"Die Nacht beginnt", heißt es auf der Packung von Konamis neuem Hack'n'Slash-Titel Ninety-Nine Nights 2, auch N3II genannt. Und in der Tat sieht es finster aus für die koreanische Splatter-Orgie, steht sie doch schon seit dem Release zum Budget-Preis im Laden. Reflektiert diese Geschäftsentscheidung die Qualität des Spiels oder sind die Fantasy-Massenschlachten von N3II ein Geheimtip für Metzelfreunde?

Das erste Ninety-Nine Nights erschien 2006 exklusiv für die Xbox 360 und somit recht früh im Lebenszyklus von Microsofts neuer Spielekiste. Gelobt wurde es für seine opulente Optik, kritisiert für das monotone Leveldesign. Macht Teil zwei des Nischentitels nun alles besser?

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Die dunkle Bedrohung

Unser blutiges Abenteuer beginnt am 92. Tag des Feldzugs vom Lord der Dunkelheit. Der trägt nicht nur einen unheimlich kreativen Namen, er will auch das Ende der Welt herbeiführen. Beschworen von der Dämmerhexe will er die Kugel des Lichts in seine finsteren Griffel bekommen, um unendliche Macht zu erlangen. Das Übliche. Dafür hat der Herr der Nacht 99 Nächte Zeit, womit dann auch der Titel des Spiels dürftig erklärt wäre. Aha.

Ninety Nine Nights 2 - Einschlafhilfe in 99 Sekunden: Öde Metzelei aus der Retorte

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Die ersten Level des Spiels bestreitet ihr mit dem Krieger Galen.
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Nun ist die Zerstörung der Welt durch ominöse und grundlos boshafte Fieslinge äußerst unangenehm, und so machen es sich fünf Helden zur Aufgabe, den Plan des Oberschurken zu vereiteln und in den Kampf gegen schier endlose Massen von finsteren Dämonen zu ziehen. Zu Beginn stürzt ihr euch lediglich mit dem weißhaarigen Krieger Galen in die Schlacht, nach und nach werden auch die anderen vier Charaktere freigeschaltet.

Jedem der fünf Recken wurde eine eigene Geschichte spendiert, die ihr in beliebiger Reihenfolge angehen könnt. Da die Schicksale der Protagonisten allesamt stark miteinander verbunden sind, werden euch beim Spielen eines Charakters zwangsläufig erzählerische Details zu den anderen Helden verraten. Das Spiel warnt euch zudem nicht vor möglichen Spoilern, bevor ihr eine Mission startet. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn wie ihr sicher schon gemerkt habt, bietet N3II nicht mehr als Standard-Fantasy-Kost mit Ogern, Elfen und Magie.

Packshot zu Ninety Nine Nights 2Ninety Nine Nights 2Erschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Gewalt ist eine Lösung

Es ist ein Hack'n'Slash-Spiel in der Tradition der Dynasty-Warriors- oder Kingdom-under-Fire-Reihe. Dementsprechend hält ein Element die Vorherrschaft über das Spielerlebnis: der Kampf. Galen enthauptet seine Feinde am liebsten mit zwei Schwertern, der Oger Maggni bevorzugt für den Schnitt zwischen Torso und Hüfte Panzerhandschuhe mit integrierten Klingen, die Dunkelelfe Zazi wiederum favorisiert die Armbrust, um den Gegnern ihre Extremitäten abzuzwacken.

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Die Helden von N3II gehen nicht gerade zimperlich mit ihren Gegnern um.
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Ja, der Kampf in N3II ist brutal. Und nein, er ist nicht so abwechslungsreich, wie es die Aufzählung der Charaktere vielleicht vermuten lässt. Denn obwohl sich die fünf Recken in Details wie Reichweite oder Angriffsgeschwindigkeit unterscheiden, spielen sie sich alle gleich. Mit der X-Taste löst ihr leichte Angriffe aus, die Y-Taste sorgt für wuchtigere Schläge. Außerdem könnt ihr bis zu vier Magieattacken auf die vier Face-Buttons des Controllers binden und diese bei gleichzeitig gedrückter linker Schultertaste auslösen. Diese Spezialangriffe reichen von simplen Schockwellen bis hin zu kurzen Erdbeben oder Feuerbällen. Eure Magie kommt zudem relativ häufig zum Einsatz, denn statt etwa Mana zu verschlingen, basiert die Aktivierung der Zauber auf einer Abklingzeit. Generell gilt: Je mächtiger der Angriff, desto länger die Cool-down-Zeit.

Jeder Kämpfer greift auf die gleichen Magiefertigkeiten zurück, allerdings besitzen unsere fünf Helden auch jeweils zwei einzigartige Fähigkeiten. Eine davon wird lediglich für die Navigation innerhalb der Level benötigt. Galen kann etwa markierte Bauten zum Einsturz bringen, um so neue Plattformen zu erschaffen oder den Weg freizuräumen. Maggni schiebt große Steinblöcke aus dem Weg, die Elfe Sephia wiederum kann mit ihrer Windattacke Feuerblockaden beseitigen.

Tolle Spezialangriffe und ganze Legionen von Dämonen können nicht über das monotone Leveldesign und das simple Kampfsystem hinwegtäuschen.Fazit lesen

Wirklich interessant ist jedoch nur die zweite charakterexklusive Spezialfähigkeit. Während des Kampfes oder durch den Konsum eines blauen Tranks füllt sich eine Leiste unter eurer Lebensanzeige. Per Knopfdruck aktiviert ihr dann einen Superangriff, der aus mehreren kleinen und schließlich einem gigantischen Schlag besteht und euch zudem für kurze Zeit unbesiegbar macht. Die Dauer dieses Angriffs hängt von der Fülle der erwähnten Leiste ab.

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Per Knopfdruck aktiviert ihr mächtige Spezialattacken.
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Wenn all diese Elemente zusammenkommen, ihr mit effektvoll animierten Schwertschwüngen und Zauberei Hunderte von Dämonen gleichzeitig ins Jenseits befördert und euren Kombo-Zähler in den vierstelligen Bereich treibt, kann das durchaus Spaß machen. Allerdings hat man nach kurzer Zeit bereits alles gesehen und der Kampf bleibt von Anfang bis Ende gleich. Es gibt keine neuen Kombinationen und selbst die freischaltbaren Waffen fühlen sich alle ähnlich an. Ihr erhaltet zwar Erfahrungspunkte und könnt diese zwischen den Missionen in den Ausbau eures Charakters investieren, aber die Verbesserungen der Statuswerte sind kaum spürbar.

Frust als Feature

Dem Kampfsystem fehlen Abwechslung und Tiefe. Ein Mangel, den auch das Leveldesign nicht ausgleicht. Auf einer Karte des Kriegsgebiets wählt ihr eure aktuelle Mission aus. Auch bereits absolvierte Level sind anwählbar und ein Kolosseum steht für Trainingseinlagen zur Verfügung. Wenn es einen Preis für die uninspirierteste Missionsgestaltung gäbe, würde Ninety-Nine Nights 2 nicht nur nominiert, sondern die Preisverleihung auch glatt abgeblasen werden, da die Konkurrenz sowieso keine Chance hätte.

In den ersten vier Levels des Kriegers Galen werdet ihr vor exakt die gleiche Aufgabe gestellt: Ein großes Tor im Zentrum des Gebiets ist versiegelt, vier Altare in jeder Ecke der Karte müssen aktiviert werden, um den Durchgang zu öffnen. Tor und Altare unterscheiden sich nicht einmal optisch. Das Spiel gibt sich auch keine Mühe, diese Eintönigkeit zu verschleiern. Fast so, als wäre N3II stolz auf seine Monotonie. Andererseits kommt das Spiel auch aus Korea... ach, lassen wir das.

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Auf der Missionskarte wählt ihr das nächste Level an.
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Natürlich wurden nicht alle Missionen mit diesem Ziel versehen. Manchmal müsst ihr auch Soldaten eskortieren, Türme zerstören, die stets neue Monster beschwören oder Statuen in die richtige Position rücken, damit sie – Überraschung – ein Tor im Zentrum der Karte öffnen. Zwischendurch weicht ihr mal Gesteinsbrocken aus, sammelt Tränke abseits des stets linearen Pfads oder müsst die eine oder andere Hüpfeinlage bewältigen. Da diese Elemente aber nur geschätzt einen Prozent der gesamten Spielzeit einnehmen und zudem äußerst anspruchslos sind, hat man sie am Ende auch schon wieder vergessen.

Falls ihr die Credits überhaupt zu Gesicht bekommt, denn die Entwickler von N3II wussten wahrscheinlich, dass man bei einem solch einfallsreichen Leveldesign mehrmals kurz davor stehen würde, vor Langeweile einzunicken. Da die Beilage von Koffeintabletten in der Spielepackung nicht nur teuer, sondern auch illegal wäre, entschied man sich schließlich dazu, möglichst unfaire Gegner und Kontrollpunkte zu integrieren.

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Zwischen den Missionen könnt ihr eure Charaktere aufrüsten – leider merkt man von den Verbesserungen abseits neuer Fähigkeiten nur wenig.
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Die Feindeshorden sind die meiste Zeit über sehr passiv. Wenn der Uranus allerdings im Mond des Neptun steht, werden sie aggresiv, schleudern euch durch die Luft, paralysieren euch und schlagen erneut zu, bevor ihr auch nur irgendetwas dagegen machen könnt. Wenn ihr euch dann noch in einem engen Raum befindet und die Kamera der Meinung ist, dass eine Nahaufnahme vom großen Zeh eures Feindes interessanter ist als der klare Blick auf die von Tollwut besessenen Dämonen genau vor euch, dann ist der Game-over-Bildschirm nicht mehr weit.

An dieser Stelle findet ihr schließlich heraus, dass Ninety-Nine Nights 2 nicht viel von Checkpoints hält und diese entsprechend bescheiden einsetzt. Oft dürft ihr die letzte halbe Stunde Monstergemetzel dann noch mal durchleben. Oder vorzugsweise aus Frust die Konsole ausschalten. Aber Achtung: Während einer Mission wird das Spiel nicht gespeichert, beim nächsten Einlegen von N3II müsst ihr das Level also komplett von vorn starten.

Angriff der Klonkrieger

Im Schnitt werdet ihr etwa 45 Minuten für eine Stage benötigen, manchmal sogar länger. Nach 20 Minuten fordert die Monotonie jedoch ihren Tribut und der Spielspaß versiegt. Wären die Missionen kürzer und die Gebiete kompakter, könnte N3II solide Schnetzel-Action für zwischendurch sein, die wenigen kurzen Stages funktionieren nämlich recht gut. Zumal die Bosskämpfe am Ende einiger Level sehr intensiv sind und gut inszeniert wurden, auch wenn sie sich teilweise in die Länge ziehen und nicht an die Konkurrenz namens God of War oder Bayonetta heranreichen.

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Die effektvollen Orb-Angriffe sind das optische Highlight des Spiels.
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Auch die Präsentation ist nur durchschnittlich. Die schicken Charaktermodelle stehen im starken Kontrast zu den tristen und uninspirierten Umgebungen. Matschige Texturen und ein unschöner, milchiger Bloom-Effekt vermiesen das Bild. Auch die Monstervielfalt lässt stark zu wünschen übrig: Die Legionen der Dunkelheit besuchen anscheinend alle den gleichen (schlechten) Stylisten. Lediglich die Farbe einer Kreatur ändern zu können, das war vielleicht zu 8-Bit-Pixelzeiten hinnehmbar, heute ist es jedoch nicht mehr akzeptabel.

Ninety Nine Nights 2 - Einschlafhilfe in 99 Sekunden: Öde Metzelei aus der Retorte

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Diese Art Tor werdet ihr hassen lernen.
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Die schiere Masse an gleichzeitig dargestellten Gegnern kann trotzdem beeindrucken, obwohl es bei besonders großen Feindesansammlungen in Kombination mit dem Effektfeuerwerk einer Spezialattacke zu kleinen Rucklern kommen kann. Die englische Sprachausgabe ist zudem erstaunlich solide und selbst der japanische O-Ton ist auf der DVD enthalten. Deutsche Sprecher gibt es nicht, lediglich die Texte wurde übersetzt.

Neu im Vergleich zum Vorgänger ist der Mehrspielermodus, in dem ihr mit Freunden online und unabhängig von der Kampagne haufenweise dämonisches Gesocks vermöbeln dürft. Das ist eine nette Dreingabe, motiviert aber wie der Einzelspielermodus nur für kurze Zeit. Doof: Der Fortschritt eurer Charaktere wird nicht aus der Kampagne übernommen, ihr startet im Mehrspielermodus also wieder bei Level 1.