Vorbei sind die Zeiten der illegalen Straßenrennen – die „Need for Speed“-Serie wird erwachsen! Statt euch auf offener Straße mit Cops und Straßenverkehr herum zu ärgern, nehmt ihr nun an organisierten Rennveranstaltungen teil. Ob der Spielspaß mitfährt oder kläglich auf der Strecke bleibt, verraten wir in unserem ausführlichen Test.

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Braves Need for Speed

Die Entwicklung der „Need for Speed“-Serie nahm im Laufe der vielen Jahre einige interessante Wendungen. Ursprünglich ging es darum, auf realistischen Strecken nahezu unerschwingliche Supersportwagen zu fahren. Statt Mazda, Nissan und Toyota standen hier Ferraris, Lamborghinis, Porsche und andere Edelmanufakturen auf dem Programm. Tuning war damals ebenso wenig ein Thema wie Drift- oder Dragrennen.

Need for Speed: ProStreet - Von der Spur abgekommen: ProStreet dürfte nur noch echten Fans gefallen.

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Die realistische Rauchentwicklung bei Burnouts zählt zu den optischen Highlights.
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Später dann nahm die Serie mit den „Underground“-Titeln eine deutliche Wende – Edelboliden wurden von Importschlagern verdrängt und die Fahrzeugveredelung spielte eine zunehmend große Rolle. Nach „Most Wanted“ und „Carbon“ verabschiedet man sich bei EA Black Box endgültig von offenen Metropolen, die als Austragungsort illegaler Straßenrennen dienten. Auch die teils erschreckend hoch motorisierten Cops dürfen in Pension gehen, denn organisierte Rennevents finden lediglich auf abgesperrten Pisten statt und sind betont legal.

Packshot zu Need for Speed: ProStreetNeed for Speed: ProStreetErschienen für DS, PC, PS2, PS3, Xbox 360, Wii und PSP kaufen: ab 16,99€

Eine echte Story gibt es ebenfalls nicht – ihr schlüpft in die Haut des gesichtslosen Ryan Cooper (trägt stets einen Helm mit getöntem Visier), der illegalen Straßenrennen den Rücken gekehrt hat und nun als hoffnungsvoller Newcomer die legale Rennszene aufmischt. Ziel ist es ein weiteres Mal, am Ende eine absolute Fahrerlegende abzuservieren und erneut unter Beweis zu stellen, dass ihr der beste Pilot auf diesem Planeten seid – doch bis dahin ist es ein langer Weg…

Mit leerem Geldbeutel nehmt ihr an den ersten „Race-Days“ teil, die in mehrere Einzelwettbewerbe gegliedert sind. Glücklicherweise werden im ersten der zahlreichen Großveranstaltungen sämtliche Boliden gestellt. Auf diese Weise könnt ihr euch ein paar Scheine verdienen, ohne zuvor ein Fahrzeug kaufen oder auf eventuelle Reparaturschäden achten zu müssen.

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Mit BMW, VW, Audi und Porsche stehen auch deutsche Hersteller zur Auswahl.
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Die Fahrzeugsteuerung orientiert sich dieses Jahr eindeutig mehr in Richtung Simulation, insbesondere dann, wenn ihr euch zu Beginn der Karriere für das Steuerungsmodell „King“ entschieden habt. Einsteiger und Sonntagsfahrer dürfen alternativ zu einem der beiden anspruchsloseren Fahrmodelle greifen, mit denen ihr euch stabiler und kontrollierter durch die Kurven bewegt.

Rennvielfalt und Fahrspaß

Die Einzelwettbewerbe der „Race-Days“ bieten euch spielerisch eine Menge Abwechslung und finden an Schauplätzen auf der ganzen Welt statt. Neben den normalen Grip-Rennen, bei denen ihr herkömmliche Rundenrennen gegen ein Fahrerfeld oder Zeitfahren bestreiten müsst, bietet Pro Street einige interessante Alternativen.

Da wären beispielsweise Drag-Rennen, die entweder über die Viertelmeile oder halbe Meile ausgetragen werden. Zu Beginn der Dragrennen gilt es in Form eines Minispiels, die Pellen auf Temperatur zu bringen, damit ihr anschließend möglichst gute Bodenhaftung habt. Dazu müsst ihr behutsam mit dem Gas spielen und die Drehzahl in einer optimalen Region halten.

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Hier seht ihr einen PS-starken Boliden der beim Dragrennen einen guten Start erwischt hat.
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Erfolgreiche Burnouts sehen bei ProStreet grandios aus – die realistische Rauchentwicklung ist eines der Vorzeigefeatures. Danach folgt der Start, bei dem ebenfalls Gefühl gefragt ist, um erneut eine optimale Drehzahl zu erreichen, bevor ihr pünktlich zum Startsignal den Gang in die Schaltkulisse knallt. Danach kommen Geschwindigkeitsjunkies und Grobmotoriker endlich auf ihre Kosten – es darf brachial aufs Gaspedal gelatscht werden.

Wichtig ist jetzt nur noch, jeweils zum optimalen Zeitpunkt den nächsten Gang einzulegen und im richtigen Moment das Lachgas einzusetzen. Eine weitere Rennvariante sind die obligatorischen Driftrennen, bei denen ihr das Fahrzeug kontrolliert zum Ausbrechen bringen und ebenso kontrolliert durch die Kurven zirkeln müsst. Je länger der Drift und je höher die Geschwindigkeit desto mehr Punkte hagelt es.

Komplettiert wird das Ganze durch Speed-Challenges, bei denen Messgeräte über die gesamte Strecke verteilt sind. Ziel ist es - und da liegt der große Unterschied zum realen Leben - mit möglichst hoher Geschwindigkeit am Geschwindigkeitsmessgerät vorbei zu brettern. Am Ende werden alle Geschwindigkeiten addiert und es gewinnt der Fahrer, der am meisten Km/h zusammen getragen hat.

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Zum Glück müsst ihr nur Fahrzeugschäden und keine Reifensätze bezahlen.
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Interessant bei diesen Rennen ist das Zusammenspiel aus dem neuen und für die Serie äußerst ungewöhnlichen Fahrverhalten und der atemberaubenden Geschwindigkeit. Wer hier mit 400 Sachen durch die Prärie heizt, hat je nach Fahrzeugsetup gehörige Probleme, die Karre in der Spur zu halten. Angenehm fällt dabei jedoch auf, dass die KI-Konkurrenten scheinbar mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. So passiert es recht häufig, dass auch ein künstlich intelligenter Fahrer einen Totalschaden fabriziert.

Frisch aufbereitetes Need for Speed mit konzeptionellen Schwächen und unspektakulären Strecken. Rennspielfans greifen trotzdem zu!Fazit lesen

Feintuning im Windkanal

Fans der „Need for Speed“-Reihe schätzen die Serie nicht zuletzt aufgrund der umfangreichen Modifikationsmöglichkeiten. Hier macht Pro Street keine Ausnahme, ohne dabei jedoch neue Maßstäbe zu setzen. Das Optiktuning wurde beispielsweise reduziert – es werden weder Außenspiegel, noch Scheinwerferblenden oder Heckscheinwerfer ausgetauscht.

Anbauteile wie Schürzen und Seitenschweller gibt es zudem neuerdings nur noch als komplette Bodykits. Wer die neuste Veilside-Lippe mit den schicken Seitenschwellern eines anderen Herstellers kombinieren möchte, darf dies gerne tun – allerdings nicht in diesem Spiel. Cool ist dagegen, dass sich Anbauteile endlich auch auf das Fahrverhalten auswirken. Fans überdimensionierter Pommes-Theken auf dem Heck des Boliden büßen also eine Menge Topspeed zugunsten eines gigantischen Anpressdrucks auf der Hinterachse ein.

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Die Streckengrafik ist hübsch, bietet aber wenig Abwechslung.
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Auch das bereits aus dem Vorgänger bekannte Autosculp-Feature, mit dem ihr sämtliche Anbauteile individuell verformen könnt, ist wieder mit dabei und beeinflusst ebenfalls die Aerodynamik. Auf diese Weise könnt ihr eure Fahrzeuge also auch abseits diverser Leistungssteigerungen durch Setups und Modifikationen von Bauteilen optimal abstimmen. Luftkanal und Leistungsprüfstand geben auf Wunsch Auskunft, über die Auswirkungen sämtlicher Umbaumaßnahmen.

Schicke Fahrzeuge, öde Strecken

Die Präsentation von Pro Street ist ein wenig durchwachsen ausgefallen. Ein pseudocooler Moderator spielt bei den „Race-Days“ den Alleinunterhalter und entwickelt sich im Laufe der Karriere zu eurem größten und leicht nervtötenden Fan. Sämtliche Strecken wurden grundsätzlich gut gestaltet, bieten insgesamt allerdings zu wenig Abwechslung. Die Fahrzeuge sehen allesamt sehr gut aus und verfügen über ein optisches Schadensmodell, das sich auch geringfügig auf das Fahrverhalten auswirkt.

Obwohl die Framerate nicht immer konstant ist, bietet das Spiel insgesamt ein sehr gutes Geschwindigkeitsempfinden, das zum Gasgeben einlädt. Wer es übertreibt und seinen Boliden komplett verschrottet, der hat den Wettbewerb automatisch verloren. Steht kein Ersatzfahrzeug bereit, ist das komplette Event beendet. Reparaturen müssen von den hart erarbeiteten Preisgeldern bezahlt werden – alternativ dürft ihr auch Reparaturgutscheine einsetzen, die ihr entweder gewinnt oder vorab erwerben könnt.

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Aufgrund fehlender Replays dürft ihr solche Ansichten selten bestaunen.
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Wirklich ärgerlich ist die Tatsache, dass ihr euch keine Rennwiederholungen ansehen könnt. Da haben die Entwickler soviel Arbeit in Fahrzeugdetails und das Schadensmodell investiert - und dann darf man das Ganze nicht mal in Ruhe bestaunen. Simulationsfans, die auf eine Cockpitperspektive gehofft haben, werden ebenfalls enttäuscht – dafür begeistern die satten Motorensounds. Ein wenig unverständlich ist es, dass ihr ein Fahrzeug direkt nach dem Kauf in eine der vier Wettbewerbsklassen einordnen müsst. Ist der neue Sportschlitten dann einmal als Drag-Car registriert, dürft ihr ihn in keinem anderen Wettbewerb mehr einsetzen.