Nach all den Supercar-Paraden in Rivals und Most Wanted wird es Zeit für Need for Speed, also quasi Underground 3 (auch wenn es EA nicht so nennt), ein paar Klassiker zurück auf die Straße zu holen. Autos mit Herz, Seele, dem ein oder anderen Lackkratzer und Lachgaseinspritzung. Mehr Karren, die Michelle Rodríguez durch The Fast & Furious jagen würde und weniger Hochglanz-Sportwagen, die von reichen Millionärssöhnchen gefahren werden, um Blondinen aus dem P1 in München oder Avalon in L.A. abzuschleppen. Ein bisschen weniger Ferrari und Lamborghini, ein bisschen mehr Nissan, Subaru und Toyota.

Need for Speed - Gamescom 2015 Trailer3 weitere Videos

Schneidige GT86s mit Sniper-Wing-Spoilern und Rocket-Bunny-Aero-Kits. PS-Schleudern mit Charakter eben oder eine „authentische Auto-Kultur“, wie es Executive Producer Marcus Nilsson auf EAs Pre-E3-Event so schön ausdrückt. Ein sympathischer Schwede, der früher hauptverantwortlich war für die Simulation Shift 2: Unleashed und sich auch mal traut, Klartext zu reden: „Need for Speed hat im Laufe der Jahre so ein bisschen seine Identität verloren, das was die Serie ursprünglich mal ausgezeichnet hat.“ Laut Nilsson gab es schlicht zu viele Entwicklerwechsel, die alle ihre eigene Vision verwirklichen wollten, wodurch die Serie immer wieder von der Strecke abgekommen sei. Deshalb wurde die Marke jetzt zu 100 Prozent auf Ghost Games übergeben, die die Vision der Zukunft prägen sollen. Und die führt in die Vergangenheit, denn Need for Speed wird die inoffizielle Fortsetzung der Underground-Serie. Auf die Zahl im Titel verzichtet Electronic Arts lieber, schließlich ist der Marketing-Slogan „Reboot“ gerade in Hollywood und der Spielebranche ziemlich hip. „Need for Speed“ – das ist klar, einprägsam, einfach, ein Neuanfang. Kupplung, Gas, Go!

Need for Speed - Weniger Supercar-Parade, mehr „Fast & Furious Underground 3“-Feeling

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 93/961/96
Back to the roots, zurück in die Vergangenheit, zurück zu den Underground-Wurzeln: Need for Speed soll wieder mehr Richtung Tuning-Auto-Kultur gehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken



Underground: Ein Spiel aus einer Zeit ohne Downgrade-Wahn
Need for Speed: Underground erschien 2003. Das war eine Zeit, wo Spieler noch sehr viel mehr Fantasie haben und sich einfach auf das Erlebnis einlassen mussten. PlayStation 2 und Xbox hatten nicht die Leistung für dynamische Schatten und physikalisch korrekte Regenberechnung, Physical based Rendering war damals noch ein Traum der Zukunft. Damals wurde noch viel, viel mehr getrickst, aber es war uns egal, weil das Spielgefühl und die Atmosphäre begeisterte.

Wir sind über nasse Straßen gebrettert und fanden den Glanz des Neons auf dem Asphalt geil. Wir hatten keine Ahnung, wie Spiele entstehen und vielleicht war es besser so, denn die Spiegelungen waren alle vorberechnet. Völlig egal aus welchem Winkel wir angeschossen kamen, das sah immer gleich aus. Vielleicht war es sogar eine bessere Zeit für Gamer, weil wir uns damals nicht den Spielspaß mit völlig übertriebenen Downgrade-Diskussionen verhagelt haben. Wir hätten bei einem The Witcher 3 über die Geschichte, Charaktere, Gameplay und Kampfsystem gestritten, nicht ob der Grashalm halb links ein helleres Grün hat als vor einem Jahr in irgendeinem Trailer.

Trotz der statischen Lichtquellen war Underground zu seiner Zeit im Grunde das erste Rennspiel, das die Inszenierung illegaler Straßenrennen in einer Großstadt perfekt einfing. Und zu diesen Wurzeln will Ghost Games zurückkehren. Es gibt zwar einen Tag-Nacht-Zyklus, aber das Team will vor allem auch die Nachtrennen adäquat wiedergeben. Das Lichtermeer einer Stadt und diesen leuchtenden Schleier, den die Scheinwerfer bei entsprechender Geschwindigkeit werfen und wie sie den Regen durchschneiden.

Need for Speed - Weniger Supercar-Parade, mehr „Fast & Furious Underground 3“-Feeling

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Ghost Games will sich deutlich stärker auf die Geschichte konzentrieren. Wird Aaron Paul die Hauptrolle spielen? Das behauptet ein Insider. Paul hat auch gerade für den zweiten NFS-Film unterschrieben.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

„Die erfolgreichsten NFS-Teile spielten bei Nacht, daher konzentrieren wir uns auf die Zeit zwischen Sonnenunter- und Sonnenaufgang. Aber keine Sorge, wir können damit viel spielen und variieren.“ Wer den In-Engine-Trailer von Star Wars: Battlefront gesehen hat, der übrigens sehr viel näher am echten Gameplay war als ihr vielleicht denkt, weiß in etwa, zu welcher Detailschärfe die Frostbite-Engine fähig ist. Das Spiel wird wieder auf All-Drive setzen, ihr könnt also jederzeit zwischen Einzel- und Mehrspieler wechseln und läuft auf dedizierten Servern, um unnötige Warterei zu umgehen. In Rivals war es mitunter sehr schwierig, Freunde zu finden.

Underground-Feeling einerseits, Open-World #251 auf der anderen Seite. Wir dürfen gespannt sein, was Ghost Games aus dieser Mischung machen.Ausblick lesen

Die Cops sind nicht mehr spielbar. Oh, was?

Immer wieder haben wir in der „Need for Speed“-Serie auch Platz hinter dem Lenkrad eines Polizeiautos genommen. Allerdings weniger einem BMW, Audi oder VW von der Stange und mehr wahnwitzigen Raketen wie einem Lamborghini Aventador mit 700 PS, der in 2,9 Sekunden von 0 auf 100 schießt und wohl nur in Dubai ein Blaulicht trägt. Das war cool, das machte Spaß, aber die Autos waren auch sehr austauschbar. Gerade in Most Wanted fiel stark auf, wie extrem schnell sich eigentlich der Fuhrpark füllte. Der Aventador war ruck zuck freigespielt, da fehlte einfach das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Selbst Supercars stapelten sich irgendwann in der Garage.

Bilderstrecke starten
(23 Bilder)

„Wir wollen, das ihr euch wieder mehr mit dem Auto identifiziert und mehr damit beschäftigt“, so Nilsson. Deshalb macht man den weiten Sprung zurück in die Underground-Serie, wo ihr ja nur die Raser spielen konntet. Ghost Games will signifikant mehr Tuning-Optionen bieten, nicht nur Performance-Aufrüstung, sondern vor allem auch optischen Protz, der nun mal die Straßenszene ausmacht. Vinyls, Decals, Bodykits, Wing-Trunk-und Double-Deck-Spoiler. So wie die Jungs und Mädels in The Fast & Furious 7 nicht mit Karren von der Stange losfahren, so sollt auch ihr euch von der Masse abheben und sehr viel nuancierter arbeiten dürfen: „Ihr werdet nicht nur den Look und die Performance stark beeinflussen können, sondern auch wie sich das Auto anfühlt. Wie das Handling ist, wie der Motorsound.“

Ghost Games will sich deutlich mehr auf diese Nuancen konzentrieren, die Polizei würde nicht dazu passen. „Aber keine Sorge, die Cops spielen trotzdem eine große Rolle, werden für Nervenkitzel und Spannung sorgen.“ Generell konzentriert sich sein Studio deutlich mehr auf die Geschichte, wobei es definitiv keine „Drifte und rette die Welt“-Story“ werden wird. „Wir wollen die Charaktere tief in der Szene der Auto-Kultur verwurzeln, Heldenfiguren passen dazu eher weniger. Stattdessen setzen wir auf eine innovative Erzählweise, aber mehr darf ich leider noch nicht verraten.“ 



Need for Speed - Weniger Supercar-Parade, mehr „Fast & Furious Underground 3“-Feeling

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 93/961/96
Ghost Games arbeitet eng mit der Tuning-Community SpeedHunters zusammen. Die haben Korrespondenten in Kalifornien sowie Japan und helfen bei der Balance und Atmosphäre.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Enge Zusammenarbeit mit der „Need for Speed“-Community und Tunern
Die Website Speedhunters.com wurde ursprünglich von Electronic Arts als Fansite ins Leben gerufen, ist aber mittlerweile zu einem weltweiten Auto-Magazin geworden. In aufwendigen Features werden die Fahrzeuge getestet und vor allem auch erklärt, wie ihr einen Porsche Cayman S richtig tunen könnt, welche Bodykits gerade in sind oder wie ihr Klassiker wie den Ferrari 308 pflegen müsst. Dieses immense Know-how von Autofans macht sich Ghost Games zu Nutze und hat das Speedhunter-Team satte 18 Monate lang bereits in den Entwicklungsprozess involviert. Also im Grunde die gesamte Entwicklung über, mal abgesehen von der frühen Konzeptphase.

Laut Chefredakteur Peter Kelly profitiert das neue Need for Speed vor allem auch von seinem international aufgestellten Team. So hat er beispielsweise einen Spezialisten in Tokyo sitzen, der mit der dortigen Straßenrennszene stark involviert ist. Ghost Games hat sein Hauptquartier in Schweden, in Göteborg, operiert aber auch mit Assistenzstudios in Guildford und Bukarest. Statt selbst permanent unterwegs zu sein, können sie durch das Speedhunter-Team auf die Erfahrung von Profis zurückgreifen, die ohnehin bei Nacht die kalifornischen Straßen unsicher machen. Das Stadtbild in einer US-Großstadt lässt sich ja kaum mit einer europäischen vergleichen, weil es dort fast überall deutlich mehr Wolkenkratzer und generell Lichtverschmutzung gibt. L.A. ist ja bei Nacht ein einzelnes Meer aus Reflektionen und Spiegelungen. Stilistisch sollte sich das Team an Ryan Goslings Drive orientieren, vielleicht auch ein bisschen künstlerischer arbeiten. Und dann mit Vollgas-Action mit Polizeihubschraubern, wilden Verfolgungsjagden und Over-the-top-Stunts mischen – The Fast & Furious hilft gerne weiter.