Wenn die Entwickler eines ohnehin nicht ganz ausgereiften Titels in weniger als einem Jahr schon mit der legitimen Fortsetzung um die Ecke biegen, darf man schon ein wenig beunruhigt auf dem Stuhl herumwippen. „Hatten die wirklich Zeit, sich frische Ideen auszudenken?“, könnte etwa eine berechtigte Frage lauten. “Was? Davon gab es einen ersten Teil?“, eine andere.

Nun war ja „Necrovision“ schon ein eher, sagen wir mal, günstig produziertes Projekt, gefertigt von einem guten Teil ehemaliger „Painkiller“-Macher. Mit etwas Fleiß und ähnlich viel Augenzwinkern wie im Vorgänger, wäre hier also einiges möglich gewesen. Doch „Necrovision 2: Lost Company“ bestätigt die verfrühte Sorge – „Lost“ ist hier lediglich das sauer ersparte Geld gefoppter Fans.

Necrovision 2: Lost Company - Skandal! Keine Nazizombies in unserem Video Review

Teil eins, die Zweite

„Im Ego-Shooter Necrovision 2: Lost Company erlebst du die mysteriöse Vorgeschichte des fulminanten ersten Teils aus einer völlig neuen Perspektive“, erklärt uns die Packungsrückseite. Die „anderer Blickwinkel“-Nummer also…zumindest reiht sich „Necrovision 2“ so in eine kleine Liste klangvoller Namen ein. In Gesellschaft von Topshootern wie „Bioshock 2“ oder „ Fear 2“ findet man sich auch nicht alle Tage.

Necrovision 2: Lost Company - Frechheit: Ein altes Spiel in neuer Verpackung

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Die "Gasmasken"-Missionen gab es bereits im Vorgänger. Wie eigentlich alles andere auch.
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Nur: Dieser andere Blickwinkel wird nicht selten dafür genutzt, einfach noch mal dieselben Elemente abzuhaken – aus Einfallslosigkeit, vielleicht Faulheit, möglicherweise Zeitknappheit oder Gier. Wirklich neue Einblicke gibt es ohnehin nicht, und – um den Bogen zu schlagen - auch „Necrovision 2“ macht da keine Ausnahme. Die „völlig neue Perspektive“ gilt hier lediglich als Synonym für „das exakt gleiche Spiel“.

Wo Teil eins uns noch in die Rolle eines kaltschnäuzigen Alliierten-Marines versetzte, der die fiesen, deutschen Soldaten zurück in die Hölle schickt (weil, das macht man halt so mit den fiesen Deutschen), kleidet uns „Necrovision 2“ nun – Achtung: Twist – in die eng geschnallte Ledermontur eines germanischen Befehlshabers. Und da erschöpfen sie sich die Unterschiede zum Vorgänger auch schon.

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Auch die Waffen - wie hier die Dämonenartefakte - kennen Spieler des ersten Teils längst.
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Auf der Packungsrückseite steht zwar irgendwas mit „Vorgeschichte“ – aber um ehrlich zu sein, hätten wir nicht einmal unter Androhung von Gewalt sagen können, um was es im ersten Teil eigentlich ging. Erst stundenlanges Geballer, dann kam noch ein Vampirartefakt hinzu und irgendwann hat man dann in der Hölle einen zwölf Stockwerke hohen Oberdämon aus den lodernden Pantoffeln geschossen. Ende. „Necrovision 2“ erwidert auf dieses Nichts von Handlung nun noch mehr „Nichts“, wirkt in Punkto Storyführung sogar noch etwas liebloser als der Vorgänger.

Voreilig nachgeschoben, billig produziert: Hier will man uns glatt den ersten Teil in neuer Verpackung andrehen.Fazit lesen

Der Rest gestaltet sich ernüchternd: Keine neuen Waffen, keine neuen Gegnertypen (zumindest ist es uns im allgemeinen Zombie-Wirrwarr nicht aufgefallen), keine neuen Grafiksets. Im Gegenteil: Etwa ab der Hälfte des Spiels schickt man uns gar in längst bekannte Levelabschnitte, bei denen sich Entwickler The Farm 51 nicht einmal die Mühe gemacht hat, das Gerümpel in den Innenräumen in eine andere Ecke zu stellen. Bei aller Liebe – aber mit DejaVus hat das nichts mehr zu tun.

Noch mal von vorne

Mit jeder verstreichenden Spielminute zeigt sich, dass hier nicht einmal der Versuch unternommen wurde, ein paar neue Ideen beizumengen. Abgesehen von zwei eher banalen Vehikel-Sequenzen, in denen man nun einen Doppeldecker anstelle eines Drachens fliegt und sich hinter das Steuer eines Panzers (statt eines Mechs) setzt, hätten alles abseits dessen genau so auch in der ersten DVD-Hülle stecken können.

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Statt Mech und Drache bemannen wir dieses Mal einen Doppeldecker und diesen Panzer. Anspruchsvoller wird es dadurch aber auch nicht.
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Die Landschaft sieht immer noch aus, als hätte sie jemand durch einen Korb brauner Bettwäsche abfotografiert, das Gestöhne der Zombies wirkt weiterhin eher belustigend als gruselig. Das hat, mit genügend Augenzwinkern betrachtet, im ersten Teil durchaus kurzweiligen Spaß vermittelt, wird beim zweiten Anlauf aber nicht origineller. Vor allem, weil uns nicht nur einmal der Verdacht beschleicht, dass hier einfach ein paar Programmfragmente des ersten Teils in aller Eile in einen Nachfolger gepresst wurden.

Einen großen Teil zum Ärger trägt allerdings auch der deutsche Publisher bei, dessen Namenswahl eher unpässlich erscheint. Im Original heißt „Necrovision 2“ nämlich schlicht „Necrovision: The Lost Company“ und suggeriert damit, dass es sich hier tatsächlich lediglich um ein rasch produziertes Update handelt – für eine Seriennummer im Titel ist das gebotene scheinbar selbst den Entwicklern zu wenig gewesen.

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Dieses Mal sind wir die Bös...äh Deutschen.
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Mit im fest verschnürten „Kennen wir schon“-Paket ist neben altbekannter Technik, Gameplay und Spielverlauf übrigens abermals die deutsche Zensur. Wo ein Großteil des Spaßes im Original nämlich durch die brachialen Kombos und deren blutiges Ergebnis entstehen, verpuffen sämtliche Gegner in der hierzulande arg geschnittenen Fassung zu Staub. Sieht doof aus und ist ärgerlich.