Wer schon einmal in einem Rennwagen oder zumindest in einem Kart gesessen hat, der weiß, welch rohe Kräfte dort walten: Man wird von einer Seite zur anderen geschleudert, die Hände verkrampfen am Lenkrad, der Schweiß rinnt in Strömen und schnell wird es sogar zur Tortur, den herrschenden Beschleunigungskräften bei Kurvenfahrten Paroli zu bieten.

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Ein besonders empfindlicher Schwachpunkt: Kopf und Hals. An dieser wichtigen Schnittstelle setzt Shift 2 Unleashed mit seiner neuen Helmperspektive an, die den rasanten Rennen noch mehr Dynamik und Realismus verleihen soll.

Zunächst setzt Electronic Arts den vor etwa zwei Jahren eingeschlagenen Weg fort, die Need-for-Speed-Serie in unterschiedliche Zweige zu splitten. Während „Hot Pursuit“ in erster Linie die Action- und Arcade-Fans glücklich machen soll, bedienen die Shift-Ableger - die ja eigentlich gar kein Need for Speed mehr sein sollen, der Namenszusatz fällt weg - die Ansprüche der Simulationsfreaks. Shift 2 Unleashed ist daher, das sei vorneweg gesagt, keine neuerliche Revolution, keine bahnbrechende Neuentwicklung. Es handelt sich vielmehr um eine konsequente Weiterentwicklung eines sehr guten Spiels, bei der auf zu viele Experimente oder Neuerungen verzichtet wird.

Need for Speed: Shift 2 Unleashed - Garantiert: Ohne Spoiler!

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Autsch! Mein schönes Auto.
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Wer den im Herbst 2009 veröffentlichten ersten Teil gespielt hat, wird sich von Beginn an wie zu Hause fühlen. Sowohl Gesamtpräsentation als auch Optik und Aufbau des Karrieremodus’ ähneln in weiten Teilen dem Vorgänger, der bereits ein sehr hohes Niveau vorlegte. Aber aufgrund der gleichen Engine auch Probleme wie die gelegentlich in Kurven einbrechende Bildrate oder ein schlecht durchdachtes Optionsmenü innerhalb der Rennen geerbt hat. Auf den ersten Blick sind die vorgenommenen Änderungen kaum zu erspähen, so klischeehaft es klingt: Weil die meisten Strecken vom Vorgänger wiederverwertet wurden, muss man bei Shift 2 Unleashed vor allem unter die Haube gucken, um die frischen Inhalte zu finden.

So wurden beispielsweise die Tuningmöglichkeiten drastisch ausgeweitet. Wo vorher lediglich ein rudimentäres System sein Schattendasein fristete, werkelt ihr nun an zig verschiedenen Parametern und verstellt Reifendruck, Karosserielage, schustert an Sperrdifferenzial oder Abtrieb herum und manipuliert die Werte bei Stoßdämpfern und Federung.

Packshot zu Need for Speed: Shift 2 UnleashedNeed for Speed: Shift 2 UnleashedErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Was gibt’s Neues unter der Haube?

Auch die Upgrade-Möglichkeiten der über 100 Vehikel wurden deutlich aufgebohrt: Statt nur ausgewählte Kits in einigen Bereichen anzuflanschen, bestimmt ihr jetzt viel detaillierter, wo welche neuen Teile verbaut werden. All diese Änderungen und Umbauten wirken sich spürbar auf das ohnehin höchst empfindsame Fahrverhalten der Boliden aus. Wer es übertreibt, hat es mitunter nicht nur mit bockigen PS-Geschossen zu tun, sondern mit quasi unbeherrschbaren Vehikeln.

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Shift 2 hat viel mehr Licht als Schatten.
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Damit sei auch gesagt, dass jeder Wagen tatsächlich über ein individuelles Fahrgefühl verfügt und ihr euch bei den unterschiedlichen Karrierepunkten wie „Modern“, „Retro“ oder „Muscle“ mit gänzlich verschiedenen Herausforderungen konfrontiert seht. Selbst wer alle Fahrhilfen aktiviert, wird hier noch deutliche Kontraste wahrnehmen, wenn auch in abgemilderter Form. Apropos Kampagne: Der Weg zum FIA-GT1-Weltmeister ist mit zahlreichen fordernden Renn-Events gespickt, die euch mindestens 20 bis 30 Stunden prächtig unterhalten.

Wie schon in „Shift“ erhaltet ihr für gelungene Manöver und absolvierte Rennen Geldbelohnungen und Erfahrungspunkte, sodass ihr nicht nur Zugriff auf heißere Schlitten bekommt, sondern auch neue Disziplinen und Wertungsevents freischaltet. Allerdings verzichtet Entwickler Slightly Mad Studios diesmal glücklicherweise auf die Belohnung aggressiver Fahrweisen und teilt den Karriereweg daher nicht mehr auf - das kommt dem Simulationsanspruch absolut entgegen.

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Jetzt gibt’s auch Nachtrennen.
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Wer allerdings denkt, dass Shift 2 Unleashed Halligalli-Rennen mit wunderhübschen, bis ins Detail glaubhaften Wagenmodellen anbietet, der irrt gewaltig. Den Aggro-Part überlässt man nämlich den KI-Fahrern, die drauflosbrettern, als würde ihr virtuelles Leben davon abhängen. Das ist jedoch Segen und Fluch zugleich. Das Positive daran ist die spätestens im zweiten Spieldrittel teils dramatisch ansteigende Schwierigkeit der Rennen, bei der man häufig froh ist, wenn man es überhaupt aufs Treppchen schafft.

Die konsequente Weiterentwicklung eines sehr guten Rennspiels.Fazit lesen

Einfach nur das Auto mit dem „Werksumbau“ auf die höchste Leistungsstufe zu bugsieren, genügt nicht, denn die Konkurrenz rüstet gleichzeitig mit auf. Für Anfänger und Einsteiger mag dies frustrierend sein, wirklich nervig ist jedoch, dass die KI-Fahrer ihre Boliden derartig übermotiviert und aggressiv über den Asphalt lenken, dass ihr unverschuldet in Unfälle verwickelt werdet.

Die Helmkamera

Dummerweise sind harte Karambolagen im weiteren Spielverlauf quasi gleichbedeutend mit dem Aus, der Vorsprung der KI-Fahrer lässt sich nur noch selten egalisieren. Zu allem Überfluss erholen sich die computergesteuerten Kontrahenten viel schneller von so einem Crash, bei dem das gute Schadensmodell übrigens nicht nur ein bloßer Hingucker sein muss. Auf Wunsch wirken sich Fahrzeugschäden sogar so stark auf das Fahrverhalten aus, dass eine Fortsetzung des Rennens unmöglich ist (das gilt auch für KI-Fahrer, denen durchaus Fahrfehler unterlaufen).

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Nette Heckansichten gibt es für alle Hinterherfahrer...
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Shift 2 verströmt darüber hinaus an allen Ecken und Kanten den Realismusanspruch, sei es durch Dreck auf der Windschutzscheibe (der allerdings eher aussieht wie Vogelschiss), sehr gute Physikeffekte, glühende Bremsscheiben, aufwirbelnden Kies und Gras, flimmernde Hitze, Bremsabrieb- und Spuren auf dem Asphalt, die auch in der nächsten Runde noch sichtbar sind, ein hervorragendes Geschwindigkeitsgefühl und die Einführung von Nachtrennen. Und natürlich die neue Helmperspektive. Sie führt dazu, dass ihr euch noch besser in die Situation eines Rennfahrers versetzen könnt, wenn eure Sicht sich auf das vor euch liegende Renngeschehen fokussiert und alles drumherum verwischt.

Selbst die Cockpit-Armaturen sind dann aufgrund des Adrenalinrausches nicht mehr ablesbar – oder dann, wenn sich der Kopf in Kurven zur Seite neigt. Klasse! Leider verzichtet Slightly Mad jedoch vollständig auf Wettereffekte, was die Events noch einmal deutlich aufwerten würde. Codemasters hat mit Formel 1 2010 vorgemacht, wie Regenrennen inszeniert werden.

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Die Rennen sind nicht nur in der neuen Helmperspektive unglaublich spannend und fordernd.
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Dafür punktet Shift 2 erneut mit seinem unnachahmlichen Sound, bei dem brüllende, keifende, surrende und jaulende Motoren unglaublich realistisch und satt durch die Boxen wummern, die unterschiedlichen Untergründe hörbar sind, jeder Schaltvorgang, jegliches Knarzen der Karosserie akustisch wahrnehmbar ist.

All das überträgt man nun mithilfe der in „Hot Pursuit“ eingeführten Autolog-Funktion in den Online-Modus. Ihr vergleicht alle eure Resultate also automatisch mit der ganzen Welt, mit euren Freunden und tragt euch ohne Umwege in die Highscore-Listen ein. Herausforderungen und Rennen startet ihr auf diesem Wege problemlos, tauscht Bilder, empfehlt Events und so weiter.

Allerdings ist die Anzahl der verfügbaren Spielmodi im Mehrspielerbereich doch noch zu übersichtlich. Eine vollwertige Rennsaison, ja, eine Weltmeisterschaft gibt es leider nicht, hier werden wir noch mit Einzelrennen abgespeist.