Als ich Need for Speed einen Tag lang bei Ghost Games spiele, erinnert mich das oft an Metal Gear Solid 5. Weil es euch so viele Optionen gibt, ihr so viel machen könnt, aber auch die Konsequenzen tragen müsst. Ihr könnt in Afghanistan all-in gehen, könnt Kampfhubschrauber entsenden und aggressiv angreifen, müsst aber auch mit der Antwort der Russen leben. Und in Need for Speed könnt ihr Cops crashen, Schaden in immensem Ausmaß anrichten und damit aufs Radar eines japanischen Yakuza namens Moroshi-san rücken.

Doch hier kommt der Clou: wenn ihr gewinnt, wenn ihr die Polizisten abhängt, ihren Nagelfallen ausweicht und ihnen letztlich ein Schnippchen schlagt, dann zahlt er die Strafsumme direkt in US-Dollar an euch aus. Das führte dazu, dass die meisten Journalisten auf dem Event in Göteborg sehr lange mit ihren Startfahrzeugen rumgeeiert sind und sich fragten, warum der komische Deutsche schon einen ziemlich geilen, alten 930er Porsche und einen Lamborghini Diablo in der Garage hat.

Aber ihr könnt auch eine Menge verlieren, denn wenn euch die Cops schnappen, seid ihr mit einem Schlag 15.000 US-Dollar los. Coole Idee, davon haben die Schweden von Ghost Games eine ganze Menge: die Synchron-Drifts sind vielleicht die spannendste Gameplay-Neuerung in einem „Need for Speed“-Spiel seit vielen Jahren.

Need for Speed - Pimp my Ride und Synchron-Drifts

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Die beste Neuerung: Synchron-Drifts. Sie sind hart, sie sind fordernd, sie sind spaßig und ihr braucht dafür die richtige japanische Driftschleuder.
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Mädels mit Schlosserhose und Ölfingern

Die Inszenierung der Geschichte ist sehr bodenständig, quasi das genaue Gegenteil von The Fast & Furious. Das sind keine coolen Jungs oder heißen Ladies mit Kontakten, sondern ein Typ namens Spike, der gerne auf dicke Hose macht, aber eigentlich jedes Rennen verliert. Und eine Schrauberin namens Amy, die immer mit Schlosserhosen durch die Gegend rennt, euch ihre öligen Hände zum High-Five entgegenstreckt und euch eine Menge beibringen kann. Beispielsweise über Chiptuning oder wie ihr mit besseren Ladeluftkühlern für den Turbolader arbeitet.

Jeder der insgesamt fünf Charaktere steht für eine Ikone: Amy himmelt die japanische Tuning-Legende Nakai-san an, während Spike voll auf Magnus Walker abfährt. Ein Brite mit schmuddeligem Bart, ein Typ wie der Dude aus The Big Lebowski. Nur ist er kein versoffener Looser, sondern ein Porschesammler, der auch im echten Leben alte Zuffenhausener aufmotzt. Manu hingegen ist ein Freund von Gymkhana-König Ken Block und Robyn Teil der Risky Devils, einer Synchron-Drift-Crew.

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Während ihr also durch die fiktive Stadt Ventura Bay cruist, eine gute Mischung aus Downtown Los Angeles und den Hollywoods Hills mit der Golden Gate Bridge sowie den hügeligen Straßen von San Francisco, bekommt ihr häufig Anrufe von den Protagonisten. Die laden euch auf Drift-Challenges, Zeitfahrten oder andere Aktivitäten ein. Habt ihr Lust darauf, drückt ihr aufs GPS-Knöpfchen und werdet direkt zum Start gelotst. Schließt ihr genug Herausforderungen einer Kategorie ab, trefft ihr die entsprechende Ikone und schaltet Autos frei, die zu dem entsprechenden Fahrstil passen: Porsche und Lamborghini für Gasfüße, japanische Driftschleudern für die Synchron-Drift-Styler unter euch. Doch wie funktioniert diese neue Kunstform eigentlich?

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Synchron-Drifts sind die beste Neuerung von NFS

Das klassische Driften ist nicht mehr wirklich neu, das ist nichts, was uns noch richtig umhaut. Aber es macht nach wie vor Spaß, weil ihr den Reifendruck vorne und hinten individuell anpassen oder einfach nur den Regler von Grip auf Drift stellen könnt. Aber die für mich persönlich spannendste Herausforderung sind die Synchron-Drifts und Crew-Fahrten.

Bei den Synchron-Drifts müsst ihr viel Gefühl mitbringen und ein bisschen räumlich denken können. Denn ihr geht in den Drift, rechts und links von euch sind Freunde von euch aus PSN oder Xbox Live (die PC-Version erscheint erst im Frühjahr 2016, Ghost Games will den FPS-Lock raushauen) und das System misst, ob ihr im richtigen Winkel zueinander steht. Mit K.I.-Fahrern geht das noch, weil die eine ziemlich perfekte Linie ziehen, ihr euch also auf euren eigenen Drift konzentrieren könnt.

Need for Speed - Pimp my Ride und Synchron-Drifts

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Klassiker: Ghost Games benutzt so harte Blur-Effekte, das ihr bei Regen die Straße kaum noch seht.
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Aber im Koop stelle ich mir das richtig fordernd vor, denn wenn ein Auto einen zu harten oder zu weichen Winkel einnimmt, müssen im Grunde die anderen nachziehen, sonst verhagelt ihr euch den Score. Das ist aber einfacher gesagt als getan, denn die Straßen sind entweder relativ schmal in den Haarnadelkurven der Crescent Hills, quasi einer Adaption der Hollywood Hills. Oder die Straßen sind zwar breit genug wie in Downtown, dafür kommt euch Verkehr entgegen.

Erwartet habe ich klassisches „Need for Speed“-Handwerk, wurde aber mit coolen Synchron-Drifts und einer Inszenierung überrascht, die vielleicht zum ersten Mal in der Serie der Geschichte einen echten Sinn gibt.Ausblick lesen

Eine andere Disziplin sind Fahrten, in denen ihr eine bestimmte Geschwindigkeit halten müsst, also beispielsweise nicht unter 80 Meilen pro Stunde rutschen dürft, aber die exakt gleiche Geschwindigkeit halten müsst. Wohlgemerkt in einem Tunnel, wo ihr permanent Überholmanöver durchführen und auch mal mit einem harten Drift ein Auto im Weg umkreisen müsst.

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