Mit manchen Dingen ist es ja so, dass sie mit jedem Jahr, mit jeder Folge immer besser werden. Weine z.B. oder auch Fernsehserien. Bei Spielen ist dieses Prinzip durchaus umstritten, oftmals wird das Erfolgspiel aus den Vorjahren nur mit einigen Zusatzfeatures versehen erneut auf den Markt geworfen - Electronic Arts durfte für diese vermeintlich verfehlte Produktpolitik jede Menge Kritik einstecken.

Und dennoch scheint dies an der Need for Speed-Rennspielserie abzuperlen - der Erfolg gibt schließlich den Machern Recht. Doch trotzdem will man bei der elften Auflage bewährte Spielmechanismen über Bord werfen und einige neue Features einführen. Steht uns gar eine Rennspiel-Innovation ins Haus?

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Da fliegen die Fetzen
Was wir auf der Games Convention gespielt haben, ist auf den ersten Blick nach wie vor Need for Speed pur: Hochglanz-Boliden, die mit allerlei Custom-Lackierungen über Asphaltpisten rasen. Doch wer genau hinsieht - oder noch besser: zum Pad greift - bemerkt die Neuerungen dieser Saison sehr schnell.

Need for Speed: ProStreet - Generalüberholt: Bringt ProStreet endlich frischen Wind in die angestaubte Reihe?

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Impressionen des neuen Drag-Modus.
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Anders als gewohnt, verzichtet man diesmal nämlich auf die illegalen Straßenrennen in irgendwelchen anonymen Städtchen. Ebenso unter den Tisch fallen Verfolgungsjagden mit den Cops, die immer mal wieder in die Serie eingebaut wurden. Dafür hält aber ein Feature Einzug, das es bisher nur einmal in Need for Speed: Porsche (2000) gab: ein Schadensmodell für die Highspeed-Boliden.

Angetrieben von der neuen Grafik-Engine, die man Need for Speed ProStreet spendiert, zerfällt das eigene Vehikel langsam in seine Einzelteile, wenn man an einem der Telefonmasten hängen bleibt oder sich noch derbere Crashs leistet. Doch wer nun denkt, dies sei nur optische Augenwischerei, irrt. Wegfliegende Motorhauben, verschwundene Kotflügel, Kratzer, Beulen - all dies sind nur die sichtbaren Merkmale der mitgenommenen Rennwagen, die übrigens aus bis zu 21.000 Polygonen bestehen. Das neue Physikmodell erlaubt nämlich, dass sich die Ausritte in die Botanik auch merklich auf das Fahrverhalten der Vehikel auswirken.

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Huch? Simulations-Feeling?
Ist man zu Beginn der Fahrsession noch von dem für Need-for-Speed-Games eher ungewohnt feinfühligen Handling überrascht, reagiert die Steuerung nach Unfällen zunehmend träge und gibt auf diese Weise langsamer Rückmeldung auf eure Eingaben am Pad. Das ist zwar noch lange keine richtige Simulation, aber vom reinen Arcade-Feeling scheint man sich zumindest ein wenig zu verabschieden - ohne dabei die Eingängigkeit für Normalspieler zu gefährden.

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Wer wird denn so viel Staub aufwirbeln?
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Schließlich wird es in der fertigen Version laut Entwickler auch Fahrhilfen geben, die es Anfängern leichter machen sollen, sich durch den Pulk der KI-Widersacher zu kämpfen. Allerdings sollte man seine rücksichtslose Fahrweise nicht auf die Spitze treiben. Unabhängig von den Problemen, die ein mitgenommenes Fahrzeug bei seinen Fahreigenschaften macht, wird es nämlich auch möglich sein, einen folgenschweren Crash mit dem Ergebnis eines Totalschadens hinzulegen.

Wer dann keinen seiner Ersatzwagen parat hat, die man zu den globalen Rennevents wie dem Shuto Expressway in Tokio, der deutschen Autobahn oder der Wüste von Nevada mitnehmen darf, verliert und sammelt keine Punkte für den neuen Karriere-Modus. Dieser besteht diesmal aus den vier Turnier-Modi Drag Mode, Tandem Drift, Grip Racing und Speed Challenge. Bei Letzterem durften wir unseren Rennwagen über die staubige Piste Nevadas steuern und wurden dabei besonders gut mit einer weiteren Neuerung konfrontiert: der aufgepeppten Optik. Besonders bemerkbar macht sich das an den Staubwolken, die beispielsweise durch den Wüstenboden aufgewirbelt werden.

Aber auch qualmende Reifen hinterlassen nicht nur jede Menge Gummi auf dem rissigen Asphalt, sondern auch eine dicke Qualmwolke, die für wenige Momente die Sicht aufs Geschehen versperrt. Glücklicherweise war das eine oder andere Malheur in unserer Spielsession nicht weiter entscheidend, schließlich reichte es aus, die Lichtschranken an den Checkpoints mit möglichst hoher Geschwindigkeit zu durchfahren und in der Endabrechnung die höchste akkumulierte Topspeed hinzulegen.

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Immer der Sonne entgegen…
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Allerdings muss man dabei der neuen Steuerung Tribut zollen. Need for Speed ProStreet ist zwar immer noch ein ziemlich geradliniger Racer, trotzdem reicht es nicht mehr, mit ständig durchgedrücktem Gaspedal durch die Gegend zu heizen. Öfter als bisher werdet ihr wohl die Bremse bemühen müssen, um die widerspenstigen Karossen durch die Kurven jagen zu können. Trotzdem tut das dem Geschwindigkeitsgefühl keinen Abbruch.

Durch aufgewirbelte Steinchen und Staubwolken wirkt das Ganze nun sogar etwas authentischer. Ziemlich realistisch klingt auch der brachiale Sound des Spiels, bei dem man z.B. schon an den Fahrgeräuschen den entsprechenden Untergrund erkennt und die Motoren sehr satt und kernig aus den Ohrmuscheln des Kopfhörers dröhnen.