Kaum wurde die reale NFL-Saison mit einem Paukenschlag beendet, präsentiert uns EA bereits ein neues Lizenzspiel, das allen Football-Fans die Zeit bis zum nächsten Saisonstart versüßen soll. Ein stark vereinfachtes Regelwerk und ein ganz klar auf Action ausgelegtes Gameplay sollen die Umsetzung des Sports für jeden zugänglich machen. Wir haben uns das Actionspektakel von EA Big angesehen und verraten euch, ob sich die Investition lohnt.

Wer sich für Football interessiert und am vergangenen Montag nicht früh aufstehen musste, der wird es sicherlich verfolgt haben: In der Nacht von Sonntag auf Montag fand in Phoenix eines der wohl spannendsten Super-Bowl-Finale der NFL-Geschichte statt.

NFL Tour - Die nächste Generation Football-Spiele: Wir verraten, ob EA Big der große Wurf gelingt.

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Bei NFL Tour spielt ihr mit Sieben gegen Sieben.
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Die als Außenseiter gehandelten New York Giants schafften es, dank eines genialen Spielzuges gegen Ende des vierten Viertels, das Ruder rum zu reißen und die New England Patriots in ihre Schranken zu weisen. Wer die Dramatik des Spiels mit allen Hochs und Tiefs miterlebt hat, der wird nun sicherlich in der richtigen Stimmung sein, das eiförmige Spielgerät virtuell selbst in die Hand zu nehmen und den Herren „Manning“ und „Brady“ nachzueifern.

Dünne Tour quer durch die NFL

Genau das könnt ihr nämlich bei NFL-Tour machen. Kernstück des Spiels ist, wie der Name bereits vermuten lässt, ein Tour-Modus, bei dem ihr mit einem Team eurer Wahl antreten könnt. Aus einem Pool realer NFL-Teams wählt ihr euren Favoriten und besetzt eine ebenfalls frei wählbare Position mit einem besonders talentierten und eigens erstellten Spieler.

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Selbst in Bedrängnis pflücken die Receiver den Ball locker aus dem Nachthimmel.
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Bei der Individualisierung eures Footballprofis habt ihr jedoch nur ein paar vereinzelte Optionen. So wählt ihr aus wenigen Gesichtern, gebt grob den Körperbau vor, gebt ein paar persönliche Daten ein und schon ist der Spieler erstellt. Wer mehr Komplexität oder Tiefgang fordert, wird nicht nur in diesem Bereich enttäuscht.

Der Tour-Modus konfrontiert euch der Reihe nach mit allen namhaften NFL-Teams. Bei jedem Spiel erhaltet ihr eine Zielvorgabe, die vom einfachen Spielgewinn bis hin zum Erreichen einer bestimmten Punktzahl und dem Aufholen eines Rückstandes reicht. Seid ihr erfolgreich, könnt ihr euer Team verbessern, um gegen die zunehmend stärkeren Gegner eine Chance zu haben.

Allen Partien gemein, ist die Austragungsstätte. So spielt ihr jedes Match in einer geradezu provisorisch anmutenden Outdoor-Arena, die nur teilweise durch eine Metallkonstruktion und ein paar Planen überdacht ist. Begrenzt wird das Spielfeld durch einige niedrige, dafür aber durchaus massive Wände.

Reduziertes Regelwerk, Reduzierter Spielspaß
Je nach Austragungsort wird lediglich die Skyline im Bildhintergrund ausgetauscht, die der jeweiligen Stadt entspricht. Vielleicht erklärt das auch die provisorische Gestaltung der immer gleichen Arena, die qualitativ den Gerüsten eines Wanderzirkus gleicht.

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Die Pyroeffekt zählen zu den optischen Highlights des Spiels.
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Sämtliche Spiele finden zudem immer nachts statt, wodurch der Einsatz der häufigen Pyroeffekte besser zur Geltung kommt. Wie schon bei NFL Street haben die Entwickler von NFL Tour ebenfalls auf Field Goals verzichtet. Das gesamte Spiel kommt ohne Kicks aus. Bereits der Kick-Off wurde durch einen kraftvollen Wurf ausgetauscht. Punts gibt es zudem ebenso wenig wie Field-Goal-Versuche, was die fehlenden Tore bereits vermuten ließen.

Bereits mit diesen Umständen sind einige Regelanpassungen verbunden. Sobald ein Team in die gegnerische Endzone läuft, kommt es zum obligatorischen Touchdown. Extra-Punkt-Conversions gibt es bei NFL Tour trotz der fehlenden Tore. Hier könnt ihr euch sogar zwischen den 1-Punkt- und 2-Punkt-Varianten entscheiden. Anders als beim regulären Football handelt es sich allerdings in beiden Fällen um einen Lauf- bzw. Passspielversuch, die sich lediglich durch die Distanz unterscheiden. Während diese Regelanpassung noch akzeptabel ist, dürften Footballfans die aufgrund der Abstinenz der Tore wegfallenden Alternativen allerdings schmerzlich vermissen. Gewagte 3-Punkt-Versuche, Punt Fakes und vieles mehr wurden einfach gestrichen.

Technisch gelungener, spielerisch dagegen schwacher Arcade-Footballtitel. Dieses Spiel ist sein Geld definitiv nicht wert!Fazit lesen

Wenig Tiefgang und starke Offense

Im munteren Spiel, bei dem sich jeweils sieben Spieler pro Team gegenüber stehen, wirkt alles sehr zugänglich, jedoch auch stark reduziert. Während sich Einsteiger darüber freuen, bereits nach kurzer Einarbeitungszeit alles im Griff zu haben, fühlen sich fortgeschrittene Spieler schnell unterfordert.

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Selbst harten Tacklings, weichen die Spieler häufig elegant aus.
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Wie von anderen Footballspielen gewohnt, habt ihr in der Offensive die Wahl zwischen Pass- und Laufspielen. Erstere gestalten sich dadurch schwierig, dass ihr immer nur einen Receiver anspielen könnt. Statt alle Receiver mit einer der Fronttasten auszustatten, so dass ihr während des Spielzuges blitzschnell entscheiden könnt, wer die Pille bekommen soll, müsst ihr mit einer Taste zwischen den Receivern wechseln und mit der zweiten den Wurf ausführen.

Prinzipiell ist das angreifende Team bei NFL Tour jedoch immer im Vorteil, da sowohl die Receiver als auch die Running Backs geradezu unaufhaltsam agieren. Wird ein Spieler attackiert, kann das Tackling häufig durch einen gut getimten Tastendruck gekontert werden. Das führt letztlich dazu, dass sich die Angreifer immer wieder der Verteidigung entziehen und Yard für Yard nach vorne preschen. Da es auch bei „NFL Tour“ die übliche Vier-Downs-Regelung mit jeweils zehn Yards zur First-Down-Linie gibt, ist es somit sehr schwer, das angreifende Team dauerhaft davon abzuhalten, die eigene Endzone zu erreichen. Schafft ihr es dann trotzdem mal, den Ball führenden Gegner zu fällen, wird das mit sehenswerten Animationen belohnt.

Mit Timing zum Sieg!

Im Laufe unseres Tests kam es nur ganz selten zu Interceptions (abgefangenen Pässen) und Fumbles (Ballverlust des angreifenden Spielers). In den meisten Fällen war es keinesfalls fraglich, OB das angreifende Team den Touchdown schafft, sondern lediglich WANN. Somit bekommt das Spiel einen ungewollt taktischen Aspekt.

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Die Spielgrafik von NFL Tour kann sich durchaus sehen lassen.
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Um siegreich zu sein, müsst ihr nahezu permanent die Spielzeit im Auge behalten und eure Angriffe zeitlich so abstimmen, dass ihr das letzte Team seid, das Punkte erzielt – denn genau das bedeutet meistens den Sieg. Gegen die KI ist es sehr einfach, den Spielverlauf genau dahin zu steuern. Laufspiele eignen sich wunderbar, um die Spielzeit verstreichen zu lassen, wobei ihr mit langen Pässen auf die unglaublich sicheren Wide Receiver jederzeit ein First Down erreichen könnt. Selbst wenn ihr mehrfach den gleichen Spielzug ausführt, agiert die KI nicht cleverer.

Einzelspieler werden spätestens jetzt erkennen, dass Duelle gegen die KI nur ganz selten unterhaltsam sind. Auch der ansatzweise interessante Tour-Modus wird durch diesen Aspekt stark entwertet. Ein wenig anders sieht es bei Duellen mit menschlichen Kontrahenten aus. Sowohl an einer Konsole als auch online dürft ihr entsprechende Spiele austragen.

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Die Spielarena sieht zwar gut, dafür aber auch fast immer gleich aus.
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Sieht man von der mangelnden optischen Abwechslung bei den Austragungsorten ab, punktet das Spiel mit detaillierten, schön animierten Spielern und hübschen Lichteffekten bei Touchdowns und Führungswechseln. Eine Blamage ist allerdings der Spielkommentar, der mit dämlichen Sprüchen und häufigen Wiederholungen permanent Touchdowns in eurer nervlichen Endzone landet.