Zugegeben, die Need-for-Speed-Reihe war nie für ihre anspruchsvolle Handlung bekannt, sondern hat sich, ähnlich wie die „The Fast and the Furious“-Kinofilme auf teure Schlitten, heiße Kopf-an-Kopf-Rennen, Crashs und Extrem-Tuning ausgezeichnet. Leider lässt die NFS-Reihe zumindest letztere Ingredienz seit Need for Speed Underground 2 schmerzlich vermissen. Fans, die seit PS2-Zeiten auf einen Teil warten, der die Stärken des damaligen Vertreters aufgreift und zurückholt, werden auch dieses Jahr zumindest in der Hinsicht enttäuscht.

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Hot Pursuit in Neu

Need for Speed: Rivals orientiert sich inhaltlich eindeutig an den Hot-Pursuit-Teilen der Serie, deren Hauptaugenmerk auf den Verfolgungsjagden zwischen den Rasern und der Polizei lag. Auch in diesem Teil sind die Fronten und deren jeweilige Ziele recht schnell geklärt und ausgemacht. Als Raser hängt ihr die Bullen ab und liefert euch hitzige Rennen durch die fiktive Stadt Redview County – auf Seiten der Polizei müsst ihr diese eben genau davon abhalten und alles von der Straße slammen, ähm, „verhaften“, was schneller als ihr ist, aber keine Sirene auf dem Dach hat.

Need for Speed: Rivals - Cowboy und Indianer auf 500 Pferden

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Wie in Most Wanted stehen in Need for Speed: Rivals Verfolgungsjagden zwischen Polizei und Rasern im Mittelpunkt.
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Klingt jetzt ziemlich simpel - ist es auch. Klar, ein paar Zwischensequenzen zwischen einzelnen Missionen, gemischt mit pseudo-philosophischen Ergüssen, die die jeweilige Seite des Gesetzes als die einzig Wahre stilisieren – aber eine wirkliche Story sucht man hier jetzt vergebens. Das ist ja auch verschmerzbar, wäre der Umfang des Spiels an sich nicht relativ „überschaubar“. Redview County ist frei befahrbar und lässt sich per GPS-Zielmarkierungen oder Direktanwahl via „Easydrive“ während der Fahrt erkunden. Im Endeffekt müsst ihr die auf der Speedwall (einer Art Checkliste für das Erreichen des nächsten Rangs) erforderlichen Herausforderungen abschließen, um damit aufzusteigen und neue Wagen, Lackierungen oder Technologien freizuschalten.

Unter Technologien lassen sich nicht nur Magnetfelder zum Abwehren von Angriffen der Gesetzeshüter erstehen, sondern auch aktive Schockwellen, EMP-Erfassung und Co., mit denen auch die Raser-Konkurrenz während der Rennen geärgert und im Idealfall sogar ganz aus dem Rennen gekickt werden kann. Ein Mario Kart ohne roten Panzer sozusagen. Die Herausforderungen sind auf beiden Seiten jedoch nicht unfassbar anspruchsvoll oder quantitativ so überbordend, dass man Stunden zubringt, bis man die einzelnen Ränge nach oben klettert

Klassische Zeitrennen, Kopf-an-Kopf-Rennen, Rennevents oder Verfolgungsjagden stehen hier auf dem Programm und bringen euch Speedpoints ein, das in Need for Speed: Rivals die Währung darstellt. Das Interessante hierbei: Nach erfolgreich abgeschlossenen Herausforderungen oder Verfolgungsjagden habt ihr eure erspielten Speedpoints erst dann auf dem Konto, wenn ihr diese in der nächstgelegenen Garage „gesichert“ habt. Wenn ihr dank dem Multiplikator und einem Speedpoints-Kontostand über 70.000 eine Fahndungsstufe 5 aufwärts erreicht habt, solltet ihr es tunlichst vermeiden, auf den letzten Metern von der Polizei von der Straße gewischt zu werden.

Packshot zu Need for Speed: RivalsNeed for Speed: RivalsErschienen für PC, PS3, Xbox 360, Xbox One und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Denn dann müsst ihr damit leben, jeden einzelnen der angehäuften Speedpoints wieder zu verlieren, bevor ihr den sicheren Hafen des Verstecks erreicht habt. Auch auf Seiten der Polizei lassen sich durch erfolgreich abgeschlossene Herausforderungen dann schnellere Vehikel und Verfolgungstechnologien wie EMP-Erfassung, Nagelbretter oder Straßensperren freischalten – leider mit weniger kreativen Möglichkeiten, wenn es um die optische Gestaltung der Gesetzesschleuder geht, was aber auch nachvollziehbar ist.

Need for Speed: Rivals - Cowboy und Indianer auf 500 Pferden

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Die Tuning-Optionen sind leider etwas mickrig geraten.
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Tuning-Einfalt trifft Unrealismus

Weniger nachvollziehbar ist hingegen, dass ich mir als Raser zwar eine individuelle Lackierung für meinen Schlitten und dessen Felgen zulegen kann – es abseits dessen aber kaum Individualisierungsmöglichkeiten gibt. Nicht mal die Felgen lassen sich austauschen, das grenzt angesichts der Serie schon an Blasphemie! Keine Spoiler, keine Schweller, keine Reifenwahl, keine Auspuffe – nicht mal die Scheiben lassen sich im Zuge eines Mitleids-Zugeständnisses an all die sich nach minimalem Tuning sehnenden Spieler tönen. Leistungsupgrades werden Stufe für Stufe aufgelevelt, Feintuning ist auch hier nicht möglich.

Und dass ich mein Metallross mit irgendwelchen Sponsorenaufklebern zukleben kann, entschädigt da in keiner Weise. Ich hab sowieso nie verstanden, wie man sich die Karre mit diesen hässlichen Stickern vollklatschen kann, wenn ich dafür wie in einem der Vorgänger nicht wenigstens auch etwas Geld der jeweiligen Sponsoren extra bekomme, wenn ich die Ziellinie als Erster überquere.

Ein Ritt wie auf einer Achterbahn: ein kurzweiliger Geschwindigkeitsrausch, der aber mangels Umfang genau so schnell wieder vorbei ist.Fazit lesen

Dass die Need-for-Speed-Reihe nie für ihren messerscharfen Realismus bekannt war, ist ja jedem Kenner klar. Die größten Unterscheidungsmerkmale abgesehen vom Aussehen der Karren beschränkt sich dann aber doch nur eher auf den Motorensound. Abgesehen davon wird auch in diesem Teil der Brems-Trigger eher zum Einleiten eines 500-Meter-Drifts als zum wirklich nötigen Abbremsen gebraucht. Auch die K.I. der konkurrierenden Raser hat seine Inspiration nicht unbedingt beim Realismus gesucht, aber die Macher setzen da ja eh auf den Online-Modus „All-Drive“, der nahtlos in die Welt integriert wurde und es euch erlaubt, gegen Freunde und Unbekannte aus aller Herren Länder anzutreten und stabil funktioniert.

Dank der Frostbite-3-Engine sieht der Titel vor allem auf den Next-Gen-Konsolen toll aus, auch wenn die Next-Gen-Version wie auch ihr Current-Gen-Bruder auf 30 FPS gedeckelt ist. Bei der Current-Gen nachvollziehbar, warum dann aber die PC- und Next-Gen-Versionen in dem Kontext „gedrosselt“ wurden, wird wohl EAs Geheimnis bleiben. Zwar fehlt Redview County wegen seiner weiten Landschaften und dem ländlichen Flair ein wenig der urbane Charme eines Most Wanted mit seinen nächtlichen Jagden durch beleuchtete Häuserschluchten, verliert deswegen aber nicht an seinen liebevollen Details, die die Stadt lebendig wirken lassen.