Nexus - The Jupiter Incident (PC-Test)
(von Patrick Streppel)

Totgesagte leben länger: Mit Nexus - The Jupiter Incident erscheint ein Weltraumstrategiespiel, das schon 2001 unter dem Namen Imperium Galactica 3 angekündigt wurde und seitdem sowohl Entwickler als auch Publisher gewechselt hat.

Doch just dieser Titel, der schon einmal gecanceled worden war, entpuppt sich nun als die neue Referenz im Weltraumstrategie-Genre. Bühne frei für die Überraschung des Jahres!

Nexus war ursprünglich als der dritte Teil von Imperium Galactica geplant, einer erfolgreichen Serie von Weltraumstrategiespielen, die gekonnt die klassischen Strategie-Elemente eines Master of Orion - Planetenbesiedlung, Schiffbau, Handel und Diplomatie - mit Echtzeit-Gameplay und spannender Storyline verquickten. Imperium Galactica 2 vom ungarischen Entwickler Digital Reality gilt als ein Klassiker, der wegen hervorragender Spielbarkeit und hübscher 3D-Grafik auch heute noch gespielt wird - kein Wunder, dass sich Fans seitdem einen Nachfolger wünschen.

Nexus: The Jupiter Incident - Schlachten wie im Kino - Weltraumstrategie vom Feinsten!

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Die Rechte Dritter
Das dachten sich auch CDV und das

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ungarische Studio Philos Labs. Da die Rechte an der Imperium Galactica-Reihe nicht bei Digital Reality lagen, sondern beim US Publisher GT Interactive - heute Atari USA - lizenzierte CDV für das bei Philos in Entwicklung befindliche Weltraumstrategiespiel kurzerhand diesen Namen. Die ursprünglichen Entwickler der Serie, die nur wenige Straßen weiter saßen, arbeiteten derweil an dem deutlich abgespeckten Haegemonia für die französische Firma Cryo. Doch während Haegemonia gute Fortschritte machte - und im Herbst 2002 mit Erfolg bei Wanadoo erschien - wurde es um Imperium Galactica 3 nach der ersten Demo still.

Heimlicher Grund: Das Team des Spiels hatte Entwickler Philos verlassen und mit Mithis eine neue Firma gegründet, doch die rechtliche Situation war alles andere als eindeutig - ebenso wie bei Escape from Alcatraz, dessen Vertrieb von CDV zu LSP wanderte. Neuer Name, neues Glück? Doch noch eine Rechtesituation wurde zum Jahreswechsel 2003 schwierig: Die Lizenz, die man vom neuen Eigentümer Infogrames für den Namen Imperium Galactica 3 erworben hatte, sollten bald auslaufen und so entschied man bei CDV, das Kind fortan Galaxy Andromeda zu nennen. Von einem unglücklichen Logo abgesehen lief das Projekt im Zeitplan für eine Veröffentlichung in der "zweiten Jahreshälfte 2003" - wie CDV immer genau ungenau angab. Doch dahin sollte es das Karlsruher Unternehmen nicht schaffen, die ausufernden Entwicklungskosten zu tragen. Nach hohen Verlusten im abgelaufenen Geschäftsjahr meldete der letzte der deutschen Publisher Insolvenz an, und so musste Mitte letzten Jahres eine Vielzahl an Projekten - darunter Psychotoxic und eben auch Galaxy Andromeda - dran glauben.

Neustart
Damit wäre das Kapitel eigentlich gestorben, hätte der holländischePublisher HD Interactive nicht Anfang 2004 die Rechte an dem krisengeschüttelten Projekt erworben. Das kleine Unternehmen, das in den Beneluxstaaten vor allem als Distributor tätig ist, suchte mit Nexus - The Jupiter Incident den dritten Namen aus und bringt das Spiel über Vivendi Universal Games nun weltweit in die Läden. Seit der ersten Demo aus dem Jahre 2002 hat sich noch einmal viel getan: Die damals schon hübsche Grafik wurde weiter optimiert, das unübersichtliche Interface völlig neu strukturiert. Gut, dass auch der Name weichen musste, denn mit der Imperium Galactica-Serie hat das Endprodukt allenfalls das Genre gemein. Nexus ist vielmehr eine Mischung aus Homeworld und Starfleet Command - statt Einheitenbau und Ressourcenmanagement stehen in dem komplett dreidimensionalen Titel taktisch anspruchsvolle Schlachten im Vordergrund, verpackt in lineare Missionen und eine epische Geschichte.

Trostlose Zukunft
Die Handlung von Nexus erinnert zunächst an den Einheitsbrei aus mittelmäßigen Science Fiction Filmen: Anstatt sich darüber zu freuen, dass sie endlich die Fesseln der Erde gelöst hat, streitet die Menschheit um die neuen Ressourcen. Allmächtige Konzerne treiben die Kolonisierung der äußeren Welten voran und führen Kriege, um ihre Interessen durchzusetzen. Ein trostloses Szenario also, in dem Marcus Cromwell, Sohn des verschollenen Kolonistenführers Richard Cromwell, seinen Dienst als Commander eines kleinen Zerstörers beginnt. Das erste Missionsziel: Zum Jupiter reisen und die Forschung eines rivalisierenden Clans bespitzeln.

Doch Cromwell staunt nicht schlecht, als er herausfindet, woran die Gegenspieler seines Auftraggebers schrauben: Ein außerirdisches Raumschiff, das neben einer fortschrittlichen KI über einen neuartigen Sprungantrieb verfügt! Natürlich muss das Wunderwerk

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unter Kontrolle gebracht werden und schon kurz darauf fliegt die "Angelwing" unter Cromwells Kommando durch das neu entdeckte Wurmloch.

Rückkehr zur Erde
Auf der anderen Seite erwartet die tapfere Crew eine weitere Überraschung: Die "Noah's Arc",

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das Schiff von Marcus verschollenem Vater, hat hier eine neue Kolonie errichtet. Die Menschen leben im Pakt mit den technologisch weit entwickelten, aber feigen Vardrag, die mit den kriegerischen Gorg im Clinch liegen. Die Partnerschaft ist simpel: Die Vardrag liefern die Ausrüstung, die Menschen nutzen sie.Ist die Noah Defense Force nichts weiter als eine Söldnerarmee? Diese Frage rückt schon bald in den Hintergrund, als die Angelwing zur Erde zurückkehrt und eine schreckliche Entdeckung macht: Eine fremde KI, die Entity genannt, hat vom blauen Planeten Besitz ergriffen. Gegen ihre mechanoiden Schiffe haben weder die Menschen noch die Vardrag etwas entgegenzusetzen - hier, etwa nach einem Drittel des Spiels, beginnt die verzweifelte Suche nach einer Waffe für die Befreiung der Erde. Und spätestens hier sieht man auch, dass für die spannende Geschichte ein professioneller Science Fiction Autor am Werk war.

Taktische Tiefe
Nexus ist ein Taktikspiel im voll dreidimensionalen Weltraum, wobei die Schlachten an Star Wars oder Babylon 5 erinnern: Zerstörer, Kreuzer und große, behäbige Schlachtschiffe bekämpfen sich mit gleißenden Lasern, Kurz- oder Langstreckenraketen und wehren mit ihren Flakstellungen wendige Jäger

ab. Diese kommen wiederum in drei Varianten daher: Gunboats schießen einzelne Schiffsysteme KO, Fighter holen Raketen oder gegnerische Bomber vom Himmel. So farbendfroh das Schauspiel ist, über den Sieg entscheidet nicht die Masse an Einheiten, sondern Ausstattung bzw. Einsatz von Waffen und anderen Schiffssystemen. Angriffsbefehle sind beispielsweise in "Schild vernichten" oder "Rumpf angreifen" unterteilt, wobei das Schiff - wenn vorhanden - automatisch die richtige Waffe wählt. Beim Artillerieangriff kommen vor allem Langstreckentorpedos zum Einsatz oder es werden im Nahkampf gezielt einzelne Schiffssysteme wie Sensoren oder Antriebe ausgeschaltet.

Vor allem in den späteren Einsätzen ist Köpfchen gefragt: Nur wer seine Schiffe richtig positioniert und taktisch klug angreift, hat eine Chance. Gut, dass es dabei nicht auf Reaktionsvermögen ankommt, denn das Spielgeschehen kann jederzeit pausiert werden.Kleine Flotte, großer Anspruch Als Anfänger im Nexus-Universum wird man zunächst nur mit einem, später mit einer Hand voll Schiffen betraut. Wem das angesichts der stattlichen Flottengrößen anderer Titel zu kleingeistig erscheint, dem sei gesagt, dass es bei der Angelwing und ihren Begleitschiffen auch deutlich mehr zu tun gibt als Angriffsbefehle zu geben. Zwar ist das Micromanagement dank Automatikfunktionen nicht ganz so ausgeprägt wie im berüchtigten Starfleet Command, wer aber das Optimum herausholen will, nimmt sich einzelnen Schiffsystemen persönlich an und erteilt manuell Reparaturprioritäten.

Wichtigstes Element ist zweifellos die Energieversorgung, die der entsprechenden Situation angepasst sein will. Wer schnell einen Feind abfangen muss, verdoppelt die Antriebsenergie, wer unter starkem Beschuss steht, legt Saft auf die Schilde um. In anderen Situationen hilft nur starke Feuerkraft - hier wird eben Energie vom Antrieb abgezogen

oder die Reserve-Batterie aufgebraucht. Auch die Verteilung innerhalb einzelner Bereiche ist wichtig: Wer seine Sensoren und Zielerfassung auf volle Leistung bringt, muss Abwehrsysteme ausschalten.

Werkstatttuning
Wenn die Energie partout nicht reichen will, hilft nur ein neuer Reaktor. In Nexus dürfen Schiffe zwar nicht selbst designt und gebaut werden, nach jeder Mission lassen sich jedoch die vorhandenen Pötte aufrüsten. Entweder man tauscht alt gegen neu oder setzt zusätzliche Schiffsysteme in freie Slots, wobei Schlachtschiffe selbstverständlich mehr Platz bieten als kleine Zerstörer.

Neben verschiedenen Antriebsversionen, Sensoren, Abwehrsystemen und Kampffliegern stehen im flotteneigenen Shop jede Menge unterschiedlicher Waffen bereit, wobei mit der Zeit immer schlagkräftigere Modelle hinzukommen.

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Feuerkraft ist jedoch nicht alles: Energiebomben lassen Schilde zerfallen, können aber bei Metall nichts ausrichten. Torpedos schlagen direkt durch den Rumpf, werden aber von Schilden gestoppt. Und Laser zielen eher auf einzelne Systeme, als dass sie ein Schiff zerstören könnten. Dann sind da noch Fragen wie Genauigkeit oder Radiusschaden zu klären - eine ganze Feindflotte mit einem Schuss auszuschalten, ist verlockend, aber wer möchte gleich die eigenen Schilde mit hochjagen?

Da zudem Waffen nicht in Reaktorslots passen und nur ein begrenztes Budget zur Verfügung steht, verkommt die Aufrüstung auch aufgrund der umständlichen Bedienung zur zeitaufwendeigen Tüftelei - vor allem wenn später bis zu sieben Schiffe unter der virtuellen Fuchtel des Spielers stehen.

Abwechselungsreiche Einsätze
In der Kampagne steigt Marcus Cromwell Stück für Stück in der Hierarchie auf und bekommt immer mehr Verantwortung. Schön: Sobald wir im Noah-System angekommen sind, behalten wir unsere Schiffe und rüsten die Technik nach jeder Mission auf. Auch die Crews, die einige markante Charaktere beherbergen, bleiben uns erhalten und melden sich in den Einsätzen lautstark zu Wort. Kurzum: Bevor wir ein lieb gewonnenes Schiff verlieren,

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starten wir die Mission lieber neu und verteilen am Ende weitere Erfahrungspunkte an die Kommandanten. Lobenswert ist vor allem das Missionsdesign von Nexus, das niemals langweilig wird und jede Menge Überraschungen parat hält. Jede Schlacht läuft dank unterschiedlicher Gegner und Umgebungen anders ab: Mal schleichen wir uns allein durch ein Asteroidenfeld um einen Spürtrupp auf einer Basis abzusetzen - kommen wir den patrouillierenden Feinden zu nahe, werden wir entdeckt und die Mission ist verloren. Ein anderes Mal kämpfen wir mit der ganzen Flotte gegen Heuschreckenschiffe, die nur von Jägern oder der Flak zu treffen sind. Mechanoiden werden später nur von einer einzigen Energiewaffe beschädigt - aber als sich die Gegner eines verbündeten Schiffes bemächtigen, müssen schließlich doch wieder Torpedos entstaubt werden.

Babylon 5 in Echtzeit
Fakt ist, die klasse designten, anspruchsvollen Missionen und die epische Handlung mit ihren sympathischen Charakteren fesseln bis zum Ende der 26 Missionen langen Kampagne.

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Regelmäßig gibt es schön gemachte Zwischensequenzen zu sehen, aber selbst die Briefings sind aufwendig gestaltet: Man erfährt alles, was für die Vorbereitung notwendig ist und wird doch im Missionsverlauf noch mehrmals überrascht. Übrigens: Im Mehrspielermodus lässt sich nicht nur gegeneinander im Deathmatch, sondern auch Einsätze kooperativ spielen. Die Grafikengine von Nexus sieht hervorragend aus und erinnert an Spezialeffekte, die uns vor wenigen Jahren noch in US-Fernsehserien begeistert haben.Detaillierte Schiffsmodelle kämpfen in farbenfrohen Umgebungen mit gleißenden Laserstrahlen und flackernden Schilden. Explodiert ein Schiff, blendet die Explosion für Sekunden unser Auge und der ganze Bildschirm vibriert. Dazu eine pompöse Geräuschkulisse in bestem Dolby-Surround, ein orchestraler Soundtrack und eine gelungene, deutsche Sprachausgabe - was will man mehr?Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Bombastische Grafik + Orchestraler Soundtrack und gute Synchronisation + Taktisch anspruchsvolles Gameplay + Abwechselungsreiches Missionsdesign + Wendungsreiche, spannende Story + gelungener Mehrspielermodus

Cons:

- umständliche SchiffaufrüstungDetaillierte Schiffsmodelle kämpfen in farbenfrohen Umgebungen mit gleißenden Laserstrahlen und flackernden Schilden. Explodiert ein Schiff, blendet die Explosion für Sekunden unser Auge und der ganze Bildschirm vibriert. Dazu eine pompöse Geräuschkulisse in bestem Dolby-Surround, ein orchestraler Soundtrack und eine gelungene, deutsche Sprachausgabe - was will man mehr?

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Bombastische Grafik + Orchestraler Soundtrack und gute Synchronisation + Taktisch anspruchsvolles Gameplay + Abwechselungsreiches Missionsdesign + Wendungsreiche, spannende Story + gelungener Mehrspielermodus

Cons:

- umständliche Schiffaufrüstung