Autor: Thomas Bayer

Dunkle Nacht, irgendwo in einem Canyon ganz weit draußen. Grillen zirpen, der Wind streicht sanft durch die Blätter, in der Nähe plätschert ein Bach. Harmonie eben. Und davon eine ganze Menge. Doch plötzlich zerreißt ohrenbetäubendes Kreischen die Stille.

Hochgezüchtete Motoren heulen auf, wenige Sekunden später schießen zwei getunte Sportwagen in halsbrecherischem Tempo um die Kurve. Schluss mit der Harmonie. Vom Bach hört keiner mehr etwas, und die Grille ward auch nie mehr gesehen. Schnellmerker haben es bereits erkannt: Need for Speed: Carbon ist nichts für Weicheier und Harmoniebedürftige.

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Auf dem Porsche-Gelände in Leipzig durften wir uns zusammen mit einigen anderen Benzinblutern einen ersten Eindruck des neuen Need-for-Speed-Titels auf PS2, XBox und XBox360 verschaffen. Dass ganz nebenbei noch einige Runden im Porsche GT2 auf der hauseigenen Teststrecke heraussprangen, hatte natürlich rein gar nicht mit unserem Kommen zu tun!

Nachdem Electronic Arts letztes Jahr mit "NfS Most Wanted" die bekanntesten Elemente der Vorgänger zu einem bunten Pottpurri verrührte und damit quasi im Vorbeigehen das erfolgreichste Spiel des abgelaufenen Jahres produzierte, ist Carbon in keine der bisherigen Serien einzuordnen. Vielmehr sieht der Hersteller den neuesten NfS-Teil als eigenständigen Titel, der trotz ähnlichen Looks kein weiteres "Underground" sein soll. Dennoch rasen wir ausschließlich bei Nacht über die Piste. Schließlich fänden illegale Straßenrennen ja auch nur statt, nachdem die Dunkelheit über den Asphalt hereingebrochen ist.

Need for Speed: Carbon - Spaß macht, was illegal ist. Endlich Rasen ohne Gegenverkehr. Und ohne Fahrverbot.

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Carbon bietet drei Spielmodi, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Altbekannt sind die Rennen durch nächtliche Straßenschluchten (Straßenparcours-Rennen). Wer mehr mit dem Schleudern hat, darf bei den Drift-Challenges nach Lust und Laune mit dem Hintern seiner Karre wackeln und für Combos kräftige Boni einsacken.
Ganz neu mit dabei sind die Canyon-Rennen. Dort geht's zu nächtlicher Stunde mit halsbrecherischem Tempo eine Serpentinenstrecke hinunter - Mann gegen Mann, PS-Schleuder gegen PS-Schleuder.

Packshot zu Need for Speed: CarbonNeed for Speed: CarbonErschienen für DS, GameCube, PC, PS2, XBox, Xbox 360, PSP, Wii und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Bevor es allerdings auf die Piste geht, gilt es, sich eine standesgemäße Karre auszusuchen. Dabei darf zwischen den Klassen Exotic (Sportwagen), Muscle (Amerikanische Muscle-Cars) und Tuning (getunte Straßenwagen) gewählt werden.

Damit nicht jede Karre aussieht wie die andere, könnt ihr vor dem Rennen eine wahre Flut an optischen Änderungen vornehmen. Die haben zwar keine Auswirkungen auf das Fahrverhalten eures Boliden, aber wer möchte schon in einem 08/15 Renner sitzen?Also werden Spoiler gepimpt, Auspuffrohre vergrößert, Lufthutzen eingebaut und Felgen verbreitert, dass es eine wahre Freude ist. Der Himmel auf Erden für wahre Bastler!

Über die Story des Spiels ist noch wenig bekannt. Sicher ist jedenfalls, dass ihr euch Respekt in der Szene verdienen müsst. So gut, so altbekannt. Außerdem gibt's jedoch die Möglichkeit, eine eigene Crew aufzubauen. Die potentiellen Mitglieder eures illegalen Rennstalls weisen dabei sowohl auf ("Blocker", "Scout", "Drafter") als auch neben der Strecke ("Fabricator", "Mechanic", "Fixer") Fähigkeiten in einem von drei Bereichen auf. Blocker drängen beispielsweise Gegner auf Knopfdruck von der Piste - sofern sie nah genug dran sind. Abseits der Piste motzen die Jungs euren Wagen in Sachen Leistung auf, reparieren Schäden oder tunen das Heiligtum auf andere Art und Weise.

Nach dem Besuch der hauseigenen Garage gehts ab auf die Piste - und das mit Vollgas. Die Straßenrennen in der Stadt laufen ab wie schon aus den Vorgängern bekannt. In stockfinsterer Nacht brettert ihr mit eurer aufgemotzten Karre durch Häuserschluchten und versucht, als erster ins Ziel zu kommen.Im Drift-Race gilt es, mit möglichst hoher Geschwindigkeit durch die Kurven zu rutschen. Unfälle werden gnadenlos bestraft: Kracht ihr in die Leitplanke, sind alle Punkte dieses Drifts dahin. Trotzdem solltet ihr versuchen, euer Auto möglichst in der Nähe der Streckenbegrenzung zu halten.

Dort sind Bonuszonen platziert, die euren Punktestand noch schneller in die Höhe schnellen lassen. Wer mehrere Drifts am Stück vollführt bekommt für diese Combos deutlich mehr Punkte als gewöhnlich. Die Hinterräder permanent oberhalb der Haftungsgrenze zu bewegen gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht. Zudem gibt's für Drifts mit hoher Geschwindigkeit mehr Punkte als für solche im Schneckentempo - üben ist also angesagt. Neu mit auf der Piste sind bei Need for Speed Carbon die Canyon-Rennen. Im Duell Mann gegen Mann gilt es, die kurvige Strecke schneller zu bewältigen als euer Rivale. Innovativ dabei ist das Punktesystem. Jedes Canyon-Rennen besteht aus zwei Läufen. Im ersten Lauf startet ihr ein Stück hinter dem Gegner und müsst versuchen, möglichst nah an ihm dranzubleiben.

Für kurze Abstände oder Überholmanöver gibt's Punkte, wer länger als 10 Sekunden vor dem Kontrahenten bleibt, siegt durch Sudden Death sofort und ohne zweiten Lauf. Gelingt dies nicht - und stürzt kein Fahrer in die Tiefe - entscheidet sich das Rennen im zweiten Run. Die Startpositionen werden getauscht, doch was ist mit unseren Punkten los? Die zählen ja rückwärts! .Richtig: Dieses Mal muss der Gegner an euch dranbleiben, wobei die von ihm gesammelten Punkte von eurem Konto abgezogen werden. Bleibt am Ende ein positiver Punktestand übrig, habt ihr das Rennen gewonnen. Sollte das nicht der Fall sein: Schämt euch. Vielleicht seid ihr zu Hause bei Mama doch besser aufgehoben

Gefährlich bei den Canyon-Rennen: Neben der Strecke lauert das Aus. Denn wer die Leitplanke durchbricht und sein Auto im tausend Meter tiefer gelegenen Tal "parkt", hat sofort verloren. Fahren am Limit, das Ende jederzeit vor Augen: So müssen illegale Straßenrennen aussehen!

Das Handling der Flitzer ist NfS-typisch sehr arcadelastig ausgelegt und geht flüssig von der Hand. Erwähnenswert: Auf der XBox360 waren die Boliden wesentlich schwieriger zu beherrschen als auf XBox und PS2. Da Carbon noch einige Zeit in den Softwaregaragen der Entwickler verbringen wird, schieben wir diese Probleme jedoch gelassen auf den Entwicklungsstand, zudem wir mit der Beherrschung unserer Karre auf den "kleinen" Konsolen keinerlei Probleme hatten.Ruckel zuckel
Optisch präsentierten sich die gezeigten Versionen entsprechend der Leistungsfähigkeit der entsprechenden Plattform. Platz drei geht dabei an die altehrwürdige PS2, die Carbon zwar weitestgehend flüssig, aber eben deutlich weniger schön als auf den Microsoft-Konsolen darzustellen weiß.

Deutlich besser ist die Grafik auf der XBox, detaillierteren Fahrzeugmodellen und Shadern sei Dank. Auf der 360 lässt Carbon, abgesehen vom fehlenden Anti-Aliasing (dadurch Kantenflimmern) und einige Ruckler (die wir jedoch auf das Entwicklungsstadium zurückführen) die Muskeln spielen.

Need for Speed: Carbon - Spaß macht, was illegal ist. Endlich Rasen ohne Gegenverkehr. Und ohne Fahrverbot.

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Ausblick
Insgesamt scheint Need for Speed Carbon genau das Spiel zu werden, das sich Anhänger der Serie wünschen. Geile Autos, massenhaft Tuning-Möglichkeiten, actionreiche Rennen und ein gutes Geschwindigkeitsgefühl vermengen sich zu einem potentiellen Spitzentitel. Ob die Rechnung mit der Crew aufgeht, die für rudimentäre Rollenspiel-Elemente sorgen soll, können wir noch nicht beurteilen. Dafür war von den Jungs und Mädels noch zu wenig zu sehen. Wir jedenfalls freuen uns auf eine weiterentwickelte Version und schnallen uns bis dahin noch in unseren Flatout-2-Karren an. Broooooooom!