Empfingen wir jedes Adventure wegen der Ebbe an Genrevertretern noch vor knapp zwei Jahren mit Begeisterungsstürmen, hat sich diese Heißlust auf Rätsel mittlerweile mehr als gestillt. Durch erfolgreiche Konzepte wie die Sam & Max-Reihe, Überraschungserfolge á la Geheimakte Tunguska und überzeugende Genrekost wie Ankh: Herz des Osiris ist der Hunger auf neue Happen zumindest nicht mehr so groß wie damals.

Und auch die Zukunft verheißt Gutes: Glaubt man Gerüchten, sei ein Nachfolger zu Tunguska bereits in Entwicklung, zudem darf man auf interessante Spiele wie Overclocked gefasst sein. So weit wollen wir jedoch nicht vorgreifen und sagen Euch lieber, wie sich "Neue Abenteuer auf der Schatzinsel" in unserem Review geschlagen hat.

Neue Abenteuer auf der Schatzinsel - Trailer

Echte Seemänner stechen auch ins rote Meer…
Jim Hawkins hat es nicht leicht: Nach glorreichen Zeiten an der Seite seines Freundes Long John Silver schwärzt sich der Himmel langsam aber sicher dunkel. Eines Nachts wird sein Schiff von ehemaligen Crewmitgliedern gekapert, die unserem guten Jim an den Kragen wollen. Dieser hat jedoch etwas gegen die Schwertmassage und setzt sich mitsamt Rettungsboot lieber auf eine Insel ab. Ab hier übernehmen wir.

Neue Abenteuer auf der Schatzinsel - Adventures haben Hochsaison: Wie schlagen sich die Karibik-Piraten gegen Sam, Max und Co.?

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So heiß wie in der Bacardi-Werbung: Karibikflair ohne Grenzen.
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Ähnlich wie in Myst dirigieren wir unseren Protagonisten durch mehr oder minder statische Renderbilder und klicken uns von einem Screen zum nächsten. Auch von der Handhabung erinnert das Spiel an frühere Render-Adventures. Wir können uns jederzeit um 360° drehen, rätselrelevante Gegenstände anklicken, ansehen und aufnehmen. Diese wandern dann ins Inventar, wobei sich hier einige Besonderheiten gegenüber anderen Genrevertretern darlegen.

So können nicht nur viele Gegenstände miteinander kombiniert, sondern auch in ihre Einzelteile zerlegt werden. Auf diese Weise entfernen wir beispielsweise den Schaft eines rostigen Messers, nur um ihn an anderer Stelle mit einer besseren Klinge zu bestücken. Solche Überkreuzkombinationen finden sich zuhauf in "Neue Abenteuer auf der Schatzinsel". Ebenfalls ungewöhnlich: Oft gilt es, Seile mit den korrekten Knoten zu binden, um an wichtige Stellen zu kommen.

Packshot zu Neue Abenteuer auf der SchatzinselNeue Abenteuer auf der SchatzinselErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Verknotet…
So passiert es unserem armen Jim an einer Stelle des Spiels, dass er im Sumpf fest steckt, ihm aber ein Seil zugeworfen wird, was er allerdings erst noch binden muss. Bei solch einem Fall stehen verschiedene Arten des Knotens zur Verfügung, die dann nach einer Art Multiple-Choice-Verfahren gewählt werden können.

Wählen wir eine falsche Knotenart, wird dies gleich angezeigt und man fängt wieder von vorne an. Schwer sind diese Art von Rätseln nicht, da man ständig wieder bei Null anfangen darf und etwaige Fehler keine Auswirkungen auf das Spielgeschehen haben.

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Hat einen Ständer: Kanone.
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Gelungen ist, dass einem das Spiel stets einen Leitfaden in Form einer von Long John Silver verfassten Niederschrift an die Hand gibt. So hat der Spieler jederzeit zumindest eine Ahnung davon, was als Nächstes zu tun ist - auch wenn das Dokument selbstverständlich in Rätseln formuliert ist und teilweise nicht einfach zu dechiffrieren ist. Während wir nach und nach die Teile der Hauptaufgabe abarbeiten, werden die gelösten Passagen aus dem Dokument, das wir ständig bei uns tragen, gestrichen. So wandern wir zumindest nicht planlos durch die eher leblosen Szenerien.

Womit wir auch schon beim größten Kritikpunkt an "Neue Abenteuer auf der Schatzinsel" wären: der Leblosigkeit. Bei all den Eskapaden, die man mit Jim durchleben muss, ist man für ein paar animierte Vögel oder sich bewegende Gräser schon mehr als dankbar. Schön sind die Renderscreens allemal. Die gähnende Abwesenheit von eingehauchtem Leben zerrt aber nach einer Weile an den Sehnerven selbst des hartgesottendsten Adventure-Fans.

Ich krieg's nicht, verdammt!
Ebenfalls auf die Stimmung drücken die teils zu schweren Rätsel, die vor allem gegen Ende hin ein Denken um die berühmten drei Ecken erfordern. Und wenn das nicht hilft, tut es im Notfall das simple Ausprobieren aller möglichen Kombinationen, wobei dies angesichts der horrenden Zahl an Items im Inventar ein nerviges Unterfangen darstellt, vor allem wenn man bedenkt, dass sich ein Großteil der Gegenstände noch in seine Einzelteile zerlegen lässt. Dennoch sind die verschiedenen Rätsel in sich logisch und jederzeit nachvollziehbar.

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Also da ist der achte Zwerg abgeblieben!
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Löblich ist bei einer solch hohen Anzahl an Items die Einteilung und Abgrenzung für den Moment unwichtiger Objekte mithilfe von Reitern. An einer Stelle des Spiels müssen wir zum Beispiel einen Flaschenzug basteln, den wir erst durch einige Einzelteile einer zerlegten Umlenkrolle herstellen können. Also verfrachten wir alle benötigten Gegenstände in einen Extrateil des Inventars und müssen uns so nicht mit störenden Items herumärgern.

Störend ist vielmehr die klischeebeladene 08/15-Story: Diese lehnt sich zwar eng an Robert Louis Stevensons Roman an, präsentiert sich aber mit der Dramatik eines Nachmittagskrimis in der ARD. Vor allem die spätere Liebesbeziehung zwischen Jim und Long Johns Tochter Pepita wirkt arg an den Haaren herbeigezogen. Wenn man nur alle Frauen so leicht "überzeugen" könnte…

Etwas unglücklich ist auch die deutsche Synchronisation geraten: Während unser Held mit recht übertriebenem Elan ans Werk geht, hatte Pepitas Sprecherin wohl am Tag zuvor eine ausschweifende Feier am Laufen. Anders können wir uns die scheinbare Müdigkeit in ihrer Stimme jedenfalls nicht erklären. Soundeffekte sind in "Neue Abenteuer auf der Schatzinsel" rar gesät, befinden sich aber zumindest auf solidem Niveau. Anders die gelungene Hintergrundmusik, die gut zur Piratenthematik passt.