Gaiden – das ist Anime-Fantasy-Action, blutig und anspruchsvoll. Wenn man jemanden nach der Serie fragt, werden das die Stichworte sein, die fallen. Aber gilt das auch noch für den kommenden Teil? Das Zittern ist jedenfalls da: Fans fürchten sich davor, dass die Serie mit dem neuen Teil zu einem blutarmen Weichspülgekloppe auf Milchtrinkerniveau verkommt.

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Schuld an diesen Vermutungen sind einige etwas unglücklich gewählte Ankündigungen von Produzent Yosuke Hayashi vom Team Ninja. Er hatte vor einer Weile davon gesprochen, die Serie radikal umzukrempeln und einsteigerfreundlicher zu gestalten. Die Nachricht, dass Ninja Gaiden III in Deutschland komplett ungeschnitten erscheinen wird, tat ihr Übriges und ließ die Sorgenfalten noch tiefer werden.

Nun war Hayashi-san in Deutschland zu Gast und gab sich die allergrößte Mühe, seine Aussagen zu relativieren. Es sei ja alles ganz anders: Ja, das Spiel sei einsteigerfreundlicher, aber nur, weil es einen zusätzlichen Modus gebe - den Hero-Modus -, der das Spiel auch für Gelegenheitszocker zum Vergnügen mache. Die Fans können sich im „normalen“ Modus mit gepfeffertem Schwierigkeitsgrad austoben. Wer richtig gut ist, kann im Spielmodus „schwer“ sein Glück versuchen.

Und auch, was den Blutlevel angeht, ist der neue Produzent der Serie um Klärung bemüht: Die Hauptfigur, der bekannte Ninja Ryu Hayabusa, leidet zwar unter der Schuld, die unzählige Getötete seiner Karriere auf ihn laden, doch ist er trotz allem noch immer ein Ninja mit einer Mission, und die lautet „töten“. Seine Zerrissenheit äußert sich auch eher dadurch, dass er nun einen ziemlich coolen, blutig-roten und gerne auch mal flammenden Arm hat, der auch einiges in der Abteilung Sonder-Move zu bieten hat. Ryu leidet natürlich sehr darunter, und der Arm ist seine Bestrafung für all den Tod, den er gesät hat.

Ninja Gaiden 3 - Ninja-Drama mit Tiefgang. Oder nicht?

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Klirrende Klingen, viel Blut und Schweiß - das ist Ninja Gaiden.
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Leiden und Gefühle sind überhaupt so ein Thema – wie uns erklärt wird, blicken wir diesmal (nicht nur metaphorisch) hinter die Maske von Ryu. Das Spiel soll sehr viel persönlicher sein und sich um einen viel dunkleren, zerrissenen Charakter drehen als in den letzten Teilen. Dafür wird auch die Vergangenheit Ryus deutlicher als jemals zuvor beleuchtet.

Das hört sich ja nach ordentlich Geschichte und einigem Tiefgang an. Mit großer Vorfreude auf großes, emotionales Ninja-Kino geht es also ins Spiel, und wir sind sofort mittendrin. Kein langes Vorgeplänkel, kein mühseliges Aufbauen oder langfristige Lernphasen – unser Ninja springt herab, gleitet direkt auf ein Kriegsschiff, wo schon unzählige Gegner auf ihn warten. Lautlose Attentate sind aber nicht so unsere Sache (war da nicht eigentlich was mit Ninja und Schleichen und so? Soll es auch geben, haben wir aber nicht gesehen!). Stattdessen heißt es: Messerchen raus und losgeschnetzelt.

Packshot zu Ninja Gaiden 3Ninja Gaiden 3Erschienen für PS3, Xbox 360 und Wii U kaufen: Jetzt kaufen:

Während wir einem schnurgeraden und komplett schnörkellosen Levelaufbau durch das Schiff folgen, haben wir aber gar keine Zeit, uns großartig darüber Gedanken zu machen, ob etwas Abwechslung oder spielerische Freiheit besser wäre – tatsächlich stürzen sich die Gegner mit einer Inbrust auf uns und fordern Katana-Hiebe ein, dass uns kaum Zeit zum Luftholen bleibt. Was da auf dem Bildschirm passiert, reicht fast, um Sehnerven durchschmoren zu lassen. Ninja und Soldaten stürmen unvermittelt aus dem Nichts heran, aus dem Hintergrund nehmen uns MG-Türme unter Dauerfeuer und Schützen mit Raketenwerfern lassen Explosives regnen.

Rasantes Tempo

Wäre toll, wenn uns wenigstens genug Zeit und Übersicht bliebe, die Heckenschützen mit dem Bogen abzustellen. Dummerweise geschieht auf dem Boden so viel und so rasant um uns herum, dass wir das erst einmal vergessen können. Also hübsch der Reihe nach: Zunächst die Goons mithilfe von Wurfsternen und Kombinationen aus leichten und schweren Katana-Hieben abstellen, den Rest mit einem Drachen entfesselnden Ubermove abgeräumt, dann die Geschütztürme mit ein bisschen Quicktime-Event-Action kaputt gemacht, den Bogen mit den Explosivpfeilen rausgeholt und die Jungs von oben heruntergepflückt.

Brutal, schnörkellos, anspruchsvoll - Ninja Gaiden 3 sieht richtig gut aus.Ausblick lesen

Danach klettert Ryu mit richtigem Schultertasten-Timing eine Wand hoch, mäht weitere Gegner um, muss eine Zwischensequenz mit Quicktime-Einlagen überstehen und einen Hubschrauber sowie einen Panzer aus dem Weg räumen. Dann steht er plötzlich vorm Endgegner: einem Typen im schwebenden AOK-Chopper. Doch der alte Knacker im Rolli verwandelt sich kurzerhand in einen riesigen Mech, den wir plattmachen, indem wir schön immer auf die roten Stellen eindreschen. Dann ist der kurze Probelevel vorbei.
Alter Schwede.

Was wir gesehen haben, war wirklich ein Action-Schnetzelwerk erster Güte. Körperteile wie in den Vorgängern fliegen zwar nicht mehr durch die Luft, dafür gibt es wahre Duschen an roter Körperflüssigkeit. Also kann die erste Befürchtung schon einmal entkräftet werden: Ninja Gaiden III ist alles andere als ein Schmusebärchenspiel, hier geht es richtig zur Sache.

Ninja Gaiden 3 - Ninja-Drama mit Tiefgang. Oder nicht?

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Und die andere Befürchtung, es sei zu leicht? Auch die ist haltlos: Die gleiche Passage wie eben ist bereits im Normal-Modus um ein solchen Brocken schwerer, dass andere Titel vermutlich ein Nightmare-Prädikat verpasst hätten. Von dem echten „schweren“ Modus mal ganz abgesehen: Der ist dann wirklich nur etwas für Veteranen, die mit geschlossenen Augen spielen können. Oder vielleicht noch für Leute, die sich gerne von ihrer Konsole erniedrigen lassen.

Was wir jedoch nicht wirklich mitbekommen haben, war irgendein Gefühl von Tiefgang oder der versprochene Blick hinter die Maske Ryus, auf die dunklen Seiten seines Charakters. Aber dann wiederum war es ja auch nur ein Ausschnitt, den wir gespielt haben – kann also alles noch kommen.

Eines wollen wir nicht unterschlagen - es gibt auch noch den Mehrspielermodus. Hier wurden uns in der Präsentation der Mund wässrig und die Finger schwitzig gemacht: Vollmundig wurde versprochen, dass die Multiplayer-Optionen nicht einfach nur draufgepfuscht, sondern sehr sorgfältig entwickelt worden seien. Doch so ein bisschen ernüchternd war die anschließende Session mit den Kollegen dann doch. Im Koop-Modus müssen Angriffswellen von Gegnern abgewehrt werden, und wer lieber gegeneinander antritt, kann in 4-vs.-4-Deathmatches die Klingen sprechen lassen.

Das hat man aber alles anderswo schon besser und kurzweiliger gesehen, da helfen auch witzige Personalisierungsoptionen für den Avatar nichts. Sicherlich ist Ninja Gaiden in erster Linie ein Singleplayer-Titel - kaum einer wird sich das Spiel zulegen, um online mit oder gegen andere spielen zu können. Allerdings hätte ein anständiger Mehrspieler-Modus immerhin für fette Pluspunkte in der B-Note sorgen können, aber der Konjunktiv verrät es bereits: Es schaut nicht danach aus.