Need for Speed war in den letzten 15 Jahren mit 100 Millionen verkauften Exemplaren in mehr als 40 Ländern praktisch die Inkarnation des reinrassigen Arcade-Racers. Schnelle Action, oberflächliches Tuning - ab geht die Post. Eine Story-Kampagne und viele bunte Klebe-Bildchen kamen schließlich noch hinzu. Und technische Probleme, die das Zocken bisweilen zur Farce machten. Nun proklamiert man im Hause EA einen Stil- und Paradigmenwechsel.

In Zukunft will das Unternehmen neue Wege gehen und fabriziert drei unabhängige Serien: Simulations-, Action- und Arcade-Racing. Den Weg vom Arcadegameplay hin zur Simulation beschreitet das Unternehmen mit Need for Speed: Shift, für das die Slightly Mad Studios verpflichtet wurden. Das verwundert nicht, schließlich haben Teile des Teams bereits an Projekten wie den Simulationsschwergewichten GTR 2 und GT Legends mitgewirkt.

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Neuausrichtung der Entwicklungspolitik

"Wir haben festgestellt, dass Rennspiel-Fans sehr leidenschaftliche und einzigartige Spieler sind – sie wollen eine speziell auf sie zugeschnittene Spielerfahrung erleben. Und das unabhängig davon, ob es sich um ein realistisches Rennspiel mit einer genauen Physik handelt oder überspitzte Verfolgungsjagden mit den Cops – wir entwickeln unterschiedliche Spiele für unterschiedliche Zielgruppen", begründet Keith Munro, Vice President of Marketing für Need for Speed die Abkehr von der bisherigen Entwicklungspolitik.

Need for Speed: Shift - Need for Speed wagt den Neuanfang - und wie! Mit Video-Review

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Racer-Fans schwören häufig auf die Cockpit-Perspektive, die jedoch auch optische Einschränkungen mitbringt.
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Was heißt das für die Need for Speed-Fans in aller Welt? Vergleicht man Need for Speed: Shift mit der letztjährigen Veröffentlichung, NFS: Undercover (dem zwölften Teil der Serie), ist kaum noch etwas widerzuerkennen. Es gibt keine wilden Straßenrennen mehr, keine Cops, keine hübschen Girls, keine Zwischensequenzen mit Schauspielern. All diese über Jahre lieb gewonnenen Features müsst ihr nun bei anderen Ablegern der Serie suchen.

Need for Speed: Shift ist voll und ganz auf den reinen Motorsport ausgerichtet. Hochleistungssportwagen wie Koenigsegg CCX, Lamborghini Reton, McLaren F1, Pagani Zonda R oder Porsche Carrera GT rasen über reinrassige Rennparcours wie beispielsweise Spa, Nordschleife, Silverstone, Brands Hatch oder die berüchtigte Laguna Seca. Der angestrebte Grad an Realismus lässt sich bereits an solchen Fakten ablesen.

Packshot zu Need for Speed: ShiftNeed for Speed: ShiftErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Analytischer Start

Und dieser Eindruck wird schon mit den ersten rasanten Metern in einem BMW M3 auf dem Asphalt von Brands Hatch verfestigt. Bereits in den ersten Trainingsrunden analysiert Need for Speed: Shift die Leistung des Spielers und wertet diese in Empfehlungen für die diversen Fahrhilfen aus. Ihr seid selbstverständlich nicht an diese Vorgaben gebunden.

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Zu Beginn bietet euch "Shift" eine Analyse eures Könnens - der ihr jedoch nicht folgen müsst.
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Wer sich zu Höherem berufen fühlt, deaktiviert Unterstützungsleistungen wie ABS, Lenk- und Bremshilfen oder Stabilitätskontrolle und wählt einen höheren Schwierigkeitsgrad der KI-Kontrahenten. Wer zusätzliche Herausforderungen benötigt, entscheidet sich zudem für ein aktives Schadensprofil, bei dem sich Schäden am eigenen Vehikel auf die Fahrzeugeigenschaften und damit das Handling auswirken.

Doch das sind nur die ersten Schritte auf dem beschwerlichen Weg zum NfS World Champion, dem absoluten Höhepunkt auf der Karriereleiter von "Shift". Das große Finale zu erreichen und dort den Sieg davonzutragen, benötigt Zeit, Geduld und natürlich fahrerische Qualitäten. Wer sich mit den leistungsstärksten Fahrzeugen und besten Fahrern auf den anspruchsvollsten Strecken messen will, muss sich Ruhm und Anerkennung erkämpfen. Wenn’s sein muss auch mit harten Bandagen.

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Jeder Sieg und jedes Abzeichen bringt euch dem Meistertitel näher und tut eurem Ego gut!
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Vier Leistungsstufen stehen zwischen euch und den Final-Rennen der NfS World Tour. Jeder Wettbewerb lockt mit einer bestimmten Anzahl von Sternen als Belohnung für erbrachte Leistungen. So erhaltet ihr für Podiumsplatzierungen ebenso Auszeichnungen wie für das meisterliche Beherrschen von Kurven, die Einhaltung der Ideallinie, komplette Führungsrunden oder beste Rundenzeiten. Jeder Stern auf eurem Konto bringt euch zum einen der nächsten Spielstufe näher, zum anderen erhöht er euren Fahrerlevel und stockt euer Festgeldkonto auf.

Fahrstil, Belohnungen & Motivation

Euer Fahrstil wirkt sich zudem direkt auf euer Fahrerprofil aus sowie die erworbenen Auszeichnungen und Belohnungen. Die Entwickler verweben dabei sehr geschickt die Jagd nach Trophäen mit dem großen Ziel, World Champion zu werden. Nach fast jedem Renn-Event (z.B. Zeitfahren, Drift, Car-Battles, Renn-Serien, Hersteller-Wettkämpfe) hagelt es Belohnungen und Auszeichnungen, was wiederum die Motivation am Ball zu bleiben enorm hochhält. Wer mag es nicht, ständig zu hören, wie gut er ist? Ich möchte darauf jedenfalls nicht verzichten!

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Fortwährend kassiert ihr Belohnungen, was die Motivation hoch hält.
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Erfahrungspunkte kassiert ihr entweder durch eine besonders präzise Fahrweise (Ideallinie halten, saubere Überholmanöver, perfekter Start) oder aggressive Manöver (Windschatten ausnutzen, Rempeln, Driften usw.). Beides wird eurem Profil gutgeschrieben und beeinflusst die Art der Belohnungen (z.B. Lackierungen, Vinyls, Einladungsrennen, Garagenplätze) und eures Abzeichens.

EA heftet sich mit Shift an die Fersen der Genre-Konkurrenz und legt einen sehr guten Serien-Neustart hin!Fazit lesen

Allgemein betrachtet fühlt sich Need for Speed: Shift schon sehr stark wie eine vollwertige Simulation an. Vor allem die erstklassige Präsentation ist sehr darauf ausgerichtet eine Rennsport-Authentizität vorzugaukeln, wie sie Motorsportfans lieben. Was heißt das? Nun, alle Fahrzeuge sehen fantastisch aus, sind mit sehr vielen Details liebevoll designt. Die Optik der Strecken lässt keine Wünsche offen, Reifenspuren bleiben über mehrere Runden erhalten, Reifenstapel bleiben als Hindernisse zurück, die Welt fühlt sich richtig lebendig an: Bäume wiegen sich im Wind, Flugzeuge und Hubschrauber fliegen über der Strecke. Wunderbar!

Und dazu dieser Sound: Wuchtig, röhrig, brummend, ja geradezu brachial röhren die Antriebsaggregate. Dazu das Schalten der einzelnen Gänge, das Kreischen der Bremsen, das Quietschen der Reifen, das Rattern beim Überfahren der Curbs. Klasse!

Gelungene Fahrphysik

Obendrein ist die Fahrphysik sehr gut gelungen. Jeder Bolide vermittelt ein völlig unterschiedliches Fahrgefühl und Upgrades wirken sich tatsächlich auf das Handling der Luxuskarossen aus - teilweise so dramatisch, dass sie zunächst kaum noch auf der Piste gehalten werden können. Doch es macht zugleich auch den großen Reiz von Racing-Simulationen aus, diese PS-Monster so gut beherrschen zu lernen, dass sie eben nicht mehr mit dem Heck ausbrechen, wenn aus der Kurve heraus beschleunigt wird.

Das geht zwar noch nicht ganz so weit wie bei Hardcore-Simulationen á la Gran Turismo, GTR oder Forza. Wem das aber trotzdem zu kompliziert oder anstrengend ist, der schaltet einfach eine der diversen Fahrhilfen hinzu und bewegt sich gleichzeitig wieder ein Stück weg von der Simulation und beschreitet arcadige(re) Rennspielwege. Auch das ist ein wichtiger Teilaspekt von Need for Speed: Shift.

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Es geht nicht nur darum Erster zu werden, auch Bonusziele versorgen euch mit Sternen und Erfahrungspunkten.
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Genial in Sachen Fahrgefühl ist beispielsweise die für wenige Sekunden verzerrte Schwarz-Weiß-Optik nach einem Crash. Auf diese Weise erhaltet ihr ein sehr gutes Feedback auf eure Aktionen im Spiel, was durch das sehr gute Geschwindigkeitsgefühl noch weiter verstärkt wird.

Kleinere Fahrbahnunebenheiten wirken sich zudem direkt auf die Straßenlage der Rennwagen aus und genügen mitunter, um die Wagen quer über die Pisten schießen zu lassen. Der Respekt vor Strecke und eurem Fahrzeug wächst so langsam aber stetig. Vor allem wer ohne Fahrhilfen fahren will, wird diese Seite von Need for Speed: Shift lieben. Oder an ihr verzweifeln.

Nicht vor Stotterern verschont

Leider gibt es auch eine andere, weniger gelungene Seite des Racings-Spiels. So gelungen die technische Ausführung insgesamt ist, haben die Entwickler keine stabile Framerate implementieren können. Vor allem in Kurven brechen die FPS daher immer wieder ein. Meist führt das nur zu einem etwas stotterndem Bildaufbau. Gelegentlich wird die Darstellung jedoch für einen kurzen Augenblick unterbrochen - mit teilweise katastrophalen Folgen für den Spielablauf.

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Ein Crash kostet nicht nur wertvolle Sekunden, sondern beeinträchtigt auch eure Sicht für einige Momente.
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Bei 230 km/h in der Kurve für einen Augenblick aus dem Geschehen gerissen zu werden, nur um den Bruchteil einer Sekunde später weiterrasen zu dürfen, endet im günstigsten Fall mit einer Schrecksekunde. Im Extremfall landet der Bolide an der Mauer oder im Reifenstapel und macht die schweißtreibenden Bemühungen eines ganzen Rennens zunichte. Das ist bei Weitem nicht so schlimm wie zuletzt bei "Undercover", störend ist es dennoch.

Ärgerlich ist zudem die nervige Rempel-KI, die sich halsstarrig an die Ideallinie hält und uns so immer wieder in die Parade fährt, obwohl wir uns in einer viel besseren Position befinden. Hier könnte durchaus noch nachgebessert werden.

Nur recht wenige Optionen bietet der Online-Modus. Die Anzahl der unterschiedlichen Renn-Modi ist sehr übersichtlich gehalten und bietet wohl kaum genug Abwechslung, um auf Dauer unterhalten zu können. Allerdings waren zum Zeitpunkt unseres Tests nur sehr wenige Rennen verfügbar, sodass eine abschließende Bewertung nicht möglich ist.