Sebastian ThorEs sind nicht nur die Spielzeit oder die vielen unvermeidbaren Déjà-vus. Am Ende gerät dieses Mario-Abenteuer auch deswegen schneller in Vergessenheit, weil man Extraleben sammelt wie reife Früchte. Wer den Wii-Vorgänger zusammen mit Freunden gespielt hat, weiß, wie sich die Continue-Scham anfühlen kann. In NSMB2 habe ich bei 30 Leben mit dem Zählen aufgehört. Es gibt hier und da einige knifflige Stellen, und das ist auch gut so, aber unterm Strich hat man leichtes Spiel. Schuld sind vor allem die goldgelben Mistkerle...
… Münzen, furchtbar viele Münzen. Vom 3DS-Cover aus grinsen sie euch schon entgegen und in den Levels ändert sich das nicht. Felder aus Steinblöcken verwandeln sich in ein Münzenmeer, einige unterirdische Kammern sind randvoll. Mit der entsprechenden Kappe auf dem Kopf wirft sich Mario selbst Taler zu, sie sprudeln förmlich aus ihm heraus. Dutzende, Hunderte, je schneller er in einem Rutsch rennt und hüpft.
Ein Item sorgt dafür, dass sämtliche Gegner golden anlaufen und, seufz, mehr Glitzer hinterlassen. Ein Goldstücke werfender Lakitu hat schon was. Die vielen Extraleben sind natürlich kein Wunder. Hundert Münzen bekommt man ruckzuck zusammen. Im Nachhinein muss man sich fragen, ob es auch ein Level gibt, in dem man die dreistelligen Zähler nicht locker im Vorbeigehen einsacken kann.
Die Schlösser dürfen natürlich nicht fehlen.Noch schneller geht’s übrigens, wenn man sich dem "Münzrausch" hingibt, einem Bonusmodus, in dem man den Geldzähler in ungeahnte Höhen treibt. Drei Stages werden zufällig herausgepickt und in Reihe geschaltet. Ihr habt lediglich ein kümmerliches Leben, um alle hintereinander abzuschließen. Gibt Schotter. Gibt mehr Schotter, wenn ihr euch damit beeilt beim Ins-Ziel-Kommen.
Wer einen guten Freund, einen zweiten 3DS und zwei Module zur Hand hat, kann die Geschichte auch kooperativ angehen. An der Seite Luigis. Das Ganze spielt sich allerdings zäh, da beide Spieler immer im Bildausschnitt des Mario-Spielers bleiben sollten. Für Mario kein Problem, ist ja sein Bildschirm. Für Luigi unbequem, da er nicht zurückfallen darf, will er nicht unbedingt in einer Blase in den sichtbaren Bereich teleportiert werden. Entspanntes Koop-Hüpfen ist wie bei der Wii-Version nur möglich, wenn man bedacht vorgeht und Rücksicht auf den anderen nimmt, statt durch den Level zu flitzen.
Schade, dass es keine weiteren Bonusmodi auf die Cartridge geschafft haben; generell fühlt sich das Paket hier ein wenig dünn an, und im Vergleich mit älteren 2D-Marios ist es das auch. Doch der Klempner zeigt trotz allen Wiederverwertens und trotz aller Déjà-vus, dass Nintendo keine Grätsche macht, wenn es um tadelloses, motivierendes Leveldesign geht.
Mit zwei Modulen ist kooperatives Spielen an der Seite Luigis möglich.Klar wird man sich wundern und an manchen Stellen denken, all das so ähnlich schon mal gespielt zu haben, aber im nächsten Moment verzückt durch die Abschnitte rennen und sich fragen, warum viele andere Spiele das nicht so hinbekommen. Man wird vielleicht etwas angenervt seufzen, weil die sechs Welten sklavisch an der üblichen Mario-Themencheckliste hängen. Kennt man doch alles.
Es ist komisch, aber selbst mit diesem wenig engagierten Klempner, der sich gar nicht die Mühe macht, etwas großartig Neues zu präsentieren, trifft Nintendo den wichtigen Nerv. Es geht durch Geisterhäuser, vorbei an schüchtern die Augen verschließenden Buu-Huu-Geistern, und durch Lavagruben. An versteckten Kletterranken in die Höhe, wo noch mehr funkelt und glitzert. Wie gesagt: komisch, selbst das für mich schwächste 2D-Mario seit Ewigkeiten ist ein gutes Spiel. Das muss man erst mal hinbekommen.
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