Sebastian Thor"Shit, wir brauchen auf dem 3DS noch ein 2D-Mario für diesen Sommer.", "Wo ist das Problem? Wir haben eine ganze Schublade mit fertigen Mario-Spielen.", "Aber welches davon?", "Nimm doch das mit den Münzen. Sonnengelben Münzen.", "Ja, die Leute mögen Münzen. Und Sonne. Und Sommer."
Wenig Neues, viel Altbekanntes – ein gutes, motivierendes Jump-and-Run.FazitWer auch immer bei Nintendo solche Entscheidungen trifft, es müssen schwere Momente sein. So schwer wie für Mario selbst, wenn er nach seinem neuen 3DS-Spiel – New Super Mario Bros. 2 (nachfolgend NSMB2) – zur Nachbesprechung geht und daran denkt, dass er Ende des Jahres mit derselben Nummer noch mal auf Wii-U (an-)tanzen darf. Warum ist ihm keine Pause vergönnt?
Einmal nur das Chick sausen, Bowser in Ruhe und Fünfe gerade sein lassen. Ehrlich jauchzen, weil die Welt so schön ist, statt wie eine Marionette an der Strippe zu hängen. Oder wie ein Clown, der immer lachen und lustig sein muss, auch wenn ihm zum Heulen zumute ist. Gezwungenermaßen schleppt sich Mario also in sein neues Abenteuer und...
… was soll man sagen? Trotz aller Müdigkeit springt, zappelt, wedelt, klettert, rutscht und strampelt er so elegant wie eh und je. Es sind Momente ausgelassener Glückseligkeit, wenn man eine Stage in einem Rutsch durchzieht, ohne anzuhalten, Plattformen mit geschlossenen Augen erwischt, kurz vor dem Zielmast auf eine Kröte hopst und die 1-up-Flagge voller Wucht hisst.
Wie immer: wunderbar anzusehen, klasse gestaltet, super spielbar - aber leider sehr wenig Neues.Teufelskerl, hier darf er zu recht stolz auf sich sein. „It's Mario time“, quietscht er. Und ich habe diese Zeit nicht bereut. Aber in den letzten 20 Jahren auch schon eindrucksvollere Tage mit ihm verlebt, als sich das New noch so anfühlte, wie es klingt. Und als nicht zwei Drittel des (zugegebenermaßen großartigen) Mitwipp-Soundtracks wiederverwertet wurden.
Die Vorgänger aus dem Nintendo DS und der Wii, sie waren der perfekte Handschlag für jeden, der knapp zwanzig Jahre nach "Super Mario World" ein 2D-Abenteuer mit dem moppeligen Rohrputzer erleben wollte. Wie damals mit brettspielartig angeordneten Welten voller Wege und Pilzhütten, mit Bonushäuschen und Geheimwegen, vom Anfangspunkt bis zur Burg.
Die Reise zurück ins Kinderzimmer war nur ein Steuerkreuz und zwei Tasten weit entfernt. NSMB2 ist ebenfalls ein Ticket dorthin. Man bekommt, was man immer bekommt: Wüsten-, Wasser- und Wolkenwelt, Pilz, Prinzessin und Puderzuckerguss auf Federwolken und Bergen im Hintergrund. Eine liebevoll gestaltete Welt der Richtung "von links nach rechts". Genial spielbar in einem Anlauf ohne Bremse und Pause, wenn man Jump-and-Run so versteht, oder langsam und auf die dicken Sternmünzen schielend – die wiederum Zugang zu Bonushütten verschaffen. In denen ihr kleine Mätzchen macht und Items abstaubt, von Feuerblume bis Waschbärkostüm, die man mitten im Level sogar einlösen darf.
Eine Feuerblume, die alles in Gold verwandelt. Faszinierend.Absolut keine Überraschung, wenn man Bowsers Blagen pro Welt zweimal geschlagen hat – einmal im kleinen Schloss, einmal im großen – und weiterzieht zur folgenden Karte. Nur dass die Credits nach knapp fünf Stunden den Rausschmiss markieren, hätte ich nicht gedacht. Sicher, da sind noch zwei Bonuswelten, und reingelassen wird nur, wer genug der vertrackt und zum Teil richtig fies in den Stages versteckten Sternmünzen hat. Oder sich nachträglich dazu entschließt, sie zu sammeln, bekannte Level noch einmal zu durchqueren, geheime Ausgänge zu suchen.
NSMB2 ist eben ein Jump-and-Run, das man immer wieder einlegen und starten kann. Macht auch immer wieder Spaß. Doch im Ernst: zum Abspann an zwei Abenden, ohne zu hetzen? Das fühlt sich irgendwie nicht ganz richtig an. Und am Ende nicht so befriedigend wie der Vorgänger, deren letzter Bowser einer gewaltigen Naturkatastrophe glich. Wir sprechen hier von einem Mario-Spiel, das ist mir klar, aber zu sagen, das Finale wirkt gehetzt, trifft es recht gut.
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Aber als bitter würde ich das jetzt nicht bezeichnen, es ist vielmehr eine Art Add-on, wenn auch ohne wirkliche Neuerungen. Wer Mario mag, bekommt hier Massen an neuen Levels. Vom Umfang her finde ich NSMB2 gut genug, wenn auch mit Potential nach oben. Zudem muss man bedenken, dass an dem Spiel ein komplett neues Entwickler-Team saß, dass bis dato noch keine Erfahrung mit Mario hatte. Nichtmal Myamoto hatte bei dem Spiel seine Finger im Spiel. Und dafür, dass es sich um ihr erstes Mario-Spiel handelt, ist das wirklich gelungen. Aber die im Test angesprochenen Kritikpunkte will ich gar nicht schönreden, ich kann dem nur zustimmen.
Ganz schön bitter was Big N da bringt.