Review-Vergleich: Need for Speed Underground 2 und Ridge Racer DS (Nintendo DS)
von Joerg Pitschmann

Die Raserei hat den Nintendo DS erreicht. Sowohl EA als auch Namco haben ihre Vorzeigetitel an den Start gebracht und liefern sich ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gunst der kaufwilligen Handheld-

Gemeinde. Insbesondere EA hat bei der Umsetzung seiner Edelraserei »Need for Speed Underground 2« großen Wert auf eine möglichst identische Portierung der großen Brüder auf Nintendos Kleinen gelegt. Namcos »Ridge Racer DS« hingegen ist die Umsetzung des gleichnamigen alten N64-Klassikers für die Winzkonsole.

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Ob die Titel den Bedürfnissen der kessen Taschenspielkonsole angepaßt wurden und sich der Weg ins virtuelle Cockpit auch bei den Mini-Ausgaben lohnt? Lest weiter!

Miniflitzer
Willkommen in der Welt edler Asphaltraser und verwegener Autofetischisten. Sowohl »Ridge Racer DS« als auch »Need for Speed Underground 2« glänzen in ihren DS-Ausgaben mit virtuellen Augenweiden, die das Herz des einsamen Spielers höher schlagen lassen.

Gemeint sind allerdings in diesem Fall nicht Digitalmiezen als schmucke Verzierungen der Rennspiele, sondern die Hochglanzkarren, mit denen man die virtuellen Straßen unsicher machen kann. Während EA hierbei wieder mit Originallizenzen der Automarken glänzt, gibt sich Namco mit Phantasieflitzern zufrieden, die allerdings realen Vorbildern entlehnt sind. Für das Fahrgefühl bringt die Verwendung von Originallizenzen allerdings keine spürbaren Vorteile

mit sich. Daß beide Titel beim Spieler nicht gerade eine Geschwindigkeitsrausch hervorrufen können, hat andere Gründe. Weder NfS noch RidgeRacer schaffen es nämlich, jenes Gefühl für irre Straßenrennen hervorzurufen, die ihren jeweiligen großen Brüdern innewohnen.

Das verwundert kaum, denn beide müssen sich mit den technisch beschränkten Möglichkeiten des DS zufrieden geben. Um keine Missverständnisse zu erzeugen: Nintendos Kleinster ist ein hervorragendes Spielgerät mit exzellenter Grafik und einer Vielzahl spielerischer Möglichkeiten. Aber Autorennen benötigen neben einer leistungsfähigen Hardware auch eine gewisse Bildschirmgröße, um ein atemberaubendes Fahrgefühl zu erzeugen. Und genau das kann der DS mit seinen beiden kleinen Bildschirmen nicht liefern. Dass sich interessierte Handheld-Konsoleros dennoch passabel mit den Miniflitzern amüsieren könnten, liegt an deren guter Präsentation.

Tunefisch
So können beispielsweise EAs Karren wie gewohnt bis zum Abwinken getunt werden. Die zur Auswahl stehenden Kisten scheinen dabei allesamt weiblichen Geschlechts zu sein, denn sie locken in einem Showroom den ambitionierten Hobbyraser mit schönen Formen und coolem Outfit. Und das nicht nur im Sommer.

Aber wie im richtigen Leben steht vor dem Genuss die harte Arbeit. Denn nicht nur für die weiblichen Objekte seiner Begierde benötigt der durchschnittliche Zocker eine dicke Brieftasche, sondern er braucht auch für das Pimpen seiner Karre Unmengen finanzieller Mittel. Also

Need for Speed: Underground 2 - Der Kleine mit den geilen Karren! Review-Vergleich: Need for Speed UG2 & Ridge Racer!

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muß man Rennen gewinnen, bis der Konsolenakku raucht. Je erfolgreicher sich der Spieler dabei anstellt, desto größer ist das Füllhorn der virtuellen Belohnung. Und wer einmal seine digitale Alltagskarre vom Schlage eines Peugeot 206 mit Spoilern und anderen Applikationen gnadenlos aufgepimpt hat, weiß, daß daraus eine regelrechte Sucht werden kann. Schön, daß das auch am DS funktioniert.

Packshot zu Need for Speed: Underground 2Need for Speed: Underground 2Erschienen für GameCube, PC, PS2, XBox und DS kaufen: Jetzt kaufen:

»Ridge Racer« geht einen etwas anderen Weg. Pimpen findet hier nämlich gar nicht statt. Das Spiel bezieht seinen Reiz ausschließlich aus den unterschiedlichen Rennmodi sowie dem Multiplayerpart, der spaßige Rennen in der Gruppe ermöglicht - und das mit nur einem Spielmodul. Denn sobald ein Teilnehmer ein »Single Card«-Rennen eröffnet, können sich maximal fünf weitere DS-Besitzer ins Spiel einloggen, wobei die benötigten Dateien über das integrierte WLAN-Modul auf ihre Konsole geladen werden.

Die unbeschwerte Raserei steht somit bei Namcos Baby an erster Stelle. Demzufolge ist auch nicht der schnöde Mammon in Form virtueller Reichtümer das wichtigste Spielelement, sondern durch gewonnene Rennen werden lediglich Strecken und weitere Phantasiewagen freigeschaltet.Augen auf im Straßenverkehr
Beide Titel können mit einer schön animierten und äußerst lebendigen Umwelt punkten. Bei EA findet sich wie gewohnt das alltägliche Verkehrsaufkommen, wobei die unbeteiligten Fahrer durch wildes Hupen ihrem Unmut Ausdruck verleihen, wenn man ihnen zu nahe kommt.

Doch bis auf die Tatsache, daß der normale Straßenverkehr lediglich das eigene zügige Vorankommen behindert, hat die illegale nächtliche Raserei in der Großstadt auch auf dem DS keine Auswirkungen. Dennoch ist das gekonnte Ausweichen Pflicht, um nicht durch Frontalcrashes wertvolle Zeit zu

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verlieren. Wie gewohnt, sind die Wagen der zur Verfügung stehenden Fahrzeugpalette unkaputtbar, auch kleinere Rangeleien mit miesen Mitbewerbern gehen glimpflich aus, von einem möglichen Zurückfallen hinter die anderen Fahrer mal abgesehen. »RidgeRacer« gibt sich da genügsamer, denn anders als beim Konkurrenten finden hier die Rennen auf leergefegten Straßen statt, die durch eine Vielzahl von mehr oder weniger schönen Landschaften führen. Schade, daß für eine echte Sightseeing-Tour im Rennen keine Zeit bleibt. Zumindest dann nicht, wenn man sich auf den vorderen Plätzen behaupten will.Dafür werden die Wettkämpfe von launigen Off-Kommentaren begleitet, die den Spieler zum Durchhalten ermutigen sollen. Die hochverehrte computergesteuerte Konkurrenz gibt sich recht rüde und drängelt, was das Zeug hält. Doch da auch Namcos Phantasiekarren keine spürbaren Schäden davontragen, reduziert sich das Geschubse auf ein Zeitschinden, denn wer von der Ideallinie verdrängt wird, verliert wertvolle Sekundenbruchteile. Der Rennatmosphäre tut das freilich keinen Abbruch, denn schlussendlich zählt nur eines: der Sieg. Und der muß bei beiden Titeln schwer erarbeitet werden.

Blick zurück
Wo die spielerischen Aspekte punkten können, hapert es an der konsequenten technischen Umsetzung. So steuert sich EAs Edelraser sehr zäh, und die grafische Darstellung läßt so etwas wie ein Geschindigkeitsgefühl gar nicht erst aufkommen. Fast hat es den Eindruck, daß EA bei aller Pimperei und Detailverliebtheit den Blick für das Wesentliche verloren hat.

Die Rennkonkurrenz gönnt sich selbst im einfachen Modus kaum Fahrfehler, und infolge des kleinen Bildschirms leidet die Übersicht kolossal. Gesteuert wird ausschließlich über das Digitalkreuz, die Handbremse liegt auf der rechten Schultertaste. Immerhin sind auf diese Weise fette Drifts möglich, von jeher eine der großen Stärken der NfS-Reihe.

Das Rennen findet ausschließlich auf dem oberen Bildschirm statt, auf dem unteren ist eine Übersichtskarte eingeblendet, auf der man jederzeit die eigene Position und den weiteren Streckenverlauf erkennen kann. Einen Rückspiegel sucht man allerdings vergeblich, hierfür war wohl auf dem kleinen Display des DS kein Platz mehr. Überhaupt hat es den Anschein, daß EA auf die technischen Besonderheiten von Nintendos Baby kaum eingegangen ist.

Der Stylus, immerhin eines der wichtigsten Features der neuen Konsole, kommt in keiner Weise zum Einsatz. Natürlich sollte man fairerweise die Frage in den Raum

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stellen, inwiefern der Stift bei einem Rennspiel sinnvoll zum Einsatz kommen kann.

Auch Namco hat sich bei der Anpassung seines Renners für den DS einige Schnitzer erlaubt, doch immerhin haben sich die Entwickler um die Einbindung der speziellen Konsoleneigenschaften gekümmert. So kann das Spiel wahlweise über das Digitalkreuz oder mit dem Stift gelenkt werden. Möglich ist auch eine Mischform aus beidem. Doch das Lenken mit dem Stylus ist gewöhnungsbedürftig und nicht sehr exakt. Besser ist deshalb die konventionelle Steuerung.

Driften kann man übrigens nicht, was besonders Fans der alten N64-Reihe schmerzlich vermissen werden. Warum dieses spannende Feature ausgeklammert wurde, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben. Auf dem unteren Bildschirm ist übrigens ein virtuelles Lenkrad eingeblendet, das bei der Stiftsteuerung als Orientierung dient. Eine Übersichtskarte fehlt dafür völlig. Stattdessen wird ebenfalls unten ein kleiner Kartenausschnitt eingeblendet, der Aufschluß über die Beschaffenheit der nächsten Streckenmeter gibt. Allerdings wird nicht anzeigt, wie weit die Konkurrenten entfernt sind. Das ist besonders kurz vor Schluß eines Rennens ärgerlich, denn auf diese Weise ist es unmöglich zu erahnen, ob man auf den letzten Metern noch eine realistische Siegchance einfahren kann. Viel besser wäre hier eine wahlweise Einstellung des unteren Monitors gewesen, denn wer mit dem Digitalkreuz lenkt, benötigt das eingeblendete Lenkrad in keiner Weise.

Der Sound ist übrigens bei beiden Kandidaten eine Geschmacksfrage. Zwar bieten die Spiele jeweils fetzige Musikuntermalung und Motorensounds, doch angesichts der akustischen Fähigkeiten des DS empfiehlt sich in jedem Falle die Verwendung eines guten Kopfhörers.

Die eingebauten Lautsprecher bieten eher eine Geräuschkulisse, die zeitweise an das Foltern einer Katze erinnern als an einen fetten Raser. Allen genannten Nachteilen zum Trotz und in Ermangelung echter Alternativen seien beide Titel jedoch raserverrückten Zockern nahegelegt. Wer ohne wenn und aber auf EAs Edelraser steht, ist sicherlich mit dem Mini-NfS sehr gut bedient, denn es handelt sich um die exakte Umsetzung der beliebten Reihe auf Nintendos DS.

Wer jedoch nicht so festgelegt ist und auch von den unterschiedlichen Eingabemöglichkeiten der Taschenkonsole Gebrauch machen möchte, sollte »Ridge Racer« eine Chance geben. Und wer sich zwischen den beiden Kandidaten gar nicht entscheiden kann, der wartet einfach auf Mario Kart für den DS. Genau das werde ich auch tun.Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ NfS: Carpimping bis zum Abwinken + NfS: Edelgrafik + RR: Gutes Renngefühl + RR: Gelungene Steuerung über das Digitalkreuz

Contra:
- NfS: mangelndes Geschwindigkeitsgefühl - NfS: Eins-zu-eins-Portierung der Raserei auf den DS - RR: keine Slides - RR: kein Rückspiegel, mangelnde ÜbersichtMit »Need for Speed Underground 2« und »Ridge Racer DS« betreten zwei routinierte Rennspielveteranen die Bühne des Nintendo DS. Beide Titel versuchen dabei, möglichst viel vom Geist ihrer großen Brüder auf die Minikonsole zu übertragen. Das gelingt in weiten Teilen auch sehr gut. Doch der Teufel steckt wie so oft im Detail.

Denn was bei den großen Konsolen oder am PC hervorragend funktioniert, läßt sich nicht in allen Bereichen auf den DS übertragen. So mangelt es zum Beispiel EAs Rennkönig entschieden an Geschwindigkeitsgefühl. Außerdem schwächelt infolge des hektischen Gegenverkehrs oftmals die Übersicht. Anstatt EAs Rennspielreferenz auf die Gegebenheiten des DS anzupassen, wurde das Spiel punktgenau von seinen großen Konsolenbrüdern übernommen. Ein Fehler, den Namco mit seiner Umsetzung der N64-Klassiker aus der »Ridge Racer«-Reihe nicht gemacht hat. Das Spiel bietet wahlweise eine konventionelle Steuerung an, Cracks können sich allerdings auch an einer Stiftlenkung versuchen.

Da diese jedoch oftmals ungenau funktioniert, wird wohl jeder Rennfreak wieder zur Digitalkreuz-Lenkung zurückkehren oder die angebotene Kombination aus beidem wählen. Was das Tuning betrifft, hat eindeutig EA die Nase vorn, denn die zahlreichen Pimpmöglichkeiten lassen jedes Raserherz höherschlagen und zeigen auf beeindruckende Weise, wieviel Prolet in jedem von uns steckt. Und da überdies Originalkarren am Start sind, macht das Aufprollen der eigenen Schüssel gleich nochmal soviel Spaß.

Namcos Baby konzentriert sich hingegen auf das Wesentliche: Rasen ohne viel Drumherum. Es stehen weder lizensierte Edelschlitten zur Auswahl, noch findet Tuning außerhalb der individuellen Farbgebung statt. Dafür ist das Renngeschehen um einiges dichter gelungen als beim Konkurrenten.

Wer die Möglichkeit hat, sollte beiden Titeln eine Chance geben, denn wie so oft ist sicherlich vieles eine Frage des eigenen Geschmacks. Und über den streitet man bekanntlich nicht.