Weiße Fahrzeuge oder Blauhelme stehen in den Krisengebieten dieser Welt für den Dachverband aller Nationen, die United Nations. Selten entpuppt sich dieser zahnlose Bürokratenapparat jedoch als das, wozu er gedacht ist. Immer häufiger dagegen gerät die mit Korruptionsvorwürfen und Misswirtschaft konfrontierte UN mit negativen Schlagzeilen selbst in eine gefährliche Schieflage und soll trotzdem irgendwie die fragile Weltgemeinschaft zusammenhalten.

Der japanische Entwickler From Software, vor allem bekannt für seine Armored Core-Serie, hat den Glauben an die Völker-Organisation allerdings noch nicht verloren und rückt eine ihrer Spezialeinheiten in den Mittelpunkt des Actionspiels Ninja Blade. Was einen ziemlich kruden Mix erwarten lässt, entwickelt sich unterwartet zu einem potenziellen Überraschungshit. Wir sagen euch, warum ihr als Actionfan kaum an diesem Xbox 360-exklusiven Spiel vorbei kommt.

Mit dem Schwert nach Polen?

Die ziemlich trashige Handlung von Ninja Blade ist schnell erzählt: Ken Ogawa ist Mitglied von Global United Infestation Detection and Elemination (GUIDE), die sich gegen die Ausbreitung einer Alpha-Wurm-Epidemie stemmt. Menschen, die einmal von dieser Plage befallen sind, mutieren zu blutrünstigen Bestien und werden daher von dieser fiktiven UN-Untersektion exterminiert - wenn es sein muss, planiert man dazu auch gleich ganze Landstriche im afrikanischen Hinterland.

Ninja Blade - Der erste Überraschungshit des Jahres!

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Unglaublich: Dieser Koloss gehört noch zu den kleineren Boss- und Zwischengegnern.
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Im Sommer 2015 wird allerdings Tokio befallen, und nur Ken ist aufgrund seines "speziellen" Blutes in der Lage, die Stadt und letztendlich die Welt vor ihrer Vernichtung zu bewahren. Dazu setzt er die von seinem Vater Kanbe erlernten Ninja-Fähigkeiten ein, mit denen ihr euch als Spieler das fiese Gewürm und bösartige Mutanten vom Leibe haltet.

Von Beginn an tritt die oberflächliche und vorhersehbare Handlung jedoch in den Hintergrund und macht damit glücklicherweise Platz für bombastische Nonstop-Action. Ninja Blade erinnert von seiner Aufmachung und Spielablauf her oft an Ninja Gaiden, spielerisch kommt es jedoch einem Frühwerk der Japaner näher und orientiert sich diesbezüglich damit eher an Otogi (2003).

Packshot zu Ninja BladeNinja BladeErschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Auch hier könnt ihr zwar die Angriffe der Feinde blocken, doch nie ist diese Funktion so wichtig oder gar überlebenswichtig wie bei Ninja Gaiden, und auch die Spurtfähigkeit (Dash) kommt nur selten eine so dominierende Rolle zu. Doch selbst die Fights gegen die vielen Standardgegner dadurch auf den ersten Blick ein wenig zu sehr an Button Mashing-Festivals erinnern, kommt der tatsächlich bedeutsame Gameplay-Kniff erst durch den Einsatz des richtigen Schwerts zur Entfaltung.

Drei Schwerter für den Meister

Ken greift nämlich auf drei unterschiedliche Schnetzelwerkzeuge zurück: ein normales Katana, ein schwerfälliges, aber panzerbrechendes Großschwert und ein Doppelklingenpaar. Jedes der Schwerter verfügt zum einen über besondere Vor- und Nachteile gegen die verschiedenen Gegnerarten und zum anderen sind unterschiedliche Komboattacken mit ihnen verbunden. Die Wahl der Waffe wirkt sich also gleich auf mehreren Ebenen auf den Spielablauf aus und verleiht ihm damit eine größere taktische Spieltiefe, als vergleichbare Titel aufweisen können.

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Die Action ist häufig total übertrieben, macht aber trotzdem (oder deshalb?) viel Spaß.
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Die Steuerung des Helden bleibt jedoch trotz der komplexen Aufgaben meist denkbar einfach, und durch die sich eher träge bewegenden Widersacher ist in der Regel genügend Zeit, um sich auf die Situationen einzustellen. Nur selten wird man überfordert (und der im Vergleich zu NG2 eher moderate Schwierigkeitsgrad erhöht) und bisweilen gefrustet, wenn man von unterschiedlichen Feindesarten gleichzeitig angegriffen wird, die Umgebung dabei dunkel gehalten ist und man zusätzlich auch noch die Funktionen seines Shuriken einsetzen soll. Diese spezielle Waffe verleiht euch magische Attacken, mit denen ihr beispielsweise Feuer legt oder löscht oder Gegner mit Blitzen lähmt.

From Software hat es jedoch meisterlich verstanden neben diesem "normalen" Hack n Slay-Ablauf auch immer wieder cineastische Actionsequenzen zu integrieren, in denen ihr überwiegend mit Quicktime-Events konfrontiert werdet. Diese kontextsensitiven Elemente kommen zwar auch in kleinerer Form als Endmoves von Komboattacken zum Einsatz. In erster Linie bestreitet ihr auf diese Weise jedoch die vielen Boss-Kämpfe in den neun Levels des ca. zehnstündigen Titels. In Ninja Blade hat man häufig das Gefühl, dass man länger mit gigantischen Zwischen- und Endbossen beschäftigt ist, als sich mit dem gemeinen Fußvolk aufzuhalten.

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Spektakuläre Quicktime-Events sind ein wichtiges Element von Ninja Blade.
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Während man dort Erfahrungspunkte sammelt, mit denen man seine Waffen auflevelt, dienen die Boss-Kämpfe quasi der reinen Unterhaltung, bei denen Reaktionsschnelligkeit und Geschick gefordert sind - Fehler haben dabei kaum negative Konsequenzen, stattdessen spult man den Vorgang einfach noch einmal ein Stück zurück. Diese gelungenen Sequenzen werden jedoch nie langweilig, ihre Präsentation ist höchst abwechslungsreich gestaltet - wenn auch häufig total "over the top".

Ein wahres Actionfest für Quicktime-Jünger!Fazit lesen

Da spuckt etwa ein mutierter Riesenwurm Fahrzeuge aus seinem Schlund, nur damit unser Held in geschätzten 150 Metern über dem Boden eines der Motorräder besteigt, auf einem Bus entlangfährt und dann das gefährliche Biest attackiert - das muss man einfach selbst gesehen haben, um es zu glauben! Die Entwickler haben letztendlich genau das richtige Maß zwischen Quicktime-Events und selber Zuhauen gefunden.

Auch Ninjas sind nicht perfekt

Das Leveldesign ist dagegen stringent linear ausgefallen, nur auf der Suche nach Geheimräumen oder versteckten Gegenständen treibt ihr euch mal abseits der vorgegebenen Pfade herum. Falls ihr doch mal nicht genau wisst, wie ihr weiter kommen sollt oder wo die Schwachstelle eines Boss-Monsters liegt, aktiviert ihr eure Ninja-Vision.

Diese zeigt euch in markanten Farben, ob Elemente der Umgebung zerstörbar sind oder ihr sie etwa für Wandläufe nutzbar machen könnt, wie man sie auch von Prince of Persia bestens kennt. Immer wieder werden kleinere Geschicklichkeitsparcours dieser Art eingestreut, die den Spielablauf auflockern und abwechslungsreicher gestalten.

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Wandläufe dieser Art erinnern an Prince of Persia.
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Doch auch wenn Ninja Blade ein beeindruckendes Actionfest abliefert, das optisch häufig mit atemberaubenden Boss-Monstern, flüssigen Animationen und detailreich gezeichneten Charakteren glänzt, ist es alles andere als perfekt. Der tollen Grafik sind möglicherweise recht häufige Nachladeruckler und FPS-Einbrüche geschuldet, die das Spiel immer wieder zum Stottern bringen. Nerviger sind jedoch die immer wieder auftretenden Probleme mit der Kameraausrichtung.

Da ihr euren Helden aus der Schulterperspektive steuert, richtet sich die Perspektive jeweils automatisch aus. Das funktioniert meist sehr ordentlich, immer wieder erweist sich die manuelle Perspektiv-Wahl jedoch als störrisch und dreht sich aus dem selbst gewählten Blickwinkel wieder zurück in den automatisch vorgegebenen Kamerawinkel. Das macht sich vor allem dann negativ bemerkbar, wenn man versucht, feindliche Projektile zu reflektieren, dafür aber eine bessere Perspektive benötigt als vom Spiel vorgesehen. Clipping-Fehler treten dagegen glücklicherweise nur sehr selten auf.

Multiplayer-Fans werden von Ninja Blade übrigens enttäuscht: Abgesehen von der Einzelspielerkampagne werden keine weiteren Inhalte geboten. Schmerzlich vermisst wird daher zumindest ein New Game+ Feature, bei dem man alle Missionen nochmals durchzocken kann und versucht, seine Wertungen zu verbessern bzw. noch mehr versteckte Spielinhalte zu finden, dabei aber seine bereits aufgelevelten Waffen verwendet. Der Wiederspielwert wird dadurch leider deutlich verringert.