"Shit, wir brauchen auf dem 3DS noch ein 2D-Mario für diesen Sommer.", "Wo ist das Problem? Wir haben eine ganze Schublade mit fertigen Mario-Spielen.", "Aber welches davon?", "Nimm doch das mit den Münzen. Sonnengelben Münzen.", "Ja, die Leute mögen Münzen. Und Sonne. Und Sommer."

Wer auch immer bei Nintendo solche Entscheidungen trifft, es müssen schwere Momente sein. So schwer wie für Mario selbst, wenn er nach seinem neuen 3DS-Spiel – New Super Mario Bros. 2 (nachfolgend NSMB2) – zur Nachbesprechung geht und daran denkt, dass er Ende des Jahres mit derselben Nummer noch mal auf Wii-U (an-)tanzen darf. Warum ist ihm keine Pause vergönnt?

Einmal nur das Chick sausen, Bowser in Ruhe und Fünfe gerade sein lassen. Ehrlich jauchzen, weil die Welt so schön ist, statt wie eine Marionette an der Strippe zu hängen. Oder wie ein Clown, der immer lachen und lustig sein muss, auch wenn ihm zum Heulen zumute ist. Gezwungenermaßen schleppt sich Mario also in sein neues Abenteuer und...

… was soll man sagen? Trotz aller Müdigkeit springt, zappelt, wedelt, klettert, rutscht und strampelt er so elegant wie eh und je. Es sind Momente ausgelassener Glückseligkeit, wenn man eine Stage in einem Rutsch durchzieht, ohne anzuhalten, Plattformen mit geschlossenen Augen erwischt, kurz vor dem Zielmast auf eine Kröte hopst und die 1-up-Flagge voller Wucht hisst.

New Super Mario Bros. 2 - Nicht mehr super, aber immer noch gut genug

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Wie immer: wunderbar anzusehen, klasse gestaltet, super spielbar - aber leider sehr wenig Neues.
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Teufelskerl, hier darf er zu recht stolz auf sich sein. „It's Mario time“, quietscht er. Und ich habe diese Zeit nicht bereut. Aber in den letzten 20 Jahren auch schon eindrucksvollere Tage mit ihm verlebt, als sich das New noch so anfühlte, wie es klingt. Und als nicht zwei Drittel des (zugegebenermaßen großartigen) Mitwipp-Soundtracks wiederverwertet wurden.

Packshot zu New Super Mario Bros. 2New Super Mario Bros. 2Erschienen für 3DS kaufen: ab 34,40€

Die Vorgänger aus dem Nintendo DS und der Wii, sie waren der perfekte Handschlag für jeden, der knapp zwanzig Jahre nach "Super Mario World" ein 2D-Abenteuer mit dem moppeligen Rohrputzer erleben wollte. Wie damals mit brettspielartig angeordneten Welten voller Wege und Pilzhütten, mit Bonushäuschen und Geheimwegen, vom Anfangspunkt bis zur Burg.

Wenig Neues, viel Altbekanntes – ein gutes, motivierendes Jump-and-Run.Fazit lesen

Die Reise zurück ins Kinderzimmer war nur ein Steuerkreuz und zwei Tasten weit entfernt. NSMB2 ist ebenfalls ein Ticket dorthin. Man bekommt, was man immer bekommt: Wüsten-, Wasser- und Wolkenwelt, Pilz, Prinzessin und Puderzuckerguss auf Federwolken und Bergen im Hintergrund. Eine liebevoll gestaltete Welt der Richtung "von links nach rechts". Genial spielbar in einem Anlauf ohne Bremse und Pause, wenn man Jump-and-Run so versteht, oder langsam und auf die dicken Sternmünzen schielend – die wiederum Zugang zu Bonushütten verschaffen. In denen ihr kleine Mätzchen macht und Items abstaubt, von Feuerblume bis Waschbärkostüm, die man mitten im Level sogar einlösen darf.

New Super Mario Bros. 2 - Nicht mehr super, aber immer noch gut genug

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Eine Feuerblume, die alles in Gold verwandelt. Faszinierend.
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Absolut keine Überraschung, wenn man Bowsers Blagen pro Welt zweimal geschlagen hat – einmal im kleinen Schloss, einmal im großen – und weiterzieht zur folgenden Karte. Nur dass die Credits nach knapp fünf Stunden den Rausschmiss markieren, hätte ich nicht gedacht. Sicher, da sind noch zwei Bonuswelten, und reingelassen wird nur, wer genug der vertrackt und zum Teil richtig fies in den Stages versteckten Sternmünzen hat. Oder sich nachträglich dazu entschließt, sie zu sammeln, bekannte Level noch einmal zu durchqueren, geheime Ausgänge zu suchen.

NSMB2 ist eben ein Jump-and-Run, das man immer wieder einlegen und starten kann. Macht auch immer wieder Spaß. Doch im Ernst: zum Abspann an zwei Abenden, ohne zu hetzen? Das fühlt sich irgendwie nicht ganz richtig an. Und am Ende nicht so befriedigend wie der Vorgänger, deren letzter Bowser einer gewaltigen Naturkatastrophe glich. Wir sprechen hier von einem Mario-Spiel, das ist mir klar, aber zu sagen, das Finale wirkt gehetzt, trifft es recht gut.

Gold, Gold, Gold, sind alle meine Feinde

Es sind nicht nur die Spielzeit oder die vielen unvermeidbaren Déjà-vus. Am Ende gerät dieses Mario-Abenteuer auch deswegen schneller in Vergessenheit, weil man Extraleben sammelt wie reife Früchte. Wer den Wii-Vorgänger zusammen mit Freunden gespielt hat, weiß, wie sich die Continue-Scham anfühlen kann. In NSMB2 habe ich bei 30 Leben mit dem Zählen aufgehört. Es gibt hier und da einige knifflige Stellen, und das ist auch gut so, aber unterm Strich hat man leichtes Spiel. Schuld sind vor allem die goldgelben Mistkerle...

… Münzen, furchtbar viele Münzen. Vom 3DS-Cover aus grinsen sie euch schon entgegen und in den Levels ändert sich das nicht. Felder aus Steinblöcken verwandeln sich in ein Münzenmeer, einige unterirdische Kammern sind randvoll. Mit der entsprechenden Kappe auf dem Kopf wirft sich Mario selbst Taler zu, sie sprudeln förmlich aus ihm heraus. Dutzende, Hunderte, je schneller er in einem Rutsch rennt und hüpft.

Ein Item sorgt dafür, dass sämtliche Gegner golden anlaufen und, seufz, mehr Glitzer hinterlassen. Ein Goldstücke werfender Lakitu hat schon was. Die vielen Extraleben sind natürlich kein Wunder. Hundert Münzen bekommt man ruckzuck zusammen. Im Nachhinein muss man sich fragen, ob es auch ein Level gibt, in dem man die dreistelligen Zähler nicht locker im Vorbeigehen einsacken kann.

New Super Mario Bros. 2 - Nicht mehr super, aber immer noch gut genug

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Die Schlösser dürfen natürlich nicht fehlen.
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Noch schneller geht’s übrigens, wenn man sich dem "Münzrausch" hingibt, einem Bonusmodus, in dem man den Geldzähler in ungeahnte Höhen treibt. Drei Stages werden zufällig herausgepickt und in Reihe geschaltet. Ihr habt lediglich ein kümmerliches Leben, um alle hintereinander abzuschließen. Gibt Schotter. Gibt mehr Schotter, wenn ihr euch damit beeilt beim Ins-Ziel-Kommen.

Wer einen guten Freund, einen zweiten 3DS und zwei Module zur Hand hat, kann die Geschichte auch kooperativ angehen. An der Seite Luigis. Das Ganze spielt sich allerdings zäh, da beide Spieler immer im Bildausschnitt des Mario-Spielers bleiben sollten. Für Mario kein Problem, ist ja sein Bildschirm. Für Luigi unbequem, da er nicht zurückfallen darf, will er nicht unbedingt in einer Blase in den sichtbaren Bereich teleportiert werden. Entspanntes Koop-Hüpfen ist wie bei der Wii-Version nur möglich, wenn man bedacht vorgeht und Rücksicht auf den anderen nimmt, statt durch den Level zu flitzen.

Schade, dass es keine weiteren Bonusmodi auf die Cartridge geschafft haben; generell fühlt sich das Paket hier ein wenig dünn an, und im Vergleich mit älteren 2D-Marios ist es das auch. Doch der Klempner zeigt trotz allen Wiederverwertens und trotz aller Déjà-vus, dass Nintendo keine Grätsche macht, wenn es um tadelloses, motivierendes Leveldesign geht.

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Mit zwei Modulen ist kooperatives Spielen an der Seite Luigis möglich.
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Klar wird man sich wundern und an manchen Stellen denken, all das so ähnlich schon mal gespielt zu haben, aber im nächsten Moment verzückt durch die Abschnitte rennen und sich fragen, warum viele andere Spiele das nicht so hinbekommen. Man wird vielleicht etwas angenervt seufzen, weil die sechs Welten sklavisch an der üblichen Mario-Themencheckliste hängen. Kennt man doch alles.

Es ist komisch, aber selbst mit diesem wenig engagierten Klempner, der sich gar nicht die Mühe macht, etwas großartig Neues zu präsentieren, trifft Nintendo den wichtigen Nerv. Es geht durch Geisterhäuser, vorbei an schüchtern die Augen verschließenden Buu-Huu-Geistern, und durch Lavagruben. An versteckten Kletterranken in die Höhe, wo noch mehr funkelt und glitzert. Wie gesagt: komisch, selbst das für mich schwächste 2D-Mario seit Ewigkeiten ist ein gutes Spiel. Das muss man erst mal hinbekommen.