Nach dem desaströsen Need for Speed: Undercover (2008) gab Electronic Arts bekannt, dass man die Need-for-Speed-Serie zukünftig auf unterschiedliche Zielgruppen ausrichten wolle. "Shift" bedient seitdem eher simulationslastige Rennspiel-Liebhaber und "Hot Pursuit" die Arcade-Fans.

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Und das funktionierte sogar ausgesprochen gut, beide Richtungen überzeugten mit sehr guten Spielen. Doch plötzlich tritt mit Need for Speed: The Run ein weiterer Arcade-Serienableger auf den Plan. Produziert von Black Box, die eben jenes "Undercover" fabrizierten. Kann das gut gehen?

Ach, hör mir doch auf!

Wenn ich mich nicht verzählt habe, handelt es sich bei Need for Speed: The Run um die 18. Inkarnation des Rennspiel-Wahnsinns, der von zahlreichen qualitativen Auf und Abs begleitet wurde. Diese wechselhafte Zeiten schienen nach dem Neustart der Serie, dem Paradigmenwechsel, der Vergangenheit anzugehören.

Statt eine Eierwollmilchsau für Racer-Fans hinlegen zu wollen, sollte jeder Ableger zukünftig ein bestimmtes Feld abdecken. Doch nun kehrt man mit Need for Speed: he Run nicht nur zur alten Entwickler-Bude zurück, man macht auch ähnliche Fehler.

Problem Nummer eins: Man versucht eine Story um das raserische Drumherum zu konstruieren - und scheitert dabei. Das Ganze wirkt abermals höchst aufgesetzt, wird nur in homöopathischen Dosen aufgetischt und die Inszenierung kommt kaum über pubertäre Arschwackelei und einige lahme Quicktime-Events hinaus. Was gibt es da auch viel zu erzählen?

Need for Speed: The Run - Noch so ein Ding

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Das ordentliche Schadensmodell lässt es schön krachen und splittern.
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Ein gewisser Jack Rourke hat sich gehörige Schulden-Probleme mit der lokalen Gangsterbrut aufgehalst und muss nun ein Rennen von San Francisco quer durch die USA nach New York gewinnen, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Dass er trotz des angeblich immensen Schuldenbergs eine Garage voller Luxuskarossen besitzt... ach nein, ich will mich heute nicht aufregen...

Packshot zu Need for Speed: The RunNeed for Speed: The RunErschienen für 3DS, PC, PS3, Wii und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

200 Fahrer sollen wir auf dieser über 3000 Kilometer langen Tour hinter uns lassen, in zehn Etappen mit etlichen Unterabschnitten stets Erster werden. Und an abwechslungsreichen Locations mangelt es tatsächlich nicht. Von Stadtrennen, über Highways und kurvige Serpentinenpassstraßen bis hin zu kurzen Ausflügen ins Gelände ist so ziemlich alles vertreten, was sich Arcade-Fans abseits von reinrassigen Rennpisten wünschen können.

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Wenn das mal nicht ins Auge geht: Jack hat Probleme und rast um sein Leben.
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Sogar Nachtrennen sind dabei. Und Abkürzungen! Dass es sich bei der Grafikengine um Frostbite 2 handeln soll (die Battlefield 3 antreibt), fällt jetzt nicht wirklich auf. Die Wagenmodelle sind nicht ansatzweise so detailliert, wie man es von aktueller Konkurrenz (Shift 2, Forza 4, F1 2011) kennt und auch die Umgebungen sind eigentlich nur "okay". Das haut mich nicht vom Hocker, wenn auch die dynamische Beleuchtung schöne Szenen auf den Bildschirm malt.

"The Run" schafft es nur selten, das Rennspielfeuer in mir zu entfachen, die Gier nach qualmenden Reifen und krassen Überholmanövern anzustacheln. Gewiss, man gibt sich Mühe und bietet eine recht abwechslungsreiche Palette von unterschiedlichen Renn-Modi. Mal rasen wir von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt und machen dabei Zeit gut oder wir behaupten uns gegen eine bestimmte Zahl von Konkurrenten und erreichen eine vorgegebene Anzahl von Überholvorgängen.

Bei der aktuellen Spitzen-Konkurrenz an Rennspielen braucht eigentlich niemand einen derart durchschnittlichen Genre-Vertreter.Fazit lesen

Dann wieder starten wir in Kampf-Rennen gegen die Uhr und müssen die enteilten Widersacher ein- und überholen oder liefern uns Verfolgungsjagden mit den Cops, schalten diese aus oder weichen Polizeisperren aus. Außerdem gibt es noch zahlreiche Herausforderungen, in denen wir zusätzliche heiße Wagen freischalten.

Ist ja alles ganz nett, aber...

Doch der Spielverlauf ist insgesamt zu statisch und vorhersehbar: Bis auf die diese Challenges ist der Ablauf aller Rennen vorbestimmt, von freier Fahrt für freie Raser ist weit und breit nichts zu sehen. Ihr müsst es zudem immer auf den ersten Platz schaffen, sonst geht es zurück an die Startlinie. Vor übermäßigem Frust schützt euch zwar teilweise das Reset-System, das euch nach einem Crash entweder automatisch oder per Knopfdruck an einen Speicherpunkt zurückversetzt.

Doch dank starkem Gummiband-Effekt entkommen wir der hartnäckigen Konkurrenz auch kaum einmal und bringen selten einen Wettbewerb mit größerem Vorsprung ins Ziel. Die Resets sind aber kein Heilsbringer, wer zu weit in die Pampa abdriftet, wird sofort an den letzten Checkpoint strafversetzt. Entscheidet man sich für einen kompletten Neustart, bestraft uns "The Run" mit sehr langen Ladezeiten.

Ein bisschen Strategie soll Auswirkungen auf die Rennführung haben, unterschiedliche Wagen-Klassen sich für gewisse Teilstrecken besser eignen als andere. Merkt ihr etwa unterwegs plötzlich, dass ihr in eurem Muscle-Car auf kurvigen Parcours unterlegen seid, haltet ihr an der nächsten Tankstelle und wechselt das Modell. Allerdings sind die meisten Abschnitte eher kurz und ein kompletter Neustart mit neuem Vehikel daher sinnvoller als solche aufgesetzten Spielmechaniken.

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Das haben wir gerne! Pleite sein, aber dicke Wagen in der Garage...
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Apropos Mechanik: Für meinen Geschmack ist das Handling der Wagen deutlich zu schwammig geraten, die Präzision beim Lenken insgesamt nur zufriedenstellend. Das genügt zwar den Arcade-Ansprüchen, übermäßig befriedigend ist das im Vergleich zu den oben erwähnten aktuellen Vergleichswerken aber nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass auch das Geschwindigkeitsgefühl (selbst beim Einsatz des Nitro-Buttons) recht mau ausfällt.

Zwar brettert der Asphalt sehr schön unter den Gummis hinweg, doch überholen wir andere Fahrzeuge, scheinen diese merkwürdig stillzustehen. Technisch ist das sicher nicht so holprig wie damals "Undercover" mit seinen krassen Framerate-Einbrüchen. Mitreißende Rennaction sieht aber auch deshalb anders aus, weil der Motorensound eher zahm bleibt und kaum einmal druckvoll aus den Boxen röhrt.

Möglicherweise ist ja der Kampf gegen Onlinefreunde ohnehin mehr nach eurem Geschmack? Falls ihr von besseren Zeiten eurer Kumpels eher angestachelt seid, dann könnte die Integration des "Autolog" für Abhilfe sorgen. Wie auch bei den "Shifts" und "Hot Pursuit" habt ihr über dieses Onlinesystem Zugang zu Vergleichsrennen und schaltet weitere Wagen frei. Cool könnte sein, dass man sogar in einzelnen Etappen der Kampagne die Bestzeiten seiner Rivalen unterbieten kann.