Die Level-5--Wundertüte öffnet sich wieder und wir dürfen einmal tief hineingreifen: JRPG-Fans und die, die es werden wollen, kennen und lieben bereits den ersten Teil Ni No Kuni; ein fantasievolles, malerisches Reich angefüllt mit niedlichen, seltsamen und oftmals mysteriösen Kreaturen, welche an die Ghibli-Meisterwerke Prinzessin Mononoke oder Chihiros Reise ins Zauberland erinnern. Nun ist Ni No Kuni 2 anders. Kein Studio Ghibli mehr als treibende Kraft, direktere Kämpfe, kein Großfürst der Feen an eurer Seite. Was gibt es sonst? Nur ein Königreich, das ihr vom ersten Stein bis zur letzten Mauer errichten dürft.

Da ich euch nach meinen knapp sechs Stunden im Spiel nicht viel mehr zur Story sagen kann, als Bandai Namco im folgenden Video - empfehle ich euch, es einfach anzuschauen:

Ni No Kuni 2 - Schicksal eines Königreichs - Behind The Scenes - Part 1: Story Overview3 weitere Videos

Ghibli oder nicht Ghibli

Bevor wir in die Tiefen von Ni No Kuni 2 - Schicksal eines Königreichs eintauchen, eines vorweg: Hat Studio Ghibli nun seine Finger im Spiel oder nicht? Die richtige Antwort ist: Nein, haben sie nicht. Die andere richtige Antwort ist: Ja, irgendwie schon.

Ni No Kuni 2 - Schicksal eines Königreichs - Ein Königreich für die Spieler

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Ni No Kuni 2 in der Vorschau: Genug Ghibli im Spiel, um zu begeistern
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Na, schon verwirrt? Studio Ghibli selbst hat sich nach Ni No Kuni abgeseilt, da sich das Geschäftsmodell des Unternehmens gewandelt hat. Allerdings werkeln mehrere Ghibli-Größen am zweiten Teil, unter anderem der Charakter-Designer Yoshiyuki Momose (Prinzessin Mononoke) und – Trommelwirbel – der Komponist Joe Hisaishi (Chihiros Reise ins Zauberland). Ni No Kuni 2 ist Ghibli, nur ohne den berühmten Namen in den Credits. Und ja, es fühlt sich beim ersten Anspielen ebenso melancholisch und fantastisch an, wie andere Werke des Studios.

Verjüngungskuren und zuckersüße Monster

Nachdem ich meine Griffel in zwei Szenarien des fertigen Spiels stecken durfte, bin ich in etwa so schlau wie zuvor, was die Geschichte von Ni No Kuni 2 angeht. Leider, denn gerade Olivers Wurzeln in der erbarmungslosen Realität; der Verlust seiner Mutter im ersten Teil und die fein verwobene Coming-of-Age-Story haben nicht nur mich an Ni No Kuni begeistert, sondern viele Fans des JRPGs. Ob Ni No Kuni 2 uns auch ein Messer in die Brust jagen möchte, bleibt demnach ungewiss. Ich hoffe es jedoch, denn was ich sehen durfte, ist ein Spiel, das am Feedback zum ersten Teil erfolgreich wachsen konnte.

Worum geht es eigentlich? Ihr dürft in die Rolle des jungen Königs Evan Pettiwhisker Tildrum (sagt das dreimal schnell nacheinander) schlüpfen, der aus seinem Reich Ding Dong Dell vertrieben wurde. Nachdem sein Vater gestorben ist, zweifelten die Bewohner an der Fähigkeit des kleinen Jungen, über das Land zu herrschen – verbannt und allein beginnt ihr demnach eure Reise durch Ni No Kuni, auf dem Weg, ein neues Königreich zu gründen. Und gegen die Dunkelheit vorzugehen, welche sich langsam über das Märchenland ausbreitet.

Ni No Kuni 2 - Schicksal eines Königreichs - Ein Königreich für die Spieler

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Evan (rechts), Roland (links) und Higgledies: Der 48-jährige Roland darf sich über eine Verjüngungskur á la Ni No Kuni freuen.
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An Evans Seite versammeln sich über die Zeit hinweg Companions, die sich ihm anschließen. Darunter Roland, der aus Ichi No Kuni alias der Realität stammt und IGN zufolge ein 48-jähriger, berühmter Präsident eines Landes war. Richtig gehört, 48 Jahre. Immerhin ist es bekannt, dass Menschen einen nagelneuen Körper in Ni No Kuni bekommen, etwas, worüber Roland sich womöglich nicht beschweren wird. Neben ihm reist ihr ebenso mit der flinken Tani, einer Himmelspiratin und dem Tank Batu; der sich nach ihrer Verwaisung um Tani gekümmert hat.

Und nicht zu vergessen die Baumgeister aus Prinzessin Mononoke – oh Pardon! – natürlich die Higgledies, welche überhaupt nicht an den wundervollen Ghibli-Film erinnern. Seltsam und süß hüpfen sie an eurer Seite, während ihr unerschrocken in die Schlacht gegen fiese Monstren zieht. Diese tümmeln sich ähnlich wie im ersten Teil auf der gesamten Karte, werden aber im direkten Kampf angegangen.

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Auf in die Schlacht! Ni No Kuni 2 verzichtet auf die strategische Kämpfe des ersten Teils
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Härter, schneller … besser?

Seien wir ehrlich: Einige von euch werden um die strategischen Kämpfe trauern, andere nicht. Fakt ist, dass Ni No Kuni 2 seine direkten Attacken wunderbar umsetzt: Euch erwartet ein Mix aus unterschiedlichen Nah- und Fernkampfangriffen; Zaubern, Waffen und natürlich der Higgledies. Denn die Geister sind nicht nur so knuddelsüß, dass ihr beim Anblick ohne Wenn und Aber an einem Zuckerschock sterben wollt, nein, sie wirken auch geheimnisvolle Magie und heilen euch. Oder erschaffen Schutzschilde. Oder lassen Kanonen aus dem Boden wachsen.

Es gibt jede Menge Kämpfe in Ni No Kuni 2. Nicht wirklich anders, als im ersten Teil – aber eben doch ein bisschen, denn ihr werdet tatsächlich auch Truppen gegen ganze Horden von Gegnern führen dürfen, was ich später noch genauer erkläre. In diesem Punkt wirkt Ni No Kuni 2 gleichsam erwachsener als sein Vorgänger wie auch aggressiver. Je nachdem, wie die vielen Schlachten in der Story verwoben werden, muss sich noch entscheiden, ob das Spiel den märchenhaften, kindlichen Charme komplett beibehält.

Age of Ni No KUni

Ungewöhnlich, fantastisch und ein bisschen seltsam – das sind nicht nur die Wesen in den Ländereien von Ni No Kuni, sondern ist auch das Spiel selbst. Denn ihr könnt nicht bloß storytechnisch euer Königreich Evermore gestalten, sondern es in einer Art integrierten Aufbau-Simulation wirklich errichten. Krabbelt einfach auf den Thron eures Reichs und ab geht’s zum Top-Down-Screen, in welchem ihr Häuser setzt und die Bewohner eures Landes verschiedenen Berufen zuordnet.

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Kein Scherz: In Ni No Kuni 2 werdet ihr persönlich euer Königreich errichten
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Um jedoch keine falschen Hoffnungen zu wecken: Der Aufbau-Modus ist kein Age of Empires und muss es auch nicht sein. Stattdessen verwächst er auf den ersten Blick gut mit dem Tenor des Spiels, indem ihr dazu angehalten werdet, NPCs als neue Bewohner nach Evermore zu locken.

Alle guten Dinge sind drei und das weiß auch Entwickler Level-5: Neben dem Aufbau-Bonbon wartet ein strategischer Kampfmodus auf euch, wahrscheinlich, weil im direkten Kampf mit Evan & Co. etwas Taktik verloren ging: Ihr befehlt Truppen. Wie es sich für einen richtigen König eben gehört. Um mit Evermore zu expandieren gilt es also, Evan in die Schlacht zu schicken. Dafür aktiviert ihr Flaggen, die auf der Karte verteilt sind und spawnt dann in einem Areal mit mehreren feindlichen Armeen, gegen die ihr eure eigene Schar an Soldaten befehligt.

Soviel, so gut. Level-5 geht hier einen interessanten Schritt aus dem Rollenspiel-Genre heraus und ja, es ist verständlich, warum ein angehender König nicht nur feuchtfröhlich durch Ni No Kuni laufen und der Story folgen kann. Aber auch hier gilt: Wie gut die beiden Taktik-Modi durch Ni No Kuni 2 geistern, wird sich erst im vollen Spiel zeigen.

Was werdet ihr 2018 spielen? Diese Titel erwarten euch in den nächsten Monaten:

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Wenn man Musik rauchen könnte

… wären meine Lungen bunt vom Soundtrack des Spiels. Eine Sucht, der ich nur zu gern nachgeben würde, denn wow, ist die Musik eindrucksvoll. Allein dafür verdient Ni No Kuni 2 zumindest ein Reinschnuppern, insofern ihr euch bei klassischen Klängen nicht angeekelt die Ohren zuhaltet. Aber was sage ich denn: Klassisch? Eher originell, wie wir es vom Ghibli-Genie Joe Hisaishi gewohnt sind.

Gemeinsam mit dem Tokyo Philharmonic Orchestra tüpfelte Hisaishi mehrere Stücke für die unterschiedlichen Ländereien Ni No Kunis zusammen; ein bizarr-amüsantes Klopfen und Knurren im Reich des Glücksspiels etwa, durch das ich streifen durfte; oder ein dunkel-melancholischer Sound in den Wäldern, der so undurchsichtig und fein wie die geisterhaften Bewohner durch eure Ohren tröpfelt. Es ist schwer, Musik zu beschreiben. Ganz besonders, wenn sie aus der Feder eines Genies stammt.