NHL 06 (PC-Test)
von Nedzad Hurabasic

Es ist wieder soweit: Electronic Arts (EA) veröffentlicht im jährlichen Rhythmus eine aktuelle Version seiner Sport-Simulationen. Bei dieser Entwicklung wird natürlich auch vor dem Eishockey-Spiel "NHL" (National Hockey League =

amerikanische Eishockey-Liga) nicht halt gemacht, das nun in der 06er Variante erschienen ist. Wie immer stellen sich Fans der "schnellsten Mannschaftssportart" der Welt die Frage, ob es sich lohnt, von der letztjährigen Version auf die neue umzusteigen und das sauerverdiente (Taschen-)Geld dafür auszugeben. Unser Bericht könnte euch dabei als Entscheidungshilfe dienen ...

NHL 2006 - Trailer 2

Spielmodi ohne Ende
Was bietet NHL 06 Neueinsteigern und mit welchen neuen Features werden erfahrene Kufen-Cracks geködert? Die Diskussion, ob die NHL-Serie des Publishers nun eine Simulation ist oder doch eher "nur" Arcade-Feeling bieten kann, gibt es eigentlich schon seit der ersten Auflage der Reihe.

Für eine wirkliche Sport-Simulation ist das Gameplay den Cracks wohl nicht realitätsgetreu genug, Anfänger hingegen werden sich über die Zugänglichkeit und das flotte Spielgeschehen freuen. Beiden Lagern wird aber dasselbe Spielangebot gemacht: Neben den "normalen" Spielmodi "Schnelles Spiel", "Onlinespiel", "Saison", "Freundschaftsspiel", "Weltturnier", "Free For All" und "Spielerstellung", die sich eigentlich im Großen und

Ganzen nur dadurch unterscheiden, dass mehr oder weniger viele Parameter der Spielumgebung verändert werden können, dürfen sich die Puckjäger auch in den Modi "Elite-Ligen" (inklusive DEL) und Dynasty-Mode austoben. Allen Spielmodi ist gemeinsam, dass die jeweils aktuellen Kader der Mannschaften integriert sind - dank Lizenzen der jeweiligen Ligen.

Beim Dynasty-Modus können virtuelle Eishockey-Profis das Management ihres Lieblingsclubs übernehmen und dessen Geschicke zehn Spielzeiten lang lenken. Im Gegensatz zum Saison-Modus treten sie jedoch nicht nur als Spieler auf, sondern haben als Manager des ausgewählten Klubs Einfluss auf verschiedene Aspekte der Vereinsführung. Abhängig von der ausgegebenen Zielausrichtung des Klub-Besitzers, muss der Spieler am Ende der Saison bestimmte Ziele erreichen. Während sich einige Besitzer beispielsweise mit dem Erreichen der Play-Offs zufrieden geben, erwarten andere nichts
anderes als den Gewinn des Stanley-Cups; des NHL-Titels. Wem das gelingt, der darf sich aber keineswegs ausruhen. Die Ansprüche in der nächsten Saison steigen nämlich weiter. Auch wenn euch als Spieler eine ganze Reihe von Optionen wie "Tagesgeschäft", "GM-Optionen", "Coaching-Optionen" und etliche Statistiken zur Verfügung stehen, so entscheidet doch letztendlich der Erfolg auf dem Spielfeld, ob ihr als Manager Anerkennung verdient oder gefeuert werdet.

Das vielleicht wichtigste und zugleich auch kritikwürdigste Feature des Dynasty-Modes ist die Möglichkeit, Spiele simulieren zu können. Die Ergebnisse werden also ohne das Eingreifen des Gamers berechnet - allerdings kann er zu jeder Zeit in das Geschehen eingreifen, etwa dann, wenn der Spielstand gegen das eigene Team spricht. Das passiert leider häufiger, als realistisch ist.

Oft genug liegt die Mannschaft gegen Konkurrenten zurück, die in der Tabelle und allen statistischen

Werten auf dem Papier gnadenlos unterlegen sind. Worauf sich die Berechnungen der Spielergebnisse beziehen, bleibt daher ein Rätsel. Jedenfalls kann der Spieler, das Match unterbrechen und selbst eingreifen. Je schwieriger die Situation für die Mannschaft und je später in das Spiel eingegriffen wird, desto höher fällt der Interventions-Bonus aus, der bei Erfolg auf das Konto des Klubs eingezahlt wird.

Das können auch schonmal 50.000 Dollar sein, die es extra zu verdienen gibt. Für Spieler, die eine Saison schnell durchspielen möchten, besteht außerdem auch die Möglichkeit praktisch die gesamte Spielzeit simulieren zu lassen. Allerdings widerspricht dieses Feature eigentlich dem Sinn des Dynasty-Modes, bei dem man ja möglichst viele Entscheidungen selbst treffen soll.

Eiszauber kontra Defensivschwäche
Kommen wir zum wichtigsten Aspekt des Spiels: dem Eishockey-Spiel an sich. Im Vergleich zu früheren

NHL 2006 - Jetzt ist der Puck los!

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Versionen, insbesondere der Variante des Vorjahres, fällt es wieder einfacher Tore zu schießen. Leider haben die Entwickler die Schraube diesmal in der entgegengesetzten Richtung überdreht. Diesmal ist es fast schon zu einfach, Tore zu erzielen. In schöner Regelmäßigkeit können schon in der normalen Schwierigkeitseinstellung locker 10 Tore geschossen werden. Das ist unter anderem auch dem "Deke"-Feature zu verdanken, das dazu gedacht ist, Torhüter und gegnerische Verteidiger zu verladen.

Packshot zu NHL 2006NHL 2006Erschienen für PC, PS2, XBox und GameCube kaufen: Jetzt kaufen:

Leider sorgen die Täuschungsmanöver vor dem gegnerischen Tor aber dafür, dass die Goalies sich ständig auf den Hosenboden setzen oder viel zu früh hinwerfen. Dadurch landen die meisten daran anschließenden Schüsse natürlich im Tor. Nur auf dem schwersten Spiellevel ist dies nicht mehr in diesem Maße der Fall. Siege gegen KI-Gegner sind ansonsten leider nur eine Frage der Höhe, nicht des Könnens.

Ein weiteres Manko der zurückgeschraubten Defensive: Gegnerische Spieler greifen nicht wirkungsvoll an - im Gegenteil. Oft decken sie bestenfalls den Raum ab, die Puckeroberung bzw. der Verlust des Spielgerätes resultiert demzufolge meist aus überhasteten Aktionen oder Fehlschüssen des Spielers. Das wird zwar dem Anfänger gefallen, Cracks wird das aber wenig fordern. Neu ist bei NHL 06 der so genannte Skill Stick. Dies soll mithilfe von speziellen Manövern wie Spioramas, Toe-Drags und Schüssen durch die Beine das Erzielen von außergewöhnlichen Toren ermöglichen. Dazu wird jedoch ein rechter Analog-Stick benötigt, der bei Pads ähnlich den Konsolen-Controllern, vorhanden ist. Diese speziellen Angriffsmoves können jedoch nur von den Starspielern einer Mannschaft ausgeführt werden, alles andere endet in sinnlosen Pirouetten, die meist mit Puck-Verlust bestraft werden.

Fortgeschrittene und Profis werden sich eventuell über die neue Schusszielanzeige freuen, mit der es einfacher ist, auf die Schuss-Automatik zu verzichten und ein geeignetes Ziel im Kasten des Gegners anzuvisieren.

Visualisiert wird das Ziel mit einem aus dem Bogenschießen bekannten Schusskreis, der am Tor hin und her springt, je nachdem, wohin man zielt. Eine eingebaute Torgarantie ist damit jedoch keineswegs verbunden.

Insgesamt wird aber das recht rasante Spielgeschehen dem Ruf des Sports als "schnellstes Mannschaftsspiel" durchaus gerecht, gerade wenn man gegen einen gleichwertigen Kumpel spielen kann, entwickeln sich spannende Spiele.Audio-visuelles Eis-Schmankerl
Visuell bietet sich dem Betrachter und Spieler eine durchaus ansprechende Darstellung. In den meisten Kamera-Einstellungen ist die Bildschirmanzeige von Fernsehübertragungen eines Eishockey-Matches in der Tat kaum noch zu unterscheiden.

Die Animationen der Spielfiguren sind flüssig und entsprechen den Bewegungsabläufen der Realität in beeindruckender Weise. Bei scharfen Stopps, Drehungen und Kurven bleiben sogar Spuren auf dem Eis zurück und vermitteln so natürlich einen hohen Realitätsgrad.

Dazu tragen auch zerschossene Plexiglasscheiben hinter dem Tor und davonfliegende Trinkbehälter der Goalies bei, wenn wieder einmal ein harter Schuss ins Tor eingeschlagen ist. Lediglich in Naheinstellungen, z B. bei Torjubeln, sieht man trotz detailgetreuer Nachstellung der Spieler und gerenderten Original-Gesichtern, dass es sich wirklich noch um ein Computerspiel handelt.

Die grafisch überzeugende Darbietung wird lediglich von langweiligen und teilweise auch "bockigen" Menüs geschmälert, die vor allem im Dynasty-Modus doch sehr lieblos wirken. Nervig ist außerdem, dass die Einstellungen für die Controller nicht immer abgespeichert werden.

Wer auf Punk Rock-Bands wie Pennywise, die Beatsteaks oder andere Kombos dieses Kalibers steht, wird am Soundtrack des Spiels seine Freude haben. Sie setzen der dynamisch-kampfbetonten Spielstimmung gekonnt die Krone auf. Leider sind aber die Spiel-Kommentare nur in englischer Sprache vorhanden, lokalisiert wurden lediglich die Menüs.

Skurril: Obwohl die professionell und in makelloser Qualität vertonten Kommentatoren Englisch parlieren, ertönen bei Spielen in deutschen DEL-Stadien sowohl die Hallensprecher als auch die Gesänge der Fans in deutscher Sprache. Warum hat es da nicht zu

NHL 2006 - Jetzt ist der Puck los!

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einem deutschen Kommentatoren-Duo gereicht, liebe Entwickler? Die Spiel-Effekte, Puck-Geräusche, Zuschauerreaktionen und andere Umgebungsgeräusche sind ebenfalls gekonnt nachgeahmt bzw. aufgezeichnet und vervollständigen einen insgesamt mehr als guten Eindruck in der "Abteilung" Technik. einem deutschen Kommentatoren-Duo gereicht, liebe Entwickler? Die Spiel-Effekte, Puck-Geräusche, Zuschauerreaktionen und andere Umgebungsgeräusche sind ebenfalls gekonnt nachgeahmt bzw. aufgezeichnet und vervollständigen einen insgesamt mehr als guten Eindruck in der "Abteilung" Technik.