Autor: Nedzad Hurabasic

Wenn man in die Fan-Foren schaut und sich Reaktionen auf neue Sportspiele durchliest, entsteht meist ein eindeutig-zweideutiges, schwarz/weißes Bild: Die einen gehören der "nicht schon wieder"-Fraktion an und glauben nicht daran, dass eine neue Version altbekannter Spiele spannend sein kann. Die zweite Gruppe freut sich euphorisch auf neue Features und sieht in jeder Pressemitteilung den Gralsbringer.

Wir sehen unsere Aufgabe wie immer darin, herauszufinden, ob eine der beiden Seiten recht hat. Oder keine. Was bei unseren Nachforschungen in Sachen NHL 07 herausgekommen ist? Wir sagen es euch.

Hals- und Fingerbruch
Eins vorweg: Es ist schon etwas ernüchternd, wenn man neben der Xbox 360-Fassung der Eishockeysimulation NHL 07 auch mit der PC oder PS2-Version in Kontakt kommt. Das hat vor allem zwei Gründe. Zum einen den neuen Skill-Stick und zum anderen die Optik.

NHL 07 - NHL, Klappe 2007: Nur auf der XBox360 ein echtes Update. Strafzeit für PC-Spieler.

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Die neue Steuerung in Wort und Bild
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Solltet ihr kein Gamepad mit zwei Analog-Sticks besitzen ist dieser Aspekt für euch übrigens völlig bedeutungslos, doch wer spielt solche Spiele schon noch per Tastatur? Finger lassen sich auf andere Weise bestimmt einfacher brechen.

Apropos Skill-Stick. In der PC-Version wird der rechte Analog-Stick im Angriff ab sofort fürs Passen verwendet, während ihr mit links die übers Eis skatenden Spielfiguren steuert. Tasten oder Knöpfe benötigt ihr nach wie vor zum Schießen oder das Auswählen der Spieler. Das funktioniert mit etwas Übung sogar ganz gut, nur solltet Ihr euch dabei die Belegung des Gamepads gut einprägen. Anfängliche Verwirrung ist sonst garantiert, denn häufig will man noch auf die althergebrachte Art und Weise auf Puck-Jagd gehen.

NHL-Veteranen dürfen auf Wunsch aber auch die alte Steuerung benutzen. In der Verteidigung startet ihr mit dem rechten Stick u.a. Poke-Checks. Doch vorsichtig: Wer zu forsch agiert, riskiert eine Bestrafung, die Schiris werfen mit Strafzeiten um sich als wäre schon Karneval. Doch dazu später mehr.

Warum das Skill-Stick-System im Vergleich zur Xbox 360-Variante aber nur halbseiden umgesetzt wurde, bleibt ein Rätsel.

Der Goalie, die Strafbank und ich
Auf der Next-Gen-Konsole dient der rechte Stick zum Tricksen bzw. Schießen und ist viel intuitiver ins Gameplay integriert. Schade für alle andere Versionen, denn abgesehen von diesem neuen Feature bietet NHL 07 in diesem Jahr nur sehr wenige Neuerungen.

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Gleich klingelts, wetten?
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Eine ziemlich merkwürdige "Anpassung" ist das härtere Durchgreifen der Schiris. Teilweise hagelt es Strafzeiten und das auch in Situationen, wo eigentlich nichts passiert ist. Folgende Situation soll als Beispiel dienen: Der Gegner schlägt die Hartgummi-Scheibe zur Entlastung in euer Drittel und da sich keiner eurer Spieler in der Nähe befindet, fangt ihr den Puck mit dem Torwart ab. Als ihr euch gerade nach einer Anspielstation umseht, pfeift der Schiri: Unerlaubtes Zeitspiel. Hahaha, vor Lachen fast vom Hocker gefallen. Aber nein, das ist ernst gemeint. Unser Goalie muss auf die Strafbank. Unglaublich!

Nicht dass es viel ausmachen würde, denn leider hat sich die Qualität der Keeper im Vergleich zum Vorjahr nicht wirklich verbessert. Gelegentlich kassiert man deshalb noch immer die skurrilsten Treffer, vor allem lassen die Goalies in diesem Jahr noch mehr Schüsse abprallen als zuvor. Ob das als Ausgleich fürs erschwerte Toreschießen gedacht ist? Denn so genannte "Onetimer" - bei NHL 05 noch an der Tagesordnung - sind deutlich schwieriger und seltener geworden.

Das liegt vor allem an der verbesserten Defensive der KI, die nun die Passwege stört und zustellt, dennoch häufig aber noch zu passiv agiert. Unsinnige 12:0 Torefestivals gehören glücklicherweise trotzdem der Vergangenheit an.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die hohe Zahl abgefangener Pässe. Ziemlich häufig gelingt es der KI, unsere Schritte vorauszuahnen oder uns die Scheibe abzuluchsen. Das liegt auch daran, dass das Spielgerät nicht mehr wie in früheren Jahren an unserem Schläger "klebt".

Wenig Neuerungen
In Sachen Spielmodi hat sich nicht viel getan. Nach wie vor gibt es eine ganze Latte an Varianten, in denen man sich austoben kann; Freundschaftsspiele, Weltturnier, Saison, Free for All, Online, Minispiele und natürlich der Karriere-Modus "Dynasty". Der wurde mit einigen kleinen Features erweitert.

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Was hochfliegt, muss auch wieder runterkommen
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So beeinflussen die Ergebnisse jetzt auch die Entscheidungen des Klub-Managements, die Erfolge mit Vertrauenspunkten belohnen. Damit kauft man wiederum Erweiterungen für sein Team. Außerdem gibt es bei Transfers nun mehr Möglichkeiten und einen Salary-Cap - eine Gehaltsobergrenze, wobei ein Budget eingehalten werden muss. Interessant für deutsche Eishockey-Fans dürfte auch die Möglichkeit sein, erstmals Vereine der DEL zu leiten. Darüber hinaus wurde die tschechische Nationalliga integriert, die nun neben der finnischen und schwedischen und Liga zur Verfügung steht.

Insgesamt ergibt sich durch die Änderungen am Spielsystem ein etwas weniger arcadelastiges Gameplay, das sich eher in Richtung Simulation hinbewegt. Allerdings nicht so weit wie die Xbox 360-Fassung des Spiels, die diesbezüglich schon deutlich weiter vorangekommen ist.

Auch die groß angekündigten individuellen, spielerspezifischen Verhaltensweisen wirken sich höchstens marginal auf das Spielgeschehen aus. Am ehesten macht sich das noch visuell in der unterschiedlichen Körpergröße bemerkbar.

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Im Tor ist deutlich das Zielkreuz zu sehen
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Technisch wird praktisch dieselbe Version aufgetischt wie im vergangenen Jahr. Visuell gibt es keine Veränderungen, also auch keine Verbesserungen. Im Vergleich zur Next-Gen-Version zieht die PC-Fassung deutlich den Kürzeren, basiert sie doch augenscheinlich auf einer alten Grafikengine.

Am auffälligsten wird das bei dem veraltet wirkenden Interface, das sich der Auflösung eines modernen PCs nicht anpasst. Auch akustisch betritt die NHL-Reihe auf dem PC kein Neuland und bietet den gewohnt soliden Rock-Mix. Gelangweilt ist man schnell vom Kommentatoren-Duo Jim Hughson und Craig Simpson, das die Sprüche aus dem vergangenen Jahr wieder aufwärmt