Neverwinter Nights - Der Schatten von Undernzit (PC-Test)
(von Volker Schütz)

Schnee und Eis in der Region Niewinter? Was sich nach einer sprachlichen Unmöglichkeit anhört, wird in der Erweiterung zu Biowares Rollenspiel »Neverwinter Nights« Wirklichkeit.

Warum Sie neben Fellstiefeln aber auch Sandalen und Badehose für Ihre Abenteuerreise einpacken sollten, dazu gleich. Mit »Der Schatten von Undernzit« liegt ein Add-On zu »Neverwinter Nights« - das Grundspiel wird benötigt - vor, dessen Story sich erst auf den zweiten Blick als atypisch erweist.

Trifft doch zunächst auf diese scheinbar die goldene Rollenspielregel Nummer 23 zu: »Es geht um machtvolle Artefakte. Immer«. Nur gammelt besagtes magisches Geraffel diesmal nicht in Grüften dubioser Welteroberer herum oder muss von den Recken aus dämonischen Dimensionen geborgen werden.

Es befindet sich vielmehr bereits seit langem im Besitz des alternden Zwergenabenteurers Drogan. Aus zunächst ungeklärten Gründen regt sich in der Unterwelt Interesse an den Habseligkeiten. Wie es sonst die Streiter für Gutes und Wahres üblicherweise mit Türmen finsterer Magier tun, stürmen hier die Scher-gen des Verderbens also kurzerhand die Holzhütte von Meister Drogan und räumen ihm den Keller leer.

Mangels Hausratversicherung bleibt dem Zwerg nur eine einzige Alternative: Er muss einen seiner drei Abenteuer-Azubis mit der Wiederbeschaffung beauftragen. Das sind, richtig geraten, Sie.

Kalte Füße in Niewinter
Während also in dem nahe gelegenen Niewinter die Pest tobt, stapfen Sie (und wahlweise ein getreuer NPC) durch tiefsten Schnee auf der Jagd nach der diebischen Koboldbande.

Dies führt Sie durch im Grundspiel nicht vorhandene Umgebungen wie Winterlandschaften und Wüstenregionen. Dargestellt wird dies alles nach wie vor durch die in die Tage gekommene Aurora-Engine.

Neverwinter Nights: Der Schatten von Undernzit

- Neue Rollenspielaction in Niewinter
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Auch die »Architektur« der Häuser und zahlreicher Dungeons mutet hin und wieder ein wenig arg vertraut an.
Auf Dauer bleibt die Optik aber abwechslungsreich genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen und die Eigenanleihen, respektive das Recycling, zu verzeihen.

Packshot zu Neverwinter Nights: Der Schatten von UndernzitNeverwinter Nights: Der Schatten von UndernzitErschienen für PC kaufen: ab 38,99€

Neue Monster und Rätsel
Der Spielerunterhaltung dienen ferner die sechzehn neuen Monster. Als da wären zum Beispiel: Skorpionmenschen, humanoide Echsenkreaturen, unterschiedliche Kasten intelligenter Rieseninsekten sowie für all diejenige, die auf große Frauen stehen, weibliche Eisriesen.

Einschränkend sei jedoch gesagt, dass uns während der Testphase von letzteren keine einzige in die Klinge stolperte. Dafür mussten wir hingegen selbst in den Körper einer solchen schlüpfen, um einem besonders harten Gegner »gewachsen« zu sein.

Neben entsprechenden Handgreif-lichkeiten hat sich in »Der Schatten von Undernzit« aber auch der Rätselanteil deutlich erhöht.Schalter- und Bodenplattenpuzzles stellen dabei den größten Anteil. Worträtsel finden sich eher selten, was daran liegt, dass eine Implementierung in die Multiplechoice-Dialoge kaum sinnvoll möglich ist. Der Anstieg an Kniffelelemente insgesamt reduziert jedenfalls die an »Diablo« erinnernde Simplizität, die »Neverwinter Nights« noch anhaftete.

Ebenfalls positiv wirkt die deutliche Erhöhung des Humorfaktors. Ob es die kauzigen Sprüche der NPCs oder solch niedliche Einfälle, wie koboldbetriebene Türöffnungsmechanismen sind, das Add-On lässt den Bierernst von »Neverwinter Nights« endgültig hinter sich.

Klassen statt Massen
Eine weitere nennenswerte Veränderung gegenüber dem Grundprogramm stellt die Einführung der Prestige-Klassen dar. Ab einer bestimmten Stufe können Charaktere jetzt in fünf neue Professionen wechseln.Etwa dem Blackguard genannten bösen Pendant zum Paladin, welcher praktische Fähigkeiten wie das Erschaffen und Vertreiben von Untoten beherrscht und in höheren Stufen sogar nach Belieben dämonische Hilfe ordern kann (»Luzifer! Mein Schnürsenkel ist schon wieder offen!«).

Ferner gibt es den Shadowdancer, eine Mischung aus Barde und Dieb, welcher die Fähigkeit besitzt, sich selbst im direkten Sichtfeld des Gegners zu verstecken. Weiterhin wären zu nennen: der Harper Scout, der Assassin und der Arcane Archer. Neue Zauber wurden dem Ganzen ebenfalls spendiert.

Das Erfreuliche bei alledem ist insbesondere, dass besagte Vorzüge nicht nur in der Erweiterung, sondern auch in »Neverwinter Nights« selbst verwendbar sind.

Kleine Unzulänglichkeiten
Andere Verbesserungen kommen weniger augenscheinlich daher. So verfolgen einen nun etwa Monster über die einzelnen Levelabschnittehinweg und der Spieler darf die Ausrüstung seiner Gefolgsleute selbst in die Hand nehmen.

Kleinere Probleme trüben allerdings immer noch die pure Spielfreude.

Die Erteilung von Befehlen reagiert im Kampf nicht uneingeschränkt korrekt, so dass teilweise statt dem Heiltrank, nur die Anweisung diesen zu nehmen vom virtuellen Alter Ego verschluckt wird. Außerdem stoppt das Spiel nicht während der Dialoge, was stellenweise eine Art »Nahosteffekt« zur Folge haben kann. Will sagen: Während ich mit der Oberechse von nebenan die Konditionen für einen Friedensvertrag verhandele, prügeln sich unsere Gefolgsleute die Birnen weich, so als gäbe es kein Morgen.

Als winziger Wehrmutstropfen erscheint auch, dass nicht alle im Spiel vorhandenen Schriften für hohe Auflösungen angepasst werden können. Rollenspielbegeisterten TFT-Besitzer ist daher zu raten, vorsorglich im Internet nach billigen Blindenstock-Angeboten zu stöbern.