Fünf Erdenjahre nach Teil eins sind in der Welt von Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin Jahrhunderte vergangen. Vieles hat sich dort verändert, zum Beispiel kämpft man in Ni No Kuni 2 nun in Echtzeit miteinander. Gut so, denn diese und andere Anpassungen machen ein starkes Spiel noch besser.

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An den Release von Ni no Kuni erinnere ich mich bestens: Die PlayStation 3 war schon auf ihrer Abschiedstournee und dann erschien mit dem japanischen Rollenspiel nochmal ein absolutes Highlight. Die Kombination aus Level-5 und Studio Ghibli verkaufte den Titel quasi bereits alleine, in der wunderhübschen Verpackung steckte aber tatsächlich ein gutes Spiel. Kritisiert wurde in erster Linie das Kampfsystem und so es ist umso erfreulicher, dass Teil zwei hier einen neuen Ansatz wählt: Ihr verhaut die Feinde nun in Echtzeit, was sehr intuitiv funktioniert und das Spiel in Gänze spürbar schneller macht. Zum reinen Tastenhämmern verkommen die vielen Auseinandersetzungen nicht, ihr könnt und müsst Aktionen gut variieren und gleichzeitig gegnerischen Attacken ausweichen. Die KI kümmert sich dabei um die Mitstreiter, die ihr gerade nicht direkt steuert.

Fans der ersten Sekunde: Das Gefolge von König Evan steht stets an seiner Seite!

Da sich das Spiel aber Zeit für seinen Auftakt nimmt, seid ihr in den ersten Spielstunden ohnehin primär auf zwei Figuren fokussiert, zwei Regenten mit ganz unterschiedlichen Problemen: Der kleine Evan – halb Mensch, halb Katze – wird zuerst um seinen Vater, den König von Katzbuckel, und dann auch noch um die Thronfolge gebracht. Ihm zur Seite steht Roland, der aus „unserer“ Welt stammt und dort das Amt eines Präsidenten bekleidet. Eine gewaltige Katastrophe im Intro transportiert ihn in verjüngter Form in Evans Fantasy-Welt, wo die Beiden fortan gemeinsam für die gute Sache kämpfen.

Krieg für die ganze Familie

Im Spielverlauf gesellen sich genretypisch weitere Mitstreiter hinzu, wobei alle Hauptfiguren interessante Geschichten mitbringen. Bemerkenswert ist dabei, wie Evan aus einer eher kindlichen Perspektive und Roland als abgeklärter Erwachsener unterschiedlich auf Krieg und Verrat blicken, Ni no Kuni II behandelt also durchaus ernste Themen. Es verbirgt diese aber unter einer gezuckerten Schale und ist immer wieder wahnsinnig putzig: Da es die sogenannten Vertrauten, also an eurer Seite kämpfende Monster, aus Teil eins nicht mehr gibt, braucht es einen adäquaten Ersatz – die Gnuffis. Kurzer Applaus für diesen Namen. Die kleinen Gnuffis schließen sich euch schon früh an und unterstützten euch mit verschiedenen Talenten. So können Sie euch entweder mit Angriffen beistehen oder euch heilen. Während die Vertrauten aus Teil eins uns übrigens an Pokémon denken ließen, fühlen wir uns durch die Gnuffis nun ein wenig an Pikmin erinnert.

Tante Marta ist der Ansprechpartner in Sachen Gnuffis.

Zwischen den Kämpfen und Story-Sequenzen verbringt ihr die Zeit mit typischen Tätigkeiten wie Looten, Leveln und Ausrüsten – das kennt man ja. Ungewohnt ist allerdings, wie gekonnt Ni no Kuni II weitere Ideen ins Spiel verbaut: Auf der Oberweltkarte kommen größere Schlachten in RTS-Manier hinzu. Hier geht es darum, eure Truppen möglichst smart zu positionieren und zu dirigieren, wobei das Ganze nach einleuchtenden – und fast zu simplen – Schere-Stein-Papier-Prinzipien funktioniert.

Ein Königreich für ein Königreich

Nach einigen Spielstunden wird im nächsten Genre gewildert – Ni no Kuni II entdeckt den Städtebau für sich. Evan gründet Minapolis und dort könnt ihr richtig viel Zeit versenken: Ihr baut, forscht, verbessert und vieles mehr. Dabei nutzt das Spiel mit sogenannten Kronen eine im sonstigen Spiel nicht gebräuchliche Währung und diese könnt ihr für echtes Geld nachkaufen, um den Bau eurer Stadt zu beschleunigen. Kleiner Scherz. Obwohl alle Voraussetzungen dafür gegeben sind, verzichtet Ni no Kuni II auf eine zusätzliche Monetarisierung – was aber auch bedeutet, dass ihr auf manche Sachen schlicht warten oder euer Spielgerät über Nacht anlassen müsst, wenn ihr eher ungeduldig seid.

Ni no Kuni II fegt die Schwächen von Teil eins mit starken Echtzeit-Kämpfen fort und überrascht durch die souveräne Kombination verschiedener Konzepte.Fazit lesen

Sehr clever ist, dass dieser Aufbau-Part nicht geschlossen für sich existiert, sondern euch zum Beispiel mit neuer Ausrüstung für das Hauptabenteuer belohnt. Umgekehrt ist es wiederum sinnvoll, sich im Rollenspiel-Part auch den vielen, vielen Nebenmissionen zu widmen, denn wer gewissenhaft erkundet, findet unter anderem auch mal neue Bewohner für Minapolis. So entsteht ein ausgesprochen motivierender Kreislauf aus einzelnen spielerischen Facetten, der problemlos die 35 bis 50 Stunden lange Story trägt.

Einen großen Teil zum umwerfenden Gesamteindruck tragen natürlich auch Grafik und Sound bei. Der Zeichentrick-Stil ist ausgesprochen schick und stimmungsvoll, die Musik immer wieder ein echtes Highlight. Die Sprachausgabe ist im japanischen Original sowie in englischer Sprache verfügbar, wobei wir uns für letztere Option entschieden haben, da die englischen Sprecher durchweg tolle Leistungen abliefern. Ein bisschen irritierend fanden wir, dass die deutschen Texte die gesprochenen Dialoge oft eher frei übersetzen, sodass Sprachausgabe und Untertitel nicht immer perfekt zusammenpassen. Grafikschwächen gibt es zudem bei der Performance: 4K und 60 Frames sind angesichts des Gebotenen natürlich beeindruckend, die PS4 Pro hat aber immer wieder etwas zu knabbern, sodass die Bildrate gelegentlich einbricht. Eine PC-Version lag uns für den Test nicht vor, wir können also nicht beurteilen, ob ein starker PC kritische Stellen besser meistert.