Need for Speed schaltet in den Reboot: Statt mittelmäßiger Greenscreen-Aufnahmen wartet eine eingebettete TV-Serie im Format von Quantum Break mit Ken Block, dem Dude auf Rädern und der japanischen Yakuza. Klingt schräg, sieht verdammt gut aus, schmeckt nach Underground 3 und könnte der Serie neuen Pfiff geben, wie ich beim Anspieltermin herausgefunden habe. Zeit für eine zweite Vorschau.

Erinnert ihr euch noch an dem zweiten Triple X? Bevor Ice Cube erst einen Panzer klaut, dann das Kapitol umdekoriert und später mit einer extra für den Film designten Shelby Cobra Triplo X mit 1000 PS in den Hochgeschwindigkeitszug des US-Präsidenten crasht, schrauben er, seine Freundin und „Ich habe nicht immer einen Anzug getragen“-Scott Speedman an ein paar Autos und werfen sich One-Liner an die Backen. Genau so fühlt sich Need for Speed an, nur mit weniger Ice und mehr Ken Block.

Need for Speed - Ken Block und der Dude statt Victoria-Secret-Models

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Tuning-Freunde mussten lange warten, jetzt geht’s los: von der Größe über die Form, Farbe, Metallic-Look lässt sich jedes äußere Bauteil einzeln pimpen.
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Die Kamerafahrten, die Bildqualität, der Stil. Die Zwischensequenzen reißen euch richtig rein in die Story, weil euch die Charaktere in die Augen schauen, euch Szenen von eurem Rennen auf ihren Smartphones zeigen, stolz sind, wenn ihr Cops abgehängt habt und verächtlich die Nase rümpfen, wenn ihr einfach das Knöllchen zahlt – eines der neuen Features des 2015er-Ablegers, man will ja nicht immer Stress provozieren. Das ist alles weniger überzeichnetes B-Movie, weniger The Run, wo EA krampfhaft versuchte, mit heißen Victoria-Secret-Models wie Irina Shayk und Chrissy Teigen die dünne Story zu übertünchen.

Die neuen Zwischensequenzen sind also viel mehr Serie, ein bisschen wie Quantum Break. Vorbei sind die Zeiten von schlecht gemachten Greenscreen-Aufnahmen, wo reale Personen mehr wie Fremdkörper im Videospiel auftauchten. Die Schweden von EA Ghosts arbeiten offensichtlich mit Profis aus Hollywood zusammen, denn die Übergänge sind wirklich exzellent gelungen. So fährt euer Auto aus dem Spiel in die reale Garage, die Schauspieler lehnen sich daran an, streifen über die Motorhaube, ihr könnt aus der ziemlich realen Umgebung Paintjobs anlegen, Reifen mit dickeren Felgen (fünf Zoll-Größen gibt es) überziehen, das Fahrwerk ändern, das Differential, den Look mehr Richtung Metallic auslegen, zwischen Sniperwing-Spoiler und vollem Rocket-Bunny-Kit entscheiden. Und wer’s protzig mag wie Meister Cube, der lässt einen vergoldeten Lamborghini Huracan aus der Garage tänzeln. Doch eigentlich geht es weniger um die schicken Schlitten im 2015er Need for Speed, mehr um japanische Driftschleudern, bezahlbare, aber PS-starke Mustangs und generell Autos mit etwas mehr Charakter.

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Von Driftkünstlern und Urban Outlaws

Laut Magnus Walker entfaltet ein Porsche erst durch Steinschläge, Matsch und Kratzer am Kotflügel seine Seele. Ein wilder Typ, dieser Walker. Sieht mit seinem ungepflegten Bart aus, als wäre er in den 60ern hängen geblieben, ist aber im echten Leben ein wohlhabender Mann, mit einer der größten Porschesammlungen der USA. Electronic Arts will Need for Speed wieder mehr Persönlichkeit und vor allem auch Authentizität geben.

Sagt mir gerne mal, wie wichtig euch eine gute Geschichte in einem Rennspiel ist, aber für mich persönlich bringt es einfach die nötige Atmosphäre. Es ist einfach cooler, wenn mir so ein Dude mit einer echten Vita ein High-Five gibt und sagt, was ich zu tun habe. Und keine Stimme aus dem Off, die Kommandos erteilt, als sei ich Sam Fisher und kein wilder Rowdy, der sich nur mit einem dutzend Cops am Heck wohlfühlt.

Need for Speed - Ken Block und der Dude statt Victoria-Secret-Models

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Das hier ist schon ein extrem cinematisches Erlebnis, vor allem die Go-Pro-ähnliche „ich häng mich aus dem Fenster“-Kurven-Kamera. Lässt sich aber deaktivieren.
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Wobei ihr diese Rolle gar nicht zwingend spielen müsst, was ich ganz spannend finde. Ihr könnt prinzipiell fünf Mentoren folgen und deren Fahrstile für euch entdecken: Walker steht auf „Speed“, für ihn müsst ihr Schisshase spielen, also mit 150 in den Gegenverkehr und erst im letzten Moment ausweichen. Oder euch in einem Tunnel in der Mitte durchquetschen. Je näher und länger ihr am anderen Auto dran seid, es aber nicht crasht, desto höher schießt die Punktzahl.

Ihr könnt aber auch sagen: „Ich scheiß auf das Gehabe, man gebe mir eine echte Herausforderung“, den Cops eine gewisse Geldsumme zahlen, das Ventura Bay Police Department rückt ab und ihr könnt mit dem Fahrstil „Style“ Ken Block beeindruckend. Mir gefällt das System ganz gut, weil ihr beispielsweise den Signature-Drift von Ken perfekt ziehen müsst, dadurch wird er auf euch aufmerksam, besucht euch in eurer Bude und hat vielleicht sogar Lust auf eine Zusammenarbeit.

Ein harter Reboot, der Laune macht.Ausblick lesen

Ventura Bay: Kunstdrifts oder lustiges Cops-Crashen?

Das neue Need for Speed wird im Marketing-Sprech zwar als Reboot tituliert, Underground 3 würde es aber besser treffen und das ist auch gut so. Es spielt ausschließlich bei Nacht, dadurch konzentrieren sich die Frostbite-Künstler voll auf Spiegelungen und blinkende Lichtschleier vom Sonnenuntergang bis Mondschein.

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Ventura Bay ist im Grunde Los Angeles, denn die Stadt der Engel ist der perfekte Spielplatz für Raser: die Hollywood Hills bieten endlos lange Kurven für richtig lang gezogene Drifts, wobei die gerne im fertigen Spiel etwas fordernder ausfallen dürfen, Donuts und Powerdrifts ziehen sich einmal aktiviert fast automatisch, ihr müsst nur sehr wenig ausbalancieren. Und in Downtown wartet natürlich richtig viel Verkehr und aggressive US-Cops, die mit ihren Ford Interceptor und Dodge Charger auf die Jagd gehen.

Auch im Polizeifuhrpark lautet das Motto Authentizität und weil L.A. nicht Dubai ist und die Polizei hier wirklich arbeiten muss, fahren sie keinen Lamborghini oder Bugatti Veyron, sondern Karren, die sich leicht verstärken lassen und für Ramm- sowie Drehmanöver gebaut sind. Die längere Entwicklungszeit hat dem Spiel gut getan, denn die Entwickler haben sich offensichtlich mal angeschaut, wie richtige Polizisten arbeiten. Die crashen nämlich nicht wie die Irren in das Zielobjekt rein, sondern versuchen es mit einem Stoß am Heck zum Drehen zu bringen, danach kreisen sie es mit weiteren Einsatzfahrzeugen ein.

Need for Speed - Ken Block und der Dude statt Victoria-Secret-Models

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Wer ein bisschen was für Autos übrig hat, der kommt bei so einem uralten Porsche aus 1972 (hatte ursprünglich mal nur 190 PS) schon ins Schwärmen.
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Interessant hierbei: nicht etwa ein Möchtegern-Hip-Hopper ist der Typ für den „Outlaw“-Fahrstil, sondern ein Japaner namens Morohoshi-San. Wer den mal googelt, findet eine interessante Doku über den Japaner, der einer Gang angehört, die ihre goldfarbenen Lamborghinis mit roter Unterbodenbeleuchtung und mehr Lightshow pimpen als in allen „Fast & Furious“-Teilen zusammen. Mutig von EA, einen Typen zu engagieren, der von sich selbst behauptet in der „legalen Grauzone“ zu arbeiten.

Auf jeden Fall passt er als Charakter für die Polizei-Herausforderungen und jede Figur versprüht auch eine andere Atmosphäre: Bei Ken Block sind das alles gute Kumpels in der Werkstatt, bei dem japanischen Gangster ist alles ein bisschen geheimnisvoller, verruchter, mit dunklen Filtern unterlegt. Wer ihn auf sich aufmerksam machen will, muss möglichst viele Cops hinterm Heck ansammeln und spektakulär in ihre Schranken weisen.