NBA Live 2006 (Xbox 360 Review)
von Nedzad Hurabasic

Im Starterfeld der Xbox 360-Spiele befindet sich auch die erste Next-Gen Basketball-Simulation NBA Live 06 von Electronic Arts. Von dieser Version des Sportspiels erwarten die Fans nicht weniger als bahnbrechende Neuerungen.

Nicht nur grafisch, auch spielerisch soll es das Tor zu einer neuen Spieledimension aufstoßen. Auch der Selbstanspruch des Herstellers, der "eine neue Ära des Basketball" einläuten möchte, gibt der hohen Erwartungshaltung Nahrung. Ob EA es schafft, nach der Enttäuschung von FIFA 06, wieder Boden gut zu machen?

NBA Live 2006 - Trailer 2Ein weiteres Video

Auf den ersten Blick haut einen NBA Live 06 fast um, vor allem die HD-Version lässt den einen oder anderen Kiefer herunterklappen und sorgt für ungläubiges Staunen. Die Spieler und das Spielfeld wirken verdammt realistisch, der Schweiß fließt an den Gesichtern herab, die Muskeln sind ausgeprägt und wirken fast so gut sichtbar, wie am eigenen Körper - wenn man denn welche hätte...

Die Grafik ist zwar auch auf einem Standard-TV noch sehr gut, der richtige Augenschmaus stellt sich aber nur bei einem Fernseher (oder Beamer) der neuen Generation ein. Insgesamt ist die Präsentatin des Spiels auf einem sehr, sehr hohen Niveau und vermag den Spieler absolut zu entzücken.Das beginnt schon beim Start des Spiels, wo wir uns in einer Arena wieder finden, die als Trainingshalle dient. Unter dem Korb dürfen wir zusammen mit Dwyane Wade (Miami Heat) die ersten Wurfübungen durchführen. Natürlich steht es dem Spieler jederzeit frei, sich seinen Wunschspieler aus der aktuellen Liste der NBA-Stars auszusuchen und mit ihm auf Korbjagd zu gehen - Dirk Nowitzki inklusive. Doch sobald sich die Augen und das Hirn auf die hervorragenden visuellen Eindrücke eingestellt haben, sickern auch schon die ersten Probleme ins Hirnzentrum durch und beginnen, den Spielspaß zu schmälern. Als erstes fällt, wie schon bei FIFA 06, ein deutliches Ruckeln auf, das immer wieder das Spielgeschehen beeinträchtigt. Eine optische Täuschung? Bewegen sich die Spieler so schnell, dass unser Auge nicht mehr folgen kann? Nein, die Darstellung wird tatsächlich immer wieder durch unangenehmene Ruckler unterbrochen, was auf Dauer doch ziemlich störend ist. Gelegentliche Aussetzer wären vielleicht noch verzeihlich - aber so geht's nicht, EA!

NBA Live 2006 - Nach der FIFA-Enttäuschung auf der XBox360: Steht EA wieder auf? Der schonungslose Test!

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Was eigentlich eines der besten Basketballspiele aller Zeiten werden sollte, entpuppt sich mit fortschreitender Spieldauer leider immer mehr als Rohrkrepierer. Natürlich hat der Spieler die Auswahl, ob er einfach so ein einziges Match spielen möchte oder gleich eine ganze Saison. Wer sich für den Saison-Modus entscheidet sei gewarnt: Am Ende der Play-Offs ist Schluss. Egal welchen Platz ihr belegt, die Resultate können nicht weiterverwendet werden, es wird immer nur eine "Season" gespielt.

Packshot zu NBA Live 2006NBA Live 2006Erschienen für GameCube, PC, PS2, PSP und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Unverständlich, warum der Modus nicht zu einer Langzeiterfahrung aufgebohrt wurde. Soll da etwa einem eventuell folgenden Management-Game nicht das Wasser abgegraben werden?Doch zurück zum Gameplay. Sobald ein Spiel gestartet wird fühlt sich der Spieler zunächst vollkommen in der (amerikanischen) Welt des Basketballs zuhause. Die Spieldarstellung ist aufgemacht wie bei einer Fernsehübertragung, die Kommentatoren labern allerdings auf Englisch. Das ist authentisch, auch wenns nicht jedem deutschen Fan schmecken wird. Die fachkundigen Sprecher machen ihren Job aber sehr gut und lassen den einen oder anderen coolen Spruch ab.

Auch die ersten Eindrücke des Gameplays sind eigentlich noch überzeugend, die Animationen der Spieler sind flüssig und die Grund-Steuerung ist denkbar einfach. Eine Taste dient für Würfe, eine ist für das Passen zuständig, eine für Dunks und Korbleger und die vierte kann für Pro-Hob-Moves und Power-Dribblings eingesetzt werden. Der rechte Stick ist zusätzlich für die "Freestyle"-Kontrolle vorgesehen, was allerdings nicht wirklich effizient ist.Im Prinzip funktioniert das alles auch ziemlich solide und lässt durchaus Basketball-Feeling aufkommen. Doch schon nach kurzer Zeit fallen einige Ungereimtheiten auf, die den Spielspaß in den Keller ziehen. Eines der größten Probleme sind Fehler in der Kameraausrichtung bzw. mangelnde Feinjustierbarkeit der Perspektive. Zum einen gibt es nur vier wählbare Beobachter-Einstellungen, die aber relativ starr gehalten werden und dadurch nicht erlauben, optimale Sicht auf das Spielgeschehen zu erhalten.

Meist hat der Spieler einfach das Gefühl, viel zu weit vom ballführenden Spieler entfernt zu sein und dadurch nicht die Kontrolle über das eigene Spiel zu haben. Solange das Spiel langsam vorgetragen wird, fällt das noch nicht zu schwer ins Gewicht. Wer aber beispielsweise einen Konter vortragen will, bekommt ein großes Problem: Die Kamera schaltet einfach nicht schnell genug um, sodass der Spieler, der den Ball erhält, noch gar nicht im Sichtfeld auftaucht.

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Auf diese Weise ist der Spieler gezwungen, teilweise sekundenlang blind zu spielen oder darauf zu warten, dass die Kamera dem Ball endlich folgt. Eine Katastrophe! Deshalb kann es auch passieren, dass der Spieler bei Einwürfen in der Hektik des Geschehens einen Spieler auswählt, der sich außerhalb des Spielfelds befindet, und dadurch den Ball gleich wieder verliert. Da geht einem die Hutschnur auf. Stichwort Spielfeld: Aufgrund der oft sehr eingeschränkten Sichtverhältnisse passiert es bei Dribblings öfter, dass der Spieler sich außerhalb des Feldes befunden haben soll, obwohl er in Augen des Spielers noch nicht einmal in der Nähe der Linie war.

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Auch die KI der Computer-Mitspieler ist nicht wirklich gut gelungen. Oft stehen sie teilnahmslos herum und bewegen sich selbst dann nicht selbstständig zum Ball, wenn er ihnen vor die Füße springt. Überhaupt sind die eigenen Mitspieler viel zu passiv, was in der Defensive naturgemäß deutlicher zum Vorschein kommt als in der Offensive, wo der Spieler ohnehin das Spiel bestimmt.

In der Defensive kann die basketball-typische Verteidigungs-Position eingenommen werden, allerdings wirkt sie von der Darstellung her ein wenig zu übertrieben, fast schon affenähnlich.Solange der Spieler dabei den Laufweg des Gegenspielers abdeckt, kann nicht viel passieren und der KI-Gegner wird in der Regel versuchen, den Ball zu passen. Falls man versucht den Ball zu stehlen und dies misslingt (was meistens der Fall ist), geht der Kontrahent leicht am Alter-Ego vorbei und hat freie Bahn zum Korb, da die computergesteuerten Mitspieler den Weg nicht zumachen. Das ist ärgerlich und fällt auch bei Kontern auf, wo sich die Spieler der eigenen Mannschaft nicht schnell genug nach hinten bemühen und so ständig leichte Gegentreffer kassiert werden. Wegen der nicht folgenden Kamera erzielt der Gegner häufig auch Körbe, ohne dass der Spieler überhaupt in der Lage wäre, einzugreifen.

Wie Basketball-Fans wissen, sind Freiwürfe ein wichtiger und oft auch essentieller Bestandteil des Spiels. Sie entscheiden häufig über den Ausgang der Matches und daher muss jeder Spieler ihre Ausführung beherrschen.Leider ist dies einer der misslungensten Teile des Spiels - ihre Steuerung ist eine Zumutung und kann nur als verunglückt bezeichnet werden. Der Spieler soll die Freiwürfe mit dem rechten Analogstick ausführen, indem er ihn in einer "fließenden" Bewegung von unten nach oben führt. Während die Gegenspieler ihre Würfe zu etwa 90 Prozent verwandeln, pendelten sich unsere "Glücksschüsse" bei etwa zehn Prozent Trefferquote ein. Was das für unsere Siegchancen bedeutet, muss nicht extra erwähnt werden, oder? Das ist umso schlimmer, da dies im Trainingsmodus nicht geübt werden kann. Erst nach ewigen Stunden gelingt es, die Trefferausbeute auf ein halbwegs erträgliches Niveau anzuheben. Doch das kann nicht im Sinne des Erfinders und erst recht nicht in dem der Spieler sein.

Die Moral der Geschichte? Im Online-Modus foulen sich die Spieler ständig gegenseitig, um den anderen an die Freiwurf-Linie zu zwingen. Das hat mit Basketball aber nicht mehr viel zu tun.

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Im HD-Modus ist die Darstellung des Spiels, wie schon beschrieben, vortrefflich gelungen. Allerdings gilt das auf Standard-TVs mit einigen Einschränkungen. Zum einen sind die Spieler nicht mehr ganz so detailliert (aber trotzdem noch prächtig) präsentiert. Auf der anderen Seite ist den Menüs anzumerken, dass sie für hohe Auflösungen konzipiert sind.

Die Lesbarkeit auf älteren Glotzen leidet, da die Schrift zu klein ist. Der Klang des Spiels ist allerdings auf einem durchweg hohen Niveau. Die Sprecher sind Profis, da gibt es kein Wenn und Aber.

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Basketball-Fans werden sich an den englischsprachigen Kommentaren vermutlich auch nicht weiter stören. Der Hip-Hop-lastige Soundtrack lässt keine Wünsche offen und passt bestens zum Spielgeschehen. Während der Matches macht eine realistisch mitgehende Zuschauerkulisse dem eigenen Team Mut und feuert es an.

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Basketball-Fans werden sich an den englischsprachigen Kommentaren vermutlich auch nicht weiter stören. Der Hip-Hop-lastige Soundtrack lässt keine Wünsche offen und passt bestens zum Spielgeschehen. Während der Matches macht eine realistisch mitgehende Zuschauerkulisse dem eigenen Team Mut und feuert es an.